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	<title>Andreas Venzke</title>
	<link>https://andreas-venzke.de/</link>
	<description>Willkommen auf meiner Website!
Hier bitte nichts Spektakul&#228;res erwarten! Ich bin Schriftsteller ...
Aber ich kann hier ein bisschen mehr bieten als nur die Buchstaben auf dem Papier. Gem&#228;lde von J&#246;rg Herz Um mich geht es, um
ANDREAS VENZKE.
Entsprechend der Wikipedia sind die wichtigsten Daten zu mir:
Andreas Venzke, geboren 1961 in Berlin, legte 1979 sein Abitur ab und schrieb sich anschlie&#223;end an der FU Berlin ein. Er studierte Germanistik, Publizistik und Kunstgeschichte. Nach dem Studium arbeitete er zun&#228;chst f&#252;r das Geschichtsmagazin Damals, f&#252;r dpa und f&#252;r die Spielzeit des SDR, au&#223;erdem f&#252;r verschiedene Tageszeitungen. Nebenher &#252;bersetzte er B&#252;cher wie das Bordbuch des Kolumbus. Seit 1988 lebt Andreas Venzke, der inzwischen verheiratet und Vater von drei Kindern ist, als Schriftsteller in Freiburg im Breisgau.
Und was den Schriftsteller angeht: Es liegt etwas Neues vor, seltsam passend zur Zeit, wie jemand Bestimmter sagen w&#252;rde: Etwas ganz Gro&#223;es!</description>
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		<title>Andreas Venzke</title>
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		<title>Eriksland</title>
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		<dc:creator>Andreas Venzke</dc:creator>



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&lt;p&gt;Gerade erschienen &lt;br class='autobr' /&gt;
Was f&#252;r ein Thema! So alt und doch (Amerika gedankt, in jeder Hinsicht) brandneu! &lt;br class='autobr' /&gt;
F&#252;nfhundert Jahre lang siedelten auf der Westseite Gr&#246;nlands die Wikinger. Sie trotzten der abgelegenen Gegend nicht nur, sie kultivierten das &#8222;gr&#252;ne Land&#8220;. In dem Roman Eriksland wird erz&#228;hlt, wie dann im 15. Jahrhundert f&#252;r die Wikinger auf der riesigen Insel der Untergang d&#228;mmerte. &lt;br class='autobr' /&gt;
Die Wikinger siedelten auf Gr&#246;nland seit dem Jahr 986 in zwei voneinander getrennten Gebieten: Der im (&#8230;)&lt;/p&gt;


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&lt;a href="https://www.andreas-venzke.de/bucher/neuerscheinungen/" rel="directory"&gt;Neuerscheinungen&lt;/a&gt;


		</description>


 <content:encoded>&lt;img src='https://www.andreas-venzke.de/sites/venzke/local/cache-vignettes/L99xH150/eriksland-cover-36b98.jpg?1743599795' class='spip_logo spip_logo_right' width='99' height='150' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;Gerade &lt;a href=&#034;https://www.amazon.de/dp/3819276572/ref=sr_1_1?&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;erschienen&lt;/a&gt;&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was f&#252;r ein Thema! So alt und doch (Amerika gedankt, in jeder Hinsicht) brandneu!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;F&#252;nfhundert Jahre lang siedelten auf der Westseite Gr&#246;nlands die Wikinger. Sie trotzten der abgelegenen Gegend nicht nur, sie kultivierten das &#8222;gr&#252;ne Land&#8220;. In dem Roman &lt;i&gt;Eriksland&lt;/i&gt; wird erz&#228;hlt, wie dann im 15. Jahrhundert f&#252;r die Wikinger auf der riesigen Insel der Untergang d&#228;mmerte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Wikinger siedelten auf Gr&#246;nland seit dem Jahr 986 in zwei voneinander getrennten Gebieten: Der im S&#252;den gelegenen &lt;i&gt;Eystribygd&lt;/i&gt;, den &#214;sterb&#228;uen im Roman, und der davon n&#246;rdlich (und weiter westlich) gelegenen &lt;i&gt;Vestribygd&lt;/i&gt;, den Westerb&#228;uen. Historisch ist verb&#252;rgt, dass in den &#214;sterb&#228;uen das Leben der Wikinger bis zum Beginn des 15. Jahrhundert bestand, vielleicht l&#228;nger. In den Westerb&#228;uen endete es wohl im 14. Jahrhundert.&lt;/p&gt;
&lt;div class='spip_document_266 spip_document spip_documents spip_document_image spip_documents_center spip_document_center spip_document_avec_legende' data-legende-len=&#034;29&#034; data-legende-lenx=&#034;&#034;
&gt;
&lt;figure class=&#034;spip_doc_inner&#034;&gt; &lt;img src='https://www.andreas-venzke.de/sites/venzke/local/cache-vignettes/L500xH347/western-settlement-eng-cd375.png?1743494770' width='500' height='347' alt='Masae - Saga trails, Jette Arneborg, Danmarks Nationalmuseum, ISBN: 87-988378-3-4 Gr&#248;nlands forhistorie,red. Hans Christian Gull&#248;v, Gyldendal 2005, ISBN:87-02-01724-5 &#193; hjara veraldar, Gu&#240;mundur J. Gu&#240;mundsson, S&#246;guf&#233;lagi&#240;, 2005, ISBN: 9979-9636-8-9' /&gt;
&lt;figcaption class='spip_doc_legende'&gt; &lt;div class='spip_doc_titre crayon document-titre-266 '&gt;&lt;strong&gt;Die Westerb&#228;ue (Vestribygd)
&lt;/strong&gt;&lt;/div&gt; &lt;/figcaption&gt;&lt;/figure&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Es gab vor allem zwei Gr&#252;nde f&#252;r den Untergang der Wikinger auf Gr&#246;nland: Einmal kam es im 13. Jahrhundert zu einer lang anhaltenden &#8222;kleinen&#8220; Eiszeit, wodurch die Schiffspassage nach Island und Norwegen immer schwieriger wurde. Au&#223;erdem konnten die Wikinger mit den von ihnen Skr&#228;linger genannten Eskimos (hier den Kalaallit) wohl nicht in Frieden leben. Die Eskimos drangen ab dem 13. Jahrhundert vom Norden Gr&#246;nlands in den S&#252;den vor, und ihre &#252;berliefer&#173;ten Sagen berichten von fortw&#228;hrendem Streit mit den wei&#223;en Siedlern. 1408 ist das Datum, das sich als letztes auf wikingisches Leben in Gr&#246;nland be&#173;zieht. Danach schweigen die Quellen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist nicht bekannt, wie die Wikin&#173;ger dann von Gr&#246;nland verschwanden. Als man sich in Europa sp&#228;ter ihrer er&#173;innerte und sich zu Beginn des 18. Jahrhunderts auf die Suche nach ihnen machte, fand man keinen ihrer H&#246;fe mehr bewohnt. Stattdessen lebten nun die Eskimos in den von ihnen kultivierten Gebieten.&lt;br class='autobr' /&gt;
Vor diesem Hintergrund wird in &lt;i&gt;Eriksland&lt;/i&gt; geschildert, wie sich der Nieder&#173;gang der Wikinger auf Gr&#246;nland abgespielt haben k&#246;nnte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Buch gliedert sich in f&#252;nf Abschnitte, die klassischer Ein&#173;teilung entsprechen: &#220;ber die Einf&#252;hrung zum H&#246;hepunkt und hin zur Kata&#173;strophe.&lt;br class='autobr' /&gt;
Es wird gezeigt, wie sich die &#214;ster- und Westerb&#228;ue so verfeindet haben, dass zwischen ihnen keine Beziehung mehr besteht. Unterschiedliche Herrschaftssysteme sind errichtet. Ein Grund daf&#252;r war ein Krieg, den die vereinten Wikinger gegen die Skr&#228;linger gef&#252;hrt und verloren hatten. &#220;ber allem liegt nun ein unbekannter Fluch, der &#252;ber das weitere Schicksal der Wikinger entscheidet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Roman hat einen eigenen, urt&#252;mlichen Stil. Vorbild sind die wikingischen Sagas, wo moderne Erz&#228;hlelemente wie R&#252;ckblick, eingehende Personencharakterisierung, Perspektivwechsel, Innenschau nicht vorkommen. Die Spannung ergibt sich aus dem Fortgang der Handlung. Alles Gewicht liegt auf dem Erz&#228;hlerischen. So wird dem Leser seine Souver&#228;nit&#228;t nicht genommen. Er wird nicht an der Leine gef&#252;hrt. Es wird nicht moralisiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Sprache ist dem Stil angeglichen. In &lt;i&gt;Eriksland&lt;/i&gt; wird einfach und klar erz&#228;hlt, nackt bis auf die Haut.&lt;/p&gt;
&lt;div class='spip_document_267 spip_document spip_documents spip_document_image spip_documents_center spip_document_center spip_document_avec_legende' data-legende-len=&#034;28&#034; data-legende-lenx=&#034;&#034;
&gt;
&lt;figure class=&#034;spip_doc_inner&#034;&gt; &lt;img src='https://www.andreas-venzke.de/sites/venzke/local/cache-vignettes/L500xH437/eastern-settlement-eng-42b2e.png?1743494770' width='500' height='437' alt='Masae - Saga trails, Jette Arneborg, Danmarks Nationalmuseum, ISBN: 87-988378-3-4 Gr&#248;nlands forhistorie,red. Hans Christian Gull&#248;v, Gyldendal 2005, ISBN:87-02-01724-5 &#193; hjara veraldar, Gu&#240;mundur J. Gu&#240;mundsson, S&#246;guf&#233;lagi&#240;, 2005, ISBN: 9979-9636-8-9' /&gt;
&lt;figcaption class='spip_doc_legende'&gt; &lt;div class='spip_doc_titre crayon document-titre-267 '&gt;&lt;strong&gt;Die &#214;sterb&#228;ue (Eystribygd)
&lt;/strong&gt;&lt;/div&gt; &lt;/figcaption&gt;&lt;/figure&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
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	</item>
<item xml:lang="de">
		<title>Carlos lernt die Welt neu kennen</title>
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		<dc:date>2025-03-27T11:14:17Z</dc:date>
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		<dc:language>de</dc:language>
		<dc:creator>Andreas Venzke</dc:creator>



		<description>
&lt;p&gt;So oft bin ich danach gefragt worden: Schreiben Sie noch einen zweiten Band von Carlos? &lt;br class='autobr' /&gt;
Das hatte ich wirklich auch immer im Sinn, von mir aus auch einen dritten. Denn das ist doch das ultimative Ziel eines jeden Autors: Eine Trilogie geschrieben zu haben ;-) &lt;br class='autobr' /&gt;
Ich h&#228;tte das Buch gern schon fr&#252;her ver&#246;ffentlicht, aber das war in unserem Verlagssystem nicht m&#246;glich. Der Verlag, der Carlos als Taschenbuch vertrieb und die Rechte daran hatte, wollte nicht mit einem zweiten Band ins (&#8230;)&lt;/p&gt;


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&lt;a href="https://www.andreas-venzke.de/bucher/bucher-fur-kinder/" rel="directory"&gt;B&#252;cher f&#252;r Kinder&lt;/a&gt;


		</description>


 <content:encoded>&lt;img src='https://www.andreas-venzke.de/sites/venzke/local/cache-vignettes/L98xH150/carlos2-buchcover-f1843.jpg?1743276617' class='spip_logo spip_logo_right' width='98' height='150' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;So oft bin ich danach gefragt worden: Schreiben Sie noch einen zweiten Band von &lt;i&gt;Carlos&lt;/i&gt;?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das hatte ich wirklich auch immer im Sinn, von mir aus auch einen dritten. Denn das ist doch das ultimative Ziel eines jeden Autors: Eine Trilogie geschrieben zu haben ;-)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich h&#228;tte das Buch gern schon fr&#252;her ver&#246;ffentlicht, aber das war in unserem Verlagssystem nicht m&#246;glich. Der Verlag, der &lt;i&gt;Carlos&lt;/i&gt; als Taschenbuch vertrieb und die Rechte daran hatte, wollte nicht mit einem zweiten Band ins Fu&#223;ballgesch&#228;ft einsteigen. Au&#223;erdem gibt es ja schon genug Fu&#223;ballb&#252;cher! Und recht hatten sie vielleicht!Ich konnte dort das Manuskript nicht einmal zur Pr&#252;fung vorlegen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nur ist &lt;i&gt;Carlos&lt;/i&gt; nat&#252;rlich ein ganz anderes, ein besonderes Fu&#223;ballbuch ;-)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Andere Verlage, bei denen ich anfragte, fragten zur&#252;ck: Warum wollen Sie damit zu &lt;i&gt;uns&lt;/i&gt; kommen? Sie haben doch Ihren Verlag daf&#252;r!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein Teufelskreis, aus dem es f&#252;r mich keinen Ausweg gab! Der er&#246;ffnete sich erst, als ich alle Rechte an &lt;i&gt;Carlos&lt;/i&gt; zur&#252;ckbekam und dann so &#8222;frei&#8220; war, mit dem Buch zu machen, was &lt;i&gt;ich&lt;/i&gt; wollte ... und auch so frei, selbst den zweiten Band zu ver&#246;ffentlichen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und hier er also: Der zweite Band von &lt;i&gt;Carlos&lt;/i&gt; mit dem Titel: &lt;i&gt;Carlos lernt die Welt neu kennen&lt;/i&gt;. Ich hoffe, das B&#252;chlein gef&#228;llt, muss aber warnen: Es ist bisher nur durch meinen Kopf und meine H&#228;nde gegangen!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es kann in jedem Buchladen und auch &lt;a href=&#034;https://www.amazon.de/dp/381927619X/ref=sr_1_3?&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;online&lt;/a&gt; bestellt werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich bin gespannt, wie die Reaktionen darauf sein werden!&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		
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	</item>
<item xml:lang="de">
		<title>Christoph Kolumbus</title>
		<link>https://www.andreas-venzke.de/bucher/neuerscheinungen/article/christoph-kolumbus</link>
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		<dc:date>2020-03-24T12:13:55Z</dc:date>
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		<dc:language>de</dc:language>
		<dc:creator>Andreas Venzke</dc:creator>



		<description>
&lt;p&gt;Nun als E-Book herausgebracht, noch immer aktuell ... &lt;br class='autobr' /&gt;
Ausgel&#246;st durch die Black-Lives-Matter-Bewegung wurden in den USA, aber auch in anderen Teilen der westlichen Welt, Denkmale ber&#252;hmter geschichtlicher Pers&#246;nlichkeiten gest&#252;rzt. Dazu z&#228;hlte etwa der Pr&#228;sident Jefferson Davis und der General Robert E. Lee, zentrale Gestalten der Sklavenhaltergesellschaft der S&#252;dstaaten. Und immer wieder tauchte auch der Name desjenigen auf, den wirklich jeder kennt: Christoph Kolumbus, der &#8222;Entdecker (&#8230;)&lt;/p&gt;


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&lt;a href="https://www.andreas-venzke.de/bucher/neuerscheinungen/" rel="directory"&gt;Neuerscheinungen&lt;/a&gt;


