| War nicht der VS einmal als links verrufen, und war dieser
Ruf eigentlich so schlecht, da doch in Deutschland die Gesellschaft, mit
der sich Schriftsteller auseinanderzusetzen haben, sowieso immer konservativ
gewesen ist, mit der SPD auf der einen Seite, der CDU auf der anderen?
Daß aber die deutschen Schriftsteller mit dem, was sie öffentlich
verbreiten, eben auch die deutsche Gesellschaft widerspiegeln und sie in
der Mehrzahl wohl nie links gestanden haben, ist sicherlich immer eines
der Probleme des VS gewesen. Seit der deutschen Wiedervereinigung schiebt
nun diese ganze Gesellschaft mit unglaublichem Druck nach rechts. Wie wichtig
sind da Verbände, die dagegenhalten, Institutionen wie der VS! Doch
wie hält nun der VS dagegen, wenn eines seiner Mitglieder ausgerechnet
die Überreichung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels dazu
nutzt, einmal mehr sein nationales Coming-Out zu inszenieren, wenn dieses
Mitglied dazu die Erinnerung an den Holocaust diskreditiert, wenn ein solcher
Kollege dabei die kritischen (und damit wenigen) Vertreter der öffentlichen
Meinung zu "Meinungssoldaten" macht, die "mit vorgehaltener Moralpistole
den Schriftsteller in den Meinungsdienst nötigen", wenn ihm dafür
noch an Ort und Stelle über tausend Herrschaften, darunter die politische
Elite des Landes, stehende Ovationen darbringen, wenn in dieser Stunde
Ignatz Bubis, Vorsitzender des Zentralrates der Juden in Deutschland, am
liebsten den Raum verlassen möchte, wenn sich eben Ignatz Bubis anschließend
von einem solchen Friedenspreisträger vorhalten lassen muß,
er (der ein Überlebender des Holocaust ist) habe sich erst viel später
als der Friedenspreisträger (der ein Wehrmachtssoldat war) mit Auschwitz
befaßt? Wird diesem Mitglied dann nahegelegt, aus dem VS auszutreten?
Oder was passiert? Da lesen dann in Stuttgart zwölf Schriftstellerkollegen
dessen Texte ("viele noch hätten gern mitgemacht") - aus Protest dagegen,
daß "gerade" dieser Kollege "in die rechtsradikale Ecke gestellt"
werde. So als würde der Mann verfolgt! Und als der Bezirksverband
Frankfurt der GEW zu einer kritischen Debatte über einen solchen Friedensstifter
einlädt, protestieren der Vorsitzende des VS, Fred Breinersdorfer,
unterstützt noch vom Vorsitzenden der IG-Medien, Detlef Hensche, "in
aller Schärfe" und im Namen ihrer Verbände dagegen, den Friedenspreisträger
als "Antisemiten zu denunzieren"! Man glaubt das alles nicht. Um mich jedenfalls
in Zukunft als VS-Mitglied, das ich noch bin, nicht unter falsche Freunde
eingereiht zu finden, erkläre ich hiermit: Die Ansichten eines solchen
"Kollegen" und dessen Verteidigung durch den VS usw. widern mich an.
Freiburg, den 3. März 1999
gez.: Andreas Venzke
Schriftverkehr zu diesem Leserbrief
An: Kunst & Kultur
Friedrichstr. 15
70174 Stuttgart
Leserbriefe
3. März 1999
Sehr geehrte Damen und Herren,
hiermit möchte ich Sie darum bitten, den beiliegenden Leserbrief
in der nächsten Ausgabe von "Kunst und Kultur" abzudrucken. Auch wenn
ich mich sonst nie in Verbandsangelegenheiten eingemischt habe, in diesem
Fall ist mir das sehr wichtig. Irgendwann reicht es - da muß man
einfach aufstehen und sich erklären. Ich schicke Ihnen den Text zum
leichteren Abdruck auch als Anlage einer E-Mail, Name: "Leserbri.txt".
Mit freundlichen Grüßen
gez.: Andreas Venzke
Als Fax an: Kunst & Kultur
Betr.: Leserbrief
6. März 1999
Sehr geehrte Damen und Herren,
in meinem Schreiben an Sie vom 3. März sind mir leider zwei Fehler
unterlaufen. Sie haben ja gesehen, daß ich den Leserbrieftext nicht,
wie angekündigt, auch per E-Mail geschickt habe (im Impressum von
Kunst & Kultur ist keine E-Mail-Adresse angegeben), sondern auf Diskette.
