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- als signiertes Exemplar -
(zum Preis von 19,80 EURO - 264 Seiten, gebunden)
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Leseprobe aus "Gasparan oder Die letzte Fahrt des Francis Drake" Anfang: Freitag, den 29. August [8. September] 1595 NachwortFinanziell minderbemittelt zu studieren - was kommt dabei heraus? Nun ja, während des Studiums hat man heutzutage immerhin die Wahl, viel - wie es heißt - jobben zu gehen oder wenig. Wählt man die erste Möglichkeit, wird man sein Studium entsprechend langsam abschließen und hoffentlich als Ausgleich eine gute Endnote einhandeln. Für die zweite Möglichkeit, für die ich mich entschied, gilt in jeder Hinsicht das Umgekehrte. Natürlich schließen einige wenige auch dabei ihr Studium gut ab. Nur zähle ich da zu den vielen, vielleicht nicht nur da.Während einer meiner Jobber-Einsätze hatte ich jedenfalls in Berlin die Aufgabe, den Dachspeicher einer alten Tabaksfabrik - Miller-Tobacco - auszuräumen. Auf dem Weg zu mehr "Effizienz" und "Rentabilität" - oder wie immer heute umschrieben wird, ob sich etwas "rechnet" oder nicht - hatte die Tabaksfabrik dichtmachen müssen. Ihre Besitzer hatten das Traditionsunternehmen verkauft. Nun stand die Umwandlung des Backsteinbaus in ein modernes Wohnhaus an, das heißt, daß darin Wohnungen eingerichtet wurden, deren Modernität nur die bezahlen können, für die sich sowieso immer alles rechnet. Ich war dabei der, der den Speicher zu räumen hatte für einen zukünftigen "Loft". Unter allen Jobs, die mir das Studium so schnell abschließen halfen, zählte jener als Speicherausräumer noch zu den angenehmsten. Besser als Schokolade in Weihnachtspyramiden zu stapeln oder Coca-Cola-Automaten nachzufüllen. Zum Glück war die zuständige Reinigungsfirma so sehr "umsatzorientiert", daß auch die "Supervisoren" keine Zeit fanden, ihre auf verschiedenen "Objekten" eingesetzten Jobber wirklich zu kontrollieren. So hatte ich genug Ruhe, den Speicher derart effizient auszuräumen, daß ich alle dort noch gelagerten Gegenstände eingehend untersuchen konnte. Die kostbaren Stücke hatte man allerdings längst zur Seite geschafft. Trotzdem konnte ich in den Schränken und vielen Kisten, unter fingerdickem Staub und zwischen Taubendreck und Spinnweben noch ein paar Dinge aufklauben, die sich jedenfalls für andere nicht mehr rechneten. Einige davon tragen heute noch dazu bei, meine Wohnung vollzustellen. Und ein bestimmtes dieser Dinge ist dann zu dem geworden, was jetzt hübsch gedruckt und gebunden vorliegt. Nachdem ich bereits Unmengen an brüchigen Tabakskisten, an Metallringen und Dauben alter Tabaksfässer fortgeschafft hatte, stieß ich in einer dunklen Ecke auf einen wurmstichigen Schrank. Seine schön gedrechselte Dekoration war zum größten Teil herausgebrochen oder auf irgend eine Weise weggerissen. Trotzdem war der Schrank abgeschlossen, und im Schloß fehlte der Schlüssel. Voller Eifer schnappte ich mir das Brecheisen, das man mir zusammen mit anderem Werkzeug gegeben hatte. Wie ein Goldsucher kam ich mir vor, als ich die Tür aufbrach. Aber was ich in dem Schrank fand, waren nichts als Lagen von abgehefteten Bürounterlagen, Gebrauchsanweisungen über Takaksmaschinen und Werbebroschüren, alles verklebt, vergilbt oder verrottet. So alt waren die Schriften, daß