		</description>


 <content:encoded>&lt;img src='https://www.andreas-venzke.de/sites/venzke/local/cache-vignettes/L91xH150/arton70-fb521.jpg?1678947063' class='spip_logo spip_logo_right' width='91' height='150' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;Nun als &lt;a href=&#034;https://www.amazon.de/Christoph-Kolumbus-Andreas-Venzke-ebook/dp/B07N4D3W41/ref=sr_1_2?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;dchild=1&amp;keywords=venzke+rowohlt&amp;qid=1585047189&amp;sr=8-2&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;E-Book&lt;/a&gt; herausgebracht, noch immer aktuell ...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ausgel&#246;st durch die Black-Lives-Matter-Bewegung wurden in den USA, aber auch in anderen Teilen der westlichen Welt, Denkmale ber&#252;hmter geschichtlicher Pers&#246;nlichkeiten gest&#252;rzt. Dazu z&#228;hlte etwa der Pr&#228;sident Jefferson Davis und der General Robert E. Lee, zentrale Gestalten der Sklavenhaltergesellschaft der S&#252;dstaaten.&lt;br class='autobr' /&gt;
Und immer wieder tauchte auch der Name desjenigen auf, den wirklich jeder kennt: Christoph Kolumbus, der &#8222;Entdecker Amerikas&#8220;. Seine Statue wurden etwa in Boston gest&#252;rzt, einem der wichtigsten europ&#228;ischen Siedlungsorte nach der Entdeckung Amerikas, genauer: &#8222;enthauptet&#8220;, aber auch in Baltimore und Richmond und anderen St&#228;dten.&lt;br class='autobr' /&gt;
K&#246;nnen wir heutigen Zeitgenossen wirklich dar&#252;ber richten, was historische Gestalten angerichtet haben? Kann man auch Georg Washington daf&#252;r verdammen, sozusagen im Schatten seiner absolut aufgekl&#228;rten Geisteshaltung Sklavenhalter gewesen zu sein? Oder Winston Churchill daf&#252;r, sein Land und damit Europa und den Rest der Welt an vorderster Front gegen das Nazibarbarentum verteidigt zu haben, aber zugleich ein f&#252;rchterlicher Rassist gewesen zu sein? Sollen wir heute nur noch als Vorbild anerkennen, wer als historisch bedeutende Person sittlich eine reine Weste hatte?&lt;br class='autobr' /&gt;
Was Kolumbus angeht: Was kann denn der daf&#252;r, dass sozusagen im Kielwasser seiner &#8222;Entdeckung&#8220; Millionen von Menschen ihr Leben lassen mussten? So wird in seinem Fall bis heute &#8211; polemisch &#8211; gefragt. Und hat nicht in der Folge seiner Tat ganz Amerika die europ&#228;ische Zivilisation angenommen?&lt;br class='autobr' /&gt;
Tats&#228;chlich kann (und muss) man hier auch heute noch aufkl&#228;ren, ist doch in seinem Fall die wei&#223;e Weste v&#246;llig verdreckt.&lt;br class='autobr' /&gt;
Um Kolumbus ist ein solcher Nimbus geschaffen worden, dass den meisten Zeitgenossen immer noch nicht bekannt ist, dass er eben nicht nur der &#8222;Entdecker Amerikas&#8220; war, sondern jemand, der durch seinen vermeintlich leichten Zugang nach Ostasien sein Leben auf eine ganz neue Stufe stellen wollte, n&#228;mlich Herrscher &#252;ber die von ihm entdeckten Gebiete zu sein. Und dazu war er bereit, auch &#252;ber Leichen zu gehen. Das Bild des Kolumbus ist wirklich der Inbegriff f&#252;r eine Denkmalskultur, die fragw&#252;rdig ist, bezeichnend jedoch f&#252;r die europ&#228;ische Kolonialzeit. Aber ihn deswegen st&#252;rzen?&lt;br class='autobr' /&gt;
Vielleicht passt zu dieser Auseinandersetzung, dass vor kurzem ein Buch wieder neu erschienen ist, ganz modern als E-Book, worin die Rolle des Kolumbus exemplarisch beleuchtet wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href=&#034;https://www.amazon.de/Christoph-Kolumbus-Andreas-Venzke-ebook/dp/B07N4D3W41/ref=sr_1_2?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;dchild=1&amp;keywords=venzke+rowohlt&amp;qid=1585047189&amp;sr=8-2&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Andreas Venzke: Christoph Kolumbus&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;So kann sich jeder selbst ein Bild machen &#8211; und mal skeptischen Gem&#252;ts den n&#228;chstgelegenen Kolumbus-Gedenkort aufsuchen. Er wird &#252;berall leicht zu finden sein.&lt;br class='autobr' /&gt;
Dazu hier der Auszug:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;/p&gt;
&lt;h2 class=&#034;spip&#034;&gt;Exkurs: Einige Anmerkungen zur Kolonisationsgeschichte Amerikas&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Im gesamten Raum der Karibik lebten vor der Ankunft der Europ&#228;er etwa 750000 Menschen, wenigstens ein Drittel davon auf Hispaniola. Der gr&#246;&#223;te Teil der Bev&#246;lkerung z&#228;hlte zu den Aruak, einem friedlichen Indianervolk, das heutzutage als ausgerottet gilt. Einen geringen Teil machten die Kariben aus, die aufgrund ihrer isolierten Siedlungsgebiete und ihrer Bereitschaft zum Widerstand der Vernichtung um etliche Jahrzehnte entgingen. Der Kannibalismus, den sie praktizierten, lieferte jedoch bald eine &#228;u&#223;erst willkommene Rechtfertigung f&#252;r das grausame Vorgehen gegen die Indianer insgesamt. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts diente Hispaniola als Ausgangspunkt der Kolonialisierung Amerikas; von hier brachen M&#228;nner wie Hern&#225;n Cort&#233;s, Francisco Pizarro und Vasco Nunez de Balboa zu ihren Entdeckungsfahrten in der Neuen Welt auf. Jedoch r&#252;ckte die Insel schon vor der Mitte des 16. Jahrhunderts aus dem Blickfeld der Kolonisatoren, die sich auf der Jagd nach Gold zuerst nach Kuba und schlie&#223;lich nach Mittelamerika wandten. Die Goldvorkommen auf der ausgepowerten Insel waren bereits um das Jahr 1550 ersch&#246;pft; die weitere Zukunft Hispaniolas, wie nahezu des gesamten karibischen Raums, stand im Zeichen des Zuckerrohrs, zu dessen Anbau aber Tausende afrikanische Sklaven in die sich entv&#246;lkernden Gebiete Westindiens verschleppt wurden.&lt;br class='autobr' /&gt;
Die Vernichtung der urspr&#252;nglichen Bev&#246;lkerung Hispaniolas dr&#252;ckt sich in erschreckenden Zahlen aus: Nach einer Z&#228;hlung im Jahr 1508 lebten auf Hispaniola nur noch 60000 Eingeborene; und wenn im Jahr 1548 Oviedo in seiner &#171;Historia general de las Indias&#187; anf&#252;hrte, dass dort nicht einmal mehr 500 Indianer am Leben seien, dann belegt diese Angabe, dass die Aruak auf Hispaniola bereits zu jener Zeit fast vollst&#228;ndig ausgerottet waren. Was f&#252;r Folgen die Kolonialisierung des &#252;brigen Amerika hatte, spiegelt sich ebenfalls deutlich in Zahlen wider: So wird etwa gesch&#228;tzt, dass sich im Gebiet Neu-Spaniens (von Kalifornien bis Nicaragua) die indianische Bev&#246;lkerung zwischen 1519 und etwa 1610 von ca. 25 Millionen auf wenig mehr als eine Million Menschen reduzierte. (Sp&#228;ter sollte dann die indianische Bev&#246;lkerung dieses Raumes wieder zunehmen.)&lt;br class='autobr' /&gt;
Die Ausrottung der Indianer in der Karibik stellt also im Grund einen Genozid dar, wenn er auch nicht systematisch betrieben wurde. Dabei ist besonders die Art und Weise hervorzuheben, in der die Kolonialherren mit der Bev&#246;lkerung verfuhren. Ein Beispiel f&#252;r das barbarische W&#252;ten der Spanier auf Hispaniola gibt Las Casas, der &#171;Indianerapostel&#187;: &#171;Sie drangen unter das Volk, schonten weder Kind noch Greis, weder Schwangere noch Entbundene, rissen ihnen die Leiber auf, und hieben alles in St&#252;cken, nicht anders, als &#252;berfielen sie eine Herde Schafe, die in den H&#252;rden eingesperrt w&#228;re. Sie wetteten mit einander, wer unter ihnen einen Menschen auf einen Schwertstreich mitten von einander hauen, ihm mit einer Pike den Kopf spalten, oder das Eingeweide aus dem Leibe rei&#223;en k&#246;nne. Neugeborene Gesch&#246;pfchen rissen sie bei den F&#252;&#223;en von den Br&#252;sten ihrer Mutter, und schleuderten sie mit den K&#246;pfen wider die Felsen. Andere schleppten sie bei den Schultern durch die Stra&#223;en, lachten und scherzten dazu, warfen sie endlich ins Wasser und sagten: da zapple nun, du kleiner schurkischer K&#246;rper! Andere lie&#223;en Mutter und Kind zugleich &#252;ber die Klinge springen, und stie&#223;en sie mit den F&#252;&#223;en vor sich hin. Sie machten auch breite Galgen, so, da&#223; die F&#252;&#223;e beinahe die Erde ber&#252;hrten, hingen zu Ehren und zur Verherrlichung des Erl&#246;sers und der zw&#246;lf Apostel je dreizehn und dreizehn Indianer an jedem derselben, legten dann Holz und Feuer darunter, und verbrannten sie alle lebendig. Anderen banden oder wickelten sie d&#252;rres Stroh um den K&#246;rper, z&#252;ndeten es an, und verbrannten sie. Anderen, die sie blo&#223; deswegen am Leben lie&#223;en, hieben sie beide H&#228;nde ab, banden sie ihnen an, jagten sie so dann fort, und sagten: gehet hin (wohl zu merken) mit diesem Sendschreiben, und bringt euren Landsleuten, die sich ins Gebirge gefl&#252;chtet haben, etwas Neues! Gro&#223;e und Edle brachten sie gew&#246;hnlich folgendergestalt um: sie machten Roste von St&#228;ben, die sie auf Gabeln legten, darauf banden sie die Ungl&#252;cklichen fest, und machten ein gelindes Feuer darunter, bis sie nach und nach ein j&#228;mmerliches Geschrei erhoben, und unter uns&#228;glichen Schmerzen den Geist aufgaben.&#187;&lt;br class='autobr' /&gt;
Diese menschenverachtende Art und Weise, mit der die Spanier gegen die indianische Urbev&#246;lkerung vorgingen, findet ihre Erkl&#228;rung zum einen in der wirtschaftlichen wie geographischen Situation des neuen Erdteils, der in seiner Ferne und Gr&#246;&#223;e den Spaniern wie ein riesiges Bet&#228;tigungsfeld f&#252;r Pl&#252;nderungen vorkam. In einem quasi gesetzlosen Raum konnten sich Gl&#252;cksritter und Profiteure tummeln, die in ihrer Habgier wahrlich &#252;ber Leichen gingen, wobei die ersehnten Sch&#228;tze (jenes &#171;gesegnete Gold&#187;!) in der Hauptsache nur mit Hilfe von Sklavenarbeit gewonnen werden konnten. Zum anderen l&#228;sst sich auf die spanische Geschichte verweisen, die auf dem Weg zum Nationalstaat in die verh&#228;ngnisvolle Inquisition m&#252;ndete, in der alles Nicht-Christliche als feindlich galt. Der Kampf gegen die Mauren hatte kriegserprobte Hasardeure hervorgebracht, die als verarmte Hidalgos (Cort&#233;s) und besitzloses Landvolk (Pizarro) die Reconquista als &#171;Conquista&#187; in der Neuen Welt fortsetzten. In Amerika sollten sie dann allerdings auf einen Gegner treffen, dem sie milit&#228;risch in allen Belangen &#252;berlegen waren. Denn im Vergleich zu den Spaniern, die mit Musketen und Schwertern, auf Pferden, die den Indianern unbekannt waren, und mit den gef&#252;rchteten Bluthunden k&#228;mpften, waren die Kriege der nackten Eingeborenen &#171;nur als Klopffechtereien und Kinderspiel zu betrachten&#187;.&lt;br class='autobr' /&gt;
Von einer eigentlichen &#171;Kolonisation&#187; Amerikas konnte lange Zeit &#252;berhaupt nicht die Rede sein, da die Spanier einzig und allein darauf bedacht waren, die neuentdeckte Weltgegend auszubeuten. In den von Europa weit entfernten Gebieten brauchte man sich keine R&#252;cksichten aufzuerlegen, wenn es darum ging, innerhalb kurzer Zeit enormen Reichtum zusammenzuraffen. F&#252;r die Ausrottung der Indianer war, abgesehen von deren direkter physischer Vernichtung, vor allem das System der &#171;encomienda&#187; verantwortlich, das symptomatisch f&#252;r das menschenverachtende Ziel der Kolonialherren stand, sich mit geringstem finanziellem Einsatz auf dem schnellstm&#246;glichen Weg zu bereichern: Danach wurden jedem Siedler f&#252;r eine bestimmte Zeit des Jahres eine Anzahl Indianer &#171;anvertraut&#187;, der &#252;ber diese seine Schutzherrschaft aus&#252;ben durfte und ihnen christliche F&#252;rsorge angedeihen lassen sollte. Als Gegenleistung mussten sich die Indianer in den Frondienst des &#171;encomendero&#187; begeben. &#171;Wenn sie von den Goldminen zur Feldarbeit zur&#252;ckkehren, die sie zur entsprechenden Jahreszeit betreiben m&#252;ssen, um einer Hungersnot vorzubeugen, empfangen sie ihr Entgelt: Der eine ein Hemd, der andere ein Untergewand, der dritte einen Mantel oder einen Hut. Denn an den Sachen haben sie ihre Freude, und sie gehen auch nicht mehr nackt einher.&#187; Bei der &#171;encomienda&#187; handelte es sich um ein kaschiertes, m&#246;rderisches Zwangssystem, das es den Spaniern im Namen der christlichen Zivilisation erlaubte, sich der Arbeitskraft der Eingeborenen nahezu kostenlos zu bedienen. Zu Tausenden starben die Indianer in den Goldminen; sie verhungerten oder entzogen sich der Zwangsarbeit, indem sie etwa mit Hilfe ihnen bekannter Pflanzengifte den Freitod w&#228;hlten. (Fatalerweise kam hinzu, dass die eingeborene Bev&#246;lkerung obendrein durch in Amerika unbekannte Viruserkrankungen wie Grippe, Pocken oder Masern dahingerafft wurden.) &#171;Diese Sorgfalt oder Seelensorge, welche sie auf dieselben verwendeten, bestand darin, da&#223; sie die Mannspersonen in die Bergwerke schickten, um Gold zu graben, welches eine fast unertr&#228;gliche Arbeit ist. Die Weibsleute schickten sie auf ihre sogenannten Stationen oder Meiereien, wo sie den Feldbau besorgen mu&#223;ten; eine Arbeit, die nur f&#252;r starke und r&#252;stige Mannspersonen geh&#246;rt. Diesen, wie jenen, gaben sie nichts anders zu essen, als Kr&#228;uter und dergleichen Sachen, die keine Kraft haben. S&#228;ugenden M&#252;ttern vertrocknete die Milch in den Br&#252;sten, und in kurzer Zeit starben alle kleinen Kinder dahin. Die M&#228;nner mu&#223;ten ganz abgesondert leben, durften nicht den mindesten Umgang mit den Weibern haben; mithin h&#246;rte die Fortpflanzung g&#228;nzlich auf. Jene kamen vor Arbeit und Hunger in den Bergwerken um; und diese starben auf die n&#228;mliche Art in den Meiereien und sogenannten Stationen.&#187;&lt;br class='autobr' /&gt;
Besonders die Ern&#228;hrung wurde von Beginn an als Mittel zur Unterdr&#252;ckung der eingeborenen Bev&#246;lkerung eingesetzt. In ihrem Kampf gegen die Spanier hatten zum Beispiel die Indianer auf Hispaniola zuerst noch versucht, den Eindringlingen die Nahrungsgrundlage zu entziehen. Sie bebauten ihre eigenen Felder nicht mehr, ein Vorgehen, das Hungersn&#246;te hervorrief und bald auf sie selbst zur&#252;ckschlug. Fast von den Anf&#228;ngen an geh&#246;rte es hingegen zu den Mitteln der Kolonialherren, die Indianer bewusst dem Hunger auszuliefern, indem sie nicht nur deren Vorr&#228;te verbrauchten (nach Las Casas &#171;verzehrt und verschlingt ein Spanier oft in einem einzigen Tage, was f&#252;r drei Familien, jede zu zehn Personen gerechnet, auf einen ganzen Monat gen&#252;gt&#187;), sondern auch r&#252;cksichtslos deren Pflanzungen vernichteten. In diesem Zusammenhang gewinnt auch der Hinweis gro&#223;e Bedeutung, dass die Ackerbaumethoden der Indianer auf den Inseln wenig produktiv waren; im Vergleich erwirtschaftete etwa ein spanischer Bauer selbst unter dem feudalen System seiner Zeit einen drei&#223;igfach h&#246;heren Ertrag.&lt;br class='autobr' /&gt;
Das Los der karibischen Indianer entschied sich am Ende jedenfalls unter dem System der &#171;encomienda&#187;, als sie, zur Sklavenarbeit gezwungen, ihre Felder nicht mehr bebauen konnten und von ihren &#171;Schutzherren&#187; nur v&#246;llig unzureichend ern&#228;hrt wurden, wenn sie nicht gar selbst f&#252;r ihre Verpflegung zu sorgen hatten. Die Kinder der verschleppten und zu Tode geschundenen Eltern blieben au&#223;erdem oft auf sich selbst angewiesen zur&#252;ck, sodass Las Casas zum Beispiel von Kuba berichtete, dort seien w&#228;hrend seines Aufenthalts binnen drei oder vier Monaten 7000 Kinder vor Hunger gestorben, weil ihre V&#228;ter und M&#252;tter in die Bergwerke geschickt wurden.&lt;br class='autobr' /&gt;
Auf dieser &#171;Kolonisation&#187; ruhte im &#220;brigen von Beginn an der Segen einer christlichen Kirche, die in Spanien im Verlauf des 15. Jahrhunderts weit st&#228;rker als in jedem anderen Teil Europas sittlich verfiel. Auch wenn die V&#246;lker, die missioniert werden sollten, in die Sklaverei gef&#252;hrt wurden, so stand dies nicht im Gegensatz zum christlichen Ideal der &#171;N&#228;chstenliebe&#187;. Denn die von der Kirche im gesamten Mittelalter gutgehei&#223;ene Versklavung von Menschen war von Papst Nikolaus V. im Jahr 1454 in der Bulle &#171;Romanus Pontifex&#187; sogar sanktioniert worden. Nach der geltenden Moraltheologie war den &#171;Heiden&#187; ohnehin die ewige Verdammnis gewiss. Dar&#252;ber hinaus war die auf Missionierung bedachte christliche Kirche in entschiedener Weise an der Unterdr&#252;ckung der eingeborenen Bev&#246;lkerung beteiligt. Dabei konnte sich die Kolonisation auf die von Papst Alexander . im Jahr 1493 vollzogene Einteilung der Erde berufen, die in rechtlicher Hinsicht eine &#220;bereignung der betreffenden Weltgebiete bedeutete.&lt;br class='autobr' /&gt;