Außerdem bitte ich Sie, in dem Leserbrief Folgendes zu berichtigen
(Sie haben das wohl schon selbst bemerkt): Zum Schluß muß es
statt: "... nicht unter falsche Freunde eingereiht ..." — heißen:
"... nicht unter falschen Freunden eingereiht ..."
Vielen Dank und noch einmal
freundliche Grüße
gez.: Andreas Venzke
An: Kunst & Kultur
Leserbriefe
23. März 1999
Sehr geehrte Damen und Herren,
heute habe ich die neue Ausgabe von "Kunst und Kultur" erhalten. Allerdings
finde ich darin nicht einen Leserbrief von mir abgedruckt, den ich Ihnen
bereits am 3. März geschickt hatte. Daher meine Frage: Warum haben
Sie diesen Leserbrief noch nicht abgedruckt? War die Zeitschrift zu jener
Zeit schon umbrochen, gar schon gedruckt? Oder haben Sie mein Schreiben
nicht erhalten? Ich hatte Ihnen allerdings am 6. März auch ein Fax
mit einer kleinen Korrektur geschickt. Auf jeden Fall schicke ich Ihnen
hiermit "sicherheitshalber" den Leserbrief noch einmal zu - mit der Bitte
um Abdruck in der nächsten Ausgabe von "Kunst und Kultur".
Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir eine Nachricht zukommen
lassen könnten, was wohl der Grund dafür war, warum mein Leserbrief
noch nicht veröffentlicht worden ist.
Mit freundlichen Grüßen
gez.: Andreas Venzke
An: Kunst & Kultur
Redaktion
1. April 1999
Sehr geehrte Damen und Herren,
am 3. März hatte ich Ihnen einen Leserbrief mit der Bitte um Veröffentlichung
zugeschickt, daraufhin am 6. März ein Fax, schließlich am 23.
März ein Schreiben mit der Bitte, mir doch zu erklären, warum
mein Leserbrief in "Kunst & Kultur" noch nicht veröffentlicht
worden ist. Sie haben mir bis heute nicht geantwortet.
Da ich also davon ausgehen muß, daß Sie mein Verlangen
schlichtweg zu ignorieren gedenken, sende ich nun diesen Brief (einschl.
meines Leserbriefs und meiner Schreiben an Sie) auch an den Vorstand der
IG-Medien und des VS. Dazu erkläre ich: Angesichts der Reaktionen
von IG-Medien und VS auf die national-chauvinistische, durchaus "geistiger
Brandstiftung" zu bezichtigende "Friedenspreis"-Rede Martin Walsers ist
mein Leserbrief an "Kunst & Kultur" für mich die einzige Möglichkeit,
meine Mitgliedschaft in VS und IG-Medien moralisch weiterhin zu rechtfertigen.
Sollten Sie mir diese Möglichkeit nicht gewähren (die ich in
einem demokratisch geführten Verband für selbstverständlich
erachte), könnte ich zu einer solchen Gewerkschaft nicht mehr
stehen.
Mit freundlichen Grüßen
gez.: Andreas Venzke
An: Andreas Venzke
Freiburg im Br.
12. April 1999
Sehr geehrter Herr Venzke,
in Beantwortung Ihrer ungehalteten Schreiben teile
ich Ihnen mit, daß erstens Ihr Brief in der Angelegenheit "styx"
zu spät eingetroffen ist. Das Heft war abgeschlossen und damit auch
das Ende der Beiträge zu diesem Thema gekommen. Wie Sie lesen konnten,
ist das Thema erschöpfend behandelt.
Zweitens: Ihre Stellungnahme zu Walser kommt
ebenfalls viel zu spät. In unserem November-/Dezemberheft haben wir
zu Walser Stellung bezogen, im übrigen in Ihrem Sinn.
Mit freundlichen Grüßen
gez. Josef Singldinger
(nach Diktat verreist)
f. d. R.
gez.: Ulrike Küstler
An: Kunst & Kultur
Redaktion
13. April 1999
Sehr geehrte Damen und Herren,
da Herr Singldinger nun also verreist ist, wende ich mich auf sein Schreiben
vom 12. April weiterhin formal an Sie als "Redaktion":
Erstens: Ich habe mit der Angelegenheit "styx" nichts, überhaupt
nichts, zu tun. (Was doch so eine "Verwechslung" alles aussagt!)