manche noch in Fraktur gesetzt waren. Wenn ich auch heute vielleicht anders darüber denken würde - damals kamen mir diese Papiere völlig nutzlos vor. Außerdem war ich einfach ärgerlich, nachdem ich mich so in meine Neugier hineingesteigert hatte. Also weg mit dem ganzen Plunder, dachte ich. Ich zerrte den Schrank an die Dachluke und fing an, seinen Inhalt in das Maul einer dieser Plastikrutschen zu stopfen, die heute bei jeder Bausanierung verwendet werden. Als dann der Schrank bereits um einiges Gewicht erleichtert war und ich schon überlegte, wie ich ihn am besten auseinanderbrechen würde - da hielt ich eine Mappe in den Händen, die mit Schnur und einem Wachssiegel verschlossen war. Nur dieses Wachssiegel erregte im Grunde meine Aufmerksamkeit. Wäre dieser altmodische Verschluß nicht gewesen, so läge der Bericht des Heinrich Hasebeck heute mit Sicherheit auf irgendeiner Müllkippe. Nachlässig rieß ich das Siegel entzwei (und fütterte damit leider die unersättliche Rutsche). Zu meiner Überraschung enthielt die Mappe eine Menge handgeschriebener Bögen, und es handelte sich einmal nicht um technische, "verkaufstechnische" oder dergleichen Texte als vielmehr um irgendwelche privaten Aufzeichnungen. Wirklich lesen konnte ich das Geschriebene allerdings nicht. Ich hatte es mit einer alten "deutschen Schrift" zu tun. Nur die einzelnen Kapitelüberschriften konnte ich mühelos verstehen. Sie lauteten nur auf die jeweiligen Datumsangaben. Wenigstens war mir bewußt, daß ich es mit einer Art Unikum zu tun hatte. So legte ich die Mappe beiseite und nahm sie am Ende meines Arbeitstages - zusammen mit anderen Dingen - mit nach Hause. Immerhin war damit die Mappe zunächst gerettet. Hin und wieder zeigte ich sie in der folgenden Zeit Freunden von mir, rein um der Kuriosität willen. Vor allem ließ sich das Papier prima befühlen, das, wie ich später lernte, hochwertiges Büttenpapier ist. Einmal machte jemand den Vorschlag, den Text irgendwie untersuchen zu lassen. Mir aber war das irgendwie zu viel Aufwand. Erst Jahre später, als ich gelernt hatte, Worte halbwegs geordnet hintereinanderzusetzen, wurde mir die Bedeutung der Mappe klar. Weil ich eine umfangreiche Biographie über Johannes Gutenberg verfaßte, mußte ich viel in alten Dokumenten blättern. Notwendig hatte ich mich mit den früheren Formen einer "deutschen Schrift" abzuplagen. So zog ich eines Tages endlich meinen Dachspeicherfund wieder hervor. Ich weiß noch, wie ich dieses Mal die Mappe anders zur Hand nahm, mit Vorsicht, mit einer gewisse Bewegtheit. Immerhin wußte ich "Historisches" bis dahin zu schätzen. Ich sah mir zunächst die Schrift genauer an. Nur wenig Rand ist auf dem noch immer schneeweißen Papier gelassen worden. So schwungvoll sind die Buchstaben geschrieben, daß sich die Ober- und Unterlängen gerade nicht berühren. Sieht aus wie ein ornamentales Gewebe, dachte ich. Dann begann ich zu lesen: "Großartig, wenn man frei sprechen kann! Sie haben mir nicht viel gelassen, die Schlepper, als sie mich am letzten Sonntag, an einem Sonntag ausgerechnet, mit sich zerrten [...]" usw. Bald brauchte ich wenigstens nicht mehr Stunden, um zwei oder drei Seiten zu entziffern. Ich erkannte, da hatte jemand offensichtlich im zwanzigsten Jahrhundert das Tagebuch jenes Heinrich Hasebeck bearbeitet, der am Ende des siebzehnten