Die Methode der Missionierung wird durch die sogenannte &#171;Konquistadorenproklamation&#187; (&#171;requerimiento&#187;) &#252;beraus deutlich, die den Indianern als Legitimation f&#252;r ihre Bekehrung und damit einhergehende Unterwerfung vorgetragen wurde: &#171;Gott der Herr hat dem Petrus und seinen Nachfolgern die Gewalt &#252;ber alle V&#246;lker der Erde &#252;bertragen, so da&#223; alle Menschen den Nachfolgern Petri gehorchen m&#252;ssen. Nun hat einer dieser P&#228;pste die neuentdeckten Inseln und L&#228;nder mit allem, was es darauf gibt, den spanischen K&#246;nigen zum Geschenk gemacht, so da&#223; also ihre Majest&#228;ten kraft jener Schenkung K&#246;nige und Herren dieser Inseln und des Festlandes sind. Ihr werdet nunmehr aufgefordert, die heilige Kirche als Herrin und Gebieterin der ganzen Welt anzuerkennen und dem spanischen K&#246;nige als eurem neuen Herrn zu huldigen. Andernfalls werden wir mit Gottes Hilfe gewaltsam gegen euch vorgehen und euch unter das Joch der Kirche und des K&#246;nigs zwingen, wie es sich rebellischen Vasallen gegen&#252;ber geh&#246;rt. Wir werden euch euer Eigentum nehmen und euch, eure Frauen und Kinder zu Sklaven machen. Zugleich erkl&#228;ren wir feierlich, da&#223; nur ihr an dem Blut und an dem Unheil schuld seid, das dann &#252;ber euch kommen wird.&#187; Wenn sich also die christlichen Konquistadoren in jeder Hinsicht auf die Unterst&#252;tzung der Kirche verlassen konnten, die ihnen trotz aller begangenen Untaten stets die Absolution erteilte (es sei an dieser Stelle auf das hinl&#228;nglich bekannte Ph&#228;nomen der engen Verbindung zwischen gewaltt&#228;tigem Verhalten und strikter Fr&#246;mmigkeit verwiesen), so wirkte sich die Bekehrung selbst noch obendrein demoralisierend aus: Den Indianern wurde n&#228;mlich im Jenseits ein Paradies versprochen, auf Erden aber waren sie zu Demut und Gehorsam gegen&#252;ber ihren Herren verpflichtet.&lt;br class='autobr' /&gt; &lt;br class='autobr' /&gt;
Zu dieser Entwicklung, die zur Ausrottung ganzer Volksgruppen f&#252;hrte, trug auch Kolumbus einen erheblichen Teil bei, obwohl der Admiral auf Hispaniola wenigstens zu Beginn mit allen Mitteln versucht hatte, die &#220;bergriffe der Spanier gegen die Indianer zu unterbinden. Auch aus diesem Grund waren st&#228;ndig Rebellionen gegen ihn aufgeflammt, die er schlie&#223;lich nicht mehr unter Kontrolle halten konnte. Das Aufbegehren der Kolonialisten gegen ihren Vizek&#246;nig entz&#252;ndete sich an seinem Vorsatz, das Land in einer Weise auszubeuten, die auf planvolles Vorgehen angelegt war. Dazu h&#228;tte er eine Gefolgschaft ben&#246;tigt, die seinen Anordnungen und Befehlen Folge leistete. Jedoch hatten sich nach &#171;den Indien&#187; immer nur M&#228;nner begeben, die das Gold mit vollen H&#228;nden sch&#246;pfen und die sich durch keine Anweisung einschr&#228;nken lassen wollten. Unter allen diesen befinden sich keine sechs, die nicht vorhaben, so viel Geld als m&#246;glich zu sammeln, um sich dann bei der ersten Gelegenheit davonzumachen. Das Ziel des Kolumbus war demnach die geordnete Unterwerfung des Landes, der das individuelle Interesse der einzelnen Spanier nach m&#246;glichst rascher Bereicherung entgegenstand. Sie ha&#223;ten mich auch, weil ich ihnen nicht erlauben wollte, nur zu zweien oder zu dreien oder gar allein das Land zu durchstreifen, wie sie bereits begonnen hatten; da in &#228;hnlichen F&#228;llen die Indianer schon viele von ihnen get&#246;tet hatten und noch weitere t&#246;ten w&#252;rden, wenn sie nicht durch mich davor beh&#252;tet worden w&#228;ren. Unter solchen Umst&#228;nden w&#228;re die K&#252;hnheit der Eingeborenen derart gro&#223; geworden, da&#223; sie mich schlie&#223;lich von der K&#252;ste vertrieben h&#228;tten, ohne da&#223; es zu einer Schlacht gekommen w&#228;re, wenn mir nicht Gott geholfen h&#228;tte. Wenn der Admiral anf&#228;nglich gewisse Rechte der Indianer anerkannte, so geschah dies einzig aus der Absicht heraus, sie in organisierter Form zu dienenden Untertanen zu machen, denn nur auf diese Weise lie&#223; sich ihnen ein m&#246;glichst gro&#223;er Ertrag abpressen. Das von Kolumbus auf Hispaniola eingef&#252;hrte Tributsystem, das jeden einzelnen Indianer zu allerh&#228;rtester Fron zwang und das nur aufgrund der anarchischen Zust&#228;nde unter den Spaniern nicht wirklich geordnet durchgef&#252;hrt werden konnte, stempelt ihn exemplarisch zu einem jener bedenkenlosen Gesch&#228;ftsm&#228;nner seiner Zeit. So stellte er beispielsweise auch eine genaue Berechnung dar&#252;ber an, wie pro Jahr 4000 Sklaven und 4000 Zentner Holz nach Spanien verschifft und dort gewinnbringend verkauft werden k&#246;nnten.&lt;br class='autobr' /&gt;
Nur in der Qualit&#228;t unterschied sich Kolumbus also von all jenen ber&#252;chtigten Konquistadoren, die auf der Suche nach Gold die indianischen Kulturen r&#252;cksichtslos &#252;berrannten. Seine Unterdr&#252;ckung der Bev&#246;lkerung war schon auf Systematik angelegt, wie sie sich in dem sp&#228;teren System der &#171;encomienda&#187; manifestierte; und da der Vizek&#246;nig der Indien stets danach trachtete, seine Machtposition durch wirtschaftlichen Erfolg zu untermauern, finden sich bei ihm auch all jene Ma&#223;nahmen ausgef&#252;hrt oder vorgedacht, welche die Politik der Kolonialherren bestimmen sollten. Diese Vorgehensweisen reichten von der Versklavung der einheimischen Bev&#246;lkerung bis zu deren physischer Vernichtung; und zur Unterwerfung des Landes wurde selbst auf Methoden wie den bewussten Einsatz des Alkohols zur&#252;ckgegriffen oder auf das Sch&#252;ren von Intrigen unter den verschiedenen Indianergruppen: &#171;In seinem Entschlu&#223; wurde der Admiral auch noch durch die Erw&#228;gung best&#228;rkt, die Zwietracht unter den H&#228;uptlingen erleichtere ihm die Unterjochung des Landes.&#187; Zum Bild des Kolumbus als Kolonisator geh&#246;rt schlie&#223;lich auch seine fanatische Religiosit&#228;t, die f&#252;r sein Leben in einem solchen Ma&#223; bestimmend war, dass ihn selbst die Berechnung, wie viel Gold er den Indianern abpressen k&#246;nnte, um damit das heilige Grab zu befreien, in keinen Widerspruch verwickelte. Ganz im Sinne seiner Zeit sprach er auch sp&#228;ter aufrichtig von dem Dienst, den wir Unserem Herrgott durch die Rettung so vieler Seelen leisteten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#169; Andreas Venzke&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aus: &lt;a href=&#034;https://www.amazon.de/Christoph-Kolumbus-Andreas-Venzke-ebook/dp/B07N4D3W41/ref=sr_1_2?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;dchild=1&amp;keywords=venzke+rowohlt&amp;qid=1585047189&amp;sr=8-2&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;Andreas Venzke: Christoph Kolumbus. Rowohlt. E-Book 2019&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
		
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		<title>Martin Luther</title>
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		<dc:creator>Andreas Venzke</dc:creator>



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&lt;p&gt;Liebe junge Leser, &lt;br class='autobr' /&gt;
ich wei&#223;, wie schwer es ist, euch zu erreichen &#8211; und euch &#252;berhaupt richtig anzusprechen. Weiter unten findet ihr ein paar Informationen &#252;ber mein neustes Buch &#252;ber Martin Luther. Ehrlich gesagt, habe ich keine Ahnung, wie man sich in eurem Alter f&#252;r ein solches Thema interessieren kann. Trotzdem wei&#223; ich, dass es etliche unter euch geben muss, die vor einem solchen Buch bzw. einem solchen Thema nicht zur&#252;ckschrecken. Viele sind ja in eurem Alter auf Sinnsuche. (&#8230;)&lt;/p&gt;


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&lt;a href="https://www.andreas-venzke.de/bucher/neuerscheinungen/" rel="directory"&gt;Neuerscheinungen&lt;/a&gt;


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		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;Liebe junge Leser,&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;ich wei&#223;, wie schwer es ist, euch zu erreichen &#8211; und euch &#252;berhaupt richtig anzusprechen. Weiter unten findet ihr ein paar Informationen &#252;ber mein neustes Buch &#252;ber Martin Luther. Ehrlich gesagt, habe ich keine Ahnung, wie man sich in eurem Alter f&#252;r ein solches Thema interessieren kann. Trotzdem wei&#223; ich, dass es etliche unter euch geben &lt;i&gt;muss&lt;/i&gt;, die vor einem solchen Buch bzw. einem solchen Thema nicht zur&#252;ckschrecken. Viele sind ja in eurem Alter auf Sinnsuche. Vielleicht passt ein solches Buch dann, &#252;ber Luther, die Religion, &#252;ber den Sinn des Lebens. (Immerhin ist es gleich nach Erscheinen von der &lt;i&gt;Deutschen Akademie f&#252;r Kinder- und Jugendliteratur e. V.&lt;/i&gt; als &#034;Buch des Monats&#034; ausgezeichnet worden.)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Hier also ein paar Informationen f&#252;r die von euch, die ganz einfach wissen wollen, worum es geht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In meinem neuen Buch geht es um Martin Luther. Der lebte vor 500 Jahren, stammte aus der Mitte Deutschlands und hatte Angst vor dem Tod. Denn der Tod lauerte damals &#252;berall. Es gab Pestseuchen, an denen die Menschen wie die Fliegen starben. Alle, ob jung oder alt, arm oder reich, mussten immer f&#252;rchten, am n&#228;chsten Tag unter der Erde zu liegen. Und sie mussten f&#252;rchten, dann in die H&#246;lle zu kommen. Denn alle glaubten an die Bibel und an das &#8222;Wort Gottes&#8220;. In der Bibel steht, dass die Menschen von Geburt an S&#252;nder sind und dass sie weiter S&#252;nden begehen. Am Ende des Lebens wird dann Gott entscheiden, ob man f&#252;r seine S&#252;nden in den Himmel oder die H&#246;lle kommt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Luther wollte so leben, dass er nicht in de H&#246;lle kommt. Daher wollte er es Gott v&#246;llig rechtmachen: Er ging ins Kloster. Dort versuchte er alles auszuschlie&#223;en, was s&#252;ndhaft sein k&#246;nnte. Aber er litt deswegen furchtbar. Er betete st&#228;ndig, er beichtete seine S&#252;nden, er a&#223; wenig oder gar nichts und versuchte, nicht an Frauen zu denken. Schlie&#223;lich fand er einen neuen Weg zu Gott. Er sagte sich, dass Gott kein r&#228;chender Gott ist, sondern ein gn&#228;diger. Man kann Gott nicht gefallen, wenn man immer versucht, es ihm recht zu machen. Man muss nur an ihn glauben. Dann ist man nach dem Tod gerettet und kommt nicht in die H&#246;lle. Denn Gott ist ein Gott der Gnade und nicht der Strafe.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nun sagte aber die Kirche zu seiner Zeit, dass man mit Gott handeln k&#246;nnte: Wenn man &#8222;gute Werke&#8220; tat, also anderen Leuten half, viel betete, immer den Gottesdienst besuchte, dann w&#252;rde Gott einen daf&#252;r belohnen &#8211; und man w&#252;rde nicht in die H&#246;lle kommen. Es gab sogar H&#228;ndler, die einem das versprachen: Man musste daf&#252;r nur der Kirche in Rom Geld spenden. Das emp&#246;rte Luther so, dass er begann, gegen den Papst und die ganze Kirche zu wettern. Er schrieb einigen Gelehrten (in seinen 95 Thesen am 31. Oktober 1517) &#252;ber seine neuen Ansichten. Diese gefielen der Kirche gar nicht. Luther sollte davon Abstand nehmen. Das aber emp&#246;rte ihn erst recht. Er sah sich in seinem Urteil best&#228;tigt. Deswegen sprach er sich ganz offen gegen den Papst aus, den er nun sogar mit dem Teufel gleichsetzte. Also schloss ihn die Kirche aus ihrer Gemeinschaft aus. Luther musste fortan bef&#252;rchten, gefangen und hingerichtet zu werden. Er hatte aber inzwischen m&#228;chtige Besch&#252;tzer, die ihn in Sicherheit brachten. Luther blieb mit seinen Ideen am Leben ...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Hier nun ein paar Gedanken zu meinem Buch, die etwas weiter f&#252;hren und etwas &#8222;theoretischer&#8220; sind:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist bestimmt nicht &#252;bertrieben, wenn man feststellt: Das Jahr 2017 wird sehr besonders, und zwar ganz abgesehen von allen politischen Umbr&#252;chen, die wohl anstehen. Der 500-j&#228;hrige Jahrestag der Reformation am 31. Oktober 2017 ist &lt;i&gt;das &lt;/i&gt; Ereignis. Es geht um den Zustand der christlichen Kirche, um ihre Aufspaltung, um neue Impulse f&#252;r den Glauben, um neue Fragestellungen &#8211; und vielleicht wieder neue Konflikte. Bezugspunkt wird immer eine Person sein: Martin Luther.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich hatte die Chance, mein erfolgreiches Buch &#252;ber den Reformator (&lt;i&gt;Luther und die Macht des Wortes&lt;/i&gt;) ganz neu herauszugeben, komplett &#252;berarbeitet, erweitert, aktualisiert und als Hardcover in wundersch&#246;ner Form neu gestaltet und gedruckt ...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dazu habe ich versucht, Luthers Leben noch konsequenter als das einer extremen Pers&#246;nlichkeit darzustellen: Da ist jemand auf der Suche nach dem richtigen, gottgef&#228;lligen Leben, mit dem Ziel, nicht in der H&#246;lle zu enden. Luther findet schlie&#223;lich eine L&#246;sung, eine theologische, die eigentlich eher sophistisch ist und sich auf eine Aussage von Paulus bezieht: Dass der Mensch gerecht wird allein durch den Glauben.&lt;br class='autobr' /&gt;
Weil Luther f&#252;r diese neue Glaubenslehre so sehr k&#228;mpft, wird er zum Eiferer, der sich am Ende fast notwendig betrogen vorkommen muss. Dabei geht er r&#252;cksichtslos gegen sich (als M&#246;nch), aber auch (als Reformator) gegen andere vor.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Vor diesem Hintergrund stelle ich Luther im Grunde als einen Radikalen heraus. Er w&#228;hnt sich im Recht und ist davon &#252;berzeugt, den christlichen Glauben neu er- und gefunden zu haben. Als das aber l&#228;ngst nicht von allen akzeptiert wird, vom Vatikan nicht, von den Humanisten nicht (Erasmus von Rotterdam), auch nicht von religi&#246;sen Eiferern (Thomas M&#252;ntzer), besonders von den Juden nicht, die nicht einmal Jesus Christus anerkennen wollen, als sich auf der Grundlage seiner Lehre auch das allgemeine Volk emp&#246;rt und auf Erden Gerechtigkeit verlangt (Bauern), zeigt Luther ganz andere Seiten als die &#8222;christliche&#8220;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Luthers Leben und Glauben bewegen sich zwischen zwei Positionen: Einer geradezu absoluten Hingabe an das Wort Gottes und der Kritik an den kirchlichen Strukturen. Erst recht habe ich dazu bestimmte Aspekte betont, besonders die anschaulichen:
&lt;br /&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; Die Angst vor Tod und H&#246;lle
&lt;br /&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; Die Suche nach dem &#8222;richtigen&#8220; Glauben
&lt;br /&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; Die Wucht des Kampfes gegen die r&#246;mische Kirche
&lt;br /&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; Die Arbeit mit und an der Bibel (&#220;bersetzung)
&lt;br /&gt;&lt;span class=&#034;spip-puce ltr&#034;&gt;&lt;b&gt;&#8211;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; Die gesellschaftlichen Konsequenzen der Reformation&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und noch st&#228;rker habe ich in der &#8222;Handlung&#8220;, also in der Darstellung von Luthers Leben, auch die Spannungselemente betont, vor allem in Form von Fragen, die sich Luther selbst gestellt hat: Wie kann der Mensch ein gottgef&#228;lliges Leben f&#252;hren, wie verhindern, nicht in die H&#246;lle zu kommen, was steht eigentlich genau in der Bibel, was f&#252;r ein Gott wird dort dargestellt (n&#228;mlich, so Luther, kein strafender), wie ist das alles zu verstehen?&lt;br class='autobr' /&gt;
Diese Art Fragen zu Luthers Leben beantworten sich auch immer durch seinen Charakter: Dieser w&#252;tende, polternde Mensch hat bis zum Schluss gek&#228;mpft, zuerst f&#252;r den &#8222;richtigen&#8220; Glauben, dann gegen die, die diesem entgegenstanden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Am Ende entsteht ein zwiesp&#228;ltiges Bild zu Luther und seiner Lehre, und wiederum eine Frage: Kann solch ein Streiter f&#252;r das Wort Gottes heute (noch) Vorbild sein?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Buch ist an sich ein sch&#246;ner Ausdruck seiner Zeit. Ein halbes Jahrhundert vor dem Beginn der Reformation hatte Johannes Gutenberg den Buchdruck erfunden. Ohne diese Erfindung w&#228;re die Ausbreitung von Luthers Ideen gar nicht denkbar gewesen. Nun zeigt heute der Arena-Verlag, wozu der Buchdruck noch immer (besser: erst recht) in der Lage ist: Die Bedeutung dieser Erfindung im Namen Martin Luthers noch einmal besonders zu w&#252;rdigen. Das Buch ist ein kleines, aber feines Beispiel f&#252;r die weiterhin bestehende gro&#223;e Bedeutung der Buchdrucker&lt;i&gt;kunst&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;div class='spip_document_97 spip_document spip_documents spip_document_image spip_documents_center spip_document_center'&gt;
&lt;figure class=&#034;spip_doc_inner&#034;&gt; &lt;a href='https://www.andreas-venzke.de/sites/venzke/IMG/jpg/dsc_6863.jpg' class=&#034;spip_doc_lien mediabox&#034; type=&#034;image/jpeg&#034;&gt; &lt;img src='https://www.andreas-venzke.de/sites/venzke/local/cache-vignettes/L500xH730/dsc_6863-1a970.jpg?1678906837' width='500' height='730' alt='' /&gt;&lt;/a&gt;
&lt;/figure&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
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		<title>Zeichen setzen!</title>
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		<dc:date>2015-07-03T11:06:35Z</dc:date>
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		<dc:language>de</dc:language>
		<dc:creator>Andreas Venzke</dc:creator>