Zweites: Als VS-Mitglied habe ich der Redaktion von "Kunst & Kultur"
einen Leserbrief geschickt, der bisher nicht gedruckt wurde. Es geht darin
um die Art, wie sich VS und IG-Medien zu Martin Walser und seiner "Friedenspreis"-Rede
verhalten haben. Die entsprechenden Stellungnahmen von VS und IG-Medien
datieren vom Januar 1999. Ich erfuhr davon im Februar. Meinen Leserbrief
schrieb ich am 3. März. (Sie können dazu also schwerlich im November-Dezemberheft
"in meinem Sinn" Stellung bezogen haben.) Darin mache ich deutlich, daß
ich das Verhalten von VS und IG-Medien zu Martin Walser und seiner "Friedenspreis"-Rede
für empörend und mit meiner Einstellung als Gewerkschaftsmitglied
nicht vereinbar halte. Ich bitte Sie nun zum letzten Mal darum, mir die
Meinungsfreiheit zuzugestehen und meinen Leserbrief vom 3. März zu
drucken. Damit ich über Ihr weiteres Verhalten nicht wieder im unklaren
bleibe, bitte ich Sie außerdem darum, mir ein zweites Mal zu antworten.
Es reicht eine Karte mit den Worten: Wird gedruckt/Wird nicht gedruckt.
(Herrn Singldingers Brief an mich vom 12. April und dieses Schreiben sende
ich auch wieder an den Vorstand von VS und IG-Medien.)
Mit freundlichen Grüßen
gez.: Andreas Venzke
An: Andreas Venzke
Freiburg im Br.
12. April 1999
Sehr geehrter Herr Venzke,
um unseren Briefwechsel in der Angelegenheit Walser
zu beenden, teile ich Ihnen mit, daß Ihr Leserbrief nicht abgedruckt
wird.
Leserbriefe in KUNST & KULTUR sollen sich
auf das, was in der Zeitschrift nachgelesen werden kann, beziehen. Der
Brief Detlef Hensches an die GEW, in dem er die Formulierung eines Aufrufs
dieser Gewerkschaft kritisiert und der der Grund Ihrer Stellungnahme ist,
wurde nicht in KUNST & KULTUR aufgenommen. Man kann also das, was Sie
schreiben, nur verstehen, wenn man den Hintergrund kennt. Außerdem
beziehen Sie sich auf einen Vorgang, der im Januar geschah. Aus journalistischen
Gründen, nicht aus inhaltlichen, müssen wir uns auch an die Chronologie
der Ereignisse halten.
Im übrigen: Als ich im Oktober 1998 die
Rede Walsers hörte, in der er unter anderem davon sprach, daß
Auschwitz "instrumentalisiert" würde, war ich empört. Schrecklich
ist für mich heute, wenn Auschwitz, wie die Regierenden es uns vermitteln,
tatsächlich dafür herhalten muß, um den Kriegseinsatz im
Kosovo zu legitimieren.
Im übrigen finde ich Ihren Leserbrief gut;
ich bitte Sie nur, wenn Sie wieder schreiben, dies rechtzeitig zu tun.
Mit freundlichen Grüßen
gez.: Josef Singldinger
An: Kunst & Kultur
Herrn Singldinger
26. April 1999
Sehr geehrter Herr Singldinger,
als hätten wir einen "Briefwechsel" in der Angelegenheit Walser
gehabt! Ohne Sie zu kennen, habe ich einzig darum gebeten, daß ich
meine Meinung in Form eines Leserbriefs in "Kunst und Kultur", sozusagen
der Mitgliedszeitschrift meiner Gewerkschaft, öffentlich machen kann.
Mein Anliegen haben Sie zuerst wochenlang ignoriert und auf mein Drängen
hin dann geradezu abgefertigt. Und da Sie nun auch entscheiden,
wann dieser "Briefwechsel" beendet ist, will ich Ihnen wenigstens noch
antworten, daß damit meine Mitgliedschaft in der IG-Medien beendet
ist.
Die Art und Weise, wie IG-Medien und VS auf die "Friedenspreis"-Rede
Martin Walser reagiert haben, finde ich empörend. Daß mein
Name da ausgenommen wäre - nur in der Form eben meines Leserbriefs
hätte ich meine weitere Mitgliedschaft in einer solchen Gewerkschaft
rechtfertigen können. Ich möchte zu mir stehen können.
