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"Leider habe ich das Buch nicht fertig gelesen. Es war stinklangweilig! Außer dass die Sachkapitel sehr interessant sind. Note: 5"
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Leseprobe aus "Humboldt und die wahre Entdeckung Amerikas" 7. Die Entdeckung der Neuen WeltFür das neue Jahr 1800 haben wir etwas ganz Großes geplant. Wir wollen den Fluss Orinoko erkunden, was noch kein Forscher getan hat. Auf seinem Lauf wollen wir nach Süden vorstoßen, um herauszufinden, ob der Orinoko und der Amazonas über andere Flüsse miteinander verbunden sind, dass man mit dem Boot also vom einen Strom zum anderen gelangen kann. Das wäre einzigartig. Im Februar 1800 brechen wir zu dieser über 3000 Kilometer langen Reise ins Unbekannte auf.In welche andere Welt wir gelangen! Haben wir zu Beginn noch üppige Landschaften an der Küste besucht, gelangen wir im März in die Llanos. Das sind unermesslich weite Ebenen, wo es nicht einmal Hügel gibt, auch keine Bäume, sondern nur Gras, soweit das Auge reicht. Da die Sonne in diesen Breiten senkrecht am Himmel steht, bringt sie diese Grasebenen zum Glühen. Wir können mit unseren Führern und den schwer beladenen Maultieren nur nachts marschieren. Immer versuchen wir eines der wenigen primitiven Gehöfte zu erreichen. Dort gibt es eine Wasserstelle und wir können den Tag vor der Sonne geschützt zubringen. Die Menschen leben in diesen Steppen fast nur auf dem Rücken ihrer Pferde und gehen nicht den kleinsten Weg zu Fuß. Sie halten sich Rinder, die sie mit einem Brandzeichen versehen und frei laufen lassen. Überall schwärmen in der Steppe Scharen verwilderter Stiere, Pferde und Maulesel umher. Einmal werden für uns solche Pferde zum Fischefangen zusammengetrieben. Wir haben gehört, dass es in den Sümpfen Zitteraale gibt, die ihre Beute mit Elektrizität töten. Ich möchte diese Tiere gern untersuchen. Nur wie kann man sie lebend fangen? Die Indianer dieser Gegend helfen mir, indem sie wilde Pferde in den Sumpf jagen. Die Zitteraale verteidigen sich mit elektrischen Schlägen. In weniger als fünf Minuten sind bereits zwei Pferde ertrunken. Wenn die Zitteraale sich verausgabt haben, kann man sie mit an trockenen Stricken befestigten Harpunen fangen. Vier Stunden lang experimentieren wir mit den gefangenen Exemplaren. Weil ich unvorsichtigerweise beide Füße auf einen Zitteraal setze, habe ich noch den ganzen Tag lang Schmerzen in fast allen Gelenken. Als endlich die Llanos hinter uns liegen, lassen wir am Rio Apurè, einem Nebenfluss des Orinoko, eine Piroge ausrüsten, ein langes und flaches Boot, das wir mit einem Steuermann und vier Indianern bemannen. Dann umgibt uns tiefste Einsamkeit. Wir sind in einem Gebiet, das nur von Tigern, Krokodilen und Wasserschweinen bewohnt ist – und von Fledermäusen, die einmal sogar unsere große Dogge in die Schnauze beißen. Sonst wird man ohne Unterlass von den Insekten gepeinigt. Sie stechen sogar durch die Kleider hindurch und kriechen in Nase und Mund, sodass man husten und niesen muss, sobald man spricht. Nach ein paar Tagen sehen wir zum ersten Mal den Orinoko. Eine ungeheure Wasserfläche, einem See gleich, dehnt sich vor uns aus. Nach vielen weiteren Tagen entscheiden wir uns an einer Flussmündung, den Orinoko zu verlassen, um weiter nach Süden voranzukommen. So fahren wir den Rio Atabapo entlang, was