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&lt;p&gt;Frauen, die etwas besonderes geleistet haben, die sich nicht unterkriegen lie&#223;en, im Gegenteil, die Mut machen &#8211; nichts Besonderes, sollte man meinen, oder vielleicht doch: Dieses neue Buch ist beinahe ein Abriss &#252;ber die moderne Geschichte der Frau, in Politik, Wissenschaft, Kunst, Wirtschaft und Abenteuer, und vielleicht liegt der Reiz auch darin, dass als Autor ein Mann dieses Thema behandelt: In seiner Art der Bewunderung. &lt;br class='autobr' /&gt;
Eine sch&#246;ne Zusammenfassung von &#8222;Zeichen setzen!&#8220; ist zum (&#8230;)&lt;/p&gt;


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&lt;a href="https://www.andreas-venzke.de/bucher/bucher-fur-jugendliche/" rel="directory"&gt;B&#252;cher f&#252;r Jugendliche&lt;/a&gt;


		</description>


 <content:encoded>&lt;img src='https://www.andreas-venzke.de/sites/venzke/local/cache-vignettes/L103xH150/arton53-7701b.jpg?1678947063' class='spip_logo spip_logo_right' width='103' height='150' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;Frauen, die etwas besonderes geleistet haben, die sich nicht unterkriegen lie&#223;en, im Gegenteil, die Mut machen &#8211; nichts Besonderes, sollte man meinen, oder vielleicht doch: Dieses neue Buch ist beinahe ein Abriss &#252;ber die moderne Geschichte der Frau, in Politik, Wissenschaft, Kunst, Wirtschaft und Abenteuer, und vielleicht liegt der Reiz auch darin, dass als Autor ein Mann dieses Thema behandelt: In &lt;i&gt;seiner &lt;/i&gt; Art der Bewunderung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine sch&#246;ne Zusammenfassung von &#8222;Zeichen setzen!&#8220; ist zum Anlass der Buchpr&#228;sentation von Petra V&#246;lzing in &lt;i&gt;Vauban actuel&lt;/i&gt; erschienen:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Vauban-Autor Andreas Venzke hat ein neues Buch geschrieben und l&#228;dt zu einem unterhaltsamen Abend nicht nur f&#252;r das weibliche Geschlecht. Vorgestellt werden unterschiedlichste Frauen, die Mut bewiesen und etwas Besonderes geleistet haben. Die Texte werden im Wechsel von jungen Frauen vorgetragen.&lt;br class='autobr' /&gt;
Das neue Buch versammelt Portr&#228;ts von 12 ganz unterschiedlichen Frauen, die aber alle f&#252;r Eins stehen: Den Willen zu haben, sich in der Welt durchzusetzen und einen eigenen Weg zu gehen, gegen alle Widerst&#228;nde. Bewusst ist das Spektrum weit gefasst. Die ausgew&#228;hlten Pers&#246;nlichkeiten sind jeweils typisch, sowohl f&#252;r ihre Zeit als auch f&#252;r den bereich, in dem sie wirkten, als Reisende, Unternehmerinnen, in der Wissenschaft, der Politik und der Kunst. Deutlich wird, wie sehr die geschichtlichen und gesellschaftlichen Bedingungen auf die jeweiligen Frauen gewirkt haben. So entsteht anhand der ausgew&#228;hlten Beispiele zugleich auch eine Art Abriss &#252;ber die Situation der Frau im historischen Kontext, angefangen von Katharina von Bora in der beginnenden Neuzeit &#252;ber Rosa Luxemburg in der zeit sch&#228;rfster politischer K&#228;mpfe bis zu Malala, die heute noch gegen &#8222;mittelalterliche&#8220; Verh&#228;ltnisse k&#228;mpfen muss.&lt;br class='autobr' /&gt;
Immer wird deutlich, wie sehr die Frauen meist k&#228;mpfen mussten, um sich eben als Frau durchzusetzen. Es entsteht eine Art Kaleidoskop &#252;ber das Leben von Frauen von gestern bis heute, und zwar immer unter einem Gesichtspunkt: Es lohnt sich, Grenzen zu &#252;berschreiten und neue Wege zu gehen, zu k&#228;mpfen, Mut zu zeigen, sich als Frau nicht unterkriegen zu lassen.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Hier auch eine nette Beschreibung in der &lt;i&gt;S&#252;ddeutschen Zeitung&lt;/i&gt;:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Dem Autor gelingt es, die Pers&#246;nlichkeiten auch f&#252;r junge Leser spannend und verst&#228;ndlich zu beschreiben, denn er l&#228;sst sie zwar in ihrem historischen Kontext, entgeht aber dem Versuch, sie nachtr&#228;glich zu &#252;berh&#246;hen, und macht sie durch kurze fiktive Berichte aus ihrem Leben lebendig, die auf sorgf&#228;ltigem Quellenstudium basieren.&#034;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;... und in &lt;i&gt;eselsohr&lt;/i&gt;, Fachzeitschrift f&#252;r Kinder und Jugendmedien:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Wie sch&#246;n, dass jetzt mit Andreas Venzke ein Mann f&#252;r den neuesten Band der Reihe &lt;i&gt;Arena Bibliothek des Wissens&lt;/i&gt; verantwortlich zeichnet [...] Lebendig schildert der Autor, der sich un&#252;bersehbar dem gr&#252;ndlichen Quellenstudium hingegeben hat, wichtige Stationen oder Situationen in der Biografie der vorgestellten Frauen. [...] spannend zu lesen [...]&#034;&lt;/p&gt;
&lt;div class='cs_blocs'&gt;&lt;h4 class='blocs_titre blocs_replie blocs_click'&gt;&lt;a href='javascript:;'&gt;Leseprobe&lt;/a&gt;&lt;/h4&gt;&lt;div class='blocs_destination blocs_invisible blocs_slide'&gt;&lt;h2 class=&#034;spip&#034;&gt;Frida Kahlo (1907&#8211;1954)
&lt;p&gt;Selbstbespiegeln&lt;/p&gt;
&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Na, sch&#246;nes M&#228;dchen! Musst du wieder auf dem R&#252;cken liegen und mich anstarren, und damit also dich selbst? Aber &#228;rgere dich nicht, jedenfalls deswegen nicht! Das war doch damals schon eine gute Idee, beim ersten Mal, als deine Mutter mich &#252;ber dein Bett geh&#228;ngt hat. So hast du die M&#246;glichkeit bekommen, dich so genau zu betrachten, wie das sonst nie ein Mensch machen w&#252;rde.&lt;br class='autobr' /&gt;
Du wei&#223;t, was ein Spiegel dir zeigt? Er gibt den Blick frei in das Innere eines Menschen. Das hast du einzigartig genutzt. So viele Portr&#228;ts hast du von dir gemalt, immer seltsam &#252;bertrieben. Hast alle Gef&#252;hle aus deinen Gesichtsz&#252;gen genommen, als h&#228;ttest du eine Maske aufgesetzt, hast dir etwas M&#228;nnliches gegeben, die kr&#228;ftigen Augenbrauen noch betont, den Flaum auf der Oberlippe wie einen Schnauzbart gemalt! Du bist da gnadenlos, &#252;bertrieben ehrlich, so wie du dich in mir anschaust. Nicht ohne Grund hat nun sogar Pablo Picasso zu dir gesagt: &#8222;Keiner von uns kann einen Kopf machen so wie Frida Kahlo.&#8220;&lt;br class='autobr' /&gt;
Was diese &#196;rzte der Yankees leisten k&#246;nnen! Vier deiner gesch&#228;digten R&#252;ckenwirbel haben sie mit einem Metallst&#252;ck fixiert, jetzt, 1946, &#252;ber 20 Jahre nach deinem Unfall. Das zu machen, leuchtet ein. So werden die Wirbel nun endlich stabil sein. Aber wieder musst du liegen, starr und steif. Nur kennst du das ja zur Gen&#252;ge. Es ist zu einem Teil deines Lebens geworden. Und was du gelernt hast: Mit meiner Hilfe in dich zu schauen wie sonst kein anderer. Ist es nicht so? Deine Gem&#228;lde sind inzwischen ber&#252;hmt, fast schon so wie die deines Mannes, Diego Rivera. Was er im Gro&#223;en schafft, machst du spiegelbildlich im Kleinen! Er schaut in die Welt und du schaust in dich.&lt;br class='autobr' /&gt;
Vielleicht kannst du es besser ertragen, hier in einem New Yorker Krankenhausbett bewegungslos liegen zu m&#252;ssen, mit der Vorstellung, nun wieder dort in dem einen von Mexiko-Stadt zu sein, wo alles f&#252;r dich neu begann. Dein Leben hat ja Halt gemacht, da warst du erst 17 Jahre alt. Wenn man nur immer w&#252;sste, wo auf dem Lebensweg die wichtigen Kreuzungen liegen &#8211; wo man sich entscheiden muss: Gehe ich links oder gehe ich rechts? Vielleicht kennt man ja den Weg, in groben Z&#252;gen. Doch du konntest nicht mehr entscheiden. Denn der eine Weg war pl&#246;tzlich versperrt. Und auf dem anderen gab es mich pl&#246;tzlich &#252;ber dir, und dazu Pinsel und Farbe. So ist dir der Weg vielleicht &lt;i&gt;gemacht&lt;/i&gt; worden.&lt;br class='autobr' /&gt;
Wolltest du nicht &#196;rztin werden, ausgerechnet? Hattest du nicht eigentlich deinen Weg schon gefunden? Zu den Yankees wolltest du damals, raus aus Mexiko und in die USA. Und nun liegst du bei ihnen und bist auf einem ganz anderen Weg zu ihnen gekommen, als ber&#252;hmte K&#252;nstlerin, mit Geld im &#220;berfluss! Damals hast du daf&#252;r malocht, hast du die m&#252;hsam erarbeiteten Dollars gespart, um bei den Yankees sogar studieren zu k&#246;nnen. Und dann passte der Busfahrer nicht auf. Er &#252;bersah die Stra&#223;enbahn. Der Bus, in dem du sa&#223;t, brach entzwei &#8211; und du ja eigentlich auch. Deine Kleider hatte es dir vom Leib gerissen, voller Blut warst du, Goldstaub aus einem aufgerissen S&#228;ckchen war &#252;ber dich gerieselt. Und aus der Mitte deiner H&#252;fte ragte eine Eisenstange. Dass du das &#252;berlebt hast!&lt;br class='autobr' /&gt;
Deine Mutter hatte damals die Idee, dein Krankenbett mit einem Himmel im Renaissancestil zu versehen. Sie brachte an dem Bett einen Baldachin an und h&#228;ngte mich an dessen Unterseite. So konntest du dein Spiegelbild als Modell zum Malen nehmen. Was seitdem f&#252;r Bilder entstanden sind, gnadenlos ehrliche, ernste Bilder, die du &#252;ber dir siehst, aber auch in dir, Bilder, die du in dir tr&#228;gst. Wie h&#228;ttest du auch normal denken k&#246;nnen, nach dem was geschehen war? Dein Gipskorsett reichte damals von den Schl&#252;sselbeinen bis zum Becken. Am Tag zuvor warst du noch eine frisch aufgebrochene Bl&#252;te gewesen, am n&#228;chsten Tag eine abgebrochene. Seitdem lebst du auf einem Planeten voller Schmerzen, durchsichtig wie Eis. Aber so war es, als ob du alles auf einmal in ein paar Sekunden gelernt h&#228;ttest.&lt;br class='autobr' /&gt;
Du kannst nun wieder so viel denken, nachdenken. Was anderes bleibt dir nicht. Als du damals deine Mutter wiedersahst, sagtest du zu ihr: &#8222;Ich bin nicht gestorben, und au&#223;erdem habe ich etwas, wof&#252;r es sich zu leben lohnt: die Malerei.&#8220;&lt;br class='autobr' /&gt;
Und vielleicht hat es sogar einen Sinn, dass du hier schon wieder im Bett liegst, eingesperrt in ein Gipskorsett, wie ein K&#228;fer, der auf dem R&#252;cken liegt und mit den Beinchen zappelt, oder sogar wie ein toter K&#228;fer &#8211; dass du dich aber die ganze Zeit beobachten kannst, weil ich bei dir bin? Ich jedenfalls helfe dir gern, dich zu sehen. Sieh nur, wie besonders du bist! Schau mich nur weiter an. Dazu bin ich da: Damit du Antworten findest, wie das nur wenige au&#223;er dir k&#246;nnen!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt; &lt;strong&gt;Frida Kahlo (1907&#8211;1954)&lt;/strong&gt; z&#228;hlt heute zu den wichtigsten Pers&#246;nlichkeiten der modernen Malerei. In Mexiko, hei&#223;t es, wird sie fast wie eine Heilige verehrt. Als 17-j&#228;hriges M&#228;dchen geriet Frida Kahlo in einen so schweren Verkehrsunfall, dass ihr &#220;berleben wie ein Wunder schien. Sie behielt jedoch gro&#223;e Sch&#228;den zur&#252;ck, besonders an der Wirbels&#228;ule. Immer wieder musste sie deswegen operiert werden. Monate ihres Lebens verbrachte sie bewegungsunf&#228;hig in Krankenbetten. Trotzdem wollte sie das Leben in vollen Z&#252;gen genie&#223;en. Durch ihre Heirat mit dem ber&#252;hmten mexikanischen Maler Diego Rivera verkehrte sie in den wichtigsten Kreisen Mexikos, ehe sie mit ihrer eigenen Kunst ber&#252;hmt wurde. Diese verk&#246;rpert einen besonderen pers&#246;nlichen Stil. Frida Kahlo stellte auf der Leinwand dar, wie es in ihrem Inneren aussah: Was sie dachte und f&#252;hlte, woran sie glaubte und worauf sie hoffte, wie sie litt und sich freute.&lt;br class='autobr' /&gt;
In ihrer Kunst betonte sie bewusst ihre Identit&#228;t als Mexikanerin. Mexiko als Land ist in seiner Geschichte gespalten zwischen einer spanischen und indianischen Identit&#228;t. Frida Kahlo betonte dabei diese Mischform und bekannte sich deutlich auch zur indianischen Herkunft, die m&#252;tterlicherseits die ihre war. Typisch f&#252;r die Mexikaner, verglich sie ihr Land mit dem der US-Amerikaner, mit den Yankees im Norden. W&#228;hrend Mexiko im Vergleich b&#228;uerlich war, machten die USA eine st&#252;rmische industrielle Entwicklung durch und beherrschten bald die Welt. Sie schrieb schon 1931 aus New York: &#8222;Ich empfinde ein wenig Hass auf diese ganzen reichen S&#228;cke, denn ich habe Tausende von Menschen gesehen, die im schlimmsten Elend leben, nichts zu essen und keinen Platz zum Schlafen haben, und das hat sich mir am st&#228;rksten eingepr&#228;gt.&#8220;&lt;br class='autobr' /&gt;
So stellte sie sich auch zeitlebens entschieden gegen die herrschenden gesellschaftlichen Klassen. Frida Kahlo war wie ihr Mann kommunistisch ausgerichtet, je &#228;lter sie wurde, desto bedingungsloser. Diese Seite wird in ihrem Leben kaum noch hervorgehoben. Daf&#252;r ist sie heute besonders unter Frauen bekannt. Frida Kahlo gilt inzwischen als ein Vorbild f&#252;r die &#8222;feminine&#8220; Seite der Kunst. R&#252;cksichtslos stellte sie die Frau (meist sich selbst) auch noch in den intimsten Situationen dar, in der Sexualit&#228;t, bei der Geburt, im Tod, und das immer ausgemalt von symbolischen Bez&#252;gen: Auf einem Gem&#228;lde h&#228;lt sie ihren geliebten Mann Diego Rivera in den Armen wie ein Baby.&lt;br class='autobr' /&gt;
Frida Kahlos weiteres Leben entschied sich an dem Tag ihres Verkehrsunfalls. Sie versuchte das Leben auszukosten, das sie aber immer wieder &#8211; im Wortsinn &#8211; niederwarf. Auch ihr &#252;berm&#228;&#223;iges Trinken und Rauchen forderte seinen Tribut. Als ihr schlie&#223;lich ein Fu&#223; amputiert werden musste, hatte sie allen Lebensmut verloren. Sie starb mit nur 47 Jahren. &lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Was ist Kunst?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Beurteilung dar&#252;ber, was Kunst ist, ist heute ziemlich willk&#252;rlich geworden. Entscheidend ist der &#8222;Marktwert&#8220;. Verm&#246;gende investieren in Kunst und spekulieren damit auf einen Gewinn. Aber gerade auch deswegen bietet die (moderne) Kunst die M&#246;glichkeit, neue Wege zu gehen und vielleicht erfolgreich zu sein, ohne R&#252;cksicht auf das Geschlecht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href='javascript:;' class='replier_bloc'&gt;[Einklappen]&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class='cs_blocs'&gt;&lt;h4 class='blocs_titre blocs_replie blocs_click'&gt;&lt;a href='javascript:;'&gt;Bonusmaterial&lt;/a&gt;&lt;/h4&gt;&lt;div class='blocs_destination blocs_invisible blocs_slide'&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;Hier ein 13. Portr&#228;t ... Dieser Text konnte leider aus bestimmten, internen Gr&#252;nden nicht in das Buch aufgenommen werden.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h2 class=&#034;spip&#034;&gt;Simone de Beauvoir (1908&#8211;1986)
&lt;p&gt;Die eine Beziehung, und die anderen&lt;/p&gt;
&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Ich kann es nicht glauben: Ich werde nach Amerika fahren, im Januar 1947. Ich soll in dem ganzen Land an Universit&#228;ten lesen. &lt;i&gt;Mon cher amour&lt;/i&gt;, Sartre, mein s&#252;&#223;er Kleiner, war auch schon dort, zweimal sogar. Er hat mir so viel davon erz&#228;hlt, von diesem Land der Tr&#228;ume.&lt;br class='autobr' /&gt;
Es passt ihm sogar, dass ich verreise, denn aus den USA hat sich Dolores Vanetti bei ihm angek&#252;ndigt, eine Franz&#246;sin, noch mit einem Amerikaner verheiratet. Er hat sich, als er dort war, in sie verliebt, und sie will nun unbedingt bei ihm sein.&lt;br class='autobr' /&gt;
Vielleicht bin ich gekr&#228;nkt von seiner Liebe zu der Vanetti, aber ich gestehe sie ihm zu. Wir werden einander nie bel&#252;gen und nie etwas vor dem anderen verbergen. So ist unsere Vereinbarung. Wir wollen eine ganz neue Art von Beziehung f&#252;hren, mit v&#246;llig anderen Regeln. Wir sind Existenzialisten. Das hei&#223;t, man kann seine Freiheit nur verwirklichen, indem man eigenst&#228;ndig handelt und neue Wege geht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In den ersten Tagen besichtige ich New York allein, diese unglaubliche Stadt. Am meisten beeindruckt mich die Stille der Stra&#223;en voller Gewimmel, die Autos, die ger&#228;uschlos dahingleiten, kein Hupen, und die Leute, die wenig reden, wenig lachen. Das ist erstaunlich im Vergleich zu Paris.&lt;br class='autobr' /&gt;
Ich habe noch nicht realisiert, dass ich Sartre drei Monate lang nicht sehen werde. Ich denke auf meinen Spazierg&#228;ngen dauernd an ihn. Es ist, als ob er noch mit mir reden w&#252;rde.&lt;br class='autobr' /&gt;
Dann verabrede ich mich ausrechnet mit der Vanetti, die sich auf ihren Flug vorbereitet: nach Paris, zu &lt;i&gt;ihm&lt;/i&gt;. Wir sind beide nerv&#246;s und trinken einen Whisky nach dem anderen. Ich kann Sartre verstehen, dass er f&#252;r diese reizende Frau Gef&#252;hle hat. Sie ist vielleicht etwas &#8218;zu sehr Weib', aber wenn man ein Mann ist, kann man wohl niemandem begegnen, der passender w&#228;re. Trotzdem haben wir uns eigentlich nichts zu sagen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nach zwei Wochen beginnt meine Vortragstour. Ich fahre zuerst nach Chicago. Diesmal habe ich keine Lust, die Stadt allein zu erkunden.&lt;br class='autobr' /&gt;
Der Bund zwischen Sartre und mir sagt auch: Zwischen uns gibt es die notwendige Liebe, aber auch &#8211; wie er es bezeichnet hat &#8211; die kontingente Liebe, die Zufallsliebe.&lt;br class='autobr' /&gt;
F&#252;r Chicago habe ich die Adresse eines Schriftstellers bekommen, Nelson Algren. Ich rufe ihn an. Wir treffen uns am Abend. Es erscheint ein stattlicher Amerikaner, des Typs, vor dem ich in Paris gewarnt wurde: Gro&#223;, blond, selbstbestimmt. Er f&#252;hrt mir die Stadt vor, wie sie seiner Art entspricht, mit ihren sch&#228;bigen Kneipen, wo st&#228;ndig eine Jukebox dr&#246;hnt, Striptease-Clubs, Jazzlokalen voller Schwarzer.&lt;br class='autobr' /&gt;
Ich habe nicht viel Zeit und am n&#228;chsten Tag verabreden wir uns gleich f&#252;r den Nachmittag. Er zeigt mir auch seine Wohnung, in der es nur das Wesentliche gibt: Bett, Ofen, Tisch, Schreibmaschine, auch ein Sofa. Auf dem liegt eine h&#252;bsche bunte, mexikanische Decke, die ich gern &#252;ber uns beide ziehen w&#252;rde. Aber wir gehen wieder aus, ziehen durch sein Viertel, w&#228;rmen uns in einer Bar, auch wieder mit Whiskey. Zum Abschied bestellt er mir ein Taxi und k&#252;sst mich. Wir wollen uns unbedingt wiedersehen.&lt;br class='autobr' /&gt;
Danach fahre ich weiter nach Los Angeles. Die Vortr&#228;ge und Gespr&#228;che sind anstrengend, schon deswegen, weil meine Zuh&#246;rer kaum Franz&#246;sisch verstehen. Aber ich werde gut bezahlt und kann ausschweifend leben. Ich bin in verschiedenen St&#228;dten, in Kalifornien, Texas, Florida, werde herumgereicht und bin st&#228;ndig in Gesellschaft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Erst Mitte April bin ich in New York zur&#252;ck und freue mich nun sehr auf meine R&#252;ckkehr nach Paris, die erst f&#252;r den 10. Mai gebucht ist.&lt;br class='autobr' /&gt;
Sartre schreibt mir, wie sehr er sich auf mich freut. Er wird mich am Flughafen abholen. Ich kann es kaum erwarten, ihn wieder zu ber&#252;hren und mit ihm zu sprechen. Ich vertraue ihm r&#252;ckhaltlos. Wie einst meine Eltern, wie einst Gott, gibt er mir das Gef&#252;hl unbedingter Sicherheit. Immerhin hat er durch unseren Bund sein h&#246;chstes Gut aufgegeben, seine Unabh&#228;ngigkeit.&lt;br class='autobr' /&gt;
Am 3. Mai trifft aber ein Telegramm von ihm ein: Mit der Vanetti sei es gerade schwierig. Ob ich nicht eine Woche sp&#228;ter fliegen k&#246;nnte ...&lt;br class='autobr' /&gt;
Mir geht es in den n&#228;chsten Tagen sehr schlecht. Trotzdem: Ich bin selbstbestimmt. Gef&#252;hle kann man beherrschen. Ich will gerade nicht an Sartre denken, nicht die ganze Zeit. Ich bin nicht eifers&#252;chtig, nein!&lt;br class='autobr' /&gt;
Ich habe Nelson Algren nicht vergessen, im Gegenteil: Wir haben uns regelm&#228;&#223;ig geschrieben. So beschlie&#223;e ich, ein paar Tage zu ihm nach Chicago zu kommen. Er empf&#228;ngt mich am Flughafen und freut sich sehr, mich zu sehen. Wir verbringen den Tag gemeinsam, gehen in ein Caf&#233;, zu einem Baseballspiel, in ein Bowling-Center. Im Hotel kommt er aber nicht mit auf mein Zimmer.&lt;br class='autobr' /&gt;
Wir treffen uns wieder und ziehen abermals durch Jazzbars, ehe er mich in einem Taxi endlich k&#252;sst. Wir sind dann bei ihm in seiner billigen Wohnung, unter der mexikanischen Decke, und wir schlafen erst ein, als der Vogelruf der Morgenfr&#252;he hereindringt.&lt;br class='autobr' /&gt;
Als ich wieder nach New York muss, kommt Algren mit, und wir haben noch ein paar Tage f&#252;r uns.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Endlich kehre ich nach Paris zur&#252;ck. Doch Sartre ist distanziert. Leider ist die Vanetti immer noch da. Sie will, dass er sie heiratet.&lt;br class='autobr' /&gt;
Nein, ich definiere mich nicht &#252;ber Sartre oder &#252;ber irgendeinen Mann. Ich handele selbst.&lt;br class='autobr' /&gt;
Ich fahre aufs Land, um dort meine Erlebnisse in Amerika literarisch zu verarbeiten. Ich denke an Algren, der f&#252;r mich unerreichbar ist, auf der anderen Seite des Atlantiks, und muss viel weinen. Fast t&#228;glich schreibe ich ihm.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Erst im Juli bringt Sartre die Vanetti aufs Schiff nach Le Havre. Seine Stimmung hellt sich danach nicht auf. Er br&#252;tet vor sich hin.&lt;br class='autobr' /&gt;
Ich beschlie&#223;e, im September wieder in die USA zu fliegen: zu Algren nach Chicago.&lt;br class='autobr' /&gt;
Wieder sind die Tage mit ihm fantastisch. Ich genie&#223;e das Leben in vollen Z&#252;gen. Er will mich heiraten. Aber das geht nat&#252;rlich nicht. Ich versuche, ihm meine Gef&#252;hle zu erkl&#228;ren, dass ich ihn nicht st&#228;rker lieben, begehren und vermissen k&#246;nnte, als ich es tue.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Als ich danach in Paris zur&#252;ck bin, ist Sartre wieder f&#252;r mich da, obwohl er sich auf eine andere Frau eingelassen hat, aber nicht mehr auf diese Vanetti, die zuviel von ihm wollte.&lt;br class='autobr' /&gt;
Ich schreibe mein Buch &#252;ber Amerika zu Ende und mache mich dann an das Werk, das etwas ganz Einmaliges werden soll: Ein Buch &#252;ber die Lage der Frau in Geschichte und Gesellschaft. Denn inzwischen komme ich zu ganz neuen Erkenntnissen: Der Mann begreift sich als den Normalfall &#8211; dagegen erscheint die Frau geradezu als anderes Geschlecht. Der Mann definiert die Frau nicht als solche, sondern nur im Vergleich zu sich selbst. Weiblichkeit ist also nicht von Natur aus vorgegeben, sondern von au&#223;en gemacht, festgelegt durch den Mann.&lt;br class='autobr' /&gt;
Ich arbeite unerm&#252;dlich daran, damit ich danach freie Zeit habe. Die will ich mit Algren verbringen, vier Monate, von Mai bis September. Ich habe das genau mit Sartre besprochen. In der Zeit will n&#228;mlich Dolores Vanetti doch wieder nach Paris kommen.&lt;br class='autobr' /&gt;
Als alles geplant ist, meldet sich aber die Vanetti: F&#252;r sie w&#252;rden die Bedingungen nicht mehr stimmen. Sie wird nicht kommen.&lt;br class='autobr' /&gt;
Das bedeutet: Sartre h&#228;tte wieder mehr Zeit f&#252;r mich.&lt;br class='autobr' /&gt;
Ich beschlie&#223;e daher, die Zeit mit Algren auf zwei Monate abzuk&#252;rzen. Das will ich ihm aber nicht gleich sagen, damit wir unbeschwert sein k&#246;nnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In den USA mache ich mit Algren eine herrliche Reise, auf dem Mississippi, weiter bis nach Mexiko. Ich organisiere die Tage, er die N&#228;chte, so habe ich es ihm vorgeschlagen.&lt;br class='autobr' /&gt;
Erst am Ende unserer Reise teile ich Algren mit, dass ich doch vorzeitig nach Paris zur&#252;ck muss. Er ist wie vor den Kopf gesto&#223;en und geht auf Distanz. Ich will alles genau mit ihm besprechen, wie meine Situation ist: Sartre braucht mich. Ich bin der einzige Mensch, der ihn wirklich versteht. Er hat alles f&#252;r mich getan, hat mir geholfen zu leben, mich zu finden. Ich k&#246;nnte ihn zwar f&#252;r mehr oder weniger lange Perioden verlassen, aber nicht mein ganzes Leben an jemand anderen binden.&lt;br class='autobr' /&gt;
Aber Algren hat keine Lust, &#252;berhaupt noch zuzuh&#246;ren. Den R&#252;ckflug kann ich kaum ertragen: Ist nun alles mit ihm verdorben?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wieder in Paris, bin &lt;i&gt;ich&lt;/i&gt; dann wie vor den Kopf gesto&#223;en. Dolores Vanetti will nun doch kommen und sie will mit Sartre nach S&#252;dfrankreich reisen. Er stimmt zu. Deswegen m&#246;chte er mir aber einen Flug nach Chicago bezahlen. Ich gehe darauf ein, freue mich sofort wieder auf Algren und schicke ihm ein Telegramm: Ob ich gleich wieder zu ihm kommen k&#246;nnte, f&#252;r einen ganzen Monat.&lt;br class='autobr' /&gt;
Er antwortet ebenfalls mit einem Telegramm, aber darin steht nur: &#8222;Nein. Zuviel Arbeit.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt; &lt;strong&gt;Simone de Beauvoir (1908&#8211;1986) &lt;/strong&gt; steht wie keine zweite moderne Pers&#246;nlichkeit f&#252;r den Feminismus. Sie war diejenige, die nicht nur theoretisch die Gleichberechtigung der Frau vorangetrieben hat. 1947 erschien ihr Buch &lt;i&gt;Das andere Geschlecht&lt;/i&gt;. Darin untersucht sie unter vielen Aspekten die Lage der Frau in Abh&#228;ngigkeit von der des Mannes.&lt;br class='autobr' /&gt;
Doch auch praktisch brach sie mit den b&#252;rgerlichen Normen, n&#228;mlich als Freund von Jean-Paul Sartre (*1905 +1980), &lt;i&gt;dem&lt;/i&gt; Philosophen des sogenannten Existenzialismus. Er vertrat die These, dass der Mensch nichts anders sei, als wozu er sich macht. Erst durch das eigene Handeln entwickele sich das eigentliche Individuum und der eigentliche Charakter.&lt;br class='autobr' /&gt;
Die beiden vereinbarten schon als junges Paar einen Pakt: Ihre Liebe sei zwar unzerst&#246;rbar, aber es d&#252;rfte nebenher andere Verh&#228;ltnisse geben. Denn ihr Bund biete keinen Ersatz f&#252;r den fl&#252;chtigen Reichtum der Begegnungen mit anderen Wesen. &#8222;Warum sollen wir freiwillig auf die Skala der &#220;berraschungen, der Entt&#228;uschungen, der Sehns&#252;chte, der Freuden verzichten, die sich uns anbieten?&#8220;, schreibt de Beauvoir. Dabei w&#252;rden sie immer ganz offen und ehrlich zueinander sein und somit wahrhaftig bleiben.&lt;br class='autobr' /&gt;
Man k&#246;nnte den Pakt der beiden auch so deuten, dass sich Sartre damit die Freiheit verschaffte, st&#228;ndig neue junge Frauen zu verf&#252;hren, was er geradezu wie besessen tat. Dabei war die Beziehung der beiden bald nur geistig: Sie bedeuteten sich k&#246;rperlich nichts mehr, wohnten auch nie zusammen, mussten sich immer neu verabreden. Ein Leben lang siezten sie sich. Trotzdem beschrieben sie sich seitenlang ihre jeweiligen Erlebnisse und Aff&#228;ren, besonders Sartre, der kein Detail auslie&#223;.&lt;br class='autobr' /&gt;
Das Leben der beiden galt sp&#228;ter vielen in der &#8222;68-Zeit&#8220;, als besonders die Studenten f&#252;r eine neue Gesellschaftsform k&#228;mpften, als vorbildlich. Es sollte Liebe ohne Vertrag geben, also keine Ehe, und Sexualit&#228;t sollte &#8222;frei&#8220; sein, also ohne irgendwelches &#8222;Besitzdenken&#8220;.&lt;br class='autobr' /&gt;
Simone de Beauvoirs Beziehung zu dem amerikanischen Schriftsteller Nelson Algren (*1909 +1981) hat ihre Prinzipien vielleicht am schwersten ersch&#252;ttert. Mit ihm erlebte sie eine tiefe Befriedigung und sie schrieb ihm Hunderte ergreifender Liebesbriefe. Aber wegen ihres Pakts mit Sartre blieb das Verh&#228;ltnis br&#252;chig. Algren wandte sich schlie&#223;lich von ihr ab. Einen Ring allerdings, den er ihr zur symbolischen Hochzeit schenkte, nahm sie ihr Leben lang nicht mehr ab und nahm ihn sogar mit ins Grab. &lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Hauptwerk des Feminismus&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;Das andere Geschlecht&lt;/i&gt; gilt als eines der einflussreichsten B&#252;cher der Welt. Es hat der Frauenbewegung einen ganz eigenen Impuls gegeben. Geschrieben ist es eigentlich im Geist des Existenzialismus: Wer in seinem Leben auf dem beharrt, was er hat, kann nicht frei werden. F&#252;r die Frau bedeutet das, sich ihr Leben nicht vom Mann bestimmen zu lassen, der st&#228;ndig bereit ist, die Grenzen zu &#252;berschreiten. Daher muss auch die Frau bereit sein, neue Wege zu gehen. Sonst erstarrt sie zum Objekt und wird in ihrer Existenz vom Mann bestimmt. Philosophisch liest sich das so: Die Frau soll zur Immanenz verurteilt sein, da ihre Transzendenz fortw&#228;hrend von einem essentiellen, souver&#228;nen anderen Bewusstsein transzendiert wird, n&#228;mlich dem des Mannes. Praktisch leitete Simone de Beauvoir daraus eine ihrer wichtigsten Thesen ab: &#8222;Man wird nicht als Frau geboren, man wird es.&#8220;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href='javascript:;' class='replier_bloc'&gt;[Einklappen]&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
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<item xml:lang="de">
		<title>Unter R&#228;ubern</title>
		<link>https://www.andreas-venzke.de/bucher/bucher-fur-jugendliche/article/unter-raubern-16</link>
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		<dc:date>2014-06-01T14:53:45Z</dc:date>
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		<dc:language>de</dc:language>
		<dc:creator>Andreas Venzke</dc:creator>