Jahrhunderts gelebt hatte. Und dieser Jemand kann nur der Fabrikbesitzer Peter Miller gewesen sein. Denn auf dem letzten Blatt des Manuskripts findet sich, wie verschämt in die untere rechte Ecke geschrieben, das Kürzel "P. M.". Fast zwei Wochen lang war ich telefonisch nicht zu erreichen, und nach der Lektüre fühlte ich mich geradezu verpflichtet, das von Peter Miller bearbeitete "Buch" des Heinrich Hasebeck in einem Verlag erscheinen zu lassen. Leider dauerte es noch eine qualvoll lange Zeit, ehe sich dann der Benziger-Verlag bereit erklärte, (Millers Bearbeitung von) Hasebecks Tagebuch zu veröffentlichen. Zur Person des Peter Miller kann ich kaum etwas mitteilen. Nahezu sein ganzes Leben über muß er jene Tabaksfabrik geleitet haben. Vielleicht habe ich meine Nachforschungen nicht mit der nötigen Intensität betrieben. Aber es verblüfft doch, daß sich seine Lebensdaten von selbst nicht offenbaren. Fast habe ich den Eindruck, als wären alle Spuren seines Lebens verwischt worden. Immerhin erinnerte ich mich an den Namen einer Sekretärin von Miller-Tobacco. Gnädigerweise durfte sie damals noch, als ich den Dachspeicher auszuräumen hatte, bei der "Abwicklung" des Betriebes helfen. Diese liebe Frau konnte mir so weit helfen, als sie für mich die Anschrift eines der früheren Fabrikarbeiter ausfindig machte. Aber auch der alte Herr, den ich dann aufsuchte - der noch heute, wie er nicht ohne Stolz bemerkte, täglich einen Liter Milch trinke, wie das bei seiner Arbeit üblich gewesen sei -, wußte merkwürdigerweise kaum etwas über das Privatleben seines früheren Chefs. Studiert habe Miller, in England, so viel er wisse, in den Jahren, als die Nazis noch nicht an der Macht waren. Er habe auch ganz das Bild dieser Engländer abgegeben. Selten habe man ihn zu Gesicht bekommen, auch nicht die Büroarbeiter, manchmal tagelang nicht. Dabei sei er nicht verheiratet gewesen. Mit einer zu seinem Leben gewordenen Atembewegung hielt der Alte seine Pfeife am Brennen. Immerhin war bezeichnend, wie er über Miller sprach. Alle hätten ihm viel Respekt gezollt, obwohl er sich wie ein Kumpel verhalten habe. Ein großes Herz habe er gehabt, und als Arbeiter sei man von ihm anständig behandelt worden. Aber bei allem Zugeständnis in die Selbständigkeit des einzelnen Arbeiters - zu der man sogar angehalten worden sei - habe Miller immer auf Pflicht und Ordnung bestanden, das noch stärker in seiner letzten Zeit als Chef. Bis zum Schluß habe er alles daran gesetzt, die Firma erfolgreich weiterzuführen. Er habe, sagte der Alte paffend, immer das Gefühl gehabt, Miller sei es darum gegangen, daß jeder seiner Arbeiter gesichert im Leben stehe. Während der Jahre nach ihm sei das ja weiterhin gutgegangen. Aber heute sehe das wohl anders aus. Er sei jedenfalls froh, heute nicht mehr arbeiten zu müssen. Viel mehr als diese Informationen konnte ich von dem alten Pfeifenraucher nicht gewinnen. Irgendwann zu Beginn der sechziger Jahre habe Miller die Leitung der Firma abgegeben. Nur hin und wieder habe man ihn noch zu Gesicht bekommen. Immer nachdenklich und irgendwie zerstreut habe er dann ausgesehen. Wann Peter Miller starb, konnte auch der Alte nicht sagen. Vielleicht habe er noch lange gelebt, sagte er abschließend. Und zur Person des Heinrich Hasebeck selbst - nun ja, ich gestehe, daß ich mir nicht die Mühe