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	<title>Andreas Venzke</title>
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	<description>Willkommen auf meiner Website!
Hier bitte nichts Spektakul&#228;res erwarten! Ich bin Schriftsteller ...
Aber ich kann hier ein bisschen mehr bieten als nur die Buchstaben auf dem Papier. Gem&#228;lde von J&#246;rg Herz Um mich geht es, um
ANDREAS VENZKE.
Entsprechend der Wikipedia sind die wichtigsten Daten zu mir:
Andreas Venzke, geboren 1961 in Berlin, legte 1979 sein Abitur ab und schrieb sich anschlie&#223;end an der FU Berlin ein. Er studierte Germanistik, Publizistik und Kunstgeschichte. Nach dem Studium arbeitete er zun&#228;chst f&#252;r das Geschichtsmagazin Damals, f&#252;r dpa und f&#252;r die Spielzeit des SDR, au&#223;erdem f&#252;r verschiedene Tageszeitungen. Nebenher &#252;bersetzte er B&#252;cher wie das Bordbuch des Kolumbus. Seit 1988 lebt Andreas Venzke, der inzwischen verheiratet und Vater von drei Kindern ist, als Schriftsteller in Freiburg im Breisgau.
Und was den Schriftsteller angeht: Es liegt etwas Neues vor, seltsam passend zur Zeit, wie jemand Bestimmter sagen w&#252;rde: Etwas ganz Gro&#223;es!</description>
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		<title>Andreas Venzke</title>
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		<title>Die Moderne</title>
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		<dc:creator>Andreas Venzke</dc:creator>



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&lt;p&gt;Ein Artikel, der davon zeugt, dass ich zu jener Zeit vielleicht noch &#034;wissenschaftliche&#034; Ambitionen hatte ... &lt;br class='autobr' /&gt;
Andreas Venzke: Zum Entstehung des Begriffs &#034;Die Moderne&#034; &lt;br class='autobr' /&gt;
Viele Untersuchungen sind angestellt worden &#252;ber das &#034;moderne Drama&#034;. F&#252;r die einen bedeutete der Expressionismus &#034;modernes&#034; Drama, f&#252;r die anderen das epische Theater, wieder f&#252;r andere das absurde Theater und so fort. Jede neu entstandene Dramenform wurde mit dem Schlagwort &#034;modern&#034; versehen - und wenn daf&#252;r nicht die (&#8230;)&lt;/p&gt;


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&lt;a href="https://www.andreas-venzke.de/offentliches/dies-und-das/" rel="directory"&gt;Dies und das&lt;/a&gt;


		</description>


 <content:encoded>&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;Ein Artikel, der davon zeugt, dass ich zu jener Zeit vielleicht noch &#034;wissenschaftliche&#034; Ambitionen hatte ...&lt;/p&gt;
&lt;h2 class=&#034;spip&#034;&gt;Andreas Venzke: Zum Entstehung des Begriffs &#034;Die Moderne&#034;&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Viele Untersuchungen sind angestellt worden &#252;ber das &#034;moderne Drama&#034;. F&#252;r die einen bedeutete der Expressionismus &#034;modernes&#034; Drama, f&#252;r die anderen das epische Theater, wieder f&#252;r andere das absurde Theater und so fort. Jede neu entstandene Dramenform wurde mit dem Schlagwort &#034;modern&#034; versehen - und wenn daf&#252;r nicht die Dramatiker selbst sorgten, so die geisteswissenschaftliche Forschung im nachhinein&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb1&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Der Expressionismus distanzierte sich sogar bewu&#223;t von &#034;der Moderne&#034;, die (&#8230;)&#034; id=&#034;nh1&#034;&gt;1&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;. Schon diese Tatsache macht deutlich, da&#223; - nicht nur im Hinblick auf die Entwicklung in der Literatur - eine andere Definition f&#252;r &#034;modern&#034; als das Neue, das Zeitgem&#228;&#223;e nicht gegeben werden kann: &#034;Als ob das 'Moderne' jemals 'in den Begriff erhoben' werden k&#246;nne!&#034;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb2&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Friedrich Engels: Alexander Jung, Vorlesungen &#252;ber die moderne Literatur der (&#8230;)&#034; id=&#034;nh2&#034;&gt;2&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Gleichwohl wird bis heute jede kulturelle Regung mit dem Begriff &#034;modern&#034; versehen, und sei es in der modernsten Fassung der &#034;Postmoderne&#034;.&lt;br class='autobr' /&gt; Die Literaturwissenschaft bezieht den Begriff &#034;modern&#034; ausschlie&#223;lich auf das 20. Jahrhundert, beginnend meist mit dem (Drama des) Expressionismus. (Dabei hatte das Fremdwort &#034;modern&#034; bereits im 18. Jahrhundert das Vokabular deutscher Intellektueller bereichert.&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb3&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Vgl. Fritz Martini: &#034;Modern, Die Moderne&#034;. In: Reallexikon der deutschen (&#8230;)&#034; id=&#034;nh3&#034;&gt;3&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;) Wie keine vorhergehende noch folgende Literaturform war allerdings der Naturalismus verbunden mit dem Begriff &#034;Moderne&#034;. Und keine andere Dramenform erschien derart umw&#228;lzend, neuernd und anstiftend im Sinne von &#034;modern&#034; wie das naturalistische Theater. In den 1880er Jahren begannen in Deutschland etliche junge Schriftsteller das Wort zu ergreifen, die sich provokatorisch gegen die bestehende Literatur wandten und sich f&#252;r eine der Zeit angemessene Literatur stark machten. Als Synonym f&#252;r ihre Forderungen hatten sie die Parole &#034;modern&#034; auf ihre Fahnen geschrieben; doch wurden noch bis zum Jahr 1887 die Anspr&#252;che der aufbegehrenden Schriftsteller nur mit dieser &lt;i&gt;adjektivischen&lt;/i&gt; Bezeichnung &#034;modern&#034; belegt.&lt;br class='autobr' /&gt; Der Begriff konnte je nach Verwendung Unterschiedliches bedeuten. Allgemein verstand man darunter etwas, was in dem Band des &lt;i&gt;Deutschen W&#246;rterbuchs&lt;/i&gt; von 1892 als &#034;nach heutiger Weise&#034;, &#034;den neuesten Sitten, dem neuesten Geschmacke, der neuesten Mode gem&#228;&#223;&#034; bezeichnet wird, als etwas reichlich Diffuses, das jedenfalls, wie heute auch, &#034;im Gegensatz zu&#034; etwas stand, haupts&#228;chlich im Gegensatz zu etwas zeitgeschichtlich Vergangenem und &#220;berholtem.&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb4&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Moriz Heyne (Hrsg.): Deutsches W&#246;rterbuch, Leipzig 1890-1895 S. 848&#034; id=&#034;nh4&#034;&gt;4&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Eingeschr&#228;nkter bedeutete der Begriff &#034;modern&#034; das Bekenntnis zum gesellschaftlichen Fortschritt, zu einer Ideen- und Geisteswelt, die mit Namen wie Karl Marx, Charles Darwin oder Hippolyte Taine die Gespr&#228;che in den Salons und Wirtsh&#228;usern bestimmte. In diesem Sinne bezog man &#034;modern&#034; insbesondere auf die sich st&#252;rmisch entwickelnden Naturwissenschaften und auf &lt;i&gt;die&lt;/i&gt; Technik.&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb5&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Bezeichnend lesen sich folgende Zeilen Ernst Haeckels: &#034;Das Geistesleben der (&#8230;)&#034; id=&#034;nh5&#034;&gt;5&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;br class='autobr' /&gt; Und eben auf die Literatur bezog man den Begriff &#034;modern&#034;, so auch auf die entstehende naturalistische Bewegung. Allerdings beschlagnahmten die Naturalisten den Begriff nicht nur f&#252;r ihre Ziele, sondern sie modelten ihn auch um, in &#034;&lt;i&gt;die&lt;/i&gt; Moderne&#034;, die dann f&#252;r einige Jahre nahezu gleichbedeutend f&#252;r den Naturalismus stand.&lt;br class='autobr' /&gt; Unter der &#220;berschrift &lt;i&gt;Zehn Thesen&lt;/i&gt; tauchte der Begriff &#034;die Moderne&#034; zum ersten Mal in der &lt;i&gt;Allgemeinen Deutschen Universit&#228;tszeitung&lt;/i&gt; vom Januar 1887 auf,&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb6&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Nach Fritz Martini (wie Anm. 3) ver&#246;ffentlicht in der &#034;Allgemeinen Deutschen (&#8230;)&#034; id=&#034;nh6&#034;&gt;6&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; eine Wortsch&#246;pfung, die Aufsehen erregte. Bis zu dieser Zeit war &#034;modern&#034; selten substantiviert worden und hatte immer &#034;das Moderne&#034;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb7&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Vgl. Fritz Lienhard in dem Aufsatz &#034;Reformation der Litteratur&#034;. In: (&#8230;)&#034; id=&#034;nh7&#034;&gt;7&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; gelautet. Eugen Wolff, der Verfasser jener &lt;i&gt;Zehn Thesen&lt;/i&gt;, hatte bei der &#196;nderung des Genus vom Neutrum zum Femininum wohl die Gegen&#252;berstellung zu dem Begriff &#034;die Antike&#034;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb8&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Die sechste der &#034;Zehn Thesen&#034; lautet: &#034;Unser h&#246;chstes Kunstideal ist nicht (&#8230;)&#034; id=&#034;nh8&#034;&gt;8&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; im Sinn gehabt. (Obwohl Wolff den aufstrebenden Naturalisten mit dem Begriff &#034;die Moderne&#034; ein Identifikationssymbol schuf, schuf er mit seinen &lt;i&gt;Zehn Thesen&lt;/i&gt; keine neuen Prinzipien f&#252;r die &#034;fr&#252;hnaturalistische&#034; Literatur. Was Wolff unter &#034;der Moderne&#034; verstand, war inhaltlich l&#228;ngst vor ihm formuliert worden.&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb9&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Siehe als Vergleich zu den &#034;Zehn Thesen&#034; den Aufsatz der Br&#252;der Hart (1882): (&#8230;)&#034; id=&#034;nh9&#034;&gt;9&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; Wolff kreierte ein Begriffsnovum, f&#252;llte aber in diese neue Form keine neuen Inhalte.) Jedoch erst vom Jahr 1890 an setzte sich das Schlagwort &#034;die Moderne&#034; durch, in seiner Popularisierung besonders gef&#246;rdert von Hermann Bahr. W&#228;hrend etwa Heinrich Hart im Jahr 1889 und noch 1890 von &#034;dem Modernen&#034;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb10&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Heinrich Hart: &#034;Die realistische Bewegung. Ihr Ursprung, ihr Wesen, ihr (&#8230;)&#034; id=&#034;nh10&#034;&gt;10&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; sprach, behandelte Bahr im &lt;i&gt;Kunstwart&lt;/i&gt; der Jahreswende 1890/1891 &#034;die Moderne&#034;.&lt;br class='autobr' /&gt; Allein mit Blick auf das, worauf der Begriff &#034;modern&#034; inhaltlich bezogen wurde, l&#228;&#223;t sich die Entwicklung der naturalistischen Literatur in Deutschland ablesen. Zu Beginn gefielen sich die jungen Schriftsteller einzig in der Rolle der Oppositionellen. Den zeitgen&#246;ssischen Literaten warfen sie vor, diese h&#228;tten keine der Bedeutung der Zeit entsprechende Literatur hervorgebracht, sondern seien der Vergangenheit verhaftet geblieben und beriefen sich nur auf diese Vergangenheit, in erster Linie auf die Deutsche Klassik. Mit &#034;modern&#034; bezeichneten sie die Forderung nach einer &#034;neue[n] nationale[n] Literatur!&#034;, kontrastierend die bestehende, gleichsam offizielle Literatur, gegen die sich all ihre Angriffe richteten. Die Br&#252;der Hart formulierten im Jahr 1882: &#034;Diese Verrohung des Stils, diese Sprache, welche bereits conventional erstarrt, dieses Ueberwuchern eines eklektischen Dilettantismus, diese Fluthwoge novellistischer Fabrikarbeit, dieses Haschen nach stofflichen Effekten, dieses um sich fressende Castratenthum der Kritik, diese ma&#223;lose Verflachung des Theaters und nicht zum mindesten dieser unglaubliche Geschmackswirrwarr im Publikum.&#034;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb11&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Heinrich u. Julius Hart: Kritische Waffeng&#228;nge, Leipzig 1882, S. 5f.&#034; id=&#034;nh11&#034;&gt;11&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;br class='autobr' /&gt; Seit den ersten Aufs&#228;tzen der Br&#252;der Hart kennzeichnete &#034;modern&#034; schlichtweg eine &#034;Antihaltung&#034;, n&#228;mlich die Abgrenzung zur bestehenden Literatur. Noch vor der Ausformung des &#034;Konsequenten Naturalismus&#034; wurde dann &#034;modern&#034; in einem Atemzug mit der &#034;realistischen&#034; und &#034;naturalistischen&#034; Literaturentwicklung genannt. So formulierte etwa Michael Georg Conrad in dem Aufsatz &lt;i&gt;Der moderne Roman&lt;/i&gt;: &#034;Dieser Roman ['der einzig bedeutungsvolle, geistig dominierende'] [...], dessen Gestalt und Methode im Einklange mit dem wissenschaftlichen Charakter unserer Epoche steht und den konventionellen Hirngespinsten schlankweg den R&#252;cken kehrt [...], ist der realistische oder naturalistische [der f&#252;r Conrad Zolas &lt;i&gt;Roman exp&#233;rimental&lt;/i&gt; war - A. V.].&#034;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb12&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;In: Die Gesellschaft. 1(1885)40, S. 746&#034; id=&#034;nh12&#034;&gt;12&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; F&#252;r ein paar Jahre schlie&#223;lich meinte &#034;Naturalismus&#034; und &#034;die Moderne&#034; ein und dasselbe, n&#228;mlich in den Jahren von 1890 bis 1892, als das naturalistische Drama die deutsche Literatur dominierte, als auf der B&#252;hne der &#034;Konsequente Naturalismus&#034; den H&#246;hepunkt dieser Literatur markierte: &#034;Die Moderne - so nennt sich doch wohl die neue naturalistische Richtung in der Literatur im Gegensatz zur Antike; die J&#252;ngstdeutschen, die Gr&#252;ndeutschen, die St&#252;rmer und Dr&#228;nger fin de si&#232;cle und andere Bezeichnungen sind wohl minder willkommen, ein allgemein angenommener Name aber ist mir nicht bekannt.&#034;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb13&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Moriz Carriere: Ein Bekenntnis der 'Moderne'. In: Die Gegenwart; (&#8230;)&#034; id=&#034;nh13&#034;&gt;13&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; (So wird verst&#228;ndlich, wie sinnlos es sein mu&#223;, &#034;die Moderne&#034; dieser Zeit an sich definieren zu wollen. Dies kann nur in aller Vagheit und literarhistorisch nur in Bezug auf die Literatur des Naturalismus geschehen.)&lt;br class='autobr' /&gt; Gleichwohl war nat&#252;rlich das traditionelle Verst&#228;ndnis des Begriffs &#034;modern&#034; als das Zeitliche, das Neuentstehende&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb14&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;&#034;Das Schlagwort, unter dem man die k&#252;nstlerischen Bestrebungen der Gegenwart (&#8230;)&#034; id=&#034;nh14&#034;&gt;14&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; weiter pr&#228;sent. Dies zeigt sich besonders bei Bahr, der ja wesentlich den Begriff &#034;die Moderne&#034; im Sinne von &#034;Naturalismus&#034; durchzusetzen half, dann aber &#034;die Moderne&#034; auf diejenige Literatur ausweiten sollte, die den Naturalismus zu &#034;&#252;berwinden&#034;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb15&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;In &#034;Die &#220;berwindung des Naturalismus&#034; (1891) beschrieb Bahr die weitere (&#8230;)&#034; id=&#034;nh15&#034;&gt;15&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt; habe. Nachdem der Naturalismus seine Dominanz eingeb&#252;&#223;t hatte, wurde &#034;die Moderne&#034; entsprechend auf jede zeitliche, neu entstehende Form von Literatur bezogen. Die urspr&#252;ngliche Verkettung des Begriffs mit dem Naturalismus war aufgebrochen. Damit war dieses bis heute so moderne Schlagwort, das man um seiner Brisanz willen weiter benutzt hat, wahrhaft &#034;frei&#034; geworden, war &#034;inhaltslos&#034; geworden und wurde zu einer Floskel.&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt; [&lt;a href=&#034;#nb16&#034; class=&#034;spip_note&#034; rel=&#034;appendix&#034; title=&#034;Vgl. die Feststellung eines Hans Landsberg aus dem Jahr 1904: &#034;Es handelt (&#8230;)&#034; id=&#034;nh16&#034;&gt;16&lt;/a&gt;]&lt;/span&gt;&lt;br class='autobr' /&gt; Als Folgerung bleibt: Wer literarhistorisch nicht von &#034;der Moderne&#034; lassen will, der mu&#223; diese mit dem Naturalismus beginnen lassen. Ihre feminine Form wurde im Naturalismus gepr&#228;gt, und durchgesetzt wurde sie mit Hilfe seines &#034;modernen Dramas&#034;.&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		&lt;hr /&gt;
		&lt;div class='rss_notes'&gt;&lt;div id=&#034;nb1&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh1&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 1&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;1&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Der Expressionismus distanzierte sich sogar bewu&#223;t von &#034;der Moderne&#034;, die man als vergangen von sich wies.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb2&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh2&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 2&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;2&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Friedrich Engels: Alexander Jung, Vorlesungen &#252;ber die moderne Literatur der Deutschen. In: Karl Marx, Friedrich Engels: Werke. Berlin 1972, Bd. 1, S. 435&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb3&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh3&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 3&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;3&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Vgl. Fritz Martini: &#034;Modern, Die Moderne&#034;. In: Reallexikon der deutschen Literaturgeschichte, Berlin, New York 1958-1984, S. 391 - 415&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb4&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh4&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 4&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;4&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Moriz Heyne (Hrsg.): Deutsches W&#246;rterbuch, Leipzig 1890-1895 S. 848&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb5&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh5&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 5&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;5&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Bezeichnend lesen sich folgende Zeilen Ernst Haeckels: &#034;Das Geistesleben der Kulturv&#246;lker im letzten Dezennium des neunzehnten Jahrhunderts, dessen Abschlu&#223; wir mit raschen Schritten entgegeneilen, bietet dem unbefangenen und weitsichtigen Beobachter ein Schauspiel ohnegleichen. Auf der einen Seite bewundern wir mit freudigem Stolze die erstaunlichen Fortschritte der Naturwissenschaft, welche diesem Jahrhundert den Stempel aufdr&#252;ckt; wir durchfliegen in k&#252;rzester Zeit auf den Fl&#252;geln des Dampfes und der Elektrizit&#228;t die weitesten Entfernungen; wir untersuchen die chemische Zusammensetzung der entferntesten Weltk&#246;rper durch die Spektralanalyse; wir entschleiern die Wunder der unsichtbaren Welt durch das Mikroskop; und mit den wunderbaren Entdeckungen der empirischen Wissenschaften und ihrer praktischen Verwertung in der Technik geht Hand in Hand die gro&#223;artige Erweiterung unseres geistigen Gesichtskreises, welche wir dem Gesetze von der Erhaltung der Kraft verdanken, der Zellentheorie, dem Darwinismus, der Entwicklungstheorie usw.&#034; (Die Weltanschauung der monistischen Wissenschaft, in: Freie B&#252;hne. 3(1892)11, S. 1155)&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb6&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh6&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 6&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;6&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Nach Fritz Martini (wie Anm. 3) ver&#246;ffentlicht in der &#034;Allgemeinen Deutschen Universit&#228;tszeitung&#034; vom 1.1.1887, 1. Jg., Nr. 1, S. 10&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb7&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh7&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 7&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;7&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Vgl. Fritz Lienhard in dem Aufsatz &#034;Reformation der Litteratur&#034;. In: Litterarisch-kritische Rundschau (Teil von: Die Gesellschaft), 1888, Nr. 3, S. 146: &#034;Diese beiden Elemente, das Moderne im allgemeinen und im Modernen wieder das Germanische, werden und m&#252;ssen zur vollen Geltung kommen, wenn die deutsche Literatur wieder zu frischem Leben erstarken will.&#034;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb8&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh8&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 8&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;8&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Die sechste der &#034;Zehn Thesen&#034; lautet: &#034;Unser h&#246;chstes Kunstideal ist nicht mehr die Antike, sondern die Moderne.&#034; Die &#034;Zehn Thesen&#034; sind abgedruckt in: E. Ruprecht: Literarische Manifeste des Naturalismus, 1880-1892, Stuttgart 1962, S. 141. Ruprecht weist &#252;brigens das Jahr 1888 als Datum der Ver&#246;ffentlichung aus.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb9&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh9&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 9&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;9&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Siehe als Vergleich zu den &#034;Zehn Thesen&#034; den Aufsatz der Br&#252;der Hart (1882): &#034;Wir wollen eine neue, nationale Literatur!&#034; In: Kritische Waffeng&#228;nge, 1882; gek&#252;rzt in: E. Ruprecht (wie Anm. 8), S. 35-39)&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb10&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh10&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 10&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;10&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Heinrich Hart: &#034;Die realistische Bewegung. Ihr Ursprung, ihr Wesen, ihr Ziel&#034;. In: Kritisches Jahrbuch. 1/1889, S. 51; ders.: &#034;Der Kampf um die Form in der zeitgen&#246;ssischen Dichtung&#034;, in: ebenda, 2/1890, S. 64&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb11&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh11&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 11&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;11&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Heinrich u. Julius Hart: Kritische Waffeng&#228;nge, Leipzig 1882, S. 5f.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb12&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh12&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 12&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;12&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;In: Die Gesellschaft. 1(1885)40, S. 746&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb13&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh13&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 13&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;13&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Moriz Carriere: Ein Bekenntnis der 'Moderne'. In: Die Gegenwart; Wochenschrift f&#252;r Literatur, Kunst und &#246;ffentliches Leben, Nr. 13(1891), S. 196&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb14&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh14&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 14&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;14&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;&#034;Das Schlagwort, unter dem man die k&#252;nstlerischen Bestrebungen der Gegenwart zusammenzufassen pflegt, heisst Naturalismus. Nun ist es allerdings das entscheidende Kennzeichen der Moderne, dass sie keine einseitige Einzelrichtung ist, [...]&#034; (F. M. Fels: &#034;Die Moderne&#034;. In: Moderne Rundschau, 3/1891, S. 81) Fels setzte sich in diesem Aufsatz daf&#252;r ein, den Begriff der &#034;Moderne&#034; nicht nur auf Hauptmann, Holz und Schlaf zu beziehen. Er verband daher - im Sinne Bahrs zu dieser Zeit - den Naturalismus auch mit Begriffen wie &#034;Innenwelt&#034;, &#034;Seelenleben&#034;, &#034;Romantik&#034;.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb15&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh15&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 15&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;15&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;In &#034;Die &#220;berwindung des Naturalismus&#034; (1891) beschrieb Bahr die weitere Literaturentwicklung als drei &#034;Phasen der Moderne&#034;: In zwei naturalistischen Phasen sei zuerst die Umwelt, dann der Mensch beschrieben worden. Die dritte Phase, der &#034;neue Idealismus&#034;, der den Naturalismus &#252;berwunden habe, sei gekennzeichnet durch &#034;das Wiederfinden der forschenden Freude an sich&#034;, durch das &#034;Horchen nach dem eigenen Drang&#034;, durch das &#034;Nerv&#246;se&#034;. In: Ders.: Zur &#220;berwindung des Naturalismus, hrsg. v. G. Wunberg, Stuttgart 1968, S. 85 - 89)&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div id=&#034;nb16&#034;&gt;
&lt;p&gt;&lt;span class=&#034;spip_note_ref&#034;&gt;[&lt;a href=&#034;#nh16&#034; class=&#034;spip_note&#034; title=&#034;Anmerkungen 16&#034; rev=&#034;appendix&#034;&gt;16&lt;/a&gt;] &lt;/span&gt;Vgl. die Feststellung eines Hans Landsberg aus dem Jahr 1904: &#034;Es handelt sich darum, zu zeigen, dass wir auf historischem Wege, wenn wir also jetzt die Reaktion gegen den Naturalismus im modernen Symbolismus, in der Mystik und Neuromantik oder wie die Dinge sonst noch hei&#223;en m&#246;gen, ins Auge fassen, niemals zu einem sicheren Begriffe der Moderne gelangen.&#034; (Zit. n.: G. Wunberg: Die literarische Moderne. Frankfurt a.M. 1971, S. 156)&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
		</content:encoded>