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&lt;p&gt;Ein Roman f&#252;r Jugendliche - und bestimmt auch f&#252;r Erwachsene! &lt;br class='autobr' /&gt;
Darum geht's: Wer es eher romantisch will, liest von einer packenden Geschichte, die vor 200 Jahren spielt (aber auch heute so ablaufen k&#246;nnte). Sie handelt von zwei jungen M&#228;nnern, besten Freunden, die aus der Schule abhauen und kriminell werden. Dabei kommen ihnen zwei junge Frauen in die Quere, eine als durchtriebene, lebenslustige R&#228;ubersbraut, die andere als Geisel. Nun haben die Freunde ein Problem ... Wer es auch etwas (&#8230;)&lt;/p&gt;


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&lt;a href="https://www.andreas-venzke.de/bucher/bucher-fur-jugendliche/" rel="directory"&gt;B&#252;cher f&#252;r Jugendliche&lt;/a&gt;


		</description>


 <content:encoded>&lt;img src='https://www.andreas-venzke.de/sites/venzke/local/cache-vignettes/L101xH150/arton16-06fa3.jpg?1678947063' class='spip_logo spip_logo_right' width='101' height='150' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;Ein Roman f&#252;r Jugendliche - und bestimmt auch f&#252;r Erwachsene!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Darum geht's: Wer es eher romantisch will, liest von einer packenden Geschichte, die vor 200 Jahren spielt (aber auch heute so ablaufen k&#246;nnte). Sie handelt von zwei jungen M&#228;nnern, besten Freunden, die aus der Schule abhauen und kriminell werden. Dabei kommen ihnen zwei junge Frauen in die Quere, eine als durchtriebene, lebenslustige R&#228;ubersbraut, die andere als Geisel. Nun haben die Freunde ein Problem ...&lt;br class='autobr' /&gt; Wer es auch etwas tiefsch&#252;rfend will, liest von dem Konflikt, dass ein unterdr&#252;ckter Mensch ein freies Leben sucht, aber sich nicht dagegen wehren kann, pl&#246;tzlich selbst andere beherrschen zu m&#252;ssen ...&lt;br class='autobr' /&gt; Und es geht nat&#252;rlich (!) um die Liebe, die Grenzen &#252;berwindet - nichts Neues, aber sch&#246;n, und dazu herrlich verwickelt, wie es mit der Liebe nun mal so ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Beschreiben kann das aber viel besser der Verlagstext:&lt;br class='autobr' /&gt;
Historischer Jugendroman, spielt in W&#252;rttemberg um 1780. Sebastian will weg von der Stuttgarter Carlsschule, der Elite-Anstalt f&#252;r die aufstrebenden S&#246;hne des Landes. Mit Schlagstock und Arrestzelle werden hier aus sensiblen Seelen &#034;harte M&#228;nnern&#034; gemacht. Zusammen mit seinem besten Freund gelingt Sebastian die Flucht. Sie entdecken die &#034;andere Seite&#034; der Gesellschaft, werden von R&#228;ubern aufgenommen und zeigen bald gro&#223;es Talent f&#252;rs Gaunerhandwerk. Berauscht von der Freiheit, wird f&#252;r Sebastians Leben wieder alles anders, als er nach einem &#220;berfall Marie als Gefangene ins R&#228;uberlager bringt. Die Tochter aus gutem Hause erobert sein Herz und er wei&#223;, bei den R&#228;ubern kann er nicht bleiben ...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Buch ist in jedem Buchladen zum Preis von 14,99 Euro zu haben, aber auch per Klick f&#252;rs &lt;a href=&#034;http://www.luebbe.de/Digital/Kinder/Details/Id/978-3-8387-5282-2&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;E-Book&lt;/a&gt;, wer das mag. (Au&#223;erdem kann man dort auf der Website von &lt;i&gt;Boje&lt;/i&gt; mal in den Roman hineinlesen.)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zu &lt;i&gt;Unter R&#228;ubern&lt;/i&gt; sind auch ein paar Lieder entstanden, werkstattm&#228;&#223;ig von einem Profi arrangiert. Sind zwar von vielen Erwachsenen gesungen, aber schon ok. Hier zwei zur Auswahl:&lt;/p&gt;
&lt;div class=&#034;spip_document_27 spip_document spip_documents spip_document_audio spip_document_avec_legende player&#034; data-legende-len=&#034;15&#034; data-legende-lenx=&#034;&#034;
&gt;
&lt;figure class=&#034;spip_doc_inner&#034;&gt; &lt;div class=&#034;audio-wrapper&#034; style='width:400px;max-width:100%;'&gt; &lt;audio class=&#034;mejs mejs-27 &#034; data-id=&#034;6978d85c88d773a725b2c90132173e5f&#034; src=&#034;sites/venzke/IMG/mp3/wildfrei.mp3&#034; type=&#034;audio/mpeg&#034; preload=&#034;none&#034; data-mejsoptions='{&#034;alwaysShowControls&#034;: true,&#034;loop&#034;:false,&#034;audioWidth&#034;:&#034;100%&#034;}' controls=&#034;controls&#034; &gt;&lt;/audio&gt; &lt;/div&gt;
&lt;figcaption class='spip_doc_legende'&gt; &lt;div class='spip_doc_titre crayon document-titre-27 '&gt;&lt;strong&gt;Wild und frei
&lt;/strong&gt;&lt;/div&gt; &lt;/figcaption&gt;&lt;div class=&#034;base64javascript196091078169f8a1ff1c1bd1.32595021&#034; title=&#034;PHNjcmlwdD4gdmFyIG1lanNwYXRoPSdwbHVnaW5zLWRpc3QvbWVkaWFzL2xpYi9tZWpzL21lZGlhZWxlbWVudC1hbmQtcGxheWVyLm1pbi5qcz8xNjc4ODk1MzM0JyxtZWpzY3NzPSdwbHVnaW5zLWRpc3QvbWVkaWFzL2xpYi9tZWpzL21lZGlhZWxlbWVudHBsYXllci5taW4uY3NzPzE2Nzg4OTUzMzMnOwp2YXIgbWVqc2xvYWRlcjsKKGZ1bmN0aW9uKCl7dmFyIGE9bWVqc2xvYWRlcjsidW5kZWZpbmVkIj09dHlwZW9mIGEmJihtZWpzbG9hZGVyPWE9e2dzOm51bGwscGx1Zzp7fSxjc3M6e30saW5pdDpudWxsLGM6MCxjc3Nsb2FkOm51bGx9KTthLmluaXR8fChhLmNzc2xvYWQ9ZnVuY3Rpb24oYyl7aWYoInVuZGVmaW5lZCI9PXR5cGVvZiBhLmNzc1tjXSl7YS5jc3NbY109ITA7dmFyIGI9ZG9jdW1lbnQuY3JlYXRlRWxlbWVudCgibGluayIpO2IuaHJlZj1jO2IucmVsPSJzdHlsZXNoZWV0IjtiLnR5cGU9InRleHQvY3NzIjtkb2N1bWVudC5nZXRFbGVtZW50c0J5VGFnTmFtZSgiaGVhZCIpWzBdLmFwcGVuZENoaWxkKGIpfX0sYS5pbml0PWZ1bmN0aW9uKCl7ITA9PT1hLmdzJiZmdW5jdGlvbihjKXtqUXVlcnkoImF1ZGlvLm1lanMsdmlkZW8ubWVqcyIpLm5vdCgiLmRvbmUsLm1lanNfX3BsYXllciIpLmVhY2goZnVuY3Rpb24oKXtmdW5jdGlvbiBiKCl7dmFyIGU9ITAsaDtmb3IoaCBpbiBkLmNzcylhLmNzc2xvYWQoZC5jc3NbaF0pO2Zvcih2YXIgZiBpbiBkLnBsdWdpbnMpInVuZGVmaW5lZCI9PQp0eXBlb2YgYS5wbHVnW2ZdPyhlPSExLGEucGx1Z1tmXT0hMSxqUXVlcnkuZ2V0U2NyaXB0KGQucGx1Z2luc1tmXSxmdW5jdGlvbigpe2EucGx1Z1tmXT0hMDtiKCl9KSk6MD09YS5wbHVnW2ZdJiYoZT0hMSk7ZSYmalF1ZXJ5KCIjIitjKS5tZWRpYWVsZW1lbnRwbGF5ZXIoalF1ZXJ5LmV4dGVuZChkLm9wdGlvbnMse3N1Y2Nlc3M6ZnVuY3Rpb24oYSxjKXtmdW5jdGlvbiBiKCl7dmFyIGI9alF1ZXJ5KGEpLmNsb3Nlc3QoIi5tZWpzX19pbm5lciIpO2EucGF1c2VkPyhiLmFkZENsYXNzKCJwYXVzaW5nIiksc2V0VGltZW91dChmdW5jdGlvbigpe2IuZmlsdGVyKCIucGF1c2luZyIpLnJlbW92ZUNsYXNzKCJwbGF5aW5nIikucmVtb3ZlQ2xhc3MoInBhdXNpbmciKS5hZGRDbGFzcygicGF1c2VkIil9LDEwMCkpOmIucmVtb3ZlQ2xhc3MoInBhdXNlZCIpLnJlbW92ZUNsYXNzKCJwYXVzaW5nIikuYWRkQ2xhc3MoInBsYXlpbmciKX1iKCk7YS5hZGRFdmVudExpc3RlbmVyKCJwbGF5IixiLCExKTsKYS5hZGRFdmVudExpc3RlbmVyKCJwbGF5aW5nIixiLCExKTthLmFkZEV2ZW50TGlzdGVuZXIoInBhdXNlIixiLCExKTthLmFkZEV2ZW50TGlzdGVuZXIoInBhdXNlZCIsYiwhMSk7Zy5hdHRyKCJhdXRvcGxheSIpJiZhLnBsYXkoKX19KSl9dmFyIGc9alF1ZXJ5KHRoaXMpLmFkZENsYXNzKCJkb25lIiksYzsoYz1nLmF0dHIoImlkIikpfHwoYz0ibWVqcy0iK2cuYXR0cigiZGF0YS1pZCIpKyItIithLmMrKyxnLmF0dHIoImlkIixjKSk7dmFyIGQ9e29wdGlvbnM6e30scGx1Z2luczp7fSxjc3M6W119LGUsaDtmb3IoZSBpbiBkKWlmKGg9Zy5hdHRyKCJkYXRhLW1lanMiK2UpKWRbZV09alF1ZXJ5LnBhcnNlSlNPTihoKTtiKCl9KX0oalF1ZXJ5KX0pO2EuZ3N8fCgidW5kZWZpbmVkIiE9PXR5cGVvZiBtZWpzY3NzJiZhLmNzc2xvYWQobWVqc2NzcyksYS5ncz1qUXVlcnkuZ2V0U2NyaXB0KG1lanNwYXRoLGZ1bmN0aW9uKCl7YS5ncz0hMDthLmluaXQoKTtqUXVlcnkoYS5pbml0KTtvbkFqYXhMb2FkKGEuaW5pdCl9KSl9KSgpOzwvc2NyaXB0Pg==&#034;&gt;&lt;/div&gt; &lt;/figure&gt;
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&lt;figcaption class='spip_doc_legende'&gt; &lt;div class='spip_doc_titre crayon document-titre-28 '&gt;&lt;strong&gt;Der Tod spielt seine Lieder
&lt;/strong&gt;&lt;/div&gt; &lt;/figcaption&gt;&lt;div class=&#034;base64javascript196091078169f8a1ff1c1bd1.32595021&#034; title=&#034;PHNjcmlwdD4gdmFyIG1lanNwYXRoPSdwbHVnaW5zLWRpc3QvbWVkaWFzL2xpYi9tZWpzL21lZGlhZWxlbWVudC1hbmQtcGxheWVyLm1pbi5qcz8xNjc4ODk1MzM0JyxtZWpzY3NzPSdwbHVnaW5zLWRpc3QvbWVkaWFzL2xpYi9tZWpzL21lZGlhZWxlbWVudHBsYXllci5taW4uY3NzPzE2Nzg4OTUzMzMnOwp2YXIgbWVqc2xvYWRlcjsKKGZ1bmN0aW9uKCl7dmFyIGE9bWVqc2xvYWRlcjsidW5kZWZpbmVkIj09dHlwZW9mIGEmJihtZWpzbG9hZGVyPWE9e2dzOm51bGwscGx1Zzp7fSxjc3M6e30saW5pdDpudWxsLGM6MCxjc3Nsb2FkOm51bGx9KTthLmluaXR8fChhLmNzc2xvYWQ9ZnVuY3Rpb24oYyl7aWYoInVuZGVmaW5lZCI9PXR5cGVvZiBhLmNzc1tjXSl7YS5jc3NbY109ITA7dmFyIGI9ZG9jdW1lbnQuY3JlYXRlRWxlbWVudCgibGluayIpO2IuaHJlZj1jO2IucmVsPSJzdHlsZXNoZWV0IjtiLnR5cGU9InRleHQvY3NzIjtkb2N1bWVudC5nZXRFbGVtZW50c0J5VGFnTmFtZSgiaGVhZCIpWzBdLmFwcGVuZENoaWxkKGIpfX0sYS5pbml0PWZ1bmN0aW9uKCl7ITA9PT1hLmdzJiZmdW5jdGlvbihjKXtqUXVlcnkoImF1ZGlvLm1lanMsdmlkZW8ubWVqcyIpLm5vdCgiLmRvbmUsLm1lanNfX3BsYXllciIpLmVhY2goZnVuY3Rpb24oKXtmdW5jdGlvbiBiKCl7dmFyIGU9ITAsaDtmb3IoaCBpbiBkLmNzcylhLmNzc2xvYWQoZC5jc3NbaF0pO2Zvcih2YXIgZiBpbiBkLnBsdWdpbnMpInVuZGVmaW5lZCI9PQp0eXBlb2YgYS5wbHVnW2ZdPyhlPSExLGEucGx1Z1tmXT0hMSxqUXVlcnkuZ2V0U2NyaXB0KGQucGx1Z2luc1tmXSxmdW5jdGlvbigpe2EucGx1Z1tmXT0hMDtiKCl9KSk6MD09YS5wbHVnW2ZdJiYoZT0hMSk7ZSYmalF1ZXJ5KCIjIitjKS5tZWRpYWVsZW1lbnRwbGF5ZXIoalF1ZXJ5LmV4dGVuZChkLm9wdGlvbnMse3N1Y2Nlc3M6ZnVuY3Rpb24oYSxjKXtmdW5jdGlvbiBiKCl7dmFyIGI9alF1ZXJ5KGEpLmNsb3Nlc3QoIi5tZWpzX19pbm5lciIpO2EucGF1c2VkPyhiLmFkZENsYXNzKCJwYXVzaW5nIiksc2V0VGltZW91dChmdW5jdGlvbigpe2IuZmlsdGVyKCIucGF1c2luZyIpLnJlbW92ZUNsYXNzKCJwbGF5aW5nIikucmVtb3ZlQ2xhc3MoInBhdXNpbmciKS5hZGRDbGFzcygicGF1c2VkIil9LDEwMCkpOmIucmVtb3ZlQ2xhc3MoInBhdXNlZCIpLnJlbW92ZUNsYXNzKCJwYXVzaW5nIikuYWRkQ2xhc3MoInBsYXlpbmciKX1iKCk7YS5hZGRFdmVudExpc3RlbmVyKCJwbGF5IixiLCExKTsKYS5hZGRFdmVudExpc3RlbmVyKCJwbGF5aW5nIixiLCExKTthLmFkZEV2ZW50TGlzdGVuZXIoInBhdXNlIixiLCExKTthLmFkZEV2ZW50TGlzdGVuZXIoInBhdXNlZCIsYiwhMSk7Zy5hdHRyKCJhdXRvcGxheSIpJiZhLnBsYXkoKX19KSl9dmFyIGc9alF1ZXJ5KHRoaXMpLmFkZENsYXNzKCJkb25lIiksYzsoYz1nLmF0dHIoImlkIikpfHwoYz0ibWVqcy0iK2cuYXR0cigiZGF0YS1pZCIpKyItIithLmMrKyxnLmF0dHIoImlkIixjKSk7dmFyIGQ9e29wdGlvbnM6e30scGx1Z2luczp7fSxjc3M6W119LGUsaDtmb3IoZSBpbiBkKWlmKGg9Zy5hdHRyKCJkYXRhLW1lanMiK2UpKWRbZV09alF1ZXJ5LnBhcnNlSlNPTihoKTtiKCl9KX0oalF1ZXJ5KX0pO2EuZ3N8fCgidW5kZWZpbmVkIiE9PXR5cGVvZiBtZWpzY3NzJiZhLmNzc2xvYWQobWVqc2NzcyksYS5ncz1qUXVlcnkuZ2V0U2NyaXB0KG1lanNwYXRoLGZ1bmN0aW9uKCl7YS5ncz0hMDthLmluaXQoKTtqUXVlcnkoYS5pbml0KTtvbkFqYXhMb2FkKGEuaW5pdCl9KSl9KSgpOzwvc2NyaXB0Pg==&#034;&gt;&lt;/div&gt; &lt;/figure&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Die Liedtexte stehen im Buch. Die Noten dazu gibt es erst mal &lt;a href='https://www.andreas-venzke.de/sites/venzke/IMG/pdf/tod-lied.pdf' class=&#034;spip_in&#034; type='application/pdf'&gt;hier&lt;/a&gt; f&#252;r das eine und &lt;a href='https://www.andreas-venzke.de/sites/venzke/IMG/pdf/wildfrei.pdf' class=&#034;spip_in&#034; type='application/pdf'&gt;hier&lt;/a&gt; f&#252;r das andere.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Au&#223;erdem l&#228;sst sich auch beides im Film bewundern, Buch und Musik, und zwar &lt;a href=&#034;http://www.youtube.com/watch?v=eXUn0WDUNOE&#034; class=&#034;spip_out&#034; rel=&#034;external&#034;&gt;hier auf &lt;i&gt;youtube&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;div class='cs_blocs'&gt;&lt;h4 class='blocs_titre blocs_replie blocs_click'&gt;&lt;a href='javascript:;'&gt;Leseprobe&lt;/a&gt;&lt;/h4&gt;&lt;div class='blocs_destination blocs_invisible blocs_slide'&gt;&lt;h2 class=&#034;spip&#034;&gt;Die Flucht&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Der Holzmeier war ein Arschloch! Sebastian tat alles weh. So lange&lt;br class='autobr' /&gt;
hatten sie noch nie exerziert: &lt;i&gt;Vorw&#228;rts! Und links! Und geradeaus,&lt;br class='autobr' /&gt;
zwei drei! Rechts schwenk, drei vier! Und halt!&lt;/i&gt; Sie waren eingespannt&lt;br class='autobr' /&gt;
wie Kutschpferde und mussten sinnlos Runden drehen. Und Oberst&lt;br class='autobr' /&gt;
Holzmeier machte es jeden Tag noch schlimmer. Immer st&#228;rker zog&lt;br class='autobr' /&gt;
er als Aufseher an der Stuttgarter Carlsschule die Z&#252;gel an, der&lt;br class='autobr' /&gt;
&#187;Hohen Carlsschule&#171;, wie sie seit einigen Jahren hie&#223;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sebastian kam es so vor, als k&#246;nnte er gar nicht mehr den Kopf&lt;br class='autobr' /&gt;
drehen. Bei jeder Bewegung, ob nur leicht hierhin oder dorthin,&lt;br class='autobr' /&gt;
tat's irgendwo weh. Der Holzmeier konnte ihn nicht leiden, so viel&lt;br class='autobr' /&gt;
war klar. Oder der konnte es einfach nicht leiden, dass Sebastian&lt;br class='autobr' /&gt;
versuchte, selbst zu denken, wie Lehrer Abel das wollte &#8211; oder dass&lt;br class='autobr' /&gt;
er gern las und B&#252;cher mochte, so was Weibisches! Vielleicht war&lt;br class='autobr' /&gt;
das wie eine Bedrohung f&#252;r Holzmeier.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sebastian war trotzdem nicht m&#252;de. Es war zwar schon halb&lt;br class='autobr' /&gt;
zehn und also eine halbe Stunde nach Schlafenszeit, aber es w&#252;rde&lt;br class='autobr' /&gt;
noch eine Stunde hell sein, noch eine lange Stunde. Da konnten die&lt;br class='autobr' /&gt;
Aufseher in dem langen Schlafsaal mit seinen f&#252;nfzig Betten alle&lt;br class='autobr' /&gt;
Vorh&#228;nge zuziehen &#8211; es fiel doch noch gen&#252;gend Licht in die einzelnen&lt;br class='autobr' /&gt;
Abteile. Wann hatte man schon so viel Zeit f&#252;r sich, au&#223;er&lt;br class='autobr' /&gt;
im Schlaf? Es gab Freiheit, wenigstens im Kopf, dachte Sebastian,&lt;br class='autobr' /&gt;
und auf dem Papier &#8211; wenn man schreiben konnte &#8211;, wenn man was&lt;br class='autobr' /&gt;
zu schreiben hatte &#8211;, wenn man was zu sagen hatte!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und wenn man aufpasste und geschickt war, konnte man sich&lt;br class='autobr' /&gt;
auch bei anderen Gelegenheiten seine kleinen Freiheiten verschaffen:&lt;br class='autobr' /&gt;
Johann war hergeschlichen und sa&#223; nun bei ihm auf dem Bett.&lt;br class='autobr' /&gt;
Sebastian hatte das niedrige Gitter zu seinem Abteil geschlossen.&lt;br class='autobr' /&gt;
So hatten sie immerhin das Gef&#252;hl, f&#252;r sich zu sein. Auch in anderen&lt;br class='autobr' /&gt;
Betten wurde noch gefl&#252;stert. Wenigstens das lie&#223;en die wachhabenden&lt;br class='autobr' /&gt;
Offiziere zu, auch wenn sie von ihren Schlafpl&#228;tzen am&lt;br class='autobr' /&gt;
Ende des langen Saals immer mal wieder riefen: &#187;&lt;i&gt;Silentium&lt;/i&gt;! Schlafen!&lt;br class='autobr' /&gt;
Ruhe jetzt!&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sebastian l&#228;chelte Johann an und griff vorsichtig in seine Matratze,&lt;br class='autobr' /&gt;
wo das Laub inzwischen zu Staub zerbr&#246;selte. Erst im Herbst&lt;br class='autobr' /&gt;
w&#252;rden sie die Matratze neu f&#252;llen. Er fingerte darin herum wie ein&lt;br class='autobr' /&gt;
Wiesel, das in ein M&#228;useloch kroch. Endlich bekam er das Papier&lt;br class='autobr' /&gt;
zu fassen. Das w&#252;rde er nie in der Kommode verstecken, die jeder in&lt;br class='autobr' /&gt;
seinem Schafabteil hatte. Die wurde immer mal wieder durchsucht,&lt;br class='autobr' /&gt;
auch heimlich, das wusste jeder. Sebastian zog das Papier hervor&lt;br class='autobr' /&gt;
und hielt es sich vor die Augen wie eine Schatzkarte. Es war ein&lt;br class='autobr' /&gt;
Schattenriss seiner Mutter. Viel mehr hatte er nicht von ihr.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;Sebastian, h&#246;r mal auf damit!&#171;, sagte Johann. &#187;Sie kann dir&lt;br class='autobr' /&gt;
auch nicht helfen!&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;Ob sie an mich denkt?&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;Klar! Ich geh jetzt noch was trinken.&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;Wenn sie w&#252;sste, was der Holzmeier, dieses Arschloch, und der&lt;br class='autobr' /&gt;
Herzog &#8230; was das f&#252;r welche sind!&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;Das wei&#223; sie. Aber sie will nur dein Bestes! Und jetzt muss ich&lt;br class='autobr' /&gt;
mal &#8230;&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;Wenn ich pl&#246;tzlich bei ihr vor der T&#252;r st&#228;nde!&#171;, fl&#252;sterte Sebastian.&lt;br class='autobr' /&gt;
&#187;Sie w&#252;rde Augen machen!&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;Sie w&#252;rde sich vielleicht eher vor Angst in die Hosen machen &#8211;&lt;br class='autobr' /&gt;
vor Angst um dich! Sie w&#252;rden dich n&#228;mlich als Erstes bei ihr suchen&lt;br class='autobr' /&gt;
&#8211; und dann gehst du direkt in den Karzer!&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;Trotzdem abhauen!&#171;, fl&#252;sterte Sebastian mit der Hand vor dem&lt;br class='autobr' /&gt;
Mund. &#187;Das h&#228;tte schon einen Sinn, so wie der Schiller.&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;Ach, h&#246;r auf zu tr&#228;umen!&#171;, sagte Johann ziemlich laut, als pl&#246;tzlich&lt;br class='autobr' /&gt;
ein Ger&#228;usch vor dem Gitter zu h&#246;ren war. Sofort steckte Sebastian&lt;br class='autobr' /&gt;
den Schattenriss in die Matratze.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Beide hielten den Atem an und lauschten. Es war im Saal ziemlich&lt;br class='autobr' /&gt;
still geworden. Sie konnten nie sicher sein, ob nicht ein Aufseher&lt;br class='autobr' /&gt;
gerade umherschlich und nach dem Rechten sah. Sie hatten&lt;br class='autobr' /&gt;
zwar keine Angst vor ihnen und ertrugen alle Backpfeifen wie eingeschirrte&lt;br class='autobr' /&gt;
Esel, aber Johann war nicht in seinem Abteil. Das war ein&lt;br class='autobr' /&gt;
besonders schlimmes Vergehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sie sahen sich lange an, ehe Johann ausatmete und sagte: &#187;Ist&lt;br class='autobr' /&gt;
nichts! Sind wir jetzt wirklich mal leise und gehen schlafen! Ich&lt;br class='autobr' /&gt;
muss aber vorher unbedingt noch &#8230;&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Als Sebastian wieder nach dem Scherenschnitt fingerte, verdrehte&lt;br class='autobr' /&gt;
Johann die Augen und stand leise auf. Wer nachts noch mal&lt;br class='autobr' /&gt;
rausmusste, um zu pinkeln oder auch nur um was zu trinken, wollte&lt;br class='autobr' /&gt;
keinen unn&#246;tig st&#246;ren, vor allem keinen Aufseher. Es konnte sein,&lt;br class='autobr' /&gt;
dass die einen nicht gehen lie&#223;en, gerade wie es ihnen gefiel &#8211; oder&lt;br class='autobr' /&gt;
dass man sich deswegen erst rechtfertigen musste.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sebastian sah m&#252;de zu, wie Johann die paar Schritte zum Gitter&lt;br class='autobr' /&gt;
machte, es aufzog und mit Schwung den Vorhang zur Seite schlug.&lt;br class='autobr' /&gt;
Da stand Carl Eugen vor ihm, der Herzog h&#246;chstselbst.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;Was machen Sie denn &#8230;?&#171;, fragte Johann und schwieg sofort.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Carl Eugen stand im Nachthemd vor ihm. Dar&#252;ber hatte er seinen&lt;br class='autobr' /&gt;
Uniformrock gezogen. Johann lachte los. Sebastian grinste und&lt;br class='autobr' /&gt;
grinste immer mehr: Der Herzog sah aus wie ein vertrottelter Alter,&lt;br class='autobr' /&gt;
der in der Nacht herumirrte und nicht mehr nach Hause fand.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;Was erlaubt Er sich?&#171;, schrie Carl Eugen, als er die Fassung&lt;br class='autobr' /&gt;
wiedergefunden hatte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sofort erschien einer der Aufseher, ausgerechnet Oberst Holzmeier,&lt;br class='autobr' /&gt;
und haute Johann links und rechts eine runter. Sogar Sebastian&lt;br class='autobr' /&gt;
sp&#252;rte, wie weh das tat. Im Saal wurde es unruhig. Johann ballte&lt;br class='autobr' /&gt;
die F&#228;uste und presste sie sich an den K&#246;rper.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;Welch ein Benehmen!&#171;, schrie der Herzog, und Johann sagte&lt;br class='autobr' /&gt;
leise: &#187;Ich muss trinken. Ich verdurste.&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;Verdursten!&#171;, schrie der Herzog weiter. &#187;Welchen Vokabulars&lt;br class='autobr' /&gt;
bem&#228;chtigt Er sich im Angesicht Seines Vaters?&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;Ein Bed&#252;rfnis, Sire, ein starkes Fl&#252;ssigkeitsbed&#252;rfnis!&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Carl Eugen stand da mit hochrotem Gesicht und redete pl&#246;tzlich&lt;br class='autobr' /&gt;
ganz wirr: &#187;Verdursten! Hier bei uns? Wo alle versorgt sind, f&#252;r&lt;br class='autobr' /&gt;
alle gesorgt, keine Sorgen, nichts als Sorgen, immer Sorgen &#8230;&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Da stellte sich Oberst Holzmeier neben ihn, griff ihn unter den&lt;br class='autobr' /&gt;
Arm und f&#252;hrte ihn ganz sachte einige Schritte weiter, und noch einige&lt;br class='autobr' /&gt;
Schritte. Im Saal war es mucksm&#228;uschenstill.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Johann schl&#252;pfte schnell in sein Schlafabteil. Sebastian hielt sich&lt;br class='autobr' /&gt;
den Mund vor Lachen. Es dauerte nicht lange, bis im Saal einige&lt;br class='autobr' /&gt;
Jungen zu fl&#252;stern wagten, dann zu reden, dann sogar Rufe auszusto&#223;en:&lt;br class='autobr' /&gt;
&#187;So ein Spion!&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;Unser Vater!&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;Unterdr&#252;cker!&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Alle erkannten, dass der Herzog nicht mehr im Raum war, aber&lt;br class='autobr' /&gt;
auch die Aufseher nicht. Die Ger&#228;usche im Saal schwollen an wie&lt;br class='autobr' /&gt;
ein sich m&#228;chtig aufbauendes Gewitter. Dann donnerte es und es&lt;br class='autobr' /&gt;
war die Stimme von Holzmeier: &#187;&lt;i&gt;Silentium&lt;/i&gt;! Noch ein Laut von einem&lt;br class='autobr' /&gt;
von euch, und derjenige bekommt die Rute!&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Augenblicklich schwiegen f&#252;nfzig Jungen so sehr, dass von drau&#223;en&lt;br class='autobr' /&gt;
das Pl&#228;tschern des Brunnens zu h&#246;ren war.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sebastian lag weiter wach und lauschte. Er horchte, ob nicht ein&lt;br class='autobr' /&gt;
Eleve auf dem Weg zu ihm war. Davor hatte er Angst. Gegen manche&lt;br class='autobr' /&gt;
konnte er sich allein nicht wehren. Zwei oder drei gab es, denen&lt;br class='autobr' /&gt;
machte es mindestens so viel Spa&#223; wie dem Holzmeier, ihn zu dem&#252;tigen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bald h&#246;rte er, dass alle fest schliefen, jedenfalls die allermeisten,&lt;br class='autobr' /&gt;
auch die Aufseher. Bei denen wusste man eigentlich immer am sichersten,&lt;br class='autobr' /&gt;
dass sie schliefen, weil sie fast alle schnarchten. Aber gerade&lt;br class='autobr' /&gt;
dann waren einige Jungen in ihren Abteilen hellwach. Manchmal&lt;br class='autobr' /&gt;
schlichen sich bestimmte Jungen sogar in andere Betten. Alle&lt;br class='autobr' /&gt;
wussten, was die machten. Sebastian war das aber nicht geheuer.&lt;br class='autobr' /&gt;
Einmal war auch zu ihm ein Junge gekommen, aber er hatte ihm&lt;br class='autobr' /&gt;
eine geknallt. Zum Gl&#252;ck! Seitdem wurde er in Ruhe gelassen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Als die Uhr zw&#246;lf schlug, horchte er besonders aufmerksam.&lt;br class='autobr' /&gt;
Den Schlag der Glockenuhr am querstehenden Mitteltrakt der&lt;br class='autobr' /&gt;
Schule, dem &lt;i&gt;Corps de Logis&lt;/i&gt;, konnte man besonders gut ausnutzen.&lt;br class='autobr' /&gt;
Und tats&#228;chlich h&#246;rte er in ihrem Klang ein anderes Ger&#228;usch, ein&lt;br class='autobr' /&gt;
schleichendes. Er ging zum Vorhang und lugte hindurch: Es war&lt;br class='autobr' /&gt;
Johann, der hinausging, um Wasser zu trinken. Erst als nichts anderes&lt;br class='autobr' /&gt;
mehr als das ferne Schnarchen der Aufseher und das Pl&#228;tschern&lt;br class='autobr' /&gt;