vielleicht ein Fehler ist. Denn bald erfahren wir von den einheimischen Indianern, dass der Pimichin, ein Nebenfluss des Rio Negro, wiederum ein Nebenfluss des Amazonas, ganz in Reichweite liegt, es aber zwischen beiden keine Verbindung gibt. Doch möchte ich zu gern weiter nach Süden vorstoßen, eigentlich in den Amazonas selbst gelangen. So könnten wir den ganzen südamerikanischen Kontinent durchqueren! Also lasse ich die Piroge von über 20 Indianern über Land tragen. Das dauert geschlagene vier Tage. Auf dem Rio Negro treffen wir auf einen Ort namens San Carlos – der uns plötzlich Grenzen setzt. Denn San Carlos gehört bereist zum portugiesischen Brasilien und wie ich erfahre, ließe man uns dort nicht friedlich weiterziehen. Wegen der politischen Zustände in Europa sind Spanien und Portugal überkreuz. So treten wir nach drei Tagen die Rückreise an, und zwar weiter auf den Rio Negro, der Grenzfluss ist. Wir wissen nämlich inzwischen sicher, dass vom Rio Negro doch ein Fluss zum Orinoko abzweigt, der Casiquiare, unsere gesuchte Verbindung. Die finden wir tatsächlich einige Tage später, womit unsere Reise gekrönt ist. Nur ist die Fahrt auf dem Casiquiare am strapaziösesten. Nie waren uns Hände und Gesicht von den Insektenstichen derart geschwollen. Der Pflanzenwuchs ist so üppig, dass man einen 400 Meter breiten Kanal vor sich hat, den zwei ungeheure, mit Laub und Lianen bedeckte Wände einfassen. Wir versuchen oft zu landen, können aber nicht aus dem Boot kommen. Und als wollte der Casiquiare noch ein Opfer von uns, verschwindet in der letzten Nacht an diesem Fluss unsere Dogge. Es ist klar, dass sie der Jaguar verschleppt hat, den wir in der Nacht brüllen hörten. Wir atmen auf, als wir wieder den Orinoko erreichen. Nun können wir frei fahren und werden nur noch einmal an Stromschnellen aufgehalten, um die unsere Piroge herumgetragen werden muss. Dabei suchen wir in der Nähe eine Höhle auf, wo Indianer früher ihre Toten beigesetzt haben. Unsere abergläubischen Begleiter erregen sich sehr, als ich einige der gut erhaltenen, manchmal rot gefärbten Skelette als Proben mitnehme. Sie meinen, es würde Unglück bringen, ihre alten Verwandten fortzubringen. Mitte Juni 1800 erreichen wir Angostura, eine kleine Stadt, die für uns wie ein Zentrum der Zivilisation ist: Bescheidene Wohnräume kommen uns prachtvoll vor, wer uns anredet, erscheint uns geistreich. Während meine Gesundheit am Atabapo, wo die Wilden stets am Faulfieber leiden, unbegreiflich gut widerstanden hat, erkranke ich nun ausgerechnet hier. Und auch Bonpland ergreift das Fieber. Doch während ich bald wieder genese, geht es für ihn um Leben und Tod. Ich kann meine Unruhe nicht beschreiben. Niemals würde ich einen so treuen, tätigen und mutigen Freund wieder finden. Wir retten ihn, indem wir ihn in das kühlere Klima der Berge bringen. So sind wir erst einen Monat später zurück an der Küste. Dort hat man uns schon für verschollen gehalten. Forschungsreisen vor HumboldtBis ins 19. Jahrhundert bestanden die „Forschungsreisen“ der Europäer vor allem darin, noch unbekannte Gegenden der Welt zu entdecken, zu erfassen und möglichst dem eigenen Reich zuzuschlagen. Alle derartigen Reisen hatten diesen praktischen Sinn.In einfachster Form zogen mindestens so skrupellose wie abenteuerlustige Europäer aus, um vor allem Gold zu finden, das sie auf einen Schlag reich