		

	</item>
<item xml:lang="de">
		<title>&#034;Nach Diktat verreist&#034;</title>
		<link>https://www.andreas-venzke.de/offentliches/dies-und-das/article/nach-diktat-verreist</link>
		<guid isPermaLink="true">https://www.andreas-venzke.de/offentliches/dies-und-das/article/nach-diktat-verreist</guid>
		<dc:date>2014-02-27T08:28:33Z</dc:date>
		<dc:format>text/html</dc:format>
		<dc:language>de</dc:language>
		<dc:creator>Andreas Venzke</dc:creator>



		<description>
&lt;p&gt;Das Leben ist nicht ohne Schuld, leider. Man macht Fehler, t&#228;uscht sich und kann manchmal arg daneben liegen. Aber in manchen F&#228;llen hat man doch richtig gehandelt, wie man das jedenfalls vor dem eigenen Gewissen empfindet. In meinem Leben ist das hier so ein Fall. Da w&#252;rde ich hoffentlich wieder meine Stimme heben, auch wenn die Masse ganz anders schreit. &lt;br class='autobr' /&gt;
&#034;Dokumentation&#034; &lt;br class='autobr' /&gt; Leserbrief von Andreas Venzke an die Zeitschrift der IG Medien &#034;Kunst &amp; Kultur&#034; War nicht der VS einmal als (&#8230;)&lt;/p&gt;


-
&lt;a href="https://www.andreas-venzke.de/offentliches/dies-und-das/" rel="directory"&gt;Dies und das&lt;/a&gt;