des Brunnens zu h&#246;ren war, schlief Sebastian ein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nach dem Fr&#252;hst&#252;ck stand Unterricht an, wie es der Zufall wollte,&lt;br class='autobr' /&gt;
bei Holzmeier. Alle sa&#223;en kerzengerade auf den B&#228;nken, die ohne&lt;br class='autobr' /&gt;
Lehne waren, damit die Eleven auch auf diese Weise genug Spannung&lt;br class='autobr' /&gt;
hatten, um den Ausf&#252;hrungen der Lehrer zu folgen. Eleven&lt;br class='autobr' /&gt;
mussten sich die Jungen zwischen zw&#246;lf und achtzehn nennen lassen.&lt;br class='autobr' /&gt;
Eleven, das waren die Mustersch&#252;ler von Carl Eugen, junges&lt;br class='autobr' /&gt;
Menschenmaterial, das er nach seinem Willen formte. Das war der&lt;br class='autobr' /&gt;
Sinn der Carlsschule, das hatte Sebastian l&#228;ngst verstanden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es wunderte ihn an diesem Morgen gar nicht, dass Holzmeier&lt;br class='autobr' /&gt;
sofort ihn drannahm, um ihn blo&#223;zustellen. Aber da war er an den&lt;br class='autobr' /&gt;
Falschen geraten. Zwar plusterte sich Holzmeier vor ihm wie ein&lt;br class='autobr' /&gt;
Gockel auf und schlug sich mit der Rute in die Hand, aber das&lt;br class='autobr' /&gt;
schreckte Sebastian nicht. Er hatte die Vokabeln und die Formen&lt;br class='autobr' /&gt;
intus. Er wusste, dass ihm Holzmeier deswegen nichts konnte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sebastian hatte seine Freude daran, Holzmeier auflaufen zu lassen.&lt;br class='autobr' /&gt;
Hochkonzentriert stand er vor dem Lehrer. Er kannte den Ablauf.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;&lt;i&gt;Wollen&lt;/i&gt;!&#171;, sagte Holzmeier, als w&#228;re es ein Befehl zum Strammstehen.&lt;br class='autobr' /&gt;
&#187;Indikativ Pr&#228;sens!&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;Von wo?&#171;, fragte Sebastian unschuldig.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;Von wo was?&lt;i&gt; Ich will&lt;/i&gt;! Los! Marsch!&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;Sie wollen, Sire? Was bitte?&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Holzmeier starrte Sebastian zuerst ungl&#228;ubig an, ehe er pl&#246;tzlich&lt;br class='autobr' /&gt;
mit den Armen fuchtelte und rief: &#187;&lt;i&gt;Ich will&lt;/i&gt;! Ich will die Konjugation&lt;br class='autobr' /&gt;
von wollen, und zwar Indikativ Pr&#228;sens Singular!&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;&lt;i&gt;Volo, vis, vult&lt;/i&gt;&#171;, antwortete Sebastian und nahm sich Zeit, zwischen&lt;br class='autobr' /&gt;
den W&#246;rtern eine Pause zu machen, als m&#252;sste er &#252;berlegen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber er kannte die Formen, obwohl sie unregelm&#228;&#223;ig waren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;Plural!&#171;, sagte Holzmeier und klopfte mit dem Stock auf den&lt;br class='autobr' /&gt;
Tisch. &#187;Schneller!&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sebastian sprach die Worte schneller aus, machte aber weiter&lt;br class='autobr' /&gt;
Pausen, als m&#252;sste er &#252;berlegen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Holzmeier drehte sich kurz von ihm weg, als w&#252;rde er ihn in&lt;br class='autobr' /&gt;
Ruhe lassen, machte aber pl&#246;tzlich einen Schritt auf ihn zu und&lt;br class='autobr' /&gt;
schrie fast: &#187;Konjunktiv Pr&#228;sens Singular!&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sebastian konnte nichts passieren. Er spielte nun sein Spiel weiter&lt;br class='autobr' /&gt;
und fragte: &#187;Wovon?&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;Davon! Von &#8230; &#228;h &#8230; von &lt;i&gt;wollen&lt;/i&gt;. &lt;i&gt;Ich w&#252;rde wollen&lt;/i&gt;! Weiter!&lt;br class='autobr' /&gt;
Zack, zack!&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;Du w&#252;rdest wollen!&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Holzmeier hob drohend den Stock. &#187;Will Er mich zum Besten&lt;br class='autobr' /&gt;
halten? Latein! Los!&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sebastian sagte ruhig und ziemlich schnell: &#187;&lt;i&gt;Velim, velis, velit&lt;/i&gt;.&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Lehrer sah ihn von unten aus schmalen Augenschlitzen an&lt;br class='autobr' /&gt;
und rief dann: &#187;Plural!&#171;, wobei er sich aber pl&#246;tzlich umdrehte und&lt;br class='autobr' /&gt;
den Eleven Gottfried ansprach. Der stand sofort auf, starrte aber&lt;br class='autobr' /&gt;
wortlos zur Tafel.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;So tobte er sich dann an dem aus, der zu denen z&#228;hlte, die es immer&lt;br class='autobr' /&gt;
abbekamen, wenn einer wie Oberst Holzmeier seine Wut ableiten&lt;br class='autobr' /&gt;
musste. Gottfried fielen nicht mal die Pluralformen von sein&lt;br class='autobr' /&gt;
ein. Bei manchen schaltete allerdings das Denken aus, wenn sie&lt;br class='autobr' /&gt;
f&#252;rchten mussten, bestraft zu werden. Der Eleve bekam dann &#187;seine&lt;br class='autobr' /&gt;
Tatzen&#171;, wie Holzmeier das nannte: mit der Rute zehn Schl&#228;ge auf&lt;br class='autobr' /&gt;
die Finger, die er vor sich auf die Bank halten musste.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bei Gottfried tat Sebastian das aber nicht leid. Der war nicht nur&lt;br class='autobr' /&gt;
dumm, sondern auch noch hinterh&#228;ltig &#8211; einer von den Eleven, denen&lt;br class='autobr' /&gt;
nicht zu trauen war! Manchen Eleven wollte man ja gern helfen&lt;br class='autobr' /&gt;
und eingreifen, aber &#8230; Nein, dachte Sebastian, auch das wollte&lt;br class='autobr' /&gt;
man nicht mehr. Sie waren einfach schon zu abgestumpft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Johann blieb seltsamerweise verschont. Vielleicht hatte Holzmeier&lt;br class='autobr' /&gt;
keine Lust auf eine Auseinandersetzung mit Johann. Der&lt;br class='autobr' /&gt;
machte es ihm n&#228;mlich schwer. Johann w&#252;rde die Vokabeln vielleicht&lt;br class='autobr' /&gt;
sogar wissen und die dann mit Absicht ganz langsam sprechen.&lt;br class='autobr' /&gt;
Sebastian hatte das ja von ihm gelernt. Nur blieb Johann meistens&lt;br class='autobr' /&gt;
auf halbem Weg stecken. Trotzdem kam er immer noch ein&lt;br class='autobr' /&gt;
bisschen weiter und es war schwer, den richtigen Moment der Strafe&lt;br class='autobr' /&gt;
zu erwischen, zumal die nichts bewirkte: Johann ertrug die Schl&#228;ge,&lt;br class='autobr' /&gt;
als geh&#246;rten sie zum Vokabelabfragen dazu. Er war als Eleve inzwischen&lt;br class='autobr' /&gt;
schon zu erwachsen. Holzmeier verunsicherte das: Es passte&lt;br class='autobr' /&gt;
nicht mehr zum Verh&#228;ltnis von Lehrer und Sch&#252;ler. Johann h&#228;tte&lt;br class='autobr' /&gt;
man eigentlich zum Duell herausfordern m&#252;ssen, dachte Sebastian.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Alle Eleven waren m&#252;de, auch weil es in dem Klassenraum&lt;br class='autobr' /&gt;
warm und stickig war.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Holzmeier musste sich aber in seiner Autorit&#228;t wohl noch ein&lt;br class='autobr' /&gt;
mal sp&#252;ren. Er stellte sich vor die Klasse wie ein kleiner K&#246;nig. Er&lt;br class='autobr' /&gt;
wippte auf den Zehenspitzen auf und ab, wie um noch gr&#246;&#223;er zu erscheinen.&lt;br class='autobr' /&gt;
Er wippte so lange, bis sich niemand auch nur noch r&#228;usperte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;W&#252;rzen wir zum Abschluss unser Latein ein wenig mit Geografie:&lt;br class='autobr' /&gt;
&lt;i&gt;Acceperunt multae urbes provinciae et populi singularia epitheta.&lt;/i&gt;&lt;br class='autobr' /&gt;
Martin! &#220;bersetzen!&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Holzmeier wollte anscheinend keinen &#196;rger mehr. Deswegen&lt;br class='autobr' /&gt;
nahm er Martin dran, seinen besten Sch&#252;ler.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Trotzdem fragte Martin nach: &#187;Bitte noch einmal den Satz!&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Holzmeier verdrehte die Augen und wiederholte den Satz so&lt;br class='autobr' /&gt;
langsam, dass schon das wie eine Qu&#228;lerei schien.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Martin &#252;bersetzte, ohne zu stocken: &#187;Es haben viele St&#228;dte,&lt;br class='autobr' /&gt;
Landschaften und V&#246;lker besondere Beiw&#246;rter angenommen.&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Holzmeier atmete durch, wahrscheinlich weil der schwierigste&lt;br class='autobr' /&gt;
Teil der &#220;bung geschafft war. Nun musste er nur noch das einfachste&lt;br class='autobr' /&gt;
Sch&#252;lerwissen abfragen. Er drehte sich mit dem R&#252;cken zur&lt;br class='autobr' /&gt;
Klasse und rief in den Raum: &#187;Beginnen wir mit den St&#228;dten, als da&lt;br class='autobr' /&gt;
w&#228;ren: Rom, die heilige!&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;&lt;i&gt;Roma sancta&lt;/i&gt;!&#171;, murmelten fast alle aufst&#246;hnend.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;Florenz, die sch&#246;ne!&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;&lt;i&gt;Florentia pulchra&lt;/i&gt;!&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;Mailand, die gro&#223;e!&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;&lt;i&gt;Mediolanum magnum&lt;/i&gt;!&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;Kommen wir nun zu den Landschaften, als da w&#228;ren: Das&lt;br class='autobr' /&gt;
gl&#252;ckliche Arabien!&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Holzmeier drehte den R&#252;cken zur Klasse und blieb so stehen. Es&lt;br class='autobr' /&gt;
schien, als wollte er sich selbst beweisen, wie sehr er seine Eleven&lt;br class='autobr' /&gt;
unter Kontrolle hatte. Sebastian kam er vor wie ein Sch&#228;fer, der seinen&lt;br class='autobr' /&gt;
Hund abrichtete.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Viele Sch&#252;ler fingen aber sofort an, Grimassen zu schneiden,&lt;br class='autobr' /&gt;
w&#228;hrend sie die Antworten in den Raum riefen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;&lt;i&gt;Arabia felix&lt;/i&gt;!&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;Das trockene Mauretanien!&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;&lt;i&gt;Mauritania sicca&lt;/i&gt;!&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;Die bergige Schweiz!&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;&lt;i&gt;Helvetia montosa&lt;/i&gt;!&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Immer mehr Sch&#252;ler g&#228;hnten oder legten sogar den Kopf auf&lt;br class='autobr' /&gt;
den Tisch, w&#228;hrend die &#252;brigen umso lauter riefen, als m&#252;ssten sie&lt;br class='autobr' /&gt;
die anderen in ihrer M&#252;digkeit oder ihrem &#220;bermut sch&#252;tzen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;Kommen wir nun zu den V&#246;lkern: Die abergl&#228;ubigen Perser!&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;&lt;i&gt;Persae superstitiosi&lt;/i&gt;!&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;Die Menschenfleisch fressenden Hottentotten!&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;Haha! &lt;i&gt;Hottentottae carnem humanam devorantes.&lt;/i&gt; Haha!&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Alle kannten Holzmeiers Witze.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;Die eitlen Franzosen!&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;&lt;i&gt;Galli vani&lt;/i&gt;!&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;Die dummen Badenser!&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;&lt;i&gt;Badensi stulti&lt;/i&gt;!&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Holzmeier drehte sich mit einem Lachen um. Das aber erfror&lt;br class='autobr' /&gt;
ihm sofort im Gesicht, als er sah, wie seine Eleven heruml&#252;mmelten.&lt;br class='autobr' /&gt;
Alle schreckten augenblicklich hoch, doch ausgerechnet Martin&lt;br class='autobr' /&gt;
nicht, der &#252;bergeschnappt in die Klasse rief: &#187;&lt;i&gt;Suebi avari&lt;/i&gt;!&#171;*&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Da erst sah er, dass Holzmeier sich umgedreht hatte, und fuhr&lt;br class='autobr' /&gt;
zusammen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der sagte zu ihm, als h&#228;tte sein bester Sch&#252;ler ihm pers&#246;nlich&lt;br class='autobr' /&gt;
die Ehre abgegraben: &#187;Auch du, Martinus? Das gibt ein Billett!&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Seine Stimme zitterte. Er war nicht nur entt&#228;uscht, sondern&lt;br class='autobr' /&gt;
auch offensichtlich m&#252;de und ersch&#246;pft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Holzmeier lie&#223; aber noch eine Stelle aus C&#228;sars &lt;i&gt;Bellum Gallicum&lt;/i&gt;&lt;br class='autobr' /&gt;
vortragen, aus dem Exkurs &#252;ber die Germanen, was er mit Vorliebe&lt;br class='autobr' /&gt;
tat. Zwei andere, gute Sch&#252;ler mussten abwechselnd vorlesen und&lt;br class='autobr' /&gt;
&#252;bersetzen: &#187;&lt;i&gt;Ihr ganzes Leben besteht aus der Jagd und der Besch&#228;ftigung&lt;br class='autobr' /&gt;
mit dem Krieg. Von Kindheit an gew&#246;hnen sie sich daran, sich anzustrengen&lt;br class='autobr' /&gt;
und abzuh&#228;rten. Diejenigen, die am l&#228;ngsten ohne geschlechtlichen&lt;br class='autobr' /&gt;
Verkehr bleiben, werden am meisten gelobt. Denn sie&lt;br class='autobr' /&gt;
glauben, dass dadurch der Wuchs gef&#246;rdert und die Kr&#228;fte und Muskeln&lt;br class='autobr' /&gt;
gest&#228;rkt werden. Dagegen z&#228;hlt es zu den sch&#228;ndlichsten Dingen, vor&lt;br class='autobr' /&gt;
dem zwanzigsten Lebensjahr Bekanntschaft mit einer Frau zu haben.&lt;br class='autobr' /&gt;
Es gibt auch keine M&#246;glichkeit, diese Sache zu verbergen. Sie baden&lt;br class='autobr' /&gt;
n&#228;mlich gemeinsam in den Fl&#252;ssen und sind sonst fast nackt, weil sie als&lt;br class='autobr' /&gt;
Kleidung nur Pelze oder kleine Fellst&#252;cke ben&#252;tzen.&lt;/i&gt;&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch w&#228;hrend Holzmeier diese Passage sonst eigenartig auskostete,&lt;br class='autobr' /&gt;
sich die H&#228;nde rieb und sich mit der Zunge immer wieder &#252;ber&lt;br class='autobr' /&gt;
die Lippen fuhr, blieb er diesmal ganz ruhig.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es fiel auch kein Wort zum Abend vorher. Der Rest des Vormittags&lt;br class='autobr' /&gt;
ging &#252;berraschend friedlich vor&#252;ber.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zur Mittagszeit heizte die Sonne mit aller Kraft ein. H&#246;her h&#228;tte&lt;br class='autobr' /&gt;
sie nicht stehen k&#246;nnen, weder an diesem Tag noch zu dieser Jahreszeit.&lt;br class='autobr' /&gt;
Unter ihr standen Sebastian und alle Eleven, schon seit einer&lt;br class='autobr' /&gt;
halben Stunde, und zwar auf dem gro&#223;en staubigen Mittelhof&lt;br class='autobr' /&gt;
der Carlsschule. Im Hof gab es keinen Schatten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sebastian zitterten die Knie. Er konnte sich in der Hitze kaum&lt;br class='autobr' /&gt;
noch auf den Beinen halten, und er war hundem&#252;de. Au&#223;erdem&lt;br class='autobr' /&gt;
hatte er Angst vor Carl Eugen. Es war Mittagsappell, und der Herzog&lt;br class='autobr' /&gt;
h&#246;chstselbst w&#252;rde wieder aus seinem angrenzenden Schloss&lt;br class='autobr' /&gt;
kommen und sehen, ob sie alle so stramm standen, wie er das wollte.&lt;br class='autobr' /&gt;
Und er w&#252;rde wissen, vor welchem Abteil sie ihn am Abend zuvor&lt;br class='autobr' /&gt;
als Spion erwischt hatten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Den Kopf voller Gedanken stand Sebastian da allein in seinem&lt;br class='autobr' /&gt;
blauen Uniformrock mit der wei&#223;en Hose, dazu den schlackernden&lt;br class='autobr' /&gt;
Stulpenstiefeln, in denen sich gerade der Schwei&#223; sammelte wie in&lt;br class='autobr' /&gt;
einem Waschtrog, auf dem Kopf einen Zweispitz mit Federbusch&lt;br class='autobr' /&gt;
wie ein Fasan. Das Schlimmste aber waren der aufgepflanzte Zopf&lt;br class='autobr' /&gt;
und die Schl&#228;fenlocken, nicht einmal die muffige Per&#252;cke. Die&lt;br class='autobr' /&gt;
hatte man sowieso immer zu tragen und konnte sie vielleicht noch&lt;br class='autobr' /&gt;
m&#246;gen. Am meisten machten ihm aber diese verkleisterten L&#246;ckchen&lt;br class='autobr' /&gt;
zu schaffen. Die baumelten am Hals herum wie Staubwedel.&lt;br class='autobr' /&gt;
In was f&#252;r l&#228;cherlichen Klamotten sie doch steckten! Wenn ihn einer&lt;br class='autobr' /&gt;
aus dem richtigen Leben so gesehen h&#228;tte &#8230; Aber hier sah sie&lt;br class='autobr' /&gt;
niemand, sie waren auf der Carlsschule eingesperrt wie in einem&lt;br class='autobr' /&gt;
Gef&#228;ngnis. Immer wieder dachte Sebastian an seine Eltern. Seine&lt;br class='autobr' /&gt;
Mutter hatte geweint, als sie ihn dem Herzog in die Hand gaben.&lt;br class='autobr' /&gt;
Sie hatte auch schon geweint, als der Vater angek&#252;ndigt hatte, dass&lt;br class='autobr' /&gt;
es f&#252;r Sebastian das Beste sei, auf die Carlsschule zu wechseln.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;Es gibt keine bessere Ausbildung als diese Eliteschule&#171;, hatte er&lt;br class='autobr' /&gt;
gesagt und mit der Hand &#252;ber seinen dicken Bauch gestrichen. &#187;Da&lt;br class='autobr' /&gt;
wird er Buchhalter oder Jurist, dann kann uns nichts mehr passieren.&lt;br class='autobr' /&gt;
Die Buchhalter verwalten das Geld, und die Juristen die Gesetze.&lt;br class='autobr' /&gt;
Die sind immer fein raus.&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Mutter hatte aber gest&#246;hnt: &#187;Aber wir sehen ihn dann gar&lt;br class='autobr' /&gt;
nicht mehr!&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doch das hatte die Mutter nur einmal gesagt, danach nie wieder,&lt;br class='autobr' /&gt;
vielleicht aus R&#252;cksicht auf ihren Sohn. Ob es seinen Eltern wirklich&lt;br class='autobr' /&gt;
bewusst war, fragte er sich, dass sie ihn w&#228;hrend der gesamten&lt;br class='autobr' /&gt;
Schulzeit nicht mehr zu Gesicht kriegen w&#252;rden? Ein Schwesterchen&lt;br class='autobr' /&gt;
mit dem Namen Christine war in der Zwischenzeit zur Welt&lt;br class='autobr' /&gt;
gekommen, aber wie sie aussah, wusste er nicht. Der Vater sollte&lt;br class='autobr' /&gt;
mittlerweile ziemlich graue Haare haben. Eigentlich erlaubte der&lt;br class='autobr' /&gt;
Herzog seinen Eleven nur, die Eltern zu sehen, wenn einer von ihnen&lt;br class='autobr' /&gt;
starb &#8211; und vielleicht noch nicht mal das. Denn dem Klaus&lt;br class='autobr' /&gt;
hatte er nicht erlaubt, seinen Vater zu sehen, obwohl der im Sterben&lt;br class='autobr' /&gt;
lag. &#187;Tr&#246;st Er sich&#171;, hatte er zu ihm gesagt, &#187;&lt;i&gt;ich &lt;/i&gt; bin Sein Vater!&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was f&#252;r ein abgehobener, selbstgef&#228;lliger, seelenloser Mensch,&lt;br class='autobr' /&gt;
dachte Sebastian. Er hatte nur Verachtung f&#252;r den Herzog &#252;brig,&lt;br class='autobr' /&gt;
diesen Zyniker! Diesen Ausdruck hatte er an der Carlsschule nicht&lt;br class='autobr' /&gt;
erst im Philosophieunterricht gelernt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Trotzdem hatte er es vielleicht noch gut. Er wusste wenigstens,&lt;br class='autobr' /&gt;
dass er seine Eltern sehen w&#252;rde, wenn er aus dieser Erziehungsanstalt&lt;br class='autobr' /&gt;
heraus w&#228;re. Darauf hatte er sich immer gefreut, eigentlich&lt;br class='autobr' /&gt;
vom ersten Tag an. Inzwischen wusste er aber auch, dass sich seine&lt;br class='autobr' /&gt;
Eltern nicht freuen w&#252;rden, wenn er die Carlsschule verlie&#223;. Denn&lt;br class='autobr' /&gt;
er w&#252;rde die Carlsschule nicht auf normalem Weg verlassen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Andere Jungen hatten es vielleicht noch schwerer, so wie Johann.&lt;br class='autobr' /&gt;
Seine Eltern lebten nicht mehr. Seinen Vater hatte er nie kennengelernt.&lt;br class='autobr' /&gt;
Und als seine Mutter ihn dem Herzog auf der Carlsschule&lt;br class='autobr' /&gt;
&#252;berlassen musste, weil der das einfach befahl, war sie ein Jahr sp&#228;ter&lt;br class='autobr' /&gt;
gestorben. Johann redete eigentlich nie davon. Vielleicht war es&lt;br class='autobr' /&gt;
f&#252;r ihn deswegen sogar leichter. Schlie&#223;lich wartete niemand auf&lt;br class='autobr' /&gt;
seine R&#252;ckkehr, niemand freute sich auf ihn. So war Johann hart gegen&lt;br class='autobr' /&gt;
sich selbst geworden und er hatte gelernt, sich durchzusetzen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sebastian hatte Durst. Er hatte schon seit einer halben Stunde&lt;br class='autobr' /&gt;
Durst, seit sie auf dem Hof standen, in Reih und Glied. Er sah Flecken&lt;br class='autobr' /&gt;
vor sich, die hin- und hersprangen. Seine Zunge hing ihm im&lt;br class='autobr' /&gt;
Mund wie ein altes St&#252;ck Leder. Mit seinem Blick versuchte er dem&lt;br class='autobr' /&gt;
Monument in der Mitte des Hofes auszuweichen, was aber ein aussichtsloser&lt;br class='autobr' /&gt;
Kampf war. Un&#252;bersehbar hatte sich Carl Eugen darauf&lt;br class='autobr' /&gt;
als Statue abbilden lassen, unter sich verschiedene Darstellungen von&lt;br class='autobr' /&gt;
Tugenden, eine davon die Dankbarkeit.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Endlich kam er selbst, h&#246;chstpers&#246;nlich. Und er kam tats&#228;chlich&lt;br class='autobr' /&gt;
vorgefahren, vielleicht von der R&#252;ckreise von irgendeinem Lustschl&#246;sschen.&lt;br class='autobr' /&gt;
Man h&#246;rte das Klappern der Pferdehufe auf dem Pflaster&lt;br class='autobr' /&gt;
vor der riesigen Schule. Wenn der Herzog nicht zu Fu&#223; von seinem&lt;br class='autobr' /&gt;
Schloss her&#252;berkam, beschirmt von zwei G&#252;nstlingen, kam er&lt;br class='autobr' /&gt;
stets in einer seiner Kutschen angefahren. Angeblich besa&#223; er Dut-&lt;br class='autobr' /&gt;
zende davon, manche davon mit vergoldeten Nymphen und Grazien&lt;br class='autobr' /&gt;
geschm&#252;ckt. Die Kutschen waren immer sechssp&#228;nnig, am&lt;br class='autobr' /&gt;
besten achtsp&#228;nnig. Was f&#252;r ein Anblick!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;An besonderen Tagen, wenn G&#228;ste die Errungenschaften seiner&lt;br class='autobr' /&gt;
Schule bewundern sollten, fuhr er direkt in den Hof. Vor seiner Karosse&lt;br class='autobr' /&gt;
ritten dann Trompeter vorweg, die es schafften, gleichzeitig mit&lt;br class='autobr' /&gt;
aller Kraft zu blasen, ohne dass die Pferde scheuten. Dazu dr&#246;hnten&lt;br class='autobr' /&gt;
das Hufgeklapper und das Drehen der eisenbeschlagenen R&#228;der von&lt;br class='autobr' /&gt;
Mauer zu Mauer. Das war ein Spektakel! Man machte fast unwillk&#252;rlich&lt;br class='autobr' /&gt;
&#187;Oh!&#171; und &#187;Ah!&#171;. Die Eleven hatten dann die Geb&#228;udeseite&lt;br class='autobr' /&gt;
wie eingepflanzte B&#228;ume zu s&#228;umen. Wenn die Kutsche hielt, dauerte&lt;br class='autobr' /&gt;
es immer noch eine ganze Weile, ehe sich die Wagent&#252;r &#246;ffnete,&lt;br class='autobr' /&gt;
dass man sich fragte, ob etwas nicht stimmte. Stieg der Herzog dann&lt;br class='autobr' /&gt;