gemacht habe, etwa in Lübeck Archive aufzusuchen. Ich hatte noch die Arbeit an meiner Gutenberg-Biographie vor Augen, und sowieso ist es mir schon als Student schwergefallen, mich mit einem Forschungsgegenstand eher methodisch psychoanalytisch, immanent, soziologisch zu beschäftigen als mit dem Gegenstand selbst. Ohne weiteres kann ich aber feststellen, daß Hasebecks Diktion ungewöhnlich ist. Reiseberichte wurden zwar zu seiner Zeit in vielfältigster Form veröffentlicht. Ich denke da etwa an die zahlreichen Ausgaben der Reisebriefe Vespuccis, an Pigafettas Beschreibung der ersten Weltumsegelung unter Magellan, an Cortes' Niederschrift über seine Eroberung Mexikos oder - stellvertretend für die vielen Reiseberichte, die ideologisch die europäische Kolonisation der ganzen Welt propagierten - an die große Berichtsammlung Richard Hakluyts über die englischen Seeunternehmungen. In Europa gierte man geradezu nach Informationen über neu entdeckte Erdteile, Menschen und fabelhafte Wesen. Obwohl oft distanziert, ironisch, kritisch, manchmal auch kritisch gegenüber der eigenen Zivilisation, sind aber alle Berichte der sogenannten Entdeckungsfahrten rein deskriptiv. Denn die meisten der veröffentlichten Berichte jener Zeit waren "offiziell" verfaßte Beschreibungen. Dabei war bestimmt nicht gefragt, "analytisch" die eigene Person in den Vordergrund zu rücken. Hingegen liest sich Hasebecks Tagebuch recht modern reflektierend. Es finden sich darin ja oft die eigenen Gedanken, Überlegungen, Befürchtungen ausgedrückt. Das scheint nun eher darauf zu verweisen, daß Peter Miller den ihm überlieferten Text nicht nur übersetzt und mit ein paar Fußnoten versehen hätte. Andererseits hatte Hasebeck selbst sein Tagebuch offensichtlich nicht zu einer späteren Veröffentlichung bestimmt. Es war einfach sein wichtigster "Kommunikationspartner", dem er alles anvertraute. Warum sollte also ein halbwegs aufgeklärter Mensch am Ende des sechzehnten Jahrhunderts nicht so gedacht und kommuniziert haben? Nur schade, daß ich Hasebecks originalen Bericht nicht vorweisen kann, daß dieser anscheinend verloren ist. Vielleicht war ich sogar derjenige, der damals beim Speicherausräumen das Tagebuch in irgendeinem Behältnis, einem Kistchen oder Mäppchen, durch jene Rutsche auf immer verschwinden ließ. Es wäre ja möglich, daß Miller, wenn er schon seine überarbeitete, eigene Fassung in dem Speicher unter Verschluß hielt, auch das Original-Tagebuch dort aufbewahrt hätte. Zum weiteren Verlauf von Francis Drakes (und John Hawkins') Plünderungsfahrt kann ich immerhin soviel beisteuern: Mit dem irrsinnigen Versprechen auf andere karibische Schätze hatte Drake die Flotte von Nombre de Dios westwärts in eine Bucht mit dem bezeichnenden Namen Golfo de los Mosquitos geführt. Dort wartete man vergeblich auf ein Umschlagen des Windes, zwölf tödliche Tage lang. Zu Hunderten starben die Männer. Am Abend des 6. Februar 1596, des 27. Januar alter Zeit, begann dort auch Drake zu delirieren. Mit schlimmsten Flüchen, gerichtet gegen vermeintliche Verräter, muß er während der Nacht getobt haben. Nachdem er sich von William Whitelocke noch seine Uniform hatte anlegen lassen, legte er sich am Morgen erschöpft ins Bett und starb an diesem 7. Februar. Es läßt sich denken, wie in der Literatur die letzten Stunden des Sir Francis