		</description>


 <content:encoded>&lt;img src='https://www.andreas-venzke.de/sites/venzke/local/cache-vignettes/L150xH77/arton48-3f7d6.jpg?1678918251' class='spip_logo spip_logo_right' width='150' height='77' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;Das Leben ist nicht ohne Schuld, leider. Man macht Fehler, t&#228;uscht sich und kann manchmal arg daneben liegen. Aber in manchen F&#228;llen hat man doch richtig gehandelt, wie man das jedenfalls vor dem eigenen Gewissen empfindet. In meinem Leben ist das hier so ein Fall. Da w&#252;rde ich hoffentlich wieder meine Stimme heben, auch wenn die Masse ganz anders schreit.&lt;/p&gt;
&lt;h2 class=&#034;spip&#034;&gt;&#034;Dokumentation&#034;&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Leserbrief von Andreas Venzke an die Zeitschrift der IG Medien &#034;Kunst &amp; Kultur&#034;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;War nicht der VS einmal als links verrufen, und war dieser Ruf eigentlich so schlecht, da doch in Deutschland die Gesellschaft, mit der sich Schriftsteller auseinanderzusetzen haben, sowieso immer konservativ gewesen ist, mit der SPD auf der einen Seite, der CDU auf der anderen? Da&#223; aber die deutschen Schriftsteller mit dem, was sie &#246;ffentlich verbreiten, eben auch die deutsche Gesellschaft widerspiegeln und sie in der Mehrzahl wohl nie links gestanden haben, ist sicherlich immer eines der Probleme des VS gewesen. Seit der deutschen Wiedervereinigung schiebt nun diese ganze Gesellschaft mit unglaublichem Druck nach rechts. Wie wichtig sind da Verb&#228;nde, die dagegenhalten, Institutionen wie der VS! Doch wie h&#228;lt nun der VS dagegen, wenn eines seiner Mitglieder ausgerechnet die &#220;berreichung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels dazu nutzt, einmal mehr sein nationales Coming-Out zu inszenieren, wenn dieses Mitglied dazu die Erinnerung an den Holocaust diskreditiert, wenn ein solcher Kollege dabei die kritischen (und damit wenigen) Vertreter der &#246;ffentlichen Meinung zu &#034;Meinungssoldaten&#034; macht, die &#034;mit vorgehaltener Moralpistole den Schriftsteller in den Meinungsdienst n&#246;tigen&#034;, wenn ihm daf&#252;r noch an Ort und Stelle &#252;ber tausend Herrschaften, darunter die politische Elite des Landes, stehende Ovationen darbringen, wenn in dieser Stunde Ignatz Bubis, Vorsitzender des Zentralrates der Juden in Deutschland, am liebsten den Raum verlassen m&#246;chte, wenn sich eben Ignatz Bubis anschlie&#223;end von einem solchen Friedenspreistr&#228;ger vorhalten lassen mu&#223;, er (der ein &#220;berlebender des Holocaust ist) habe sich erst viel sp&#228;ter als der Friedenspreistr&#228;ger (der ein Wehrmachtssoldat war) mit Auschwitz befa&#223;t? Wird diesem Mitglied dann nahegelegt, aus dem VS auszutreten? Oder was passiert? Da lesen dann in Stuttgart zw&#246;lf Schriftstellerkollegen dessen Texte (&#034;viele noch h&#228;tten gern mitgemacht&#034;) - aus Protest dagegen, da&#223; &#034;gerade&#034; dieser Kollege &#034;in die rechtsradikale Ecke gestellt&#034; werde. So als w&#252;rde der Mann verfolgt! Und als der Bezirksverband Frankfurt der GEW zu einer kritischen Debatte &#252;ber einen solchen Friedensstifter einl&#228;dt, protestieren der Vorsitzende des VS, Fred Breinersdorfer, unterst&#252;tzt noch vom Vorsitzenden der IG-Medien, Detlef Hensche, &#034;in aller Sch&#228;rfe&#034; und im Namen ihrer Verb&#228;nde dagegen, den Friedenspreistr&#228;ger als &#034;Antisemiten zu denunzieren&#034;! Man glaubt das alles nicht. Um mich jedenfalls in Zukunft als VS-Mitglied, das ich noch bin, nicht unter falsche Freunde eingereiht zu finden, erkl&#228;re ich hiermit: Die Ansichten eines solchen &#034;Kollegen&#034; und dessen Verteidigung durch den VS usw. widern mich an.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Freiburg, den 3. M&#228;rz 1999&lt;br class='autobr' /&gt;
gez.: Andreas Venzke&lt;/p&gt;
&lt;hr class=&#034;spip&#034; /&gt;&lt;h2 class=&#034;spip&#034;&gt;Schriftverkehr zu diesem Leserbrief&lt;/h2&gt;&lt;hr class=&#034;spip&#034; /&gt;
&lt;p&gt;An: Kunst &amp; Kultur&lt;br class='autobr' /&gt;
Friedrichstr. 15&lt;br class='autobr' /&gt;
70174 Stuttgart&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Leserbriefe&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;3. M&#228;rz 1999&lt;br class='autobr' /&gt;
Sehr geehrte Damen und Herren,&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;hiermit m&#246;chte ich Sie darum bitten, den beiliegenden Leserbrief in der n&#228;chsten Ausgabe von &#034;Kunst und Kultur&#034; abzudrucken. Auch wenn ich mich sonst nie in Verbandsangelegenheiten eingemischt habe, in diesem Fall ist mir das sehr wichtig. Irgendwann reicht es - da mu&#223; man einfach aufstehen und sich erkl&#228;ren. Ich schicke Ihnen den Text zum leichteren Abdruck auch als Anlage einer E-Mail, Name: &#034;Leserbri.txt&#034;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit freundlichen Gr&#252;&#223;en&lt;br class='autobr' /&gt;
gez.: Andreas Venzke&lt;/p&gt;
&lt;hr class=&#034;spip&#034; /&gt;
&lt;p&gt;Als Fax an: Kunst &amp; Kultur&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Betr.: Leserbrief&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;6. M&#228;rz 1999&lt;br class='autobr' /&gt;
Sehr geehrte Damen und Herren,&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;in meinem Schreiben an Sie vom 3. M&#228;rz sind mir leider zwei Fehler unterlaufen. Sie haben ja gesehen, da&#223; ich den Leserbrieftext nicht, wie angek&#252;ndigt, auch per E-Mail geschickt habe (im Impressum von Kunst &amp; Kultur ist keine E-Mail-Adresse angegeben), sondern auf Diskette.&lt;br class='autobr' /&gt;
Au&#223;erdem bitte ich Sie, in dem Leserbrief Folgendes zu berichtigen (Sie haben das wohl schon selbst bemerkt): Zum Schlu&#223; mu&#223; es statt: &#034;... nicht unter falsche Freunde eingereiht ...&#034; &#8212; hei&#223;en: &#034;... nicht unter falschen Freunden eingereiht ...&#034;&lt;br class='autobr' /&gt;
Vielen Dank und noch einmal&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;freundliche Gr&#252;&#223;e&lt;br class='autobr' /&gt;
gez.: Andreas Venzke&lt;/p&gt;
&lt;hr class=&#034;spip&#034; /&gt;
&lt;p&gt;An: Kunst &amp; Kultur&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Leserbriefe&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;23. M&#228;rz 1999&lt;br class='autobr' /&gt;
Sehr geehrte Damen und Herren,&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;heute habe ich die neue Ausgabe von &#034;Kunst und Kultur&#034; erhalten. Allerdings finde ich darin nicht einen Leserbrief von mir abgedruckt, den ich Ihnen bereits am 3. M&#228;rz geschickt hatte. Daher meine Frage: Warum haben Sie diesen Leserbrief noch nicht abgedruckt? War die Zeitschrift zu jener Zeit schon umbrochen, gar schon gedruckt? Oder haben Sie mein Schreiben nicht erhalten? Ich hatte Ihnen allerdings am 6. M&#228;rz auch ein Fax mit einer kleinen Korrektur geschickt. Auf jeden Fall schicke ich Ihnen hiermit &#034;sicherheitshalber&#034; den Leserbrief noch einmal zu - mit der Bitte um Abdruck in der n&#228;chsten Ausgabe von &#034;Kunst und Kultur&#034;.&lt;br class='autobr' /&gt;
Ich w&#228;re Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir eine Nachricht zukommen lassen k&#246;nnten, was wohl der Grund daf&#252;r war, warum mein Leserbrief noch nicht ver&#246;ffentlicht worden ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit freundlichen Gr&#252;&#223;en&lt;br class='autobr' /&gt;
gez.: Andreas Venzke&lt;/p&gt;
&lt;hr class=&#034;spip&#034; /&gt;
&lt;p&gt;An: Kunst &amp; Kultur&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Redaktion&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;1. April 1999&lt;br class='autobr' /&gt;
Sehr geehrte Damen und Herren,&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;am 3. M&#228;rz hatte ich Ihnen einen Leserbrief mit der Bitte um Ver&#246;ffentlichung zugeschickt, daraufhin am 6. M&#228;rz ein Fax, schlie&#223;lich am 23. M&#228;rz ein Schreiben mit der Bitte, mir doch zu erkl&#228;ren, warum mein Leserbrief in &#034;Kunst &amp; Kultur&#034; noch nicht ver&#246;ffentlicht worden ist. Sie haben mir bis heute nicht geantwortet.&lt;br class='autobr' /&gt;
Da ich also davon ausgehen mu&#223;, da&#223; Sie mein Verlangen schlichtweg zu ignorieren gedenken, sende ich nun diesen Brief (einschl. meines Leserbriefs und meiner Schreiben an Sie) auch an den Vorstand der IG-Medien und des VS. Dazu erkl&#228;re ich: Angesichts der Reaktionen von IG-Medien und VS auf die durchaus &#034;geistiger Brandstiftung&#034; zu bezichtigende &#034;Friedenspreis&#034;-Rede Martin Walsers ist mein Leserbrief an &#034;Kunst &amp; Kultur&#034; f&#252;r mich die einzige M&#246;glichkeit, meine Mitgliedschaft in VS und IG-Medien moralisch weiterhin zu rechtfertigen. Sollten Sie mir diese M&#246;glichkeit nicht gew&#228;hren (die ich in einem demokratisch gef&#252;hrten Verband f&#252;r selbstverst&#228;ndlich erachte), k&#246;nnte ich zu einer &lt;i&gt;solchen &lt;/i&gt; Gewerkschaft nicht mehr stehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit freundlichen Gr&#252;&#223;en&lt;br class='autobr' /&gt;
gez.: Andreas Venzke&lt;/p&gt;
&lt;hr class=&#034;spip&#034; /&gt;&lt;blockquote class=&#034;spip&#034;&gt;
&lt;p&gt;An: Andreas Venzke&lt;br class='autobr' /&gt;
Freiburg im Br.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;12. April 1999&lt;br class='autobr' /&gt;
Sehr geehrter Herr Venzke,&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;in Beantwortung Ihrer ungehalteten Schreiben teile ich Ihnen mit, da&#223; erstens Ihr Brief in der Angelegenheit &#034;styx&#034; zu sp&#228;t eingetroffen ist. Das Heft war abgeschlossen und damit auch das Ende der Beitr&#228;ge zu diesem Thema gekommen. Wie Sie lesen konnten, ist das Thema ersch&#246;pfend behandelt.&lt;br class='autobr' /&gt;
Zweitens: Ihre Stellungnahme zu Walser kommt ebenfalls viel zu sp&#228;t. In unserem November-/Dezemberheft haben wir zu Walser Stellung bezogen, im &#252;brigen in Ihrem Sinn.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit freundlichen Gr&#252;&#223;en&lt;br class='autobr' /&gt;
gez. Josef Singldinger&lt;br class='autobr' /&gt;
(nach Diktat verreist)&lt;br class='autobr' /&gt;
f. d. R.&lt;br class='autobr' /&gt;
gez.: Ulrike K&#252;stler&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;&lt;hr class=&#034;spip&#034; /&gt;
&lt;p&gt;An: Kunst &amp; Kultur&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Redaktion&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;13. April 1999&lt;br class='autobr' /&gt;
Sehr geehrte Damen und Herren,&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;da Herr Singldinger nun also verreist ist, wende ich mich auf sein Schreiben vom 12. April weiterhin formal an Sie als &#034;Redaktion&#034;:&lt;br class='autobr' /&gt;
Erstens: Ich habe mit der Angelegenheit &#034;styx&#034; nichts, &#252;berhaupt nichts, zu tun. (Was doch so eine &#034;Verwechslung&#034; alles aussagt!)&lt;br class='autobr' /&gt;
Zweites: Als VS-Mitglied habe ich der Redaktion von &#034;Kunst &amp; Kultur&#034; einen Leserbrief geschickt, der bisher nicht gedruckt wurde. Es geht darin um die Art, wie sich VS und IG-Medien zu Martin Walser und seiner &#034;Friedenspreis&#034;-Rede verhalten haben. Die entsprechenden Stellungnahmen von VS und IG-Medien datieren vom Januar 1999. Ich erfuhr davon im Februar. Meinen Leserbrief schrieb ich am 3. M&#228;rz. (Sie k&#246;nnen dazu also schwerlich im November-Dezemberheft &#034;in meinem Sinn&#034; Stellung bezogen haben.) Darin mache ich deutlich, da&#223; ich das Verhalten von VS und IG-Medien zu Martin Walser und seiner &#034;Friedenspreis&#034;-Rede f&#252;r emp&#246;rend und mit meiner Einstellung als Gewerkschaftsmitglied nicht vereinbar halte. Ich bitte Sie nun zum letzten Mal darum, mir die Meinungsfreiheit zuzugestehen und meinen Leserbrief vom 3. M&#228;rz zu drucken. Damit ich &#252;ber Ihr weiteres Verhalten nicht wieder im unklaren bleibe, bitte ich Sie au&#223;erdem darum, mir ein zweites Mal zu antworten. Es reicht eine Karte mit den Worten: Wird gedruckt/Wird nicht gedruckt. (Herrn Singldingers Brief an mich vom 12. April und dieses Schreiben sende ich auch wieder an den Vorstand von VS und IG-Medien.)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit freundlichen Gr&#252;&#223;en&lt;br class='autobr' /&gt;
gez.: Andreas Venzke&lt;/p&gt;
&lt;hr class=&#034;spip&#034; /&gt;&lt;blockquote class=&#034;spip&#034;&gt;
&lt;p&gt;
An: Andreas Venzke&lt;br class='autobr' /&gt;
Freiburg im Br.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;12. April 1999&lt;br class='autobr' /&gt;
Sehr geehrter Herr Venzke,&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;um unseren Briefwechsel in der Angelegenheit Walser zu beenden, teile ich Ihnen mit, da&#223; Ihr Leserbrief nicht abgedruckt wird.&lt;br class='autobr' /&gt;
Leserbriefe in KUNST &amp; KULTUR sollen sich auf das, was in der Zeitschrift nachgelesen werden kann, beziehen. Der Brief Detlef Hensches an die GEW, in dem er die Formulierung eines Aufrufs dieser Gewerkschaft kritisiert und der der Grund Ihrer Stellungnahme ist, wurde nicht in KUNST &amp; KULTUR aufgenommen. Man kann also das, was Sie schreiben, nur verstehen, wenn man den Hintergrund kennt. Au&#223;erdem beziehen Sie sich auf einen Vorgang, der im Januar geschah. Aus journalistischen Gr&#252;nden, nicht aus inhaltlichen, m&#252;ssen wir uns auch an die Chronologie der Ereignisse halten.&lt;br class='autobr' /&gt;
Im &#252;brigen: Als ich im Oktober 1998 die Rede Walsers h&#246;rte, in der er unter anderem davon sprach, da&#223; Auschwitz &#034;instrumentalisiert&#034; w&#252;rde, war ich emp&#246;rt. Schrecklich ist f&#252;r mich heute, wenn Auschwitz, wie die Regierenden es uns vermitteln, tats&#228;chlich daf&#252;r herhalten mu&#223;, um den Kriegseinsatz im Kosovo zu legitimieren.&lt;br class='autobr' /&gt;
Im &#252;brigen finde ich Ihren Leserbrief gut; ich bitte Sie nur, wenn Sie wieder schreiben, dies rechtzeitig zu tun.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit freundlichen Gr&#252;&#223;en&lt;br class='autobr' /&gt;
gez.: Josef Singldinger&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;&lt;hr class=&#034;spip&#034; /&gt;
&lt;p&gt;An: Kunst &amp; Kultur&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Herrn Singldinger&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;26. April 1999&lt;br class='autobr' /&gt;
Sehr geehrter Herr Singldinger,&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;als h&#228;tten wir einen &#034;Briefwechsel&#034; in der Angelegenheit Walser gehabt! Ohne Sie zu kennen, habe ich einzig darum gebeten, da&#223; ich meine Meinung in Form eines Leserbriefs in &#034;Kunst und Kultur&#034;, sozusagen der Mitgliedszeitschrift meiner Gewerkschaft, &#246;ffentlich machen kann. Mein Anliegen haben Sie zuerst wochenlang ignoriert und auf mein Dr&#228;ngen hin dann geradezu abgefertigt. Und da Sie nun auch entscheiden, wann dieser &#034;Briefwechsel&#034; beendet ist, will ich Ihnen wenigstens noch antworten, da&#223; damit meine Mitgliedschaft in der IG-Medien beendet ist.&lt;br class='autobr' /&gt;
Die Art und Weise, wie IG-Medien und VS auf die &#034;Friedenspreis&#034;-Rede Martin Walser reagiert haben, finde ich emp&#246;rend. Da&#223; &lt;i&gt;mein &lt;/i&gt; Name da ausgenommen w&#228;re - nur in der Form eben meines Leserbriefs h&#228;tte ich meine weitere Mitgliedschaft in einer &lt;i&gt;solchen &lt;/i&gt; Gewerkschaft rechtfertigen k&#246;nnen. Ich m&#246;chte zu mir stehen k&#246;nnen.&lt;br class='autobr' /&gt;
Im &#252;brigen: Wollen Sie wirklich behaupten, da&#223; immer alles, was in &#034;Kunst und Kultur&#034; als Leserbrief erscheint (bzw. erschienen ist), sich auf einen entsprechenden Artikel der Zeitschrift bezieht (bzw. bezogen hat)? Und schr&#228;nken Sie diese Aussage nicht selbst ein: &#034;sollen sich beziehen&#034;? Und wie buchhalterisch ist es, wie sophistisch, wenn Sie dann anf&#252;hren, die Stellungnahme Detlef Hensches &#034;wurde nicht in Kunst &amp; Kultur aufgenommen&#034; - und das, was ich schreibe, k&#246;nne man also nur verstehen, wenn man den Hintergrund kennt? Meinen Sie das ernst? Meinen Sie, die Leser von &#034;Kunst &amp; Kultur&#034; lebten au&#223;er der Welt, h&#228;tten die Vorg&#228;nge nicht verfolgt, die Walsers Rede nach sich zog? Und wenn Sie das wirklich meinen sollten: In meinem Leserbrief mache ich den Hintergrund sichtbar! (Und &#252;berhaupt: Fungiert in einer Gewerkschaftszeitung die Leserbriefseite nicht prinzipiell als demokratisches Forum?)&lt;br class='autobr' /&gt;
Was am Ende &#034;die Chronologie der Ereignisse&#034; angeht: Da&#223; Sie einmal mehr darauf verweisen, spricht dem Ablauf geradezu Hohn. Wie ich Ihnen bereits geschrieben hatte: Die entsprechenden Stellungnahmen von VS und IG-Medien datieren vom Januar 1999, im Fall Hensche und GEW erst vom 26. Januar. Ich erfuhr davon sp&#228;t im Februar. Meinen Leserbrief schrieb ich am 3. M&#228;rz. Dessen Ver&#246;ffentlichung in der M&#228;rzausgabe von &#034;Kunst und Kultur&#034; (die zum Ende des Monats erschien) oder auch in der April-Ausgabe h&#228;tte wohl nicht gegen die &#034;Chronologie der Ereignisse&#034; gesprochen (bei einer Zeitschrift, die monatlich erscheint, auch nicht &#034;aus journalistischen Gr&#252;nden&#034;) - und w&#252;rde nicht einmal in der n&#228;chsten Ausgabe dagegen sprechen!&lt;br class='autobr' /&gt;
Ich kenne Sie nicht pers&#246;nlich, und ich wei&#223; nicht, was Sie dazu bewogen hat, mein Anliegen derart abzutun. Da ich in dieser Sache bisher auch nicht von anderen Stellungnahmen der IG-Medien oder des VS geh&#246;rt habe, mu&#223; ich nun allerdings davon ausgehen, deren sch&#228;ndliche Verteidigung Martin Walsers solle &#034;offiziell&#034; sowieso kein Thema sein. Das w&#252;rde freilich zu diesen Zeiten nur passen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit letztem Gru&#223;&lt;br class='autobr' /&gt;
gez.: Andreas Venzke&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;P. S.: Und zum letzten Mal auch der Hinweis, da&#223; eine Kopie dieses und Ihres Schreibens auch wieder an die Vorst&#228;nde von IG-Medien und VS geht.&lt;/p&gt;
&lt;hr class=&#034;spip&#034; /&gt;
&lt;p&gt;An: IG Medien&lt;br class='autobr' /&gt;
Theodor-Heuss-Stra&#223;e 16&lt;br class='autobr' /&gt;
70174 Stuttgart&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Vorstand&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;26. April 1999&lt;br class='autobr' /&gt;
Sehr geehrte Damen und Herren,&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;hiermit k&#252;ndige ich zum n&#228;chstm&#246;glichen Zeitpunkt meine Mitgliedschaft in der IG-Medien. Da&#223; Ihr Verband einen Schriftsteller, der die &#220;berreichung ausgerechnet eines bedeutenden Friedenspreises dazu nutzt, nationalistisch und kaum verhohlen antisemitisch zu argumentieren, nicht nur nicht mit dessen Verhalten konfrontiert, sondern sogar ausdr&#252;cklich verteidigt (&#034;in aller Sch&#228;rfe&#034;), kann ich nicht mittragen. (Die Vorstellung ein Grauen, dessen und seiner Verteidiger &#034;Kollege&#034; zu sein!) Die einzige M&#246;glichkeit, meine weitere Mitgliedschaft vor mir selbst zu rechtfertigen, w&#228;re die Ver&#246;ffentlichung eines Leserbriefs gewesen, den ich auch Ihnen zur Kenntnisnahme zugeschickt hatte. Da&#223; mir diese M&#246;glichkeit nicht gew&#228;hrt wird (und allein die Art, &lt;i&gt;wie &lt;/i&gt; dies geschah!) ist f&#252;r mich erst recht ein Zeichen daf&#252;r, da&#223; Ihr Verband eben so ist, wie er sich bei der Verteidigung jenes Schriftstellers geriert hat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Alles Gute&lt;br class='autobr' /&gt;
gez.: Andreas Venzke&lt;/p&gt;
&lt;hr class=&#034;spip&#034; /&gt;&lt;blockquote class=&#034;spip&#034;&gt;
&lt;p&gt;An: Andreas Venzke&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Freiburg im Br.&lt;br class='autobr' /&gt;
8. Juni 1999&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sehr geehrter Kollege Venzke,&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;nachdem wir nun nichts gegenteiliges mehr zu Ihrem K&#252;ndigungsschreiben geh&#246;rt haben, was wir im &#252;brigen sehr bedauern, best&#228;tigen wir Ihnen hiermit den K&#252;ndigungstermin gem. Satzung zum 30. Juni 1999.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit freundlichen Gr&#252;&#223;en&lt;br class='autobr' /&gt;
IG Medien - Druck und Papier, Publizistik und Kunst&lt;br class='autobr' /&gt;
Landesbezirk Baden-W&#252;rttemberg&lt;br class='autobr' /&gt;
gez.: Dagmar Mann&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;&lt;hr class=&#034;spip&#034; /&gt;&lt;blockquote class=&#034;spip&#034;&gt;
&lt;p&gt;An: Andreas Venzke&lt;br class='autobr' /&gt;
Freiburg&lt;br class='autobr' /&gt;
21. Juni 1999&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Lieber Andreas,&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;auf der Vorstandssitzung des VS letzte Woche erfuhr ich von Deinem Brief an Imre T&#246;r&#246;k sowie von Deinem bereits vollzogenen Austritt aus dem VS, den ich sehr bedaure.&lt;br class='autobr' /&gt;
Ich habe zu den Vorg&#228;ngen um Martin Walser eine andere Meinung, aber dar&#252;ber will ich nicht mit Dir diskutieren. Zwei Dinge m&#246;chte ich Dir sagen: als Redakteur der &#034;Feder&#034; bin ich auch hin und wieder in der Situation, Meinungs&#228;u&#223;erungen oder Leserbriefe nicht abdrucken zu k&#246;nnen, weil es den Rahmen sprengen w&#252;rde, weil es anderweitig bereits gesagt wurde, weil Diskussionen irgendwann &#034;ersch&#246;pft&#034; sind, ohne dabei unbedingt abgeschlossen zu sein. Bei einem Periodikum ist es ein begrenzter bestimmter Platz, bei der Diskussion am Stammtisch ist es die M&#252;digkeit oder die letzte Runde, weil das Lokal schlie&#223;t oder irgendetwas anderes...&lt;br class='autobr' /&gt;
Der zweite Punkt ist aber der wichtigere, und ich bitte Dich, da&#223; Du Dir Deinen Schritt noch mal &#252;berlegst. Du warst Mitglied eines Berufsverbandes, der mehr als 3000 Mitglieder hat, von denen bestimmt noch manch andere Dir nicht genehme politische Ansichten haben. Dennoch sch&#252;tzt Dich dieser Verband in der Aus&#252;bung Deines Berufes, und das ist auch sein Hauptzweck. Wenn Du nicht mehr Mitglied bist, kann der Verband sich auch nicht mehr f&#252;r Dich, in welcher Form auch immer, engagieren, denn das w&#228;re wiederum unfair gegen&#252;ber den treuen Verbandsmitgliedern. Das klingt jetzt reichlich formal, ist aber ein Fakt.&lt;br class='autobr' /&gt;
Ich bitte dich also herzlichst, Deine Entscheidung abzuw&#228;gen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;gez.: Viele Gr&#252;&#223;e Rolf Bergmann&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;&lt;hr class=&#034;spip&#034; /&gt;
&lt;p&gt;An: Rolf Bergmann&lt;br class='autobr' /&gt;
Frankfurt/M.&lt;br class='autobr' /&gt;
30. Juni 1999&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Lieber Rolf Bergmann,&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;danke f&#252;r Dein Schreiben. Ja, ich wei&#223; durchaus, wie wichtig es sein kann, Mitglied im VS zu sein. Doch mu&#223; ich zu einem solchen Verband stehen k&#246;nnen. Und das h&#228;tte ich nach den Reaktionen von VS und IG-Medien auf die Auslassungen Martin Walsers nur noch gekonnt, wenn in Form meines Leserbriefs &#246;ffentlich zu erkennen gewesen w&#228;re, da&#223; ich das Verhalten eines solchen Verbandes verabscheue. Mit Leuten, die Walsers dumpfe Stammtischparolen (sich von &#034;Auschwitz&#034; verfolgt zu f&#252;hlen, zu meinen, &#034;Auschwitz&#034; werde gegen die Deutschen benutzt, die Erinnerung an &#034;Auschwitz&#034; m&#252;sse Privatangelegenheit werden usw.) auch noch rechtfertigen, dabei kritische Stimmen denunzieren, gar zur Solidarit&#228;t mit ihm aufrufen - mit solchen Leuten will ich nichts teilen. Und wenn dann mein Anliegen, meine Meinung dazu &#246;ffentlich zu machen, zuerst ignoriert, dann gar b&#252;rokratisch arrogant abgetan wird (&#034;in Beantwortung Ihrer ungehaltenen Schreiben&#034;; &#034;nach Diktat verreist&#034; - was ganz und gar nichts mit den Gr&#252;nden zur Ablehnung eines Leserbriefs zu tun hatte, wie Du sie angef&#252;hrt hast) - da kommt dann eben alles zusammen. Nein, in einem solchen Verband, der auch noch einen Kollegen sch&#252;tzt, wenn dieser sich nationalistisch und gar antisemitisch geb&#228;rdet, in einem solchen Verband, der einen solchen Kollegen nicht mindestens mit dessen Aussagen konfrontiert - mindestens - und der dabei andere Meinungen unver&#246;ffentlicht l&#228;&#223;t - in einem solchen Verband will ich nicht mehr sein.&lt;br class='autobr' /&gt;
Dir w&#252;nsche ich weiterhin&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Alles Gute&lt;br class='autobr' /&gt;
gez.: Andreas Venzke&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		
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	</item>
<item xml:lang="de">
		<title>Schwarze Panik</title>
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		<dc:date>2014-02-20T17:56:37Z</dc:date>
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		<dc:creator>Andreas Venzke</dc:creator>



