Andreas Venzke

Pioniere des Himmels - Die Brüder Wright


 

Bestellungen in jedem Buchladen (29,80 EURO - gebunden, 320 Seiten)


Leseprobe aus "Pioniere des Himmels - Die Brüder Wright"

1. Der Beginn

Ballone und Flugmaschinen

Der Traum vom Fliegen — ein Ausdruck, der heute, nach einem Jahrhundert Flugerfahrung, zur Phrase geworden ist. "Wie rasch hat das Fliegen, dieser uralte, kostbare Traum, jeden Reiz, jeden Sinn, seine Seele verloren. So erfüllen sich die Träume, einer nach dem andern, zu Tode. Kannst du einen neuen Traum haben?", fragte noch 1973 Elias Canetti. Der Traum vom Fliegen ist zur Banalität verkommen, einerseits.
Mallorca wird in jedem Jahr von über sieben Millionen Touristen besucht, von denen fast alle mit dem Flugzeug anreisen. Für sie ist der Traum jährlich aufs Neue für ein paar Hundert Euro inklusive plastikverschweißtem Fließbandessen zu haben. Vom Traum bleiben einige Sätze darüber, wie man beim Start in die Sitze gedrückt werde. So wird heute geflogen, also mitgeflogen! Und bezeichnenderweise wird bei der Landung noch immer geklatscht, als hätte der Pilot ein Bravourstück vollbracht und nicht die exakten Vorgaben einer computergesteuerten Flugleitzentrale befolgt.
Andererseits fliegen weiterhin diejenigen, die aus der Luft mittlerweile "humanitäre Kriegsführung" betreiben — der Albtraum vom Fliegen. Ist es da nicht bezeichnend, wie schon die Brüder Wright ihre Erfindung, als sie 1905 ausgereift war, anpriesen: "Wir haben die letzten Jahre vollständig damit verbracht, unsern Flieger zu vollenden, und wir haben wenig darüber nachgedacht, was wir damit machen würden, wenn er fertig wäre. Aber unsere jetzige Absicht ist, ihn zuerst den Regierungen zu Kriegszwecken anzubieten." Die Wrights hätten sich wohl nie träumen lassen, wie dann ihre Erfindung, ihre Patente darauf, von der Entwicklung überrollt werden sollte. Welche Erfindung ließe sich anführen, die schneller perfektioniert worden wäre und die das Weltgeschehen in den letzten einhundert Jahren stärker verändert hätte, als die des Flugzeugs?
Und doch lebt der Traum vom Fliegen fort, und zwar ganz im Sinn eines sozialdemokratisch gesinnten Ingenieurs aus der Provinz, nämlich Otto Lilienthals; der konnte ihn immer nur kurz Wirklichkeit werden lassen und schwärmte doch immer wieder davon. Er schrieb etwa von der "besonnenen Ruhe, während das unbegreiflich schöne und sanfte Dahingleiten über die weit ausgedehnten sonnigen Berghänge den Eifer bei jedem Sprunge von Neuem anfacht".
Um in diesen Genuss zu kommen braucht man seit Ende der 1980er Jahre nur noch einen besonders gefüllten Rucksack. So weit ist der Gleitschirm entwickelt worden, dass dieses Fluggerät heute mit einem Gewicht von höchstens 20 Kilogramm auskommt, inklusive Rettungsschirm. Und tatsächlich lässt sich damit, Thermik vorausgesetzt, stundenlang fliegen. Da ist er also verwirklicht, der Traum vom Fliegen.

Sogar Buchautoren können mit dem Gleitschirm den Traum vom Fliegen verwirklichen



Doch wer wird heute Gleitschirmflieger? Wer sucht diesen Genuss? In Deutschland sind über 3.000.000 Motorräder zugelassen und es sind darunter wahrlich 'Geschosse auf Rädern'. Dagegen sind nicht mehr als 22.000 Pilotenscheine für Gleitschirmflieger ausgestellt. Fragt man, warum nur so wenige diese Gelegenheit nutzen, geht die Antwort meist dahin, dass einem eine solche Technik nicht geheuer erscheine, dass es wenig Vertrauen erweckend aussehe, sich ein paar Schnüren und einem Stück Stoff zu überlassen und so weiter. So antworten auch die Motorradfahrer, die sich in der Kurve darauf verlassen, dass die Fahrbahn frei von Dreck, Laub und Öl ist. Jedes Jahr verunglücken in Deutschland fast 1.000 Motorradfahrer tödlich, in Relation nicht weniger als beim Gleitschirmfliegen, wo inzwischen jedes Jahr etwa 10 Personen einen Absturz mit dem Leben bezahlen, mit weiter sinkender Tendenz.
Der Traum vom Fliegen? Hundert Jahre nach den Brüdern Wright kann ihn fast jeder Wirklichkeit werden lassen. Doch gilt noch immer das Motto: Bleib am Boden! War also der Traum vom Fliegen je einer?
Ergriffen davon waren diejenigen, die das Wagnis eines Flugversuchs eingingen. Schon Ikarus, als er plötzlich "beginnt, sich des kühnes Fluges zu freuen", verlor sich entgegen der Warnung des Vaters "im Drang, sich zum Himmel zu heben".
Und auch die ersten Berichte derjenigen Menschen, die tatsächlich flogen, künden von himmlischen Gefühlen, wobei es durchaus ein eigenes Thema ist, was man überhaupt unter 'Fliegen' zu verstehen habe.
[...]


Weitere Bücher von Andreas Venzke

 "Der 'Entdecker Amerikas' - Aufstieg und Fall des Christoph Kolumbus". Benziger-Verlag, Zürich 1991

 "Christoph Kolumbus" [rororo-Monographie]. Rowohlt-Verlag, Reinbek 1992

 "Johannes Gutenberg - Der Erfinder des Buchdrucks" [Kontroverse zu diesem Buch ]. Benziger-Verlag, Zürich 1993

 "Veit und ein anderer Tag". Oetinger-Verlag, Hamburg 1996

 "Zwei Fluchten". Oetinger-Verlag, Hamburg 1997

 "Tarzan auf dem Mammut". Oetinger-Verlag, Hamburg 1998

 "Carlos kann doch Tore schießen". Verlag Nagel & Kimche, Zürich 1999

 "Gasparan oder Die letzte Fahrt des Francis Drake". Benziger-Verlag, Zürich 1996

 "Der Grasesser". Patmos-Verlag, Düsseldorf 2001

  "Goethe und des Pudels Kern". Arena-Verlag, Würzburg 2007

  "Luther und die Macht des Wortes". Arena-Verlag, Würzburg 2007

 "Gutenberg und das Geheimnis der Schwarzen Kunst". Arena-Verlag, Würzburg 2008

 "Humboldt und die wahre Entdeckung Amerikas". Arena-Verlag, Würzburg 2009

  "Schiller und die Freiheit des Geistes". Arena-Verlag, Würzburg 2009

  "Leben für den Frieden". Arena-Verlag, Würzburg 2009

  "Ötzi - Die Verfolgungsjagd in der Steinzeit". Arena-Verlag, Würzburg 2011

  "Scott, Amundsen und der Preis des Ruhms". Arena-Verlag, Würzburg 2011

  "Kleist und die zerbrochene Klassik". Arena-Verlag, Würzburg 2011

  "Berlin Berlin - Geschichte einer Nation". Arena-Verlag, Würzburg 2011
 
 

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