Drake gewöhnlich beschrieben werden! Das muß ich nicht ausführen. Für die Überlebenden konnte es nur darum gehen, daß die Flotte endlich sicher nach Hause geleitet werde. Dazu wurden Thomas Baskerville zum Befehlshaber und Thomas Drake zu seinem Stellvertreter ernannt. Die Engländer mußten wissen, daß ihnen spanische Kriegsschiffe auf den Fersen waren. Also wollten sie dieser Gefahr ausweichen, indem sie wieder die Südküste der Karibik ansteuerten. Allerdings hatten die Spanier gar nicht so taktisch gedacht, den Engländern den üblichen Rückweg durch die Straßen von Yucatán und Florida abzuschneiden. Ihre modernen, Apostel genannten Galeonen hatten zunächst Cartagena angesteuert, wo sie reorganisiert wurden. So fuhren die Engländer geradewegs auf sie zu. Zwar drehten sie wegen widrigen Wetters rechtzeitig nach Norden ab, wurden aber von den Spaniern gesichtet und nun direkt verfolgt. An der Isla de Pinos im Süden Kubas trafen die beiden Flotten aufeinander. Je nach Standpunkt verteidigten sich die Engländer bravourös oder wurden sie von den Spaniern schmachvoll aus der Karibik vertrieben. Die englischen Schiffe, die bis dahin noch zusammengehalten hatten, trennten sich spätestens auf dem Atlantik. Mitte Mai trafen dann die letzten in englischen Häfen ein. In welchem Zustand solche Schiffe heimkehrten, findet sich ja in Hasebecks Bericht beschrieben. Und eigentlich wird darin auch schon die Frage beantwortet, wie es all den Namenlosen erging, die Drakes Todesfahrt überlebten. Zu jener Zeit waren alle sozusagen offiziellen Piratenunternehmungen privat finanziert. Sie mußten Gewinn abwerfen. Und blieb der einmal aus, wie in dem hier vorliegenden Fall, so scheint nichts so typisch gewesen zu sein, insbesondere für englische Verhältnisse, als daß die leer ausgingen, die ihre Forderungen nicht durchsetzen konnten. Viele Seeleute konnten sowieso nicht von den Strapazen genesen und siechten ihr weiteres Leben dahin. Die Finanziers hingegen, zu denen oft genug die Königin zählte, versuchte man so gut es ging zu entschädigen. Sogar nach der Abwehr der spanischen Armada wurde den Seeleuten die Heuer verweigert. Und im Jahr darauf, 1589, entlohnte man den erfolglosen - und für Tausende von Männern tödlichen - Einsatz gegen die iberischen Häfen mit ganzen fünf Schillingen pro Person. Da nutzte es auch nichts, daß sich einige Hundert Soldaten auf den Weg nach London machten, bewaffnet. Sie wurden von der Bürgerwehr gestellt. Ihre Anführer knüpfte man auf. Und wie mag Gasparans Tagebuch die Zeiten überdauert haben? Zu all denen, die auf dieser Fahrt den Tod fanden, zählte auch Drakes wichtigster Navigator, Abraham Kendall. Nun ist überliefert, daß zu dessen Habseligkeiten ein Handbuch der Navigation gehörte, eine Abschrift der bis dahin noch unveröffentlichten Certaine Errors in Navigation des Edward Wright, die dem Earl of Cumberland übergeben wurde. (Siehe David W. Waters: Elizabethan Navigation, S. 31, in der von Norman J. W. Thrower herausgegebenen Essay-Sammlung Sir Francis Drake and the Famous Voyage, 1577-1580; Berkeley, Los Angeles, London 1984.) Abraham Kendalls Hinterlassenschaft hatte also ihren Weg zurück nach England gefunden. So kann diese Tatsache als Indiz dafür genommen werden, daß auch Hasebecks Tagebuch in Kendalls Besitz gewesen sein muß. Weiter kann ich nur