		<description>
&lt;p&gt;Morgens wache ich auf und bin ganz braun, also, meine Haut ist braun geworden. Ich schlie&#223;e wieder die Augen, denke kurz nach, vergewissere mich, nicht mehr zu tr&#228;umen; &#246;ffne erneut die Augen, blicke mich um, im Schlafzimmer, &#252;berall hin, endlich wieder auf mich, blinzele - hochgradig erregt - auf meine Haut, und stelle fest, ja, ich bin braun, nicht hellbraun, nicht knackig-sonnengebr&#228;unt braun, sondern kaffeebraun. Ich gerate au&#223;er mir, springe auf, renne ins Bad, vor den Spiegel und - ja (&#8230;)&lt;/p&gt;


-
&lt;a href="https://www.andreas-venzke.de/offentliches/dies-und-das/" rel="directory"&gt;Dies und das&lt;/a&gt;


		</description>


 <content:encoded>&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;Morgens wache ich auf und bin ganz braun, also, meine Haut ist braun geworden. Ich schlie&#223;e wieder die Augen, denke kurz nach, vergewissere mich, nicht mehr zu tr&#228;umen; &#246;ffne erneut die Augen, blicke mich um, im Schlafzimmer, &#252;berall hin, endlich wieder auf mich, blinzele - hochgradig erregt - auf meine Haut, und stelle fest, ja, ich bin braun, nicht hellbraun, nicht knackig-sonnengebr&#228;unt braun, sondern kaffeebraun. Ich gerate au&#223;er mir, springe auf, renne ins Bad, vor den Spiegel und - ja ja ja, ich bin braun und scheine noch immer brauner zu werden. Ich reibe an meiner Haut, will das abreiben, reibe wie verr&#252;ckt. Aber die Farbe bleibt. Zum Arzt, schie&#223;t es mir durch den Kopf, rasch zum Arzt! Ich springe in meine Hose, Hemd dr&#252;ber, und st&#252;rze aus dem Haus, ungewaschen. Unrasiert bin ich auch. Aber egal. Es geht um jeden Augenblick. Alles dauert lange, viel zu lange, und der Weg zum Arzt ist so weit. Ich renne und versuche den Gedanken niederzuhalten, dass sich mit jeder weiteren Minute meine Haut weiter br&#228;unt, vielleicht sogar schw&#228;rzt. Himmel noch mal, auch muss ich eine Station fahren und muss weitere, entscheidende Zeit verrinnen lassen. Am U-Bahnhof sto&#223;e ich auf eine Absperrung. Ich frage nicht nach ihrem Sinn, nehme sie nur wahr. Ausl&#228;nder werden gesucht, h&#246;re ich von irgendwoher. Verzweifelt dr&#228;nge ich vor, schreie, man solle mich zum Zug lassen. Hier mein Ausweis: Deutscher Staatsb&#252;rger, unbescholten! Ich m&#252;sse zum Arzt. Festnehmen! verstehe ich da: Festnehmen! Und &#252;ber die Sperre springe ich, die Treppen hinunter, zu dem Gleis, wo meine U-Bahn zum Arzt f&#228;hrt. Unten angelangt: keine U-Bahn, nur schwer bewaffnete Polizisten; Polizisten mit Maschinengewehren und vor sich eine Gruppe Ausl&#228;nder. Falsches Gleis, denke ich, und hetze um die n&#228;chste Ecke zum Fahrplan. Schon das richtige Gleis festgestellt und wieder los. Pl&#246;tzlich ein Anschreien. Ich mich umgedreht, den im Lauf stoppenden Polizisten gesehen, gesehen auch sofort den Gewehrlauf, die H&#228;nde hochgeworfen - da knallt der Schuss, trifft mich. Ich st&#252;rze, bin im Sterben, h&#246;re noch: Verdammter Neger, haben wir dich erwischt! - und rei&#223;e die Augen auf. Wach bin ich, bin in meinem Schlafzimmer, liege schweratmend auf dem Bett, und - nat&#252;rlich - ich habe wei&#223;e Haut: &lt;i&gt;Doch&lt;/i&gt; alles normal.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Copyright: Andreas Venzke&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		
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	</item>
<item xml:lang="de">
		<title>Ritualmord</title>
		<link>https://www.andreas-venzke.de/offentliches/dies-und-das/article/ritualmord</link>
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		<dc:date>2014-02-20T17:07:55Z</dc:date>
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		<dc:language>de</dc:language>
		<dc:creator>Andreas Venzke</dc:creator>



		<description>
&lt;p&gt;Andreas Venzke: &#034;Die unschuldigen Kinder von Endingen&#034; - Ein angeblich j&#252;discher Ritualmord im Mittelalter, als Gedenken fortgef&#252;hrt bis in die Neuzeit &lt;br class='autobr' /&gt;
Hier als pdf-Dokument &lt;br class='autobr' /&gt;
Hier als pdf-Dokument &lt;br class='autobr' /&gt;
Hier als pdf-Dokument &lt;br class='autobr' /&gt;
Aus: Damals 5/93 &lt;br class='autobr' /&gt;
Alle Formen der Ver&#246;ffentlichung nur mit ausdr&#252;cklicher Genehmigung des Verfassers &lt;br class='autobr' /&gt;
Copyright: Andreas Venzke&lt;/p&gt;


-
&lt;a href="https://www.andreas-venzke.de/offentliches/dies-und-das/" rel="directory"&gt;Dies und das&lt;/a&gt;


		</description>


 <content:encoded>&lt;img src='https://www.andreas-venzke.de/sites/venzke/local/cache-vignettes/L109xH150/arton37-8d306.jpg?1678960327' class='spip_logo spip_logo_right' width='109' height='150' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;h2 class=&#034;spip&#034;&gt;Andreas Venzke: &#034;Die unschuldigen Kinder von Endingen&#034; - Ein angeblich j&#252;discher Ritualmord im Mittelalter, als Gedenken fortgef&#252;hrt bis in die Neuzeit&lt;/h2&gt;&lt;div class='spip_document_55 spip_document spip_documents spip_document_image spip_documents_center spip_document_center spip_document_avec_legende' data-legende-len=&#034;11&#034; data-legende-lenx=&#034;&#034;
&gt;
&lt;figure class=&#034;spip_doc_inner&#034;&gt; &lt;a href='https://www.andreas-venzke.de/sites/venzke/IMG/jpg/image001.jpg' class=&#034;spip_doc_lien mediabox&#034; type=&#034;image/jpeg&#034;&gt; &lt;img src='https://www.andreas-venzke.de/sites/venzke/local/cache-vignettes/L500xH686/image001-0d445.jpg?1678903256' width='500' height='686' alt='' /&gt;&lt;/a&gt;
&lt;figcaption class='spip_doc_legende'&gt; &lt;div class='spip_doc_titre crayon document-titre-55 '&gt;&lt;strong&gt;Endingen1
&lt;/strong&gt;&lt;/div&gt; &lt;/figcaption&gt;&lt;/figure&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href='https://www.andreas-venzke.de/sites/venzke/IMG/pdf/pdf_output1.pdf' class=&#034;spip_in&#034; type='application/pdf'&gt;Hier als pdf-Dokument&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;div class='spip_document_56 spip_document spip_documents spip_document_image spip_documents_center spip_document_center spip_document_avec_legende' data-legende-len=&#034;11&#034; data-legende-lenx=&#034;&#034;
&gt;
&lt;figure class=&#034;spip_doc_inner&#034;&gt; &lt;a href='https://www.andreas-venzke.de/sites/venzke/IMG/jpg/image003.jpg' class=&#034;spip_doc_lien mediabox&#034; type=&#034;image/jpeg&#034;&gt; &lt;img src='https://www.andreas-venzke.de/sites/venzke/local/cache-vignettes/L500xH688/image003-cec83.jpg?1678903256' width='500' height='688' alt='' /&gt;&lt;/a&gt;
&lt;figcaption class='spip_doc_legende'&gt; &lt;div class='spip_doc_titre crayon document-titre-56 '&gt;&lt;strong&gt;Endingen2
&lt;/strong&gt;&lt;/div&gt; &lt;/figcaption&gt;&lt;/figure&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href='https://www.andreas-venzke.de/sites/venzke/IMG/pdf/pdf_output2.pdf' class=&#034;spip_in&#034; type='application/pdf'&gt;Hier als pdf-Dokument&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;div class='spip_document_57 spip_document spip_documents spip_document_image spip_documents_center spip_document_center spip_document_avec_legende' data-legende-len=&#034;11&#034; data-legende-lenx=&#034;&#034;
&gt;
&lt;figure class=&#034;spip_doc_inner&#034;&gt; &lt;a href='https://www.andreas-venzke.de/sites/venzke/IMG/jpg/image005.jpg' class=&#034;spip_doc_lien mediabox&#034; type=&#034;image/jpeg&#034;&gt; &lt;img src='https://www.andreas-venzke.de/sites/venzke/local/cache-vignettes/L500xH691/image005-e9d78.jpg?1678903256' width='500' height='691' alt='' /&gt;&lt;/a&gt;
&lt;figcaption class='spip_doc_legende'&gt; &lt;div class='spip_doc_titre crayon document-titre-57 '&gt;&lt;strong&gt;Endingen3
&lt;/strong&gt;&lt;/div&gt; &lt;/figcaption&gt;&lt;/figure&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href='https://www.andreas-venzke.de/sites/venzke/IMG/pdf/pdf_output3.pdf' class=&#034;spip_in&#034; type='application/pdf'&gt;Hier als pdf-Dokument&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aus: &lt;i&gt;Damals&lt;/i&gt; 5/93&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Alle Formen der Ver&#246;ffentlichung nur mit ausdr&#252;cklicher Genehmigung des Verfassers&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Copyright: Andreas Venzke&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		
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	</item>
<item xml:lang="de">
		<title>Johannes Gutenberg</title>
		<link>https://www.andreas-venzke.de/offentliches/dies-und-das/article/johannes-gutenberg</link>
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		<dc:date>2014-02-15T21:09:12Z</dc:date>
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		<dc:language>de</dc:language>
		<dc:creator>Andreas Venzke</dc:creator>



		<description>
&lt;p&gt;Johannes Gutenberg? Den Namen kennt man - irgendwie. Das ist doch ein ber&#252;hmter Deutscher, der Erfinder des Buchdrucks?! Aber sonst? Sonst hat man vielleicht einmal jenes Portr&#228;t gesehen, das meist mit dem Namen &#034;Johannes Gutenberg&#034; verbunden wird. &lt;br class='autobr' /&gt;
Doch ist auch dieses sogenannte &#034;Thevet-Portr&#228;t&#034;, wie alle Darstellungen des Buchdruck-Erfinders, nicht authentisch. &#220;berhaupt ist aus dem Leben des Johannes Gutenberg wenig &#252;berliefert. Sonst vor allem gibt es eine ganze Wissenschaft, die sich (&#8230;)&lt;/p&gt;


-
&lt;a href="https://www.andreas-venzke.de/offentliches/dies-und-das/" rel="directory"&gt;Dies und das&lt;/a&gt;