aus, machte keiner einen Mucks, auch nicht die geladenen G&#228;ste.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Endlich, dachte Sebastian, als er ihn kommen sah: Endlich lie&#223;&lt;br class='autobr' /&gt;
er sich blicken, der falsche Vater, der mit seinen Kindern machen&lt;br class='autobr' /&gt;
konnte, was er wollte. Der Herzog bewegte sich so langsam, als&lt;br class='autobr' /&gt;
m&#252;sste er sich bei jedem Schritt &#252;berlegen, wie er den Fu&#223; zu setzen&lt;br class='autobr' /&gt;
hatte. Neben ihm gingen zwei Offiziere, einer davon Holzmeier,&lt;br class='autobr' /&gt;
der auf ihn einredete.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Carl Eugen war alt geworden, alt und aufgedunsen, obwohl er&lt;br class='autobr' /&gt;
versuchte, sich mit seiner feinen Kleidung in Form zu halten. Unter&lt;br class='autobr' /&gt;
dem Uniformrock trug er eine breite Sch&#228;rpe, die sich stramm &#252;ber&lt;br class='autobr' /&gt;
seinem dicken Bauch spannte. Der Herzog ging langsam, wie um&lt;br class='autobr' /&gt;
noch besonders zu betonen, dass ein Herrscher Eile nicht n&#246;tig&lt;br class='autobr' /&gt;
hatte. Er lie&#223; sich zuerst von allen Offizieren der Schule begr&#252;&#223;en,&lt;br class='autobr' /&gt;
mit Handkuss. Holzmeier, der befehlshabende Oberst, forderte&lt;br class='autobr' /&gt;
dann die Kompanie der Soldatensch&#252;ler auf, strammzustehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Carl Eugen ergriff das Wort. Alle schwiegen, aber keiner h&#246;rte&lt;br class='autobr' /&gt;
zu. Sie hatten das schon hundertmal geh&#246;rt:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ging um Elite, Auswahl, Anstand, Pflicht, Gehorsam und um&lt;br class='autobr' /&gt;
die Besten, und das lautete immer geschraubt wie: &#187;&#8230; nachdem es&lt;br class='autobr' /&gt;
seiner regierenden herzoglichen Durchlaucht gn&#228;digst gef&#228;llig gewesen&lt;br class='autobr' /&gt;
&#8230;&#171;, oder: &#187;&#8230; dass ein Eleve sich g&#228;nzlich den Diensten des&lt;br class='autobr' /&gt;
herzoglichen w&#252;rttembergischen Hauses widme &#8230;&#171;, oder: &#187;&#8230; dass&lt;br class='autobr' /&gt;
allen Gesetzen und Anordnungen des Instituts auf das Genaueste&lt;br class='autobr' /&gt;
nachzuleben geflissen sei &#8230;&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sebastian sah wieder die Flecken vor sich, die wie K&#252;he &#252;ber&lt;br class='autobr' /&gt;
eine Wiese zogen. Carl Eugen redete so lange, dass immer mehr&lt;br class='autobr' /&gt;
K&#252;he zu sehen waren. Sebastian achtete auf seine Knie, dass sie&lt;br class='autobr' /&gt;
nicht zusammenklappten. Manchmal machten sie eine seltsame&lt;br class='autobr' /&gt;
Bewegung, als w&#252;rde ihm jemand von hinten in die Beine treten. Er&lt;br class='autobr' /&gt;
riss sich zusammen und die Knie wurden wieder steif. Dann&lt;br class='autobr' /&gt;
schmerzten sie aber erst recht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Endlich kam der letzte Akt der Inszenierung: Carl Eugen schritt&lt;br class='autobr' /&gt;
die Reihe der Eleven ab. Immer wieder machte er halt und sprach&lt;br class='autobr' /&gt;
auf einen Jungen ein. Keiner antwortete mit mehr Worten als &#187;Jawohl!&lt;br class='autobr' /&gt;
&#171;, &#187;Zu Befehl!&#171; und &#187;Ganz wie Sie w&#252;nschen!&#171;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Als die Reihe an Martin war, kamen dem die Tr&#228;nen. Holzmeier&lt;br class='autobr' /&gt;
selbst redete aber schnell auf den Herzog ein. Der lachte dann und&lt;br class='autobr' /&gt;
schlug Martin wie aufmunternd auf die Schulter.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sebastian sah Carl Eugen auf sich zukommen wie eine Schlange,&lt;br class='autobr' /&gt;
die witternd ihre Zunge ausf&#228;hrt. Er w&#252;nschte sich, dass sie an ihm&lt;br class='autobr' /&gt;
vorbeikriechen w&#252;rde. Das tat sie aber nicht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dem Herzog zitterten die Lippen vor Anspannung, als er zu Sebastian&lt;br class='autobr' /&gt;
sagte: &#187;Habe ich Ihn nicht schon einmal ermahnt, dass Er&lt;br class='autobr' /&gt;
seine Schl&#228;fenlocken ordnungsgem&#228;&#223; befestige?&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;Jawohl!&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;Und warum befolgt Er meine Mahnung nicht?&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;Zu Befehl, Sire!&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;Ich habe Ihn etwas gefragt!&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;Wie Sie meinen, Sire!&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Pl&#246;tzlich hatte Sebastian das Gef&#252;hl, alle K&#252;he auf der Weide&lt;br class='autobr' /&gt;
w&#252;rden sich niederlegen. Sie knickten alle in den Knien ein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sebastian kam wieder zu sich, als ihm Holzmeier einen Eimer Wasser&lt;br class='autobr' /&gt;
ins Gesicht sch&#252;ttete. Er sah sich verwirrt um und dachte an&lt;br class='autobr' /&gt;
seine Schl&#228;fenlocken. Aber Carl Eugen war schon gegangen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;Was erlaubt Er sich?&#171;, schrie ihn Holzmeier an. &#187;Kann Er sich&lt;br class='autobr' /&gt;
nicht zusammenrei&#223;en? So muss Er ja wohl nicht in die Knie gehen,&lt;br class='autobr' /&gt;
wenn Ihn unser Landesvater anspricht!&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sebastian h&#246;rte, wie die anderen Eleven lachten. Er h&#246;rte auch&lt;br class='autobr' /&gt;
Johann ein wenig lachen, aber so, wie sie das im Unterricht bei&lt;br class='autobr' /&gt;
einem Witz von Holzmeier taten: Haha!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Johann sagte immer, er w&#252;rde sich auf seine Art gegen den Herzog&lt;br class='autobr' /&gt;
wehren. Er lie&#223; sich einfach nicht unterkriegen. Man musste&lt;br class='autobr' /&gt;
seine Drohungen und Strafen einfach von sich abprallen lassen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber Sebastian konnte das nicht. Es traf ihn tief im Inneren,&lt;br class='autobr' /&gt;
wenn ihn der Herzog, ein Aufseher oder einer der Jungen mal wieder&lt;br class='autobr' /&gt;
&#246;ffentlich blo&#223;stellte. Das Gef&#252;hl, sich nicht wehren zu k&#246;nnen,&lt;br class='autobr' /&gt;
machte ihn ganz krank. Es fra&#223; ihm von innen die Eingeweide&lt;br class='autobr' /&gt;
auf. Er m&#252;sste einen anderen Weg finden, damit man ihn&lt;br class='autobr' /&gt;
nicht mehr so behandeln w&#252;rde. Dar&#252;ber dachte Sebastian wieder&lt;br class='autobr' /&gt;
nach, w&#228;hrend er sich das Wasser aus dem Gesicht wischte und zur&lt;br class='autobr' /&gt;
Kleiderkammer ging. Die nasse Per&#252;cke mit den klebrigen Schl&#228;fenlocken&lt;br class='autobr' /&gt;
hielt er in der Hand wie ein vollgesogenes Aufwischtuch.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Er gab sie dem Oberst Brandstetter, der f&#252;r die Kleiderkammer&lt;br class='autobr' /&gt;
zust&#228;ndig war. Der verzog keine Miene, als Sebastian auch seine&lt;br class='autobr' /&gt;
verschmutzte Hose ablegte. Die hatte er eigentlich selber zu reinigen,&lt;br class='autobr' /&gt;
aber Brandstetter h&#228;ndigte ihm eine andere, frisch gewaschene&lt;br class='autobr' /&gt;
Hose aus und murmelte nur, dass er die so schnell wie m&#246;glich, und&lt;br class='autobr' /&gt;
sauber, zur&#252;ckgeben m&#252;sse.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Als Sebastian &#187;Danke!&#171; sagte und die Hacken zusammenschlug,&lt;br class='autobr' /&gt;
l&#228;chelte Brandstetter auf einmal und f&#252;gte hinzu: &#187;Nachdenken, das&lt;br class='autobr' /&gt;
ist wichtig!&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Oberst Brandstetter war anders als Holzmeier, der dem Herzog&lt;br class='autobr' /&gt;
mit Haut und Haaren ergeben war. Brandstetter hatte manchmal&lt;br class='autobr' /&gt;
Verst&#228;ndnis f&#252;r die Sch&#252;ler. Sebastian tat das gut.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nun stand wenigstens der H&#246;hepunkt des Tages an: das Mittagessen.&lt;br class='autobr' /&gt;
Doch vorher musste Sebastian noch einen Umweg zur Toilette&lt;br class='autobr' /&gt;
machen, die in einem der Seitenfl&#252;gel untergebracht war. Sie&lt;br class='autobr' /&gt;
bestand aus einem gro&#223;en Balken mit zwei L&#246;chern und darunter,&lt;br class='autobr' /&gt;
in einer tiefen Grube, die Reste der menschlichen Verdauung. Alle&lt;br class='autobr' /&gt;
versuchten so schnell wie m&#246;glich, ihr Gesch&#228;ft zu machen, um&lt;br class='autobr' /&gt;
dann wieder an die frische Luft zu kommen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Als Sebastian mit h&#228;ngendem Kopf die Toilette betrat, sa&#223;en&lt;br class='autobr' /&gt;
dort Peter und Gottfried auf dem Balken. Sebastian wollte drau&#223;en&lt;br class='autobr' /&gt;
warten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;Nicht so schnell!&#171;, rief Peter, sprang auf und packte Sebastian,&lt;br class='autobr' /&gt;
ohne sich abgeputzt zu haben. &#187;Warte mal, Freundchen!&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sebastian wollte Peters Griff absch&#252;tteln, aber der hielt ihn nur&lt;br class='autobr' /&gt;
noch fester. Peter war einer der st&#228;rksten Jungen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;Was gibt's?&#171;, fragte Sebastian schnell.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;Was es gibt?&#171;, sagte Peter und nun stand auch Gottfried auf und&lt;br class='autobr' /&gt;
stellte sich vor ihn. &#187;Du hast uns beim Schei&#223;en gest&#246;rt, das gibt's.&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;Lasst mich in Ruhe!&#171;, rief Sebastian.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Da schlug ihm Gottfried so in den Bauch, dass ihm die Luft&lt;br class='autobr' /&gt;
wegblieb und ihm schlecht wurde.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;Musst du uns vor unserem g&#252;tigen, herzenslieben, anst&#228;ndigen&lt;br class='autobr' /&gt;
Vater so blamieren!&#171;, zischte Gottfried und schlug ihm wieder in&lt;br class='autobr' /&gt;
den Bauch.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;Das kostet dich vierzig Kreuzer!&#171;, fl&#252;sterte ihm Peter ins Ohr.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sebastian dachte daran, dass es bei Strafe verboten war, Geld zu&lt;br class='autobr' /&gt;
besitzen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;Ich habe kein Geld&#171;, keuchte er und versuchte sich aus Peters&lt;br class='autobr' /&gt;
Griff zu befreien.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wieder wollte Gottfried zuschlagen, als ihm Peter jedoch die&lt;br class='autobr' /&gt;
Hand festhielt. Gottfried lie&#223; los.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;Bis morgen Abend kriegen wir von dir vierzig Kreuzer!&#171;, sagte&lt;br class='autobr' /&gt;
Peter ruhig und kam ganz nah an sein Gesicht, &#187;sonst &#8230;&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Da flog die T&#252;r auf und Johann stampfte herein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;Sebastian, wo bist du?&#171;, rief er und blieb sofort stehen und atmete&lt;br class='autobr' /&gt;
tief ein und zog die Schultern zur&#252;ck. &#187;Was ist hier los?&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Johann schaute vom einen zum anderen, ehe er Gottfried in die&lt;br class='autobr' /&gt;
Augen sah.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;Nichts!&#171;, sagte der und grinste und rief dann mit Blick auf Peter:&lt;br class='autobr' /&gt;
&#187;Wir gehen jetzt!&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;Ihr bleibt!&#171;, sagte Johann und stellte sich vor Sebastian. Er griff&lt;br class='autobr' /&gt;
sich an den Oberarm, wie um da seine Muskeln zu b&#228;ndigen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;Was gibt's?&#171;, fragte Gottfried.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;Was es gibt?&#171;, sagte Johann. &#187;Gleich gibt's was auf die Ohren.&lt;br class='autobr' /&gt;
Was habt ihr mit dem da gemacht?&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;Nichts!&#171;, antwortete Peter schnell, als ihm Johann sofort eine&lt;br class='autobr' /&gt;
knallte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Peter wich zur&#252;ck wie ein gepr&#252;gelter Hund.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;Was wollten die von dir?&#171;, fragte Johann Sebastian. &#187;Komm,&lt;br class='autobr' /&gt;
sag's mir!&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;Vierzig Kreuzer&#171;, antwortete Sebastian.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sofort knallte Johann Peter noch eine. Er drehte sich zu Gottfried,&lt;br class='autobr' /&gt;
und der wich zur&#252;ck.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Johann blieb stehen und tat und sagte gar nichts mehr. Dann zog&lt;br class='autobr' /&gt;
er sich pl&#246;tzlich die Hose herunter und setzte sich auf den Balken.&lt;br class='autobr' /&gt;
Dabei sprach er nur ab und zu etwas und machte immer wieder&lt;br class='autobr' /&gt;
&#252;bertriebene Ger&#228;usche der Anstrengung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;Ich warne euch! &#8230; Lasst den in Ruhe! &#8230; &lt;i&gt;Ah&lt;/i&gt;! &#8230; Der hat es&lt;br class='autobr' /&gt;
schwer genug&#8230;&lt;i&gt;Uh! Ah&lt;/i&gt;! &#8230; Und jetzt geht und lasst mich in Ruhe&lt;br class='autobr' /&gt;
schei&#223;en!&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;W&#228;hrend Gottfried und Peter die Flucht ergriffen, z&#246;gerte Sebastian&lt;br class='autobr' /&gt;
noch.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;Danke!&#171;, sagte er zu Johann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der aber entgegnete: &#187;Und jetzt geh auch!&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Drau&#223;en sah Sebastian, wie in der Ferne Holzmeier mit Gottfried&lt;br class='autobr' /&gt;
und Peter redete. Die beiden waren bekannt daf&#252;r, f&#252;r Unfrieden&lt;br class='autobr' /&gt;
zu sorgen. Sie hatten schon in der Arrestzelle gesessen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Als Sebastian auf dem Weg zum Speisesaal an Holzmeier vorbeigehen&lt;br class='autobr' /&gt;
musste, sah der ihn nur absch&#228;tzig an, lie&#223; sich gr&#252;&#223;en&lt;br class='autobr' /&gt;
und sagte nichts. Sebastian h&#228;tte gerade heulen k&#246;nnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zum Mittag gab es Mehlsuppe wie schon zum Fr&#252;hst&#252;ck, aber immerhin&lt;br class='autobr' /&gt;
mit einem zwei Finger dicken St&#252;ck K&#228;se. Danach endlich&lt;br class='autobr' /&gt;
Ausgang, ehe das Exerzieren folgen w&#252;rde.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Spazierweg f&#252;hrte aus dem Schulgeb&#228;ude hinaus, am herrschaftlichen&lt;br class='autobr' /&gt;
Holzgarten entlang und weiter durch die herrschaftlichen&lt;br class='autobr' /&gt;
Talwiesen. Die Hitze schien alles zu l&#228;hmen, aber f&#252;r Sebastian&lt;br class='autobr' /&gt;
war es die Zeit f&#252;r ein wenig Freiheit. Er ging neben Johann&lt;br class='autobr' /&gt;
und sie redeten leise, wie das alle taten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;Kann es sein, dass es immer nur uns erwischt, immer uns beide?&#171;,&lt;br class='autobr' /&gt;
fragte Sebastian auf einmal.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Johann sah sich vorsichtig um. Erst nach einer Weile sagte er:&lt;br class='autobr' /&gt;
&#187;Das Gras steht hoch. Es h&#228;lt den Boden feucht.&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;Ist dir das noch nicht aufgefallen, wie oft wir ein Billett zugesteckt&lt;br class='autobr' /&gt;
kriegen, und immer von Holzmeier?&#171;, fragte Sebastian weiter,&lt;br class='autobr' /&gt;
der sich in der Natur nicht auskannte. Er kannte eigentlich nur&lt;br class='autobr' /&gt;
die Carlsschule. &#187;Der kann uns doch auf den Tod nicht ausstehen.&lt;br class='autobr' /&gt;
Was haben wir dem nur getan?&#171;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Johann antwortete wieder nicht. Da fasste sich Sebastian in&lt;br class='autobr' /&gt;
seine Uniform und zog einen Zettel hervor.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;Wieder der Scherenschnitt?&#171;, fragte Johann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;Nein, Schiller&#171;, antwortete Sebastian und sah sich nun auch um&lt;br class='autobr' /&gt;
wie ein Dieb.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#187;Soll dieses Blatt echt von Schiller sein?&#171;, fragte Johann und&lt;br class='autobr' /&gt;
g&#228;hnte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;[...]&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href='javascript:;' class='replier_bloc'&gt;[Einklappen]&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class='cs_blocs'&gt;&lt;h4 class='blocs_titre blocs_replie blocs_click'&gt;&lt;a href='javascript:;'&gt;Besprechungen&lt;/a&gt;&lt;/h4&gt;&lt;div class='blocs_destination blocs_invisible blocs_slide'&gt;
&lt;p&gt;&#034;Das R&#228;uberleben wird nicht heroisiert, wie beispielsweise in Schillers 'Die R&#228;uber', welches auch mehrfach genannt wird. Man ergreift nicht unbedingt f&#252;r die R&#228;uber Partei, nicht einmal f&#252;r Dennele, sondern eher f&#252;r die einzelnen Personen, die sich trotz ihrer ung&#252;nstigen Situation noch rechtschaffen verhalten. Ebenso sind die B&#246;sen nicht nur Holzmeier, sondern auch einige der R&#228;uber, die sich an keine geschriebene oder ungeschriebene Regel halten.&lt;br class='autobr' /&gt;
[...] Es wird im Allgemeinen mehr Wert auf die Reaktionen und das Verhalten aller Personen und ihr Gef&#252;hlsleben gelegt, als auf die Spannung und Aufregung, die man bei so einem Titel erwarten w&#252;rde. Die Spannung ist eben auf eine andere, mehr zwischenmenschliche, Art da.&lt;br class='autobr' /&gt;
Eine sch&#246;ne Geschichte, die die Skrupel eines R&#228;ubers und warum er es &#252;berhaupt geworden ist, gut beschreibt und auch zu empfehlen ist.&#034;&lt;br class='autobr' /&gt;
&lt;i&gt;Julia Therese Kohn&lt;br class='autobr' /&gt;
&lt;a href=&#034;http://www.alliterus.com&#034; class=&#034;spip_url spip_out auto&#034; rel=&#034;nofollow external&#034;&gt;www.alliterus.com&lt;/a&gt;&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#034;Im Roman hilft eine Karte von W&#252;rttemberg bei der Orientierung der Handlungspl&#228;tze. Venzke hat einen sehr spannenden Erz&#228;hlstil und punktet mit seinen glaubhaften Charakteren. Der Roman 'Unter R&#228;ubern' ist in historische Begebenheiten eingebettet, die sehr gut vom Autor recherchiert wurden. Man erf&#228;hrt ganz nebenbei, wie sich ein Leben als R&#228;uber damals gestaltete. Ein wunderbarer Roman, der historische Ereignisse, eine kleine Liebesgeschichte und viel Spannung in sich vereint. Auch f&#252;r erwachsene Leser durchaus lesenswert.&#034;&lt;br class='autobr' /&gt;
&lt;i&gt;&lt;a href=&#034;http://vonmainbergsbuechertipps.wordpress.com&#034; class=&#034;spip_url spip_out auto&#034; rel=&#034;nofollow external&#034;&gt;http://vonmainbergsbuechertipps.wordpress.com&lt;/a&gt;&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#034;gro&#223;er literarischer Roman&#034;&lt;br class='autobr' /&gt;
&lt;i&gt;Bayern 2-JugendbuchFavorit&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#034;Ein richtig genialer historischer Roman. Diese Geschichte hat mich so sehr gefesselt, dass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte. [...] Es ist aber nicht nur ein Roman &#252;ber das R&#228;uberleben; es ist auch eine Entwicklungsgeschichte, wie sich der B&#252;cher liebende, eher zur&#252;ckhaltende junge Sebastian zu einem selbstbewussten Mann und Anf&#252;hrer entfaltet. [...] beginnt er sich zu fragen, wann bzw. ob es &#252;berhaupt eine Grenze f&#252;r einen R&#228;uber gibt. Diesen moralischen Konflikt fand ich besonders interessant, vor allem, da Sebastian genauso wie sein Freund Johann erst einmal von dem freien Leben der R&#228;uber begeistert sind, waren sie doch bisher das strenge Leben in der Carlsschule gew&#246;hnt.&lt;br class='autobr' /&gt;
Dieses Buch hat alles drin, was ein historischer Roman meiner Meinung nach haben sollte: Spannung, Historie und ein guter Schuss Liebesgeschichte.&#034;&lt;br class='autobr' /&gt;
&lt;i&gt;Johanna, 17 Jahre&lt;br class='autobr' /&gt;
&lt;a href=&#034;http://www.buecher-leben.de&#034; class=&#034;spip_url spip_out auto&#034; rel=&#034;nofollow external&#034;&gt;http://www.buecher-leben.de&lt;/a&gt;&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Jetzt gehen wir weit zur&#252;ck &#8211; ins Jahr 1780 nach Stuttgart. Dort lebt Sebastian. Und der will weg von der Carls-Schule, der Elite-Anstalt f&#252;r die aufstrebenden S&#246;hne W&#252;rttembergs. Mit Schlagstock und Arrestzelle werden aus sensiblen Seelen &#8222;harte M&#228;nner&#8220; gemacht. Zusammen mit seinem besten Freund Johann gelingt ihm die Flucht.&lt;br class='autobr' /&gt;
Die beiden werden von R&#228;ubern aufgenommen und zeigen bald gro&#223;es Talent f&#252;rs Gauner-Handwerk. Sebastian und Johann genie&#223;en die Gemeinschaft, die rauen Sitten und den Reichtum, wenn sie wieder einmal erfolgreich eine Kutsche &#252;berfallen haben. Das geht so lange gut, bis Sebastian bei einem &#220;berfall Marie gefangen nimmt. Nat&#252;rlich verliebt er sich in die junge Frau aus guter Familie. Mehr wird nicht verraten &#8230; Ein historischer Jugendroman, der einen gefangen nimmt.&#8220;&lt;br class='autobr' /&gt;
&lt;i&gt;(pap)&lt;br class='autobr' /&gt;
S&#252;dkurier&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#034;Ein gelungener historischer Roman, spannend und dicht.&#034;&lt;br class='autobr' /&gt;
&lt;i&gt;observer &#8211; Das internationale Buchmagazin&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#034;Mich hat fasziniert, wie der Autor Andreas Venzke das Buch geschrieben hat, denn man konnte sich sehr gut in die Handlungen und in die Personen hineinversetzen. Ich war von dem Buch gefesselt und konnte mich nur schwer von ihm l&#246;sen. Au&#223;erdem befindet sich in dem Buch eine Karte von Deutschland im 18. Jahrhundert. So wei&#223; man immer, wo sich die Hauptpersonen gerade befinden. Eigentlich fand ich alles an der Geschichte toll. Ich kann das Buch nur weiterempfehlen, an Leser ab ungef&#228;hr 12 Jahren, aber die aollten dann kein Problem mit blutigen Szenen haben.&#034;&lt;br class='autobr' /&gt;
&lt;i&gt;Marie Schulze (14 Jahre)&lt;br class='autobr' /&gt;
floh &#8211; das Sch&#252;lermagazin mit Hallo&amp;Welt&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#034;Das Buch ist sehr spannend! Ich konnte &#252;berhaupt nicht mehr aufh&#246;ren, das Buch weiterzulesen. Der Schreibstil ist sehr fesselnd, ich konnte mich sehr in die Situation der Jugendlichen hineinversetzen. [... ] Schade finde ich lediglich, dass es noch keinen zweiten Teil gibt, weil das Buch abrupt endet und es auf eine Fortsetzung hinausl&#228;uft. Ich vergebe daher 5 von 5 Sternen.&#034;&lt;br class='autobr' /&gt;
&lt;i&gt;Vincent Rein (11 Jahre)&lt;br class='autobr' /&gt;
&lt;a href=&#034;http://www.buecherkinder.de&#034; class=&#034;spip_url spip_out auto&#034; rel=&#034;nofollow external&#034;&gt;www.buecherkinder.de&lt;/a&gt;&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href='javascript:;' class='replier_bloc'&gt;[Einklappen]&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
		</content:encoded>