Im übrigen: Wollen Sie wirklich behaupten, daß immer alles,
was in "Kunst und Kultur" als Leserbrief erscheint (bzw. erschienen ist),
sich auf einen entsprechenden Artikel der Zeitschrift bezieht (bzw. bezogen
hat)? Und schränken Sie diese Aussage nicht selbst ein: "sollen sich
beziehen"? Und wie buchhalterisch ist es, wie sophistisch, wenn Sie dann
anführen, die Stellungnahme Detlef Hensches "wurde nicht in Kunst
& Kultur aufgenommen" - und das, was ich schreibe, könne man also
nur verstehen, wenn man den Hintergrund kennt? Meinen Sie das ernst? Meinen
Sie, die Leser von "Kunst & Kultur" lebten außer der Welt, hätten
die Vorgänge nicht verfolgt, die Walsers Rede nach sich zog? Und wenn
Sie das wirklich meinen sollten: In meinem Leserbrief mache ich den Hintergrund
sichtbar! (Und überhaupt: Fungiert in einer Gewerkschaftszeitung die
Leserbriefseite nicht prinzipiell als demokratisches Forum?)
Was am Ende "die Chronologie der Ereignisse" angeht: Daß Sie
einmal mehr darauf verweisen, spricht dem Ablauf geradezu Hohn. Wie ich
Ihnen bereits geschrieben hatte: Die entsprechenden Stellungnahmen von
VS und IG-Medien datieren vom Januar 1999, im Fall Hensche und GEW erst
vom 26. Januar. Ich erfuhr davon spät im Februar. Meinen Leserbrief
schrieb ich am 3. März. Dessen Veröffentlichung in der Märzausgabe
von "Kunst und Kultur" (die zum Ende des Monats erschien) oder auch in
der April-Ausgabe hätte wohl nicht gegen die "Chronologie der Ereignisse"
gesprochen (bei einer Zeitschrift, die monatlich erscheint, auch nicht
"aus journalistischen Gründen") - und würde nicht einmal in der
nächsten Ausgabe dagegen sprechen!
Ich kenne Sie nicht persönlich, und ich weiß nicht, was
Sie dazu bewogen hat, mein Anliegen derart abzutun. Da ich in dieser Sache
bisher auch nicht von anderen Stellungnahmen der IG-Medien oder des VS
gehört habe, muß ich nun allerdings davon ausgehen, deren schändliche
Verteidigung Martin Walsers solle "offiziell" sowieso kein Thema sein.
Das würde freilich zu diesen Zeiten nur passen.
Mit letztem Gruß
gez.: Andreas Venzke
P. S.: Und zum letzten Mal auch der Hinweis, daß eine Kopie dieses
und Ihres Schreibens auch wieder an die Vorstände von IG-Medien und
VS geht.
An: IG Medien
Theodor-Heuss-Straße 16
70174 Stuttgart
Vorstand
26. April 1999
Sehr geehrte Damen und Herren,
hiermit kündige ich zum nächstmöglichen Zeitpunkt meine
Mitgliedschaft in der IG-Medien. Daß Ihr Verband einen Schriftsteller,
der die Überreichung ausgerechnet eines bedeutenden Friedenspreises
dazu nutzt, in schlimmster Weise nationalistisch und kaum verhohlen antisemitisch
zu argumentieren, nicht nur nicht mit dessen Verhalten konfrontiert, sondern
sogar ausdrücklich verteidigt ("in aller Schärfe"), kann ich
nicht mittragen. (Die Vorstellung ein Grauen, dessen und seiner Verteidiger
"Kollege" zu sein!) Die einzige Möglichkeit, meine weitere Mitgliedschaft
vor mir selbst zu rechtfertigen, wäre die Veröffentlichung eines
Leserbriefs gewesen, den ich auch Ihnen zur Kenntnisnahme zugeschickt hatte.
Daß mir diese Möglichkeit nicht gewährt wird (und allein
die Art, wie dies geschah!) ist für mich erst recht ein Zeichen
dafür, daß Ihr Verband eben so ist, wie er sich bei der Verteidigung
jenes Schriftstellers geriert hat.
Alles Gute
gez.: Andreas Venzke
An: Andreas Venzke
Freiburg im Br.