		</description>


 <content:encoded>&lt;img src='https://www.andreas-venzke.de/sites/venzke/local/cache-vignettes/L103xH150/arton30-982ea.jpg?1678960327' class='spip_logo spip_logo_right' width='103' height='150' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;Johannes Gutenberg? Den Namen kennt man - irgendwie. Das ist doch ein ber&#252;hmter Deutscher, der Erfinder des Buchdrucks?! Aber sonst?&lt;br class='autobr' /&gt;
Sonst hat man vielleicht einmal jenes Portr&#228;t gesehen, das meist mit dem Namen &#034;Johannes Gutenberg&#034; verbunden wird.&lt;/p&gt;
&lt;div class='spip_document_84 spip_document spip_documents spip_document_image spip_documents_center spip_document_center spip_document_avec_legende' data-legende-len=&#034;8&#034; data-legende-lenx=&#034;&#034;
&gt;
&lt;figure class=&#034;spip_doc_inner&#034;&gt; &lt;img src='https://www.andreas-venzke.de/sites/venzke/local/cache-vignettes/L400xH504/bildnis-a26d6.jpg?1678927789' width='400' height='504' alt='' /&gt;
&lt;figcaption class='spip_doc_legende'&gt; &lt;div class='spip_doc_titre crayon document-titre-84 '&gt;&lt;strong&gt;Thevet
&lt;/strong&gt;&lt;/div&gt; &lt;/figcaption&gt;&lt;/figure&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Doch ist auch dieses sogenannte &#034;Thevet-Portr&#228;t&#034;, wie alle Darstellungen des Buchdruck-Erfinders, nicht authentisch. &#220;berhaupt ist aus dem Leben des Johannes Gutenberg wenig &#252;berliefert.&lt;br class='autobr' /&gt;
Sonst vor allem gibt es eine ganze Wissenschaft, die sich mit den Anf&#228;ngen des Buchdrucks besch&#228;ftigt, auch und besonders mit Johannes Gutenberg.&lt;br class='autobr' /&gt;
Nun hat sich in Freiburg ein Autor herausgenommen, eine Biographie &#252;ber Johannes Gutenberg zu ver&#246;ffentlichen, die ein wenig Unruhe hervorgerufen hat. &#034;Johannes Gutenberg - Der Erfinder des Buchdrucks&#034; nennt sich diese Biographie, die 1993 von Andreas Venzke im Benziger-Verlag ver&#246;ffentlicht wurde.&lt;br class='autobr' /&gt;
Venzkes (nicht eben revolution&#228;re) Thesen messen sich am bestehenden Bild &#252;ber den Buchdruck-Erfinder und lauten im wesentlichen: Gutenberg war kein betrogenes Genie, sondern ein ausgebuffter Gesch&#228;ftsmann und auch zu seiner Zeit kein Vorbild an tugendhaftem Lebenswandel. Gutenberg war kein &#034;K&#252;nstler&#034;, sondern selbst nur ein &#034;Imitator&#034; (n&#228;mlich der Handschriftenvorlagen). Gutenberg konnte die Folgen seiner Erfindung nicht vorausgesehen, geschweige intendiert haben.&lt;br class='autobr' /&gt;
Im Nachwort seiner Gutenberg-Biographie liest sich das so:&lt;br class='autobr' /&gt;
&#034;Gutenberg ein vorw&#228;rtsgewandter, moderner Mensch, jemand, der dem Geist der Aufkl&#228;rung ein Lichtlein entz&#252;nden wollte, der nur das Gro&#223;e, Sch&#246;ne zu schaffen beabsichtigte? Mitnichten. Was immer man als Antriebe gelten l&#228;&#223;t, idealistische, nationalistische: Das Bild des hehren Geistesmenschen Gutenberg ist erst Jahrhunderte nach seinem Tod geschaffen worden; und es ist - mehr oder weniger intakt - bis heute bewahrt geblieben.&lt;br class='autobr' /&gt;
Da&#223; die Pers&#246;nlichkeit des Buchdruck-Erfinders als so makellos, rein und tugendhaft portr&#228;tiert werden konnte, liegt sicher an der unbefriedigenden Quellenlage zu seinem Leben. Derart l&#252;ckenhaft ist seine Biographie &#252;berliefert, da&#223; manchmal aus einem einzigen dokumentierten Beleg (wie &#034;&lt;i&gt;yezunt nit inlendig&lt;/i&gt;&#034; zu sein) auf ganze Lebensabschnitte geschlossen werden mu&#223;. Dies erkl&#228;rt jedoch nicht, warum noch heute dieses bestimmte Bild von Gutenberg besteht, das des Geniemenschen, der - nur dem Ideellen zugewandt und den schn&#246;den Mammon verachtend - alles f&#252;r seine Erfindung gegeben habe, um doch am Ende so schn&#246;de betrogen zu sein. Dieses Bild entstand erst in den K&#246;pfen all jener, die das &#034;Segensreiche&#034; des Buchdrucks notwendig auf dessen Erfinder &#252;bertragen sehen wollten. Wahre &#034;Kombinationsk&#252;nstler&#034; haben dabei das Kunstst&#252;ck fertiggebracht, die Biographie des verehrten Meisters nicht nur zu entstellen, sondern in ihr Gegenteil zu verkehren.&lt;br class='autobr' /&gt;
Denn das Gegenteil eines Idealisten war Gutenberg. Der Mainzer hat als verschlagener Gesch&#228;ftsmann zu gelten, der sich stets, wenn n&#246;tig r&#252;cksichtslos, seinen materiellen Vorteil zu verschaffen suchte. Gesch&#228;ftliches in gro&#223;em Ma&#223;stab bestimmte sein Leben. In diesem Sinne gab er sich zwar Neuem hin, blieb jedoch gesellschaftlich dem Alten verhaftet. Als adeliges Kind der Zeit z&#228;hlte er zu den Streits&#252;chtigsten seiner Klasse, so unvers&#246;hnlich, da&#223; er sich in der Auseinandersetzung zwischen Patriziern und Z&#252;nftlern m&#246;glicherweise mit seinem eigenen Bruder &#252;berwarf - und er durch diesen Streit schlie&#223;lich die Freiheit seiner Heimatstadt hinzugeben half. Selbst im (modernen) Hinblick auf seinen Charakter ist Gutenberg in keiner Weise geeignet, positiv herausgestellt zu werden. Immerhin verhaftete er eigenm&#228;chtig und eigenh&#228;ndig den Mainzer Stadtschreiber Nicolaus von Werstad und gab ihn erst nach gerichtlicher Aufforderung wieder frei, &#252;berzog er den ehrsamen Schottenlawel &#246;ffentlich mit schlimmsten Schm&#228;hworten, brach er der Adeligen Ennel von der Iserin T&#252;re das Eheversprechen. Hitzk&#246;pfig, l&#228;rmend und rabiat mu&#223; er aufgetreten sein. Vorbild einer tugendhafter Pers&#246;nlichkeit war Gutenberg gewi&#223; nicht.&lt;br class='autobr' /&gt;
Was schlie&#223;lich die mit seinem Namen verbundenen Druckwerke angeht, insbesondere die &#034;Gutenberg-Bibel&#034;, so k&#246;nnen auch diese in der Einsch&#228;tzung nicht absolut gesetzt werden: Aus der Sch&#246;nheit der ersten Mainzer Wiegendrucke hat man ja wieder auf Gutenbergs Sch&#246;nheitssinn geschlossen, und umgekehrt. Dabei hat man sich in seinem Urteil derart verstiegen, da&#223; in der Forschung wegen etlicher &#034;minderwertiger&#034; Drucke gar ein &#034;unbekannter Drucker&#034; erfunden wurde und man als Resultat dieser Betrachtungsweise im &#252;brigen ein verheerendes Bild von seinen Partnern Fust und Sch&#246;ffer entworfen hat. Trotz (oder wegen) seiner umw&#228;lzenden Erfindung blieb Gutenberg in &#034;k&#252;nstlerischen&#034; Dingen ein Nachahmer, wie er ja auch in allen &#252;brigen Dingen dem &#220;berkommenen verhaftet war.&lt;br class='autobr' /&gt;
So bleibt als Fazit der Verweis auf den Beginn dieser Darstellung, auf das Vorwort und den dort erw&#228;hnten Vergleich zwischen Gutenberg und Kolumbus, diesen beiden historisch so heroisch herausgehobenen Pers&#246;nlichkeiten. Wenn ebenfalls auf Kolumbus stets jener sinngem&#228;&#223;e Ausspruch &#252;bertragen wurde, wie ihn Ruppel auf Gutenberg bezogen hat, er habe die Welt aus ihren verrosteten Angeln heben wollen, so lassen sich die beiden Heroen in dieser Hinsicht tats&#228;chlich miteinander vergleichen, da&#223; n&#228;mlich, ins Gegenteil gewendet, beide &lt;i&gt;nichts&lt;/i&gt; dergleichen im Sinn hatten. Wie Kolumbus wollte auch Gutenberg nicht ein modernes Zeitalter einleiten, sondern ein altes, sein eigenes Zeitalter auf seine Art vorantreiben. Beiden Entdeckern fehlte eben die Eigenschaft, die ihnen sp&#228;ter immer wieder angeh&#228;ngt wurde, das geniale Vorausschauen in Zeiten, die sie angeblich einzuleiten beitragen wollten. Gutenberg hatte weder bedacht, wie die Konsequenzen seiner Erfindung auss&#228;hen, noch suchte er seine Erfindung in einem modernen Sinne umzusetzen. Er blieb den &#252;berkommenen Anschauungen seines Zeitalters verhaftet - nicht nur, weil er etwa als Patrizier f&#252;r &#252;berholte gesellschaftliche Rechte k&#228;mpfte, sondern auch, weil er trotz seiner revolution&#228;ren Erfindung deren Potenz nicht zu erkennen vermochte, er lediglich &#252;berkommene Inhalte massenhaft verbreitete und dem Vorbild der &#252;berlieferten Handschriftentechnik verhaftet blieb. Auch der Erfinder des Mobilletterndrucks half eher, ein Zeitalter abzuschlie&#223;en als ein neues zu er&#246;ffnen.&#034; (Aus: Andreas Venzke: Johannes Gutenberg - Der Erfinder des Buchdrucks. Benziger-Verlag. Z&#252;rich 1993. ISBN 3-545-34099-6. Preis: 29,80 DM)&lt;/p&gt;
&lt;hr class=&#034;spip&#034; /&gt;
&lt;p&gt;Gegen diese Art von Darstellung hat man sich in Mainz, dem geistigen Mittelpunkt aller Gutenberg-Verehrung, zu wehren versucht. Dazu hat man sogar das alterw&#252;rdige Gutenberg-Jahrbuch hergegeben. Hans-Joachim Koppitz, der Herausgeber des Gutenberg-Jahrbuchs, ver&#246;ffentlichte dort folgende Besprechung der Venzkeschen Biographie:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Hans-Joachim Koppitz&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Andreas Venzke: Johannes Gutenberg. Der Erfinder des Buchdrucks. Z&#252;rich: Benziger Verlag 1993. 370 S.&lt;/p&gt;
&lt;blockquote class=&#034;spip&#034;&gt;
&lt;p&gt;Nachdem Albert Kapr 1986 sein Buch &#252;ber Gutenberg im Urania-Verlag in Leipzig, Jena und Berlin zusammen mit dem Verlag f&#252;r popul&#228;rwissenschaftliche Literatur in Leipzig ver&#246;ffentlicht hat, brachte der Benziger Verlag in Z&#252;rich 1993 ein weiteres Gutenberg-Buch von einem Journalisten, Andreas Venzke, heraus. (Der Verlag ist inzwischen aufgel&#246;st, das Buch vom Patmos-Verlag in D&#252;sseldorf &#252;bernommen worden.)&lt;br class='autobr' /&gt;
Venzke schreibt f&#252;r das Geschichtsmagazin &#034;Damals&#034;, Tageszeitungen und Rundfunkanstalten. 1991 trat er mit einem Kolumbus-Buch hervor: Der &#034;Entdecker Amerikas&#034;; Aufstieg und Fall des Christoph Kolumbus. Es reizte ihn offenbar, &#252;ber einen anderen bedeutenden Mann des ausgehenden Mittelalters eine weitere Biographie zu schreiben. Aloys Ruppel, der bedeutende Gutenberg-Forscher, hat ihn anscheinend dazu angeregt durch seine Schrift: Die Erfindung der Buchdruckerkunst und die Entdeckung Amerikas (Mainz 1948). Venzke f&#252;hlt sich berufen, die Fr&#252;hdruck-Forschung kritisch zu sichten, das &#034;bisherige Gutenberg-Bild zurechtzur&#252;cken&#034; (so im Klappentext) und zu zeigen, wie sehr und wie oft die neuere Forschung, wie er glaubt, &#252;berholte Positionen vertritt. Der junge Journalist m&#246;chte frischen Wind in den verstaubten Forschungsbetrieb bringen.&lt;br class='autobr' /&gt;
Seinen Hauptangriff richtet er gegen die Heroisierung Gutenbergs, gegen die Autoren, die sich in &#034;Spekulationen und Lobeshymnen&#034; ergehen. Dabei &#252;bergeht er alle &#196;u&#223;erungen von Wissenschaftlern, die Gutenberg n&#252;chtern und abw&#228;gend beurteilen. Sie w&#252;rden nicht in sein Bild von den Forschern, die sich nicht auf der H&#246;he der Zeit befinden, passen.&lt;br class='autobr' /&gt;
F&#252;r Venzke ist Gutenberg alles andere als ein Idealist. &#034;Denn das Gegenteil eines Idealisten war Gutenberg. Der Mainzer hat als verschlagener Gesch&#228;ftsmann zu gelten.&#034; Unter solchen Aspekten hat Venzke die wenigen Quellen gelesen, um sein Urteil &#252;ber den Erfinder des &#034;Mobilletterndrucks&#034; - so lautet sein von ihm bevorzugter Ausdruck, um Gutenbergs Erfindung zu charakterisieren - auf einen Nenner zu bringen. Da&#223; Gutenberg mit dem Massenartikel Buch Geld verdienen wollte, das ist nicht neu, da&#223; er ein verschlagener Gesch&#228;ftsmann war, l&#228;&#223;t sich aus den Quellen nicht so leicht herauslesen, wie dies Venzke vorf&#252;hren m&#246;chte. Dazu ist die Zahl der aussagekr&#228;ftigen Archivalien und zeitgen&#246;ssischen Zeugnisse viel zu klein und verbietet solche Pauschalurteile. Zu diesem Bild von Gutenberg pa&#223;t es, da&#223; Venzke immer wieder in ihm einen r&#252;cksichtslosen Junker, &#034;ein adliges Kind der Zeit&#034; sah, der eher der mittelalterlichen Welt als der Neuzeit zugeh&#246;rt. Die Beweise f&#252;r solche Urteile bleibt Venzke weitgehend schuldig.&lt;br class='autobr' /&gt;
Denn da&#223; Gutenberg nicht vorbehaltlos als Patrizier galt, ist schon daraus zu schlie&#223;en, da&#223; er nicht in die M&#252;nzer-Hausgenossenschaft, zu der nicht wenige Mitglieder seiner Vorfahren geh&#246;rten, aufgenommen wurde, eben weil er nicht rein patrizischer Abstammung war, denn seine Mutter war die Tochter eines Kr&#228;mers, der zwar eine Patriziertochter geheiratet hatte, aber einem b&#252;rgerlichen Gesch&#228;ft nachging. Ob Gutenberg sich daher als Adeligen und Junker f&#252;hlte, ist fraglich. Wir wissen auch nicht, ob Gutenberg ein Handwerk erlernt hat. Nach Venzke ist das jedoch ausgeschlossen; denn ein Adeliger nahm nicht die M&#252;hen einer &#034;arebeit&#034; auf sich; vielmehr lie&#223; er andere f&#252;r sich schaffen, eine Feststellung, die Venzke mehrfach wiederholt. Nachweise kann er freilich nicht dazu anf&#252;hren.&lt;br class='autobr' /&gt;
&#034;Als Patrizier stolz und k&#228;mpferisch&#034; - so die Kapitel&#252;berschrift (S. 33) - verlie&#223; nach seiner Darstellung 1430 der wohl nicht mehr ganz junge Henne Gensfleisch mit anderen Patriziern nach den bekannten Stadtquerelen Mainz, ohne da&#223; wir wissen, was f&#252;r eine Ausbildung er aufzuweisen und ob er etwa in Erfurt studiert hatte (was Venzke mit Recht offen l&#228;&#223;t und wobei er vor allem H. Rosenfelds Argumentation folgt). Im Kapitel &#252;ber die &#034;Ausfahrt in die freie Reichsstadt Stra&#223;burg&#034; erfahren wir zu unserem Erstaunen, da&#223; Johannes Gutenberg wegen der Renten&#252;bertragung, die urkundlich bezeugt ist, sich mit seinem Bruder Friele &#252;berworfen h&#228;tte, ein weiteres Zeichen f&#252;r die &#034;Unerbittlichkeit&#034; seines Charakters (S. 54), auch dies nichts anderes als eine unbelegbare Vermutung. Im &#034;Eigenm&#228;chtigkeit und Adelsstolz&#034; &#252;berschriebenen Kapitel werden entsprechend dem Leitmotiv des r&#252;cksichtslosen Junkers in den Akten zu findende Ereignisse in diesem Sinne ausgelegt: Die Gefangennahme des Nikolaus von W&#246;rrstadt auf Ersuchen Gutenbergs in Stra&#223;burg in der Absicht, auf diese Weise die ausgebliebene Auszahlung der Rente der Stadt Mainz zu erzwingen, beruhte nicht auf veraltetem Recht, wie V. es darlegt, sondern wurde auch sonst damals praktiziert. Besonders &#252;berrascht, wie Venzke Gutenbergs Bruch des Verl&#246;bnisses mit Ennelin von der Iserin T&#252;r darstellt. Demnach h&#228;tte er mit diesem M&#228;dchen eine heimliche Ehe gef&#252;hrt und w&#228;re deshalb von ihr wegen des gebrochenen Eheversprechens verklagt worden! Auch dabei wird Gutenberg m&#246;glichst herabgesetzt; Venzke nimmt an, da&#223; es ihm dabei ums Geld ging, er aber den &#252;bereilten Schritt dann r&#252;ckg&#228;ngig machen wollte (warum?).&lt;br class='autobr' /&gt;
&#220;ber Gutenbergs drei Unternehmungen in Stra&#223;burg wird - fast m&#246;chte man sagen - nichts Neues berichtet, wenn auch hier und da manches unklar bleibt. Da&#223; er wieder einmal in &#034;R&#252;cksichtsloser Gesch&#228;ftsmanier&#034; (S. 95) gegen seine Partner in Stra&#223;burg nach Venzkes &#220;berzeugung vorging, &#252;berrascht freilich nicht mehr. Ohne Ungenauigkeiten geht es auch hier nicht ab, so etwa, wenn die Rede von Halbedelsteinen (S. 81) ist, wie dies auch sonst nicht selten in der Literatur zu lesen ist; denn der Ausdruck Halbedelsteine ist seit l&#228;ngerer Zeit von der Fachwelt als unzul&#228;ssig erkl&#228;rt worden.&lt;br class='autobr' /&gt;
In den folgenden Kapiteln &#252;ber die &#034;geheime Gemeinschaft&#034; S. 99 ff.) und die &#034;brisante Vier-Jahres-L&#252;cke&#034; (S. 129 ff.) (brisant mu&#223; sie sein!) berichtet das Buch, was in der Literatur zu finden ist, nat&#252;rlich immer so, da&#223; es in das allenthalben gezeigte Gutenberg-Bild pa&#223;t. Und wenn die Quellen nichts aussagen, dann werden Er&#246;rterungen und Darlegungen allgemeinerer Art eingef&#252;gt, so etwa &#252;ber Typenkunde, die Armagnaken, die Donate und &#228;hnliches, wobei anzumerken ist, da&#223; (Aemilius) Donatus, Lehrer des heiligen Hieronymus, f&#228;lschlich als &#034;altr&#246;mischer Sprachlehrer&#034; (S. 121) bezeichnet wird. Die Legenden wiederzugeben, die in die Welt gesetzt wurden, um Gutenberg den Ruhm des Erfinders der Typographie streitig zu machen, mag in einem popul&#228;rwissenschaftlichen Buch wie dem vorliegenden angehen, in einem wissenschaftlichen Werk w&#228;ren und sind sie &#252;berfl&#252;ssig, so die Berichte &#252;ber Johannes Brito, L. J. Coster und Prokop Waldfogel, &#252;ber die gen&#252;gend geschrieben worden ist, ebenso &#252;ber die Konkurrenten Gutenbergs, die Venzke nicht erw&#228;hnt.&lt;br class='autobr' /&gt;