machen würde. Neues am Wegesrand interessierte dabei nur in der Hinsicht, ob davon Gefahr ausging oder nicht, ob man es nutzen oder damit seinen Spaß haben konnte. Als einzelne Staaten später für "Weltumsegelungen" ganze Expeditionen ausrüsteten, taten sie das auch nur, um neue Wege zu erkunden, hin zu den Reichtümern anderer Länder, die man schneller und einfacher erreichen wollte, auf Fahrten zur Entdeckung eines südlichen Erdteils oder einer Nord-West-Passage um den amerikanischen Kontinent. Und immer tat man dies mit Hilfe von Schiffen. Schon die Fortbewegung mit diesen schwimmenden Festungen verhinderte, dass man ein Land eindringlich kennen lernte, seinen Bewohnern auf gleicher Höhe begegnete. Seit die Portugiesen im 15. Jahrhundert angefangen hatten, einen Seeweg zu den Reichtümern Asiens zu suchen, hatte unter den europäischen Staaten ein regelrechtes Wettrennen begonnen, noch die entferntesten Gegenden zu erreichen, um sie dem eigenen Kolonialreich einzugliedern. Wenn man dabei forschte, geschah das nur in der Absicht, neue Gegenden auf ihre Verwertbarkeit hin zu untersuchen. Nur deswegen führte man Ortbestimmungen durch, sammelte Pflanzen und erlegte Tiere. Zuhause stellte man dann die absonderlichsten Dinge in "Wunderkammern" aus, die es noch zu Humboldts Zeiten gab: Da konnte man seltsame Früchte unbekannter Bäume bestaunen, nie gesehene Edelsteine, merkwürdigste Tiere und auch immer wieder Werkzeuge und Kunstgegenstände der einheimischen Bevölkerung, der „Wilden“. Wie all das neu Entdeckte miteinander in Beziehung stand, kümmerte kaum einen. Humboldt dagegen wollte die Natur in ihrer Ordnung erfassen. Deswegen kam er an manchen Tagen aus dem Sammeln und Messen gar nicht heraus, schon weil er überall die unbekannten Dinge und Erscheinungen erkennen konnte. Seine Forschungsreisen hatten keinen in finanzieller Hinsicht nützlichen Sinn, sondern dienten dazu, neue Erkenntnisse zu gewinnen. |
Weitere Bücher von Andreas Venzke
"Der 'Entdecker Amerikas' - Aufstieg und Fall des Christoph Kolumbus". Benziger-Verlag, Zürich 1991
"Christoph Kolumbus" [rororo-Monographie]. Rowohlt-Verlag, Reinbek 1992
"Johannes Gutenberg - Der Erfinder des Buchdrucks" [Kontroverse zu diesem Buch ]. Benziger-Verlag, Zürich 1993
"Veit und ein anderer Tag". Oetinger-Verlag, Hamburg 1996
"Zwei Fluchten". Oetinger-Verlag, Hamburg 1997
"Tarzan auf dem Mammut". Oetinger-Verlag, Hamburg 1998
"Carlos kann doch Tore schießen". Verlag Nagel & Kimche, Zürich 1999
"Gasparan oder Die letzte Fahrt des Francis Drake". Benziger-Verlag, Zürich 1996
"Der Grasesser". Patmos-Verlag, Düsseldorf 2001
"Pioniere des Himmels - Die Brüder Wright. Eine Biografie". Verlag Artemis & Winkler, Düsseldorf 2002
"Goethe und des Pudels Kern". Arena-Verlag, Würzburg 2007
"Luther und die Macht des Wortes". Arena-Verlag, Würzburg 2007
"Gutenberg und das Geheimnis der Schwarzen Kunst". Arena-Verlag, Würzburg 2008
"Schiller und die Freiheit des Geistes". Arena-Verlag, Würzburg 2009
"Leben für den Frieden". Arena-Verlag, Würzburg 2009
"Ötzi - Die Verfolgungsjagd in der Steinzeit". Arena-Verlag, Würzburg 2011
"Scott, Amundsen und der Preis des Ruhms". Arena-Verlag, Würzburg 2011
"Kleist und die zerbrochene Klassik". Arena-Verlag, Würzburg 2011
"Berlin Berlin - Geschichte einer Nation". Arena-Verlag, Würzburg 2011
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