8. Juni 1999
Sehr geehrter Kollege Venzke,
nachdem wir nun nichts gegenteiliges mehr zu Ihrem
Kündigungsschreiben gehört haben, was wir im übrigen sehr
bedauern, bestätigen wir Ihnen hiermit den Kündigungstermin gem.
Satzung zum 30. Juni 1999.
Mit freundlichen Grüßen
IG Medien - Druck und Papier, Publizistik und
Kunst
Landesbezirk Baden-Württemberg
gez.: Dagmar Mann
An: Andreas Venzke
Freiburg
21. Juni 1999
Lieber Andreas,
auf der Vorstandssitzung des VS letzte Woche erfuhr ich von Deinem Brief
an Imre Török sowie von Deinem bereits vollzogenen Austritt aus
dem VS, den ich sehr bedaure.
Ich habe zu den Vorgängen um Martin Walser eine andere Meinung,
aber darüber will ich nicht mit Dir diskutieren. Zwei Dinge möchte
ich Dir sagen: als Redakteur der "Feder" bin ich auch hin und wieder in
der Situation, Meinungsäußerungen oder Leserbriefe nicht abdrucken
zu können, weil es den Rahmen sprengen würde, weil es anderweitig
bereits gesagt wurde, weil Diskussionen irgendwann "erschöpft" sind,
ohne dabei unbedingt abgeschlossen zu sein. Bei einem Periodikum ist es
ein begrenzter bestimmter Platz, bei der Diskussion am Stammtisch ist es
die Müdigkeit oder die letzte Runde, weil das Lokal schließt
oder irgendetwas anderes...
Der zweite Punkt ist aber der wichtigere, und ich bitte Dich, daß
Du Dir Deinen Schritt noch mal überlegst. Du warst Mitglied eines
Berufsverbandes, der mehr als 3000 Mitglieder hat, von denen bestimmt noch
manch andere Dir nicht genehme politische Ansichten haben. Dennoch schützt
Dich dieser Verband in der Ausübung Deines Berufes, und das ist auch
sein Hauptzweck. Wenn Du nicht mehr Mitglied bist, kann der Verband sich
auch nicht mehr für Dich, in welcher Form auch immer, engagieren,
denn das wäre wiederum unfair gegenüber den treuen Verbandsmitgliedern.
Das klingt jetzt reichlich formal, ist aber ein Fakt.
Ich bitte dich also herzlichst, Deine Entscheidung abzuwägen.
gez.: Viele Grüße Rolf Bergmann
An: Rolf Bergmann
Frankfurt/M.
30. Juni 1999
Lieber Rolf Bergmann,
danke für Dein Schreiben. Ja, ich weiß durchaus, wie wichtig
es sein kann, Mitglied im VS zu sein. Doch muß ich zu einem solchen
Verband stehen können. Und das hätte ich nach den Reaktionen
von VS und IG-Medien auf die Auslassungen Martin Walsers nur noch gekonnt,
wenn in Form meines Leserbriefs öffentlich zu erkennen gewesen wäre,
daß ich das Verhalten eines
solchen Verbandes verabscheue. Mit Leuten, die Walsers dumpfe Stammtischparolen
(sich von "Auschwitz" verfolgt zu fühlen, zu meinen, "Auschwitz" werde
gegen die Deutschen benutzt, die Erinnerung an "Auschwitz" müsse Privatangelegenheit
werden usw.) auch noch rechtfertigen, dabei kritische Stimmen denunzieren,
gar zur Solidarität mit ihm aufrufen - mit solchen Leuten
will ich nichts teilen. Und wenn dann mein Anliegen, meine Meinung
dazu öffentlich zu machen, zuerst ignoriert, dann gar bürokratisch
arrogant abgetan wird ("in Beantwortung Ihrer ungehaltenen Schreiben";
"nach Diktat verreist" - was ganz und gar nichts mit den Gründen zur
Ablehnung eines Leserbriefs zu tun hatte, wie Du sie angeführt hast)
- da kommt dann eben alles zusammen. Nein, in einem solchen Verband, der
auch noch einen Kollegen schützt, wenn dieser sich nationalistisch
und gar antisemitisch gebärdet, in einem solchen Verband, der einen
solchen Kollegen nicht mindestens mit dessen Aussagen konfrontiert - mindestens
- und der dabei andere Meinungen unveröffentlicht läßt
- in einem solchen Verband will ich nicht mehr sein.
Dir wünsche ich weiterhin
Alles Gute
gez.: Andreas Venzke |