Die folgenden Kapitel, die sich mit Gutenbergs Leben und Schaffen in Mainz besch&#228;ftigen, sind so verfa&#223;t, wie der Leser es erwartet: ein Res&#252;mee der Forschung unter den bekannten Gesichtspunkten. Der Unterschied zwischen den ostasiatischen Drucktechniken vor Gutenberg und denen des Mainzers oder der Mainzer wird aufgezeigt, und wir werden &#252;ber den Buchmarkt des 15. Jahrhunderts unterrichtet, so &#252;ber Diebold Laubers Programm, das allerdings weniger durch religi&#246;se Erbauungsliteratur, wie dies Venzke ausf&#252;hrt, als durch weltliche Epik auff&#228;llt. Da&#223; Gutenberg gegen&#252;ber Fust als r&#252;cksichtslos dargestellt wird, erwartet man, ebenso, da&#223; wieder Ungenauigkeiten vorkommen, so etwa wenn von einem Paulinus beim Druck von Abla&#223;briefen die Rede ist (S. 193), w&#228;hrend es sich vielmehr um Paulinus Chappe, den zypriotischen Gesandten, handelt, oder wenn gesagt wird (S. 205), da&#223; es zwei Leipziger Exemplare der B 42 gegeben h&#228;tte, die sich seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Moskau bef&#228;nden und nun zur&#252;ckgegeben werden sollen (in Wirklichkeit gab es in Leipzig drei Exemplare, wovon das eine sich nach wie vor im Besitz der Universit&#228;tsbibliothek befindet; &#252;ber die B 42 des Deutschen Buch- und Schriftmuseums der Deutschen B&#252;cherei berichtet ausf&#252;hrlich L. Reuschel im Leipziger Jahrbuch zur Buchgeschichte 2. 1992).&lt;br class='autobr' /&gt;
Immer wieder mokiert sich Venzke &#252;ber angebliche Fehlurteile von Forschern, die entweder l&#228;ngst widerlegt oder belanglos sind. Es gen&#252;gt oft, solche Stellen zu zitieren, so etwa: &#034;Dieser 'T&#252;rkenkalender', der symbolisch f&#252;r einen weiteren fatalen Irrweg (!) einer voreingenommenen Forschung um Gutenberg steht, l&#228;&#223;t sich als weiteres treffenden Beispiel herausstellen, wie durch eine analytisch wissenschaftliche Methode neue Erkenntnisse zu Gutenbergs Leben erlangt werden k&#246;nnen&#034; (S. 247). Da&#223; diese &#034;analytical bibliography&#034; nichts anderes ist als die Fortf&#252;hrung deutscher Methoden (Johannes Luther, Gustav Milchsack, Paul Schwenke usw. seinen stellvertretend genannt), scheint Venzke unbekannt zu sein.&lt;br class='autobr' /&gt;
W&#228;hrend er sich oft genug &#252;ber die unbelegbaren Thesen der Gutenberg-Forscher mokiert, stellt er weitere auf: So nimmt er &#034;guten Gewissens&#034; an, da&#223; &#034;Gutenberg sp&#228;testens im Jahr 1459 nach Bamberg &#252;bersiedelte&#034;, weil keine &#034;gegenteiligen Beweise&#034; existierten (S. 257). In einem weiteren Kapitel referiert er &#252;ber die Catholicon-Debatte, ohne Neues dazu beizutragen, was ihm nicht vorgeworfen werden soll. Fragliche Bemerkungen kommen aber auch hier wieder vor, wenn er darauf hinweist, da&#223; es damals so &#034;etwas Obskures wie das 'geistige Eigentum'&#034; als Begriff nicht gab (S. 278), als ob dieser wichtige Begriff, dessen Genese sich &#252;ber Jahrhunderte hinzog und der von gr&#246;&#223;ter Wichtigkeit f&#252;r die Entwicklung des Urheberrechts war und ist, etwas Obskures sei. Wenn es im gleichen Kapitel (&#034;Weitere neue Wege&#034;) hei&#223;t, da&#223; Peter Sch&#246;ffer &#034;bald auch profane und erste deutschsprachige Werke wie ein 'Kr&#228;uterbuch', 'Gart der Gesundheit', oder ein Geschichtswerk der Niedersachsen, die 'Cronecken der Sassen' des Konrad Bote&#034; druckte, dann kann man nur sagen: &#034;Hier irrt Venzke&#034;; denn vor 1485 beziehungsweise 1492, den Erscheinungsjahren dieser Titel, gab es bereits eine gro&#223;e Zahl deutschsprachiger profaner B&#252;cher: Ausgaben von Boners &#034;Edelstein&#034; bei Pfister 1461, des Alexanderromans (acht Ausgaben von 1473 bis 1489), des Trojaromans (sechs Ausgaben von 1474 bis 1489), des &#034;Parzival&#034; und des &#034;J&#252;ngeren Titurel&#034;, beide 1477 von Mentelin gedruckt, usw. usw. &#220;berhaupt gewinnt man den Eindruck, da&#223; Venzke kaum mit Einzelheiten der Buchproduktion des 15. Jahrhunderts vertraut ist. So findet sich auch kein Hinweis auf Inkunabelverzeichnisse wie den Gesamtkatalog der Wiegendrucke und seine Vorg&#228;nger (Hain, Copinger usw.).&lt;br class='autobr' /&gt;
Im Kapitel &#034;Das Ende&#034; werden wir &#252;ber die letzten Jahre seines Lebens unterrichtet und k&#246;nnen wie gewohnt Urteile und Aussagen Venzkescher Art lesen: da&#223; Gutenberg sich bei der Stiftsfehde &#034;als klassenbewu&#223;ter Patrizier ... wohl nicht abseits gehalten h&#228;tte&#034; (S. 285). Zudem wei&#223; er zu berichten: &#034;In jedem Fall r&#228;chte sich am Ende seines Lebens in fataler Weise sein stolzes Eintreten f&#252;r die Patrizier, ein Verhalten, das seinen Teil dazu beigetragen hatte, da&#223; sich die gesellschaftlichen Gruppen in Mainz bis zur Selbstaufgabe aufgerieben hatten&#034; (S. 289).&lt;br class='autobr' /&gt;
Das letzte Kapitel &#034;Und die Folgen&#034; macht uns in der Hauptsache mit Venzkes &#034;Philosophie&#034; &#252;ber die folgenden Jahrhunderte der Schriftentwicklung bekannt, worauf einzugehen nicht n&#246;tig ist. - Im &#034;Nachwort&#034; wiederholt er sein Urteil &#252;ber Gutenberg, der &#034;als verschlagener Gesch&#228;ftsmann zu gelten (hat), der sich stets, wenn n&#246;tig r&#252;cksichtslos, seinen materiellen Vorteil zu verschaffen suchte. Gesch&#228;ftliches in gro&#223;em Ma&#223;stab bestimmte sein Leben. In diesem Sinne gab er sich zwar Neuem hin, blieb jedoch gesellschaftlich dem Alten verhaftet.&lt;br class='autobr' /&gt;
Als adeliges Kind seiner Zeit z&#228;hlte er zu den Streits&#252;chtigsten seiner Klasse, so unvers&#246;hnlich, da&#223; er sich in der Auseinandersetzung zwischen Patriziern und Z&#252;nftlern m&#246;glicherweise mit seinem eigenen Bruder &#252;berwarf - und er durch diesen Streit schlie&#223;lich die Freiheit seiner Heimatstadt hinzugeben half ...&#034; (S. 328 f.). Dieses Bild von Gutenberg soll originell sein, es w&#228;re es in der Tat, wenn es durch Quellen zu belegen w&#228;re. Die sucht man weitgehend vergebens.&lt;br class='autobr' /&gt;
Die Fehlurteile Venzkes sind nicht zuletzt auf mangelnde Literaturkenntnis zur&#252;ckzuf&#252;hren. Selbstverst&#228;ndlich ist nicht zu erwarten, da&#223; die gesamte Gutenberg- und Fr&#252;hdruck-Literatur ber&#252;cksichtigt und angef&#252;hrt werden sollte. Aber wichtige Publikationen d&#252;rfen nicht &#252;bergangen werden, so P. Schwenkes Erg&#228;nzungsband zur Faksimile-Ausgabe der Gutenberg-Bibel (1923), die umfangreiche Einleitung zur Faksimile-Ausgabe der Mazarin-Bibel in Paris (1985), das Gutenberg-Symposion (GJ 1983), G. Powitz' Buch &#252;ber &#034;Die Frankfurter Gutenberg-Bibel&#034; (1990), Bechtels Gutenberg-Buch, K. Haeblers Handbuch der Inkunabelkunde (1925, engl. 1967), F. Geldners Inkunabelkunde (1978) u. a. m. Wenn auch das umfangreiche Werk von M. Gieseke (bei V. f&#228;lschlich Giesecke): Der Buchdruck in der fr&#252;hen Neuzeit genannt wird, fehlt jeder Hinweis, da&#223; es benutzt wurde, und jedes Anzeichen einer Auseinandersetzung damit. Zu den &#252;berspitzten und eigenwilligen Urteilen pa&#223;t es, da&#223; Venzke oft die Autoren der zitierten B&#252;cher oder Aufs&#228;tze zu charakterisieren oder ihren Beruf anzugeben versucht: F. Geldner wird als &#034;Oberregierungsbibliotheksrat&#034; vorgestellt (S. 37 und S. 205), in Wirklichkeit war er damals, 1975, Bibliotheksdirektor, Gottfried Zedler ist ihm der &#034;ber&#252;hmt-ber&#252;chtigte Gutenberg-Forscher&#034; (S. 117), Wieland Schmidt ist &#034;erster Direktor und Ordinarius f&#252;r Bibliothekswissenschaft&#034; &#034;S. 161, ohne Angabe, wo er dies ist bzw. war), was nicht korrekt ist (Schmidt war Direktor der FU-Bibliothek und apl. Professor), William Burton Todd ist ihm der &#034;hochm&#252;tige Todd&#034; (S. 226), Paul Needham fa&#223;te seine Er&#246;rterungen &#252;ber das Druckjahr des Catholicon &#034;h&#246;rbar schwer durchatmend&#034; (S. 268) zusammen usw. - Auch von grammatischen und &#228;hnlichen Schnitzern ist der Text nicht frei, so wenn es S. 11 hei&#223;t: &#034;... von dem erw&#228;hnten Aloys Ruppel, einer der wichtigsten Pers&#246;nlichkeiten ...&#034; oder S. 19: &#034;... Ethos; dieser manifestierte sich ...&#034; oder: &#034;Seit dem Amtsantritt des opportunistischen Strategen Enea Silvio Piccolomini zum Papst Pius II.&#034; (S. 281). Von Wunderlichkeiten dieser und anderer Art ist das Buch voll.&lt;br class='autobr' /&gt;
Die B&#252;cher &#252;ber Gutenberg von Albert Kapr und Andreas Venzke sind durch Guy Bechtels Monographie weithin &#252;berfl&#252;ssig und &#252;berholt.&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;(Aus: Gutenberg-Jahrbuch 1994. S. 18 - 21. Mainz. ISBN 3-7755-1994-7)&lt;/p&gt;
&lt;div class='spip_document_85 spip_document spip_documents spip_document_image spip_documents_center spip_document_center spip_document_avec_legende' data-legende-len=&#034;11&#034; data-legende-lenx=&#034;&#034;
&gt;
&lt;figure class=&#034;spip_doc_inner&#034;&gt; &lt;img src='https://www.andreas-venzke.de/sites/venzke/local/cache-vignettes/L450xH347/totenta-513c8.jpg?1678927789' width='450' height='347' alt='' /&gt;
&lt;figcaption class='spip_doc_legende'&gt; &lt;div class='spip_doc_titre crayon document-titre-85 '&gt;&lt;strong&gt;Totentanz
&lt;/strong&gt;&lt;/div&gt; &lt;/figcaption&gt;&lt;/figure&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Man hat also schweres Gesch&#252;tz gegen Venzkes Biographie aufgefahren. Immerhin waren in der &#252;ber 60j&#228;hrigen Ver&#246;ffentlichungsgeschichte des Gutenberg-Jahrbuchs bis dato ausdr&#252;cklich keine Rezensionen erschienen. Allerdings strotzt Koppitz' Rezension derart von Unterstellungen, Verdrehungen, Fehlern, falschen Behauptungen, da&#223; der Angegriffe dies so nicht stehenlassen wollte. Leider half aber selbst der Appell an Fairne&#223; nicht - das Gutenberg-Jahrbuch blieb f&#252;r eine Richtigstellung verschlossen.&lt;br class='autobr' /&gt;
So erscheint diese nun hier - einmal mehr ein sch&#246;nes Beispiel daf&#252;r, wie fachspezifisch, spitzfindig, gar possenhaft es in der (Druck-)Forschung zugeht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Andreas Venzke: Eine Richtigstellung&lt;/p&gt;
&lt;blockquote class=&#034;spip&#034;&gt;
&lt;p&gt;Seitdem im Gutenberg-Jahrbuch 1994 Hans-Joachim Koppitz' Rezension meiner Biographie &#252;ber Johannes Gutenberg (Benziger-Verlag; Z&#252;rich 1993) erschienen ist, frage ich mich: Wozu dient Unsachlichkeit? Wozu dient Polemik? Als Auszug aus einer halben Seite seiner Rezension lie&#223;e sich in Sachen Unsachlichkeit auflisten: &#034;Die sucht man weitgehend vergebens.&#034;; &#034;Auch von grammatischen und &#228;hnlichen Schnitzern ist der Text nicht frei [...]&#034;; &#034;Von Wunderlichkeiten dieser und anderer Art ist das Buch voll.&#034; - in Sachen Polemik: &#034;Das letzte Kapitel 'Und die Folgen' macht uns in der Hauptsache mit Venzkes 'Philosophie' &#252;ber die folgenden Jahrhunderte der Schriftentwicklung bekannt, worauf einzugehen nicht n&#246;tig ist.&#034;&lt;br class='autobr' /&gt;
Ich frage mich dar&#252;ber hinaus: Woher r&#252;hrt diese weitgehende Unsachlichkeit dieser und anderer Art, diese und &#228;hnliche Polemik, auf die einzugehen n&#246;tig w&#228;re? An einer Stelle der Rezension hei&#223;t es: &#034;Auch dabei wird Gutenberg m&#246;glichst herabgesetzt [...]&#034; Ich sage mir: Dieser gleichfalls unsachliche Einwand b&#246;te eine Erkl&#228;rung. Aber wie kann jemand aus der Lekt&#252;re meines Buches schlie&#223;en - wie kann mir &#252;berhaupt jemand unterstellen, ich wolle eine vor &#252;ber 500 Jahren verstorbene Pers&#246;nlichkeit denunzieren?&lt;br class='autobr' /&gt;
So frage ich nicht weiter nach Gr&#252;nden und sage einzig: Derart verschroben, verdreht und falsch ist Koppitz' Rezension meiner Biographie, da&#223; sich seine Einw&#228;nde nahezu s&#228;mtlich widerlegen lassen.&lt;br class='autobr' /&gt;
Koppitz' erster Einwand lautet: &#034;Da&#223; Gutenberg mit dem Massenartikel Buch Geld verdienen wollte, das ist nicht neu, da&#223; er ein verschlagender Gesch&#228;ftsmann war, l&#228;&#223;t sich aus den Quellen nicht so leicht herauslesen, wie dies Venzke vorf&#252;hren m&#246;chte. Dazu ist die Zahl der aussagekr&#228;ftigen Archivalien und zeitgen&#246;ssischen Zeugnisse viel zu klein und verbietet solche Pauschalurteile. Zu diesem Bild von Gutenberg pa&#223;t es, da&#223; Venzke immer wieder in ihm einen r&#252;cksichtslosen Junker, 'ein adeliges Kind der Zeit' sah, der eher der mittelalterlichen Welt als der Neuzeit zugeh&#246;rt. Die Beweise f&#252;r solche Urteile bleibt Venzke weitgehend schuldig.&#034; Wo in meiner Biographie erhebe ich den Anspruch, &#034;Beweise&#034; liefern zu wollen? Schon &#252;ber Indizien zum Leben Gutenbergs kann man erfreut sein, und die liefere ich genug. Wenn die &#252;berlieferten Dokumente jemanden zeigen, der im ausgehenden Mittelalter das Recht in die eigene Hand nimmt, der in seiner Heimatstadt so verbohrt f&#252;r die Rechte der Patrizier k&#228;mpft, da&#223; er seinen Bann in Kauf nimmt, der einer Adeligen das Eheversprechen bricht und einen Handwerker &#246;ffentlich mit schlimmen Schm&#228;hworten &#252;berzieht, der in einem Proze&#223; um die Herstellung von Pilgerzeichen mitleidlos seinen Vorteil wahrt, der Gelder aus einem gemeinschaftlichen Druckereibetrieb f&#252;r private Zwecke abzweigt - wie anders denn als typisches, adeliges Kind seiner Zeit, als jemanden, der sich r&#252;cksichtslos durchzusetzen bestrebt war, will man einen solchen charakterisieren? Da&#223; hingegen die &lt;i&gt;Gutenberg&lt;/i&gt;-Gesellschaft kr&#228;ftig mitgeholfen hat, das Gegenteil dieser Charakterisierung zu tradieren, wonach ausgerechnet Gutenberg gekennzeichnet wurde als betrogener, genialer K&#252;nstler, der seiner Zeit voraus gewesen sei - das ist vielleicht verst&#228;ndlich, jedenfalls nachvollziehbar; aber &#034;das geht mich nichts an&#034;, um die Worte des Buchdruck-Erfinders zu gebrauchen.&lt;br class='autobr' /&gt;
Koppitz erkl&#228;rt weiter: &#034;Denn da&#223; Gutenberg nicht vorbehaltlos als Patrizier galt, ist schon daraus zu schlie&#223;en [...]&#034; Behaupte ich irgendwo anderes, als da&#223; Gutenbergs Ahnenreihe nicht &#034;astrein&#034; war? Ich schreibe eben dies und folgere zudem, &lt;i&gt;weil&lt;/i&gt; seine Ahnen nicht alle &#034;of de monze&#034; geh&#246;rten, habe er sich wohl um so st&#228;rker als Adeliger herausstellen wollen.&lt;br class='autobr' /&gt;
Koppitz n&#228;chster Einwand lautet: &#034;Im Kapitel &#252;ber die 'Ausfahrt in die freie Reichsstadt Stra&#223;burg' erfahren wir zu unserem Erstaunen, da&#223; Johannes Gutenberg wegen der Renten&#252;bertragung, die urkundlich bezeugt ist, sich mit seinem Bruder Friele &#252;berworfen h&#228;tte, ein weiteres Zeichen f&#252;r die 'Unerbittlichkeit' seines Charakters.&#034; Auch diese Darstellung ist falsch. Was ich konstatiere, ist, da&#223; zu einer Zeit, als Johannes Gutenberg bedingungslos f&#252;r die Patrizier k&#228;mpfte und aus der Stadt ausgefahren war, sein Bruder als Mitglied des Mainzer Stadtrates ausgewiesen ist. Friele stand also auf Seiten des politischen Gegners. Wer kann wohl angesichts einer solch extremen politischen Gegens&#228;tzlichkeit von einer fortbestehenden Freundschaft zwischen den beiden Br&#252;dern ausgehen? Erst nach dieser Darstellung schreibe ich: &#034;Ein Indiz f&#252;r die entschiedene Zerstrittenheit der Br&#252;der w&#228;re auch darin zu sehen, wie die Vormundschaft &#252;ber die verbliebenen Kinder des Verstorbenen geregelt wurde&#034; (S. 54), wonach sich n&#228;mlich der Name des Friele in dem entsprechenden Dokument nicht findet.&lt;br class='autobr' /&gt;
Der n&#228;chste Einwand: &#034;Die Gefangennahme des Nikolaus von W&#246;rrstadt [...] beruhte nicht auf veraltetem Recht, wie V. es darlegt, sondern wurde auch sonst damals praktiziert.&#034; Gewi&#223; ging es im Falle der Festsetzung des Mainzer Stadtschreibers nicht um das sogenannte Einlager, worauf K. wohl anspielt, da Nicolaus von Werstad dem in Stra&#223;burg &#034;ausl&#228;ndigen&#034; Gutenberg ja nicht als diesem pers&#246;nlich haftender B&#252;rge &#034;begegnete&#034;. Wie ich dies in meiner Biographie zeige, wurde Nicolaus von Werstad als Vertreter der Stadt Mainz in persona von Gutenberg &#034;gepf&#228;ndet&#034;, d. h. als Geisel festgehalten. Und zum Stichwort &#034;Geisel&#034; hei&#223;t es etwa im bekannten &#034;Lexikon des Mittelalters&#034;, wissenschaftlich formuliert: &#034;Die urt&#252;ml. Pfandhaftung einer Person (oder mehrerer) wurde sowohl zum Zwecke der Garantierung der Leistung eines Dritten (Drittg.) wie auch einer eigenen Leistungspflicht durch den Schuldner selbst als Selbstvergeiselung bzw. Selbstgeiselhaft gegr&#252;ndet [...] Als Drittg. kam etwa ein Verb&#252;ndeter in Frage. Die sehr weit verbreitete Geiselschaft befand sich schon zur Zeit der germ. Volks- und Stammesrechte im Absterben. Im Verlaufe des Fr&#252;hMA war der G. bis auf unbedeutende Reste verschwunden.&#034;&lt;br class='autobr' /&gt;