spekulieren. Vielleicht ist das Tagebuch ebenfalls dem Earl of Cumberland ausgehändigt worden und später in irgendeiner privaten Kiste verschwunden oder in einem Archiv gelandet oder in den Besitz eines Handschriftenhändlers gelangt. Jedenfalls hätte dann der Besitzer, schon dieser Earl vielleicht, nichts damit anfangen können. Es muß ja auf Niederdeutsch verfaßt gewesen sein. Und wenn dann alle Spekulation nicht mehr weiterhilft, bleibt wenigstens noch die Phantasie, etwa dahin: In den zwanziger Jahren hätte in England ein junger deutscher Student von einer adeligen Dame ein unansehnliches Heft in die Hand gedrückt bekommen, verbunden mit den Worten: Schauen Sie sich das einmal an, mein Herr! Ist das nicht in Ihrer Sprache verfaßt? Sofort wäre Peter Miller Feuer und Flamme gewesen, und die Dame hätte ihm das Heft wenn nicht überlassen, dann zur Verfügung gestellt. An "Technischem" zur Art der Herausgabe habe ich nur soviel zu erläutern: Die mir vorliegende Fassung des Tagebuchs habe ich unverändert gelassen, auch wo in dem Text gewisse Ortsbezeichnungen erscheinen, die heute anders lauten müßten wie etwa Guadeloupe statt Guadalupe. Nur bei den Datumsangaben habe ich die Namen der entsprechenden Wochentage und in Klammern die Daten unseres heutigen, gregorianischen Kalenders nachgetragen. Darüber hinaus habe ich eine Liste der wichtigsten Personen und deren jeweiliger Funktion angefügt. Um einen einzigen, schwerwiegenden "Kommentar", wenn man so will, kam ich allerdings nicht herum. Ein Buch braucht ja einen Titel. Nun hat der in Zeiten, wo sich alles rechnen muß, klingend zu sein. Deswegen konnte Heinrich Hasebecks Tagebuch nicht so heißen, wie es allein angemessen gewesen wäre: "Das Tagebuch des Heinrich Hasebeck." Weil aber Hasebeck als Autor sowieso herausgestellt ist, habe ich mich entschlossen, einmal einen der ewigen Verlierer aufs Titelblatt zu setzen. |
Weitere Bücher von Andreas Venzke
"Der 'Entdecker Amerikas' - Aufstieg und Fall des Christoph Kolumbus". Benziger-Verlag, Zürich 1991
"Christoph Kolumbus" [rororo-Monographie]. Rowohlt-Verlag, Reinbek 1992
"Johannes Gutenberg - Der Erfinder des Buchdrucks" [Kontroverse zu diesem Buch ]. Benziger-Verlag, Zürich 1993
"Veit und ein anderer Tag". Oetinger-Verlag, Hamburg 1996
"Zwei Fluchten". Oetinger-Verlag, Hamburg 1997
"Tarzan auf dem Mammut". Oetinger-Verlag, Hamburg 1998
"Carlos kann doch Tore schießen". Verlag Nagel & Kimche, Zürich 1999
"Der Grasesser". Patmos-Verlag, Düsseldorf 2001
"Pioniere des Himmels - Die Brüder Wright. Eine Biografie". Verlag Artemis & Winkler, Düsseldorf 2002
"Goethe und des Pudels Kern". Arena-Verlag, Würzburg 2007
"Luther und die Macht des Wortes". Arena-Verlag, Würzburg 2007
"Gutenberg und das Geheimnis der Schwarzen Kunst". Arena-Verlag, Würzburg 2008
"Humboldt und die wahre Entdeckung Amerikas". Arena-Verlag, Würzburg 2009
"Schiller und die Freiheit des Geistes". Arena-Verlag, Würzburg 2009
"Leben für den Frieden". Arena-Verlag, Würzburg 2009
"Ötzi - Die Verfolgungsjagd in der Steinzeit". Arena-Verlag, Würzburg 2011
"Scott, Amundsen und der Preis des Ruhms". Arena-Verlag, Würzburg 2011
"Kleist und die zerbrochene Klassik". Arena-Verlag, Würzburg 2011
"Berlin Berlin - Geschichte einer Nation". Arena-Verlag, Würzburg 2011
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