Weiter f&#228;hrt Koppitz fort: &#034;Besonders &#252;berrascht, wie Venzke Gutenbergs Bruch des Verl&#246;bnisses mit Ennelin von [nicht &#034;von&#034;: &#034;zu&#034; - A. V.] der Iserin T&#252;r darstellt. Demnach h&#228;tte er mit diesem M&#228;dchen eine heimliche Ehe gef&#252;hrt und w&#228;re deshalb von ihr wegen des gebrochenen Eheversprechens verklagt worden! Auch dabei wird Gutenberg m&#246;glichst herabgesetzt; Venzke nimmt an, da&#223; es ihm dabei ums Geld ging, er aber den &#252;bereilten Schritt dann r&#252;ckg&#228;ngig machen wollte (warum?).&#034; Diese Darstellung ist so &#252;beraus falsch, da&#223; man meinen k&#246;nnte, Koppitz reflektiere eher dar&#252;ber, was er sich denkt, das ich schreibe, und nicht dar&#252;ber, was er geschrieben vorfindet. Tats&#228;chlich schreibe ich (eher am Rande): &#034;Spr&#228;che zwar die M&#246;glichkeit, da&#223; sich Gutenberg unter einem rein &#246;konomischen Kalk&#252;l zu jenem Eheversprechen hatte hinrei&#223;en lassen, eher gegen alle Wahrscheinlichkeit des Lebens in praxi, ist doch auch diese M&#246;glichkeit nicht von der Hand zu weisen.&#034; (S. 74) Und warum soll &#252;berraschend sein, was aus den Dokumenten eindeutig geschlu&#223;folgert werden kann, da&#223; Gutenberg in der Tat mit dieser Adeligen eine &#034;heimlich&#034; genannte Ehe eingegangen war, i. e. sie verf&#252;hrt hatte, und deshalb von ihr wegen dieses &#034;gebrochenen Eheversprechens&#034; verklagt wurde?&lt;br class='autobr' /&gt;
Weiter: &#034;Ohne Ungenauigkeiten geht es auch hier nicht ab, so etwa, wenn die Rede von Halbedelsteinen (S. 81) ist, wie dies auch sonst nicht selten in der Literatur zu lesen ist; denn der Ausdruck Halbedelsteine ist seit l&#228;ngerer Zeit von der Fachwelt als unzul&#228;ssig erkl&#228;rt worden.&#034; Was l&#228;&#223;t sich zu einem solch gewichtigen Vorwurf anf&#252;hren? - vielleicht am ehesten ein Zitat eben der &#034;Fachwelt&#034;, das von Heinz Hugo Schmiedt aus demselben Gutenberg-Jahrbuch stammt: &#034;Ein Vermerk in den Proze&#223;akten besagt, da&#223; Gutenberg einem seiner Gesellschafter das 'steine bollieren' beigebracht habe. In der Literatur wird dies vielfach mit dem Schleifen von Edelsteinen gleichgesetzt. [...] Das Edelsteinschleifen ist ein schwieriges und m&#252;hseliges Handwerk, dessen Auftrag [der Auftrag des Handwerks? - A. V.] wenig sch&#246;pferischen Freiraum bietet. Man kann sich kaum vorstellen, da&#223; der genialische Patrizier und Manager Gutenberg Zeit, Lust und Geduld hatte, es zu erlernen [...] Vermutlich [Hervorhebung von mir - A. V.] war mit dem 'stein bollieren' das Entgraten und Gl&#228;tten der Spiegelrohlinge gemeint [...]&#034;&lt;br class='autobr' /&gt;
Weiter: &#034;[...] wobei anzumerken ist, da&#223; (Aemilius) Donatus [...] f&#228;lschlich als 'altr&#246;mischer Sprachlehrer' (S. 121) bezeichnet wird.&#034; Ich verweise auf den Eintrag zu &#034;Donatus, Aelius[!]&#034; im &#034;Pauly&#034;: &#034;[...] lebte nach dem Zeugnis seines Sch&#252;lers Hieronymus [...] um die Mitte des 4. Jhdts. in Rom.&#034; Daneben m&#246;chte ich sowohl aus dem Grimmschen W&#246;rterbuch zitieren, wo es unter dem Eintrag &#034;Altr&#246;misch&#034; hei&#223;t: &#034;latinus, gegensatz des neur&#246;mischen, italienisch&#034; - als auch aus dem &#034;Brockhaus-Wahrig&#034;, wo sich unter &#034;altr&#246;misch&#034; findet: &#034;aus dem alten Rom stammend, zu ihm geh&#246;rig&#034;&lt;br class='autobr' /&gt;
Weiter: &#034;Die Legenden wiederzugeben, die in die Welt gesetzt wurden, um Gutenberg den Ruhm des Erfinders der Typographie streitig zu machen, mag in einem popul&#228;rwissenschaftlichen Buch wie dem vorliegenden angehen, in einem wissenschaftlichen Werk w&#228;ren und sind sie &#252;berfl&#252;ssig, so die Berichte &#252;ber Johannes Brito, L. J. Coster und Prokop Waldfogel, &#252;ber die gen&#252;gend geschrieben worden ist, ebenso &#252;ber die Konkurrenten Gutenbergs, die Venzke nicht erw&#228;hnt.&#034; Diese verdrehte Argumentation, mich der &#034;Popul&#228;rwissenschaftlichkeit&#034; zu zeihen und mich zugleich an &#034;Wissenschaftlichkeit&#034; zu messen, mu&#223; man sich auf der Zunge zergehen lassen! Hauptsache: Semper aliquid haeret.&lt;br class='autobr' /&gt;
Weiter: &#034;[...] wir werden &#252;ber den Buchmarkt des 15. Jahrhunderts unterrichtet, so &#252;ber Diebold Laubers Programm, das allerdings weniger durch religi&#246;se Erbauungsliteratur, wie dies Venzke ausf&#252;hrt, als durch weltliche Epik auff&#228;llt.&#034; Unter den 40 B&#252;chern, die in Loubers &#034;Verlagsprogramm&#034; aufgelistet sind, lassen sich die epischen Werke an einer Hand abz&#228;hlen; es finden sich aber darin &#252;ber ein Dutzend Titel religi&#246;ser Werke.&lt;br class='autobr' /&gt;
Weiter: &#034;[...] erwartet man, ebenso, da&#223; wieder Ungenauigkeiten vorkommen, so etwa wenn von einem Paulinus beim Druck von Abla&#223;briefen die Rede ist (S. 193), w&#228;hrend es sich vielmehr um Paulinus Chappe, den zypriotischen Gesandten handelt [...]&#034; Ich schreibe &#252;ber die Zyprischen Abla&#223;briefe, da&#223; in diesen die Auszeichnungsschrift &#034;f&#252;r den Namen des Herausgebers (Paulinus) [dessen Vorname ist n&#228;mlich hervorgehoben - A. V.] nur eine Abart entweder der B-42-Type oder der B-36-Type&#034; darstelle. Gewi&#223;, die Bezeichnung &#034;Herausgeber&#034; ist nicht ganz gl&#252;cklich gew&#228;hlt.&lt;br class='autobr' /&gt;
Weiter: Ich bin in meiner Biographie an einer Stelle von zwei anstatt drei Leipziger Exemplaren der B-42 ausgegangen. Ein Fehler, in der Tat!&lt;br class='autobr' /&gt;
Weiter: &#034;Da&#223; diese 'analytical bibliography' nichts anderes ist als die Fortf&#252;hrung deutscher Methoden [...], scheint Venzke unbekannt zu sein.&#034; So wird dies auch einem Severin Corsten unbekannt sein, dessen Zitat ich in meiner Biographie anf&#252;hre: &#034;'Wenn wir ehrlich sind, m&#252;ssen wir gestehen, da&#223; der entscheidende Schlag der im angels&#228;chsischen Raum entwickelten analytical bibliography gelungen ist.'&#034; (S. 253)&lt;br class='autobr' /&gt;
Es folgen zwei weitere Einw&#228;nde, auf die ich erst am Schlu&#223; eingehen kann.&lt;br class='autobr' /&gt;
Weiter im Text: &#034;Aber wichtige Publikationen d&#252;rften nicht &#252;bergangen werden, so [...]&#034; Welch kurioser Vorwurf, da ich mich doch angesichts der Vielzahl der von mir studierten Schriften ausdr&#252;cklich darauf beschr&#228;nkt habe, eine &#034;Liste aller zitierter [!] Literatur&#034; anzuf&#252;gen!&lt;br class='autobr' /&gt;
Weiter: &#034;Wenn auch das umfangreiche Werk von M. Gieseke (bei V. f&#228;lschlich Giesecke): der Buchdruck in der fr&#252;hen Neuzeit genannt wird, fehlt jeder Hinweis, da&#223; es benutzt wurde [...]&#034; Ich r&#228;ume es ein: Eine weiterer von K. entdeckter Fehler!&lt;br class='autobr' /&gt;
Ein letzter Vorwurf w&#228;re, da&#223; ich Ferdinand Geldner als &#034;Oberregierungsbibliotheksrat&#034; bezeichnet habe und Wieland Schmidt als &#034;ersten Direktor und Ordinarius f&#252;r Bibliothekswissenschaft&#034;, Angaben, die ich nicht auf ihre Aktualit&#228;t &#252;berpr&#252;fte. Man verzeihe mir.&lt;br class='autobr' /&gt;
Was bleibt, sind die angezeigten drei oder vier &#034;Fehler&#034;, &#034;Irrt&#252;mer&#034;, &#034;Ungenauigkeiten&#034;, die ich zur Korrektur dankbar annehme. Aber h&#228;tte ich nicht als irrendes Menschlein um die M&#246;glichkeit solcher Lapsus gewu&#223;t? Ausdr&#252;cklich m&#246;chte ich in meiner Biographie auf die &#034;Vorbemerkung&#034; verweisen ...&lt;br class='autobr' /&gt;
Was aber sind dies nun f&#252;r Einw&#228;nde gegen ein Werk, das einen anderen Anspruch an die Biographie Gutenbergs erhebt als die gewisserma&#223;en &#034;traditionellen&#034; Postulate, insbesondere einer Gutenberg-Gesellschaft? Was ist eine Rezension, die alle wesentlichen Thesen meiner Biographie &#252;bergeht und sich an vergleichsweise unbedeutenden Fehlern aufh&#228;ngt - eine Rezension, die darin besteht, da&#223; man ein Buch ansieht gleich einem Orientteppich, in dem es Webfehler zu entdecken gilt? Ich kann dazu hier meine Meinung nicht formulieren.&lt;br class='autobr' /&gt;
Weil mir allerdings Koppitz vorgemacht hat, mit einem Hinweis in Sachen Sprachgebrauch zu schlie&#223;en, m&#246;chte auch ich dies tun. Er schreibt: &#034;Auch von grammatischen und &#228;hnlichen Schnitzern ist der Text nicht frei, [...]&#034; Es folgen drei &#034;Schnitzer&#034;, die auf den Seiten 11, 19 und 281 gefunden wurden. Nach deren Auflistung urteilt Koppitz: &#034;Von Wunderlichkeiten dieser und anderer Art ist das Buch voll.&#034; Unter diesen drei &#034;Schnitzer&#034;-Funden ist der zweite ein falscher Kasusgebrauch (der anstatt das Ethos), der dritte eine schiefe Formulierung (&#034;Amtsantritt zum Papst&#034;) und der erste (&#034;von dem erw&#228;hnten Aloys Ruppel, einer der wichtigsten Pers&#246;nlichkeiten&#034;) korrektes Deutsch. Ich danke f&#252;r die beiden Korrekturangaben, meine jedoch, da&#223; auch (und besonders) im&lt;br class='autobr' /&gt;
Umgang mit Sprache Fehler - und Fehler im Erkennen von Fehlern - nur allzu menschlich sind, &#034;wunderlich&#034; nicht. In diesem&lt;br class='autobr' /&gt;
Sinne w&#252;rde ich auch den Sprachgebrauch in Koppitz' knapp drei Seiten langem Text nicht als wunderlich bezeichnen: &#034;Nachdem Albert Kapr 1986 sein Buch [...] ver&#246;ffentlicht hat, brachte [...]&#034;; &#034;Zu diesem Bild von Gutenberg pa&#223;t es, da&#223; Venzke in ihm immer wieder 'ein adeliges Kind der Zeit' sah [...]&#034;; &#034;[...] was Venzke mit Recht offen l&#228;&#223;t [...]&#034;; &#034;[...] als ob dieser wichtige Begriff [...] etwas Obskures sei.&#034;; &#034;Aber wichtige Publikationen d&#252;rften nicht &#252;bergangen werden [...]&#034;.&lt;br class='autobr' /&gt;
Schulmeisterlich folgere ich, da&#223; nun &lt;i&gt;diese&lt;/i&gt; &#034;grammatischen Schnitzer&#034; von systematischen Schwierigkeiten im Sprachgebrauch zeugen, vor allem beim Einsatz der korrekten Verbform. Darauf hinzuweisen, erspare ich mir schon deswegen nicht die Peinlichkeit, um folgendes herauszustellen: In Koppitz' gesamtem Text wird die indirekte Rede falsch gebraucht, n&#228;mlich stets entweder in der Indikativform wie etwa, &#034;Da&#223; er wieder einmal in 'r&#252;cksichtsloser Gesch&#228;ftsmanier' (S. 95) gegen seine Partner in Stra&#223;burg nach Venzkes &#220;berzeugung vorging, [...]&#034; - oder in der Form des zweiten Konjunktivs, &#034;Demnach h&#228;tte er mit diesem M&#228;dchen eine heimliche Ehe gef&#252;hrt und w&#228;re deshalb von ihr wegen des gebrochenen Eheversprechens verklagt worden!&#034;. W&#228;re die indirekte Rede richtig gebraucht worden, l&#228;sen sich wenigstens diese entsprechenden Passagen so, wie sie wohl gemeint waren: sachlicher.&lt;br class='autobr' /&gt;
In der Hauptsache lasse ich mich aber auf diese peinliche Schulmeisterlichkeit ein, weil sich anscheinend nur so jene zwei Einw&#228;nde erkl&#228;ren lassen, die ich zuvor &#252;bergangen habe. Koppitz schreibt: &#034;Wenn es im gleichen Kapitel ('Weitere neue Wege') hei&#223;t, da&#223; Peter Sch&#246;ffer 'bald auch profane und erste deutschsprachige Werke [&#034;,&#034;; falsch zitiert - A. V.] wie ein 'Kr&#228;uterbuch', 'Gart der Gesundheit' [&#034;der 'Gart der Gesundheit'&#034;; falsch zitiert - A. V.], oder ein Geschichtswerk der Niedersachsen, die 'Cronecken der Sassen' des Konrad Bote' druckte, dann kann man nur sagen: 'Hier irrt Venzke'; [...]&#034; Anschlie&#223;end bringt Koppitz eine ganze Auflistung von deutschsprachigen Titeln, die bereits zuvor gedruckt worden waren, und er folgert: &#034;&#220;berhaupt gewinnt man den Eindruck, da&#223; Venzke kaum mit Einzelheiten der Buchproduktion des 15. Jahrhunderts vertraut ist.&#034; (Dabei f&#252;hrt er als weiteres Beispiel an, in meinem ausdr&#252;cklich &#034;popul&#228;r&#034;-wissenschaftlich verfa&#223;ten Buch sei &#034;kein Hinweis auf Inkunabelverzeichnisse wie den Gesamtkatalog der Wiegendrucke und seine Vorg&#228;nger (Hain, Copinger usw.) zu finden&#034;. - Ich wollte vermeiden, da&#223; sich meine Biographie stellenweise &#228;hnlich einem Kursbuch ausn&#228;hme!) Ich will angesichts einer solchen Darstellung von nichts anderem als sprachlichem Unverm&#246;gen ausgehen, wenn mir unterstellt wird, ich w&#252;rde meinen, bei Peter Sch&#246;ffer w&#228;ren &lt;i&gt;die ersten&lt;/i&gt; deutschsprachigen Werke gedruckt worden und nicht erste, d. h. erste Werke &lt;i&gt;unter anderen&lt;/i&gt;. H&#228;tte ich &#034;die ersten deutschsprachigen Werke&#034; gemeint und mich also geirrt - ich h&#228;tte es mit Sicherheit so geschrieben.&lt;br class='autobr' /&gt;
Ebenfalls mit einem sprachlichen Ph&#228;nomen hat der letzte der beiden Einw&#228;nde zu tun, die ich hier erst am Schlu&#223; auff&#252;hre - allerdings mit einem gewisserma&#223;en metasprachlichen Ph&#228;nomen, der Ironie. In Koppitz' Rezension hei&#223;t es im Satz zuvor: &#034;Fragliche Bemerkungen kommen aber auch hier wieder vor, wenn er darauf hinweist, da&#223; es damals so 'etwas Obskures wie das 'geistige Eigentum'' als Begriff nicht gab (S. 278), als ob dieser Begriff [...] etwas Obskures sei.&#034; Ich erkenne den ehrf&#252;rchtigen Ernst dieser Welt, wenn mir &lt;i&gt;als Autor&lt;/i&gt; unterstellt wird, ich wisse nicht um die Wichtigkeit des rechtlichen Schutzes von geistigem Eigentum und ich h&#228;tte folgenden Satz nicht mit einer gewissen Ironie geschrieben: &#034;[...] so kann ein solches Verhalten [von Peter Sch&#246;ffer, n&#228;mlich Gutenberg nicht kategorisch den Erfinderruhm zuzusprechen - A. V.] in keiner Weise mit den Moralma&#223;st&#228;ben der heutigen Gesellschaftsordnung gemessen werden, die auf das Individuelle des Menschen abzielt, Benutzer und Patentrechte kennt und selbst etwas derart Obskures wie das 'geistige Eigentum' sch&#252;tzt.&#034; (S. 278)&lt;br class='autobr' /&gt;
Ich will und kann mich hier nicht fragen: Wozu dient eine solche Rezension? Ich kann hier nur feststellen: Solange die Aussagen meiner Biographie anders denn auf Koppitz' Weise nicht widerlegt werden - solange gelten sie.&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;&lt;div class='spip_document_86 spip_document spip_documents spip_document_image spip_documents_center spip_document_center spip_document_avec_legende' data-legende-len=&#034;12&#034; data-legende-lenx=&#034;&#034;
&gt;
&lt;figure class=&#034;spip_doc_inner&#034;&gt; &lt;img src='https://www.andreas-venzke.de/sites/venzke/local/cache-vignettes/L350xH493/narr-08c03.jpg?1678927789' width='350' height='493' alt='' /&gt;
&lt;figcaption class='spip_doc_legende'&gt; &lt;div class='spip_doc_titre crayon document-titre-86 '&gt;&lt;strong&gt;B&#252;chernarr
&lt;/strong&gt;&lt;/div&gt; &lt;/figcaption&gt;&lt;/figure&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;&#034;Fehler im Erkennen von Fehlern&#034;? Hierzu eine Stellungnahme, vielleicht&lt;br class='autobr' /&gt;
einzuordnen unter &#034;Fehler im Beschreiben von Fehlern im Erkennen von Fehlern&#034;.&lt;/p&gt;
&lt;blockquote class=&#034;spip&#034;&gt;
&lt;p&gt;Sehr geehrter Herr Venzke,&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;ich habe mit Interesse Ihre Auseinandersetzung mit Koppitz' Rezension zu Ihrer Gutenberg-Biographie gelesen. Auch wenn ich mir zu den Inhalten noch keine Meinungs&#228;u&#223;erung erlauben m&#246;chte, kann ich mir einige Bemerkungen zum Thema Sprachgebrauch nicht verkneifen. Bei dem Beispiel &#034;Ethos; dieser manifestierte sich...&#034; (Koppitz) bzw. &#034;(der anstatt das Ethos)&#034; (bei Ihnen) handelt es sich nicht etwa um &#034;falschen Kasusgebrauch&#034;, sondern um einen Genusfehler. Was die bez&#252;glich der Verbform zitierten Stellen bei Koppitz angeht, kann ich Ihnen nur zustimmen: Diesen Sprachgebrauch w&#252;rde ich nicht als &#034;wunderlich&#034; bezeichnen! Einzig bei dem Beispiel &#034;Nachdem Albert Kapr 1986 [...] ver&#246;ffentlich hat, brachte [...]&#034; w&#252;rde ich vielleicht ob des Tempusgebrauchs (Vorzeitigkeit!) die Stirn runzeln. Ihren Vorwurf des falschen Gebrauchs der indirekten Rede halte ich f&#252;r zu weit hergeholt. Die Verwendung des Konjunktivs II zum Ausdruck eines (aus Koppitz' Sicht) irrealen Sachverhaltes beispielsweise ist korrekt (&#034;Demnach h&#228;tte er mit diesem M&#228;dchen eine heimliche Ehe gef&#252;hrt [...]&#034;). Im &#220;brigen liegt in dem Satz &#034;Da&#223; er wieder einmal [...] vorging, &#252;berrascht freilich nicht mehr&#034; keine indirekte Rede vor.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit freundlichem Gru&#223;,&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ulrich Real&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;&lt;/div&gt;
		
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		<title>Die &#034;Entdeckung&#034; Amerikas</title>
		<link>https://www.andreas-venzke.de/offentliches/dies-und-das/article/die-entdeckung-amerikas</link>
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		<dc:date>2014-02-15T20:05:33Z</dc:date>
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		<dc:creator>Andreas Venzke</dc:creator>



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&lt;p&gt;Der Eintrag unter dem Datum des 11. Oktober 1492 im Bordbuch des Kolumbus (auch der ber&#252;hmte &#034;12. Oktober 1492&#034; befindet sich unter diesem Eintrag) erkl&#228;rt auch heute noch von selbst den Vorgang der &#034;Entdeckung Amerikas&#034; und seine Folgen. Hier die m&#246;glichst wortgetreue &#220;bersetzung der Eintr&#228;ge, die Bartolom&#233; de Las Casas passagenweise direkt aus dem verschwundenen Original-Bordbuch abschrieb: &lt;br class='autobr' /&gt;
Donnerstag, 11. Oktober &lt;br class='autobr' /&gt;
Er steuerte Wests&#252;dwest. Sie hatten starken Seegang, mehr als sie je auf (&#8230;)&lt;/p&gt;


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 <content:encoded>&lt;img src='https://www.andreas-venzke.de/sites/venzke/local/cache-vignettes/L107xH150/arton29-f797f.jpg?1678960327' class='spip_logo spip_logo_right' width='107' height='150' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;Der Eintrag unter dem Datum des 11. Oktober 1492 im &lt;i&gt;Bordbuch&lt;/i&gt; des Kolumbus (auch der ber&#252;hmte &#034;12. Oktober 1492&#034; befindet sich unter diesem Eintrag) erkl&#228;rt auch heute noch von selbst den Vorgang der &#034;Entdeckung Amerikas&#034; und seine Folgen. Hier die m&#246;glichst wortgetreue &#220;bersetzung der Eintr&#228;ge, die Bartolom&#233; de Las Casas passagenweise direkt aus dem verschwundenen Original-Bordbuch abschrieb:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Donnerstag, 11. Oktober&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Er steuerte Wests&#252;dwest. Sie hatten starken Seegang, mehr als sie je auf der ganzen Reise gehabt hatten. Sie sahen Sturmv&#246;gel und eine gr&#252;ne Binse nahe am Schiff. Die M&#228;nner der Karavelle &lt;i&gt;Pinta&lt;/i&gt; sahen ein Rohr und einen Stock; und sie fischten noch ein St&#246;ckchen heraus, das mit Eisen bearbeitet zu sein schien, und ein Rohrst&#252;ck und noch weiteres Gras, das auf dem Land wuchs, und ein Holzbrettchen. Auch die M&#228;nner der Karavelle &lt;i&gt;Ni&#241;a &lt;/i&gt; sahen weitere Zeichen von Land und ein St&#246;ckchen voll mit Entenmuscheln. Angesichts dieser Zeichen atmeten alle leichter und freuten sich. An diesem Tag legten sie bis zum Sonnenuntergang 27 &lt;i&gt;leguas &lt;/i&gt; zur&#252;ck.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nach Sonnenuntergang steuerte er wieder auf seinem fr&#252;heren Kurs nach Westen. Sie legten ungef&#228;hr 12 Meilen je Stunde zur&#252;ck und bis zwei Stunden nach Mitternacht ungef&#228;hr 90 Meilen, was 22 und eine halbe &lt;i&gt;leguas &lt;/i&gt; sind. Und weil die Karavelle &lt;i&gt;Pinta &lt;/i&gt; der bessere Segler war und vor dem Admiral fuhr, entdeckte sie Land und gab die Signale, die der Admiral angeordnet hatte. Dieses Land sah zuerst ein Seemann, der Rodrigo de Triana hie&#223;. Doch auch der Admiral sah um zehn in der Nacht, als er auf dem Achterkastell war, ein Licht, das aber etwas so Undeutliches war, dass er nicht best&#228;tigen wollte, dass es Land w&#228;re. Aber er rief Pero Guti&#233;rrez, den k&#246;niglichen Truchsess, und sagte ihm, dass es ein Licht zu geben scheine, damit er selbst hinschaue, und er tat dies und sah es. Er sagte es auch Rodrigo S&#225;nchez de Segovia, den der K&#246;nig und die K&#246;nigin als &lt;i&gt;veedor &lt;/i&gt; [als &#034;Rechnungspr&#252;fer&#034; zu &#252;bersetzen; der &lt;i&gt;veedor &lt;/i&gt; hatte die Aufgabe, alle Gold-, Edelstein-, Gew&#252;rzfunde usw. zu registrieren - A. V.] der Flotte mitgeschickt hatten, der aber nichts sah, weil er nicht an einer Stelle stand, von der er es sehen konnte. Nachdem der Admiral das gesagt hatte, sah man es ein oder zwei Mal; und es war wie eine kleine Wachskerze, die auf und abging, was Wenigen als Zeichen f&#252;r Land erschien. Aber der Admiral war sich sicher, in der N&#228;he von Land zu sein. Als sie das &#034;Salve&#034; rezitierten, das die Seeleute auf ihre eigene Art zu rezitieren und singen pflegen, und sie alle anwesend waren, bat und ermahnte er sie, auf dem Vorschiff gute Ausschau zu halten und aufmerksam nach Land zu sp&#228;hen; und er gebe demjenigen, der ihm zuerst berichte, Land gesehen zu haben, sp&#228;ter eine Seidenjacke, zus&#228;tzlich zu den anderen Belohnungen, die das K&#246;nigspaar versprochen hatte, n&#228;mlich zehntausend &lt;i&gt;maraved&#237;s &lt;/i&gt; als Jahresrente an denjenigen, der es zuerst sehe. Zur zweiten Stunde tauchte das Land vor ihnen auf, von dem sie etwa zwei &lt;i&gt;leguas &lt;/i&gt; entfernt waren. Sie holten alle Segel ein und belie&#223;en nur den &lt;i&gt;treo&lt;/i&gt;, der das Gro&#223;segel ohne Bonnets (Bonnets sind Beisegel, genauer: &#034;Querstreifen am Unterliek&#034; (Heinrich Winter. S. 23) - A. V.) ist. Sie drehten bei und verbrachten so die Zeit bis zum Tageslicht am Freitag, als sie eine kleine Insel der &lt;i&gt;lucayos &lt;/i&gt; erreichten, die in der Sprache der Indianer Guanahani hie&#223;. Bald sahen sie nackte Leute und der Admiral fuhr mit dem Boot unter Waffen an Land, dazu Mart&#237;n Alonso Pinz&#243;n und sein Bruder Vicente Anes, der Kapit&#228;n auf der &lt;i&gt;Ni&#241;a &lt;/i&gt; war. Der Admiral entfaltete das k&#246;nigliche Banner und die Kapit&#228;ne zwei Flaggen mit dem gr&#252;nen Kreuz, die der Admiral zur Kennzeichnung auf allen Schiffen mit sich f&#252;hrte, mit einem &#034;F&#034; und einem &#034;Y&#034; und &#252;ber jedem Buchstaben eine Krone, eine auf der einen Seite des Kreuzes und die andere auf der anderen. Als sie so an Land gingen, sahen sie sehr gr&#252;ne B&#228;ume und viele Seen und Fr&#252;chte verschiedener Art. Der Admiral rief die beiden Kapit&#228;ne zu sich und die anderen, die an Land gesprungen waren, und auch Rodrigo Descobedo, den &lt;i&gt;escrivano &lt;/i&gt; [der &#034;Schreiber&#034; in der Funktion des Buchhalters - A. V.] der ganzen Flotte, und au&#223;erdem Rodrigo S&#225;nchez de Segovia. Er sagte, dass sie in Anwesenheit aller bezeugen sollten, dass er f&#252;r den K&#246;nig und die K&#246;nigin, seine Herren, von der besagten Insel Besitz nehmen w&#252;rde, was er tats&#228;chlich auch tat, wozu er die erforderlichen Erkl&#228;rungen abgab, die ausf&#252;hrlicher in den dort schriftlich angefertigten Zeugnissen enthalten sind. Bald versammelten sich dort viele Leute der Insel. Was nun folgt, sind die w&#246;rtlichen &#196;u&#223;erungen des Admirals in seinem Buch &#252;ber seine erste Reise nach diesen Indien und ihre Entdeckung. Er schreibt: Weil sie uns viel Freundschaft erwiesen und weil ich erkannte, dass sie Leute waren, die sich besser erretten und zu unserem Heiligen Glauben eher durch Liebe als durch Gewalt bekehren w&#252;rden, gab ich einigen von ihnen rote M&#252;tzen und auch Glasperlen, die sie sich an die Brust h&#228;ngten, und viele andere Dinge von geringem Wert, an denen sie gro&#223;es Vergn&#252;gen fanden. Sie wurden so sehr unsere Freunde, dass es ein Wunder war. Sp&#228;ter kamen sie zu den Booten der Schiffe geschwommen, wo wir waren, und brachten uns Papageien, Kn&#228;uel von Baumwollf&#228;den und Speere und viele andere Dinge; und sie tauschten sie mit uns gegen andere Dinge, die wir ihnen gaben, wie kleine Glasperlen und Gl&#246;ckchen. Kurz, sie nahmen alles an und sie gaben von allem, was sie hatten, sehr gern. Aber mir schien, dass es Leute waren, die an allem sehr arm waren. Alle gehen so nackt umher, wie ihre M&#252;tter sie geboren haben, auch die Frauen, obwohl ich nicht mehr als eine sehr junge sah. Und alle, die ich sah, waren junge Leute, denn ich sah keinen, der &#228;lter als 30 Jahre gewesen w&#228;re. Sie sind alle sehr gut gebaut, von sehr sch&#246;ner Gestalt und mit sehr feinen Gesichtsz&#252;gen. Ihr Haar ist dicht, fast wie das von Pferdeschw&#228;nzen, und kurz. Sie lassen es nur bis zu den Augenbrauen wachsen, au&#223;er einem St&#252;ck hinten, das sie lang tragen und nie schneiden. Manche von ihnen malen sich mit Schwarz an und sie haben die Farbe der Kanarier, weder schwarz noch wei&#223;; und einige von ihnen malen sich mit Wei&#223; an und einige mit Rot und einige mit dem, was sie gerade finden. Und einige von ihnen malen sich das Gesicht an und einige von ihnen den ganzen K&#246;rper und einige von ihnen nur die Nase. Sie tragen keine Waffen und kennen sie auch nicht, denn ich zeigte ihnen Schwerter und sie fassten sie an der Schneide an und schnitten sich aus Unwissenheit. Sie besitzen kein Eisen. Ihre Speere sind St&#246;cke ohne Eisen; einige davon haben am Ende einen Fischzahn, andere haben andere Dinge. Allgemein haben sie alle eine gute und gro&#223;e Statur und gute Gesten und sind gut gebaut. Ich sah einige, die Wundmale am K&#246;rper hatten, und ich machte ihnen Zeichen, woher diese stammten; und sie zeigten mir, wie andere Leute von anderen Inseln dorthin k&#228;men und sie mitnehmen wollten und wie sie sich verteidigten; und ich glaubte und glaube, dass diese vom Festland dorthin kommen um sie gefangen zu nehmen. Sie m&#252;ssen gute Diener und begabt sein, weil ich sehe, dass sie alles sehr schnell wiederholen, was wir ihnen vorsprechen. Ich glaube, dass sie schnell Christen w&#252;rden, weil mir scheint, dass sie keiner Sekte angeh&#246;ren. Wenn es unserem Herrn gef&#228;llt, werde ich bei meiner Abfahrt sechs von ihnen f&#252;r Eure Hoheiten mitnehmen, damit sie sprechen lernen. Ich sah auf dieser Insel kein Tier irgendeiner Art, au&#223;er Papageien. All dies sind die Worte des Admirals.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;&#220;bersetzung: Andreas Venzke&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		
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