		
		<enclosure url="https://www.andreas-venzke.de/sites/venzke/IMG/pdf/wildfrei.pdf" length="356642" type="application/pdf" />
		
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		<title>Leben f&#252;r den Frieden</title>
		<link>https://www.andreas-venzke.de/bucher/bucher-fur-jugendliche/article/leben-fur-den-frieden</link>
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		<dc:date>2014-04-25T18:54:18Z</dc:date>
		<dc:format>text/html</dc:format>
		<dc:language>de</dc:language>
		<dc:creator>Andreas Venzke</dc:creator>



		<description>
&lt;p&gt;Arena-Verlag, W&#252;rzburg 2009 &lt;br class='autobr' /&gt;
Wen nimmt man in ein solches Buch als Pers&#246;nlichkeiten auf? Schwierige Frage! Auf jeden Fall konnte ich mich dagegen wehren, auch &#8222;Mutter Teresa&#8220; literarisch beschreiben zu m&#252;ssen. Sonst aber sind doch die drin, die wirklich herausgehoben geh&#246;ren. &lt;br class='autobr' /&gt; Besprechungen &lt;br class='autobr' /&gt;
&#8222;Problematisch ist z. B., dass &#252;ber die Ursachen von Gewalt und von Krieg so wenig gesprochen wird. Die Rolle des sogenannten &#8216;Kolonialismus' f&#252;r eine sich weltweit ausbreitende Gewalt wird z. B. (&#8230;)&lt;/p&gt;


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&lt;a href="https://www.andreas-venzke.de/bucher/bucher-fur-jugendliche/" rel="directory"&gt;B&#252;cher f&#252;r Jugendliche&lt;/a&gt;


		</description>


 <content:encoded>&lt;img src='https://www.andreas-venzke.de/sites/venzke/local/cache-vignettes/L101xH150/arton35-0ce51.jpg?1678947063' class='spip_logo spip_logo_right' width='101' height='150' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;h2 class=&#034;spip&#034;&gt;Arena-Verlag, W&#252;rzburg 2009&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Wen nimmt man in ein solches Buch als Pers&#246;nlichkeiten auf? Schwierige Frage! Auf jeden Fall konnte ich mich dagegen wehren, auch &#8222;Mutter Teresa&#8220; literarisch beschreiben zu m&#252;ssen. Sonst aber sind doch die drin, die wirklich herausgehoben geh&#246;ren.&lt;/p&gt;
&lt;div class='cs_blocs'&gt;&lt;h4 class='blocs_titre blocs_replie blocs_click'&gt;&lt;a href='javascript:;'&gt;Besprechungen&lt;/a&gt;&lt;/h4&gt;&lt;div class='blocs_destination blocs_invisible blocs_slide'&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Problematisch ist z. B., dass &#252;ber die Ursachen von Gewalt und von Krieg so wenig gesprochen wird. Die Rolle des sogenannten &#8216;Kolonialismus' f&#252;r eine sich weltweit ausbreitende Gewalt wird z. B. verschwiegen. Auch die Auswahl der &#8216;ber&#252;hmten Menschen gegen Krieg und Gewalt' kann als einseitig angesehen werden, zumal der &#8216;Reigen' der 13 Auserw&#228;hlten erst mit Henry Dunant beginnt, dem Gr&#252;nder des Roten Kreuzes und ersten Tr&#228;ger des Friedensnobelpreises. Was aber ist mit der Organisation des Roten Halbmond? Was mit dem tragischen Eintreten des Spaniers Bartolom&#233; de Las Casas f&#252;r die versklavten Indianer? Warum wird der Brite Bertrand Russell nicht genannt? Was ist mit dem Kampf von Desmond Tutu gegen die Apartheid in S&#252;dafrika? Gibt es tats&#228;chlich nur so wenige Frauen, die sich gewaltfrei f&#252;r den Frieden eingesetzt haben? W&#228;re der bis heute andauernde Kampf der &#8216;Madres de la Plaza de Mayo' nicht auch erw&#228;hnenswert? Beschr&#228;nkt sich das Engagement gegen Krieg und Gewalt tats&#228;chlich auf Einzelpersonen? Gibt es nicht auch Gruppen, ja Menschenmassen, die sich &#8211; unabh&#228;ngig von einer Verleihung des Friedensnobelpreises &#8211; f&#252;r ein friedliches Miteinander von Menschen und gewaltfrei f&#252;r Menschenrechte eingesetzt haben?&#8220;&lt;br class='autobr' /&gt;
&lt;i&gt;Leseforum Bayern&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;[...] &#220;berzeugend ist auch, dass der Autor kritische Punkte im Leben der 13 gro&#223;en Friedensstifter nicht verschweigt. [...] Als Manko ist zu bewerten, dass von den 13 Portr&#228;tierten nur zwei Frauen sind. S. Scholl und C. Zetkin w&#228;ren z. B. nennenswert. [...] Eine gelungene, solide und erfrischende Einf&#252;hrung in das Thema Gewaltlosigkeit, die Lust auf mehr macht.&#8220;&lt;br class='autobr' /&gt;
&lt;i&gt;Anja Hartmann Der evangelische Buchberater&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Jede Darstellung besteht aus zwei Teilen, einer &#8216;hautnahen', die dem Friedensstifter nahe kommt mit direkten Zitaten, als f&#252;hre Andreas Venzke ein pers&#246;nliches Gespr&#228;ch mit ihnen, und einer sachlich-historischen auf Distanz. [...] Das Buch liefert wichtige Fakten und regt zur Diskussion an. Ich kann es deshalb vorbehaltlos empfehlen.&#8220;&lt;br class='autobr' /&gt;
&lt;i&gt;Peter Schalk alliteratur.com&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Jedes Kapitel f&#252;r sich ist spannend und lesenswert!&#8220;&lt;br class='autobr' /&gt;
&lt;i&gt;dn D&#252;lmener Zeitung&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Der bekannte Jugendbuchautor A. Venzke [...] schildert im vorliegenden Band 13 Menschen, die sich auf ganz verschiedene Weise selbstlos und mutig f&#252;r Frieden und Menschenrechte einsetzten. [...] Wieder fasziniert die lebendige Darstellungsweise, der lebhafte Sprung ins Geschehen, in das Venzke Daten und Ereignisse so einbettet, dass der Leser sich nicht von trockenen Fakten erstickt f&#252;hlt.&#8220;&lt;br class='autobr' /&gt;
&lt;i&gt;Almuth Hochm&#252;ller Ekz-Informationsdienst&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Jugendliche, denen noch viel Hintergrundwissen fehlt, werden nicht viel von diesem Buch mitnehmen. [...] wird ein junger Mensch von der F&#252;lle der Thematik ein wenig &#8216;&#252;berrollt. F&#252;r alle anderen kann ich dieses Buch sehr empfehlen. Es gibt einerseits eine gute Zusammenfassung, andererseits eine gute Einf&#252;hrung, da sich so abstrakte Themen wie &#8216;Freiheit' und &#8216;Courage' an Personen festmachen und somit verfolgt werden k&#246;nnen.&#8220;&lt;br class='autobr' /&gt;
&lt;i&gt;PD AJuM der GEW Niedersachsen&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Das Buch &#8216;Leben f&#252;r den Frieden' will und kann den jungen Leser f&#252;r diese Thematik sensibilisieren. [...] In Anbetracht des Umfangs der einzelnen Lebenswerke ist dem Autor eine gute Auswahl an Pers&#246;nlichem und deren sprachliche Darstellung gelungen. Sehr empfehlenswert.&#8220;&lt;br class='autobr' /&gt;
&lt;i&gt;RPPO AJuM der GEW Rheinland-Pfalz&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href='javascript:;' class='replier_bloc'&gt;[Einklappen]&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class='cs_blocs'&gt;&lt;h4 class='blocs_titre blocs_replie blocs_click'&gt;&lt;a href='javascript:;'&gt;Leseprobe&lt;/a&gt;&lt;/h4&gt;&lt;div class='blocs_destination blocs_invisible blocs_slide'&gt;&lt;h2 class=&#034;spip&#034;&gt;Gegen den gemeinen und ver&#228;chtlichen Krieg: Albert Einstein&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Dem Gast ist von Anfang an nicht wohl, als er in Albert Einsteins Segelboot am Templiner See krabbelt. Dort, in der N&#228;he von Potsdam, hat sich Einstein ein sch&#246;nes Haus bauen lassen. Es liegt abgeschieden nur dreihundert Meter vom Ufer entfernt. Ganz aus Holz gebaut, scheint es sich in den Strahlen der Herbstsonne zu w&#228;rmen.&lt;br class='autobr' /&gt;
Der Gast wei&#223; zwar, dass Einstein mit seinem Boot oft auf den Seen der Umgebung f&#228;hrt, aber er wei&#223; auch, dass der weltber&#252;hmte Physiker nicht gerade als sicherer Segler gilt und au&#223;erdem nicht schwimmen kann. Das beruhigt den Gast aber auch, weil er sich sagt, ein Nichtschwimmer auf einem Boot w&#252;rde wohl kein Risiko eingehen, zumal es an Bord auch keine Rettungswesten oder dergleichen gibt.&lt;br class='autobr' /&gt;
Unruhig ist der Gast eigentlich aus einem anderen Grund: Nach vorangegangener, stundenlanger Lekt&#252;re hat er sich eingestehen m&#252;ssen, die ganze Relativit&#228;tstheorie nicht zu kapieren. Dabei ist er ein Experte in Schriftsachen: Als Schriftsteller ist er ebenfalls eine Ber&#252;hmtheit, und weil er sich gern mit anderen ber&#252;hmten Personen umgibt, hat er Einstein einmal geschrieben. Im Grunde hat er sich selbst zu einem Besuch bei ihm eingeladen.&lt;br class='autobr' /&gt;
Einstein st&#246;&#223;t das Boot vom Ufer ab, als kaum ein Wind geht und sich am Horizont eine Reihe von Wolken zeigt. Ruhig treibt das Boot auf den See hinaus. Einstein lehnt sich an der Ruderpinne sacht zur&#252;ck, streckt sich, als w&#228;re er gerade aufgewacht, und zieht seine Pfeife hervor.&lt;br class='autobr' /&gt;
&#8222;So die Kraft der Natur zu n&#252;tzen, befriedigt mich immer ganz tief&#8220;, sagt er und stopft umst&#228;ndlich seine Pfeife. &#8222;Hier habe ich Abstand zum Trubel der Welt und kann eigene Gedanken fassen.&#8220;&lt;br class='autobr' /&gt;
Der Gast will Einstein zur Politik befragen. Er denkt daran, dass man, wie in der Physik, auch den Krieg relativ sehen m&#252;sste. Hat sich nicht Deutschland im Weltkrieg gegen den Rest der Welt wehren m&#252;ssen? H&#228;tten die Deutschen da passiv bleiben k&#246;nnen, gar pazifistisch, wie Einstein immer wieder empfiehlt? Der Gast versucht, mit Einstein solche Gedanken zu besprechen. Der redet vergn&#252;gt daher, w&#228;hrend das Boot Fahrt aufnimmt. Bald schl&#228;gt das Segel ziemlich stark. Einstein wird schweigsamer. Am Horizont erhebt sich eine schwarze Gewitterwand. Es ist Zeit zur&#252;ckzukehren, wei&#223; der Gast.&lt;br class='autobr' /&gt;
Er redet weiter von seinen Ansichten und hat das Gef&#252;hl, Einstein w&#252;rde ihm gespannt zuh&#246;ren. Immerhin sagt der hochintelligente Mann kaum noch etwas und scheint sich auch nicht auf das Segeln zu konzentrieren. Es gelingt ihm, seine Pfeife zu entz&#252;nden, obwohl nun manchmal heftig das Segeltuch &#252;ber ihnen schl&#228;gt.&lt;br class='autobr' /&gt;
&#8222;Es ist vielleicht auch relativ, wie man den Gebrauch von Waffen beurteilen sollte&#8220;, sagt der Gast aufgeregt. &#8222;Vielleicht gibt es doch Situationen, wo man sich einfach wehren muss, wo sich ein Volk wehren muss.&#8220;&lt;br class='autobr' /&gt;
Einstein wendet endlich das Boot, das der Wind nun wie mit Schl&#228;gen vor sich hertreibt. Pl&#246;tzlich sagt er mit fester Stimme: &#8222;Ich glaube nicht, dass in der Politik etwas relativ sein sollte. Da kommt es mir auf Prinzipien an. Wenn einer mit Vergn&#252;gen in Reih und Glied zu einer Musik marschieren kann, dann verachte ich ihn schon. Er hat sein gro&#223;es Gehirn nur aus Irrtum bekommen, da f&#252;r ihn das R&#252;ckenmark schon v&#246;llig gen&#252;gen w&#252;rde.&#8220;&lt;br class='autobr' /&gt;
Der Gast klammert sich mittlerweile am Rand des Bootes fest, das einen wilden Tanz aufzuf&#252;hren scheint. Er ruft nun laut in den Wind: &#8222;Wenn zum Beispiel die eigene Familie bedroht wird ...&#8220;, als das Segel umschl&#228;gt und ihn beinahe am Kopf trifft.&lt;br class='autobr' /&gt;
Einstein lacht kurz auf und sagt: &#8222;Entschuldigung. Manchmal trifft es einen doch &#252;berraschend. Auf jeden Fall ist es etwas anderes, ob man seine Familie zu verteidigen hat oder das sogenannte Vaterland. Heldentum auf Kommando, sinnlose Gewalttat und die leidige Vaterl&#228;nderei, wie gl&#252;hend hasse ich sie, wie gemein und ver&#228;chtlich erscheint mir der Krieg.&#8220;&lt;br class='autobr' /&gt;
Der Gast schweigt nun und denkt nur noch daran, heil an Land zu kommen. Als die ersten schweren Regentropfen fallen, macht Einstein das Boot am Steg fest. Er h&#228;lt seine Pfeife am Brennen und sagt zu dem aschfahlen Gast: &#8222;Nur ahne ich inzwischen, dass es unter den Menschen solche gibt, die andere Menschen nicht als solche anerkennen. Vielleicht haben Sie doch recht: Wenn nicht die Macht der Welt in die H&#228;nde der schlimmsten Feinde der Menschheit geraten soll, k&#246;nnte vielleicht auch ein anderes Prinzip als die Gewaltlosigkeit g&#252;ltig sein ...&#8220;&lt;br class='autobr' /&gt;
In seinem Haus bietet Einstein dem Gast einen hei&#223;en Mokka an, doch der hat nicht mehr viele Worte und entfernt sich schnell. Keine f&#252;nf Minuten sp&#228;ter prasselt ein Regen nieder, als wolle der Himmel die Erde von allem Schmutz reinwaschen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;Albert Einstein (1879-1955) ist einer der ber&#252;hmtesten Wissenschaftler der Weltgeschichte. Seine Relativit&#228;tstheorie bedeutete eine wissenschaftliche Revolution; sie war der Ausgangspunkt f&#252;r eine Vielzahl von Entdeckungen, die den Menschen auf dem Weg zum Verst&#228;ndnis der Welt riesige Schritte vorangebracht haben. Einstein wirkte aber auch als einer der wichtigsten K&#228;mpfer f&#252;r den Frieden.&lt;br class='autobr' /&gt;
Albert Einstein kam am 14. M&#228;rz 1879 in Ulm zur Welt, als Sohn j&#252;discher Eltern, die zu ihrer Religion keinen engen Bezug mehr hatten. Beruflich hatte der Vater Hermann in der Branche der Elektrotechnik keinen gro&#223;en Erfolg. Die Familie versuchte zweimal einen Neuanfang, zun&#228;chst in M&#252;nchen, wo der junge Albert aufwuchs, dann in Italien, wohin der Gymnasiast nicht mehr folgte. Er blieb in M&#252;nchen in einem Internat und lehnte sich auf gegen das strenge System von Schule und Staat. Das ging so weit, dass er mit 15 Jahren die Schule verlie&#223; und sogar die deutsche Staatsangeh&#246;rigkeit aufgab. Er ging f&#252;r ein Jahr zu seinen Eltern nach Italien, ehe er sich entschied, in der vergleichsweise freiheitlichen Schweiz weiter die Schule zu besuchen und zu studieren. Zwar galt er schon damals als Sonderling, doch konnte er sich, als Physiker, gegen alle Widerst&#228;nde durchsetzen.&lt;br class='autobr' /&gt;
Nach dem Studium arbeitete Einstein zun&#228;chst als Hilfslehrer, ehe es ihm gelang, eine Beamtenstelle im Patentamt von Bern zu erlangen. Damit hatte er die Gelegenheit, seinen ganz eigenen Interessen nachzugehen, denn allzu anspruchsvoll war die Stelle nicht. Die f&#252;hrten schlie&#223;lich dazu, dass er in Gedankenexperimenten zu Schlussfolgerungen kam, die ein ganz neues Weltbild schufen: Unter der Voraussetzung, dass es nichts schnelleres als das Licht geben kann, gelangte er zu der Erkenntnis, dass Masse, Raum und sogar die Zeit nicht fix sind, sondern sich &#8222;relativ&#8220; ver&#228;ndern k&#246;nnen.&lt;br class='autobr' /&gt;
Einstein ver&#246;ffentlichte seine wichtigsten wissenschaftlichen Arbeiten schon im Jahr 1905, doch es dauerte einige Zeit, ehe sich seine &#8222;Theorien&#8220; weltweit durchsetzten. In den Zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts begann dann der fast absolute Ruhm Einsteins. Er wurde zu einer der ber&#252;hmtesten Personen der Welt, wenn nicht zur ber&#252;hmtesten, und das gilt bis heute. Zu dieser Zeit lebte er in Berlin, einer weltoffenen Stadt. Kulturell und wissenschaftlich brummte die deutsche Hauptstadt. Schon 1914 war Einstein dem Ruf gefolgt, unter gro&#223;z&#252;gigen Sonderbedingungen in Berlin zu forschen. So hatte er die M&#246;glichkeit zu einem fruchtbaren Austausch mit weltbekannten Pers&#246;nlichkeiten, die um die Ecke zu treffen waren. Zugleich erlebte er aber hautnah, wie die Deutschen auf ihren absoluten geschichtlichen Tiefpunkt zutrieben oder, vielleicht besser gesagt, sich treiben lie&#223;en.&lt;br class='autobr' /&gt;
Einstein setzte seinen ganzen Einfluss ein, um sich immer wieder f&#252;r den Frieden und gegen Gewalt und Krieg auszusprechen. In zahlreichen Erkl&#228;rungen wandte er sich gegen das Milit&#228;r, gegen das Abrichten von Menschen zu Soldaten, dabei auch scharf gegen den Nationalismus, wenn also das eigene Volk als etwas Besonderes herausgestellt wird, ihm gar das Recht zugesprochen wird, &#252;ber andere zu herrschen und sie zu unterdr&#252;cken. In Deutschland war Einstein daher bei vielen verhasst, denn der Nationalismus war gewisserma&#223;en &#8222;in&#8220;, die Geisteshaltung der Zeit.&lt;br class='autobr' /&gt;
Als dann Einsteins Theorien auch in Experimenten bewiesen werden konnten und er 1921 den Nobelpreis f&#252;r Physik erhielt, war sein Ruhm beinahe grenzenlos. Trotzdem blieben die Zweifler, vor allem in Deutschland. Dort suchte man gerade Schuldige am verlorenen Weltkrieg (1914-1918) und der schlimmen wirtschaftlichen Lage, die gepr&#228;gt war von Geldentwertung und Massenarbeitslosigkeit. Zum S&#252;ndenbock wurden die Juden gestempelt, die angeblich an allem Unheil in Deutschland schuld waren. Diese Sicht vertraten besonders aggressiv die Nationalsozialisten unter der F&#252;hrung von Adolf Hitler. Einstein machte man zu einem &#8222;j&#252;dischen&#8220; Wissenschaftler und stellte seinen Theorien eine &#8222;deutsche Physik&#8220; entgegen. Man st&#246;rte seine Veranstaltungen und p&#246;belte ihn an. Einstein musste um sein Leben f&#252;rchten.&lt;br class='autobr' /&gt;
Als dann die Nationalsozialisten 1933 die Herrschaft an sich rissen, hatte sich Einstein zum Gl&#252;ck rechtzeitig in Sicherheit gebracht, und zwar in den USA, wo er sein Leben hochangesehen beschloss. Bis zum Schluss setzte er sich f&#252;r eine friedliche Welt ein; f&#252;r dieses Ziel warf er seinen ganzen Einfluss als Ber&#252;hmtheit in die Waagschale. Trotzdem hatte er angesichts der deutschen Gr&#228;ueltaten seine absolute pazifistische Haltung ge&#228;ndert. Mit Blick auf das Nazi-Reich, das mit dem Zweiten Weltkrieg einen Vernichtungs- und Ausrottungskrieg f&#252;hrte, sagte er: &#8222;Gegen organisierte Macht gibt es nur organisierte Macht. Ich sehe kein anderes Mittel, so sehr ich es auch bedauere.&#8220; Folglich gab er sich auch dazu her, zum Bau der Atombombe aufzurufen, weil er meinte, man m&#252;sste den Deutschen bei dieser Erfindung zuvorkommen und ihr Terrorregime und den Krieg stoppen, um weitere Todesopfer zu vermeiden. Damit hatte sich Einstein stellvertretend f&#252;r die moderne Physik in einen moralischen Konflikt begeben: Ausgerechnet die Vertreter einer Wissenschaft, die man sich bis dahin in einem Elfenbeinturm vorstellte und die den Fortschritt und das Wohl der Menschen zum Ziel haben sollte, konnten nun zur Entwicklung der gewaltigsten Waffen in der Geschichte der Menschheit beitragen &#8211; Waffen, mit denen, wie man bald erkennen musste, die gesamte Zivilisation ausgel&#246;scht werden konnte.&lt;br class='autobr' /&gt;
Zwar bezeichnete Einstein sp&#228;ter sein Vorgehen als &#8222;gro&#223;en Fehler in seinem Leben&#8220;, doch waren die Nationalsozialisten tats&#228;chlich zu allem entschlossen und es bedurfte gewaltiger Kraftanstrengungen ihrer Kriegsgegner, erkauft mit einer Unzahl an Menschenleben, um das &#8222;Dritte Reich&#8220; zu besiegen. Au&#223;erdem hatte er auch die weitere Entwicklung nicht vorhersehen k&#246;nnen: Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zum Kalten Krieg zwischen Kapitalismus und Kommunismus, zwischen West und Ost, zwischen den Superm&#228;chten USA und UdSSR, wobei &#252;ber Jahrzehnte hinweg die Gefahr bestand, dass die Menschheit sich mit dem Einsatz der Atombombe selbst vernichten k&#246;nnte. Immer wieder rief Einstein entschieden f&#252;r den Frieden in der Welt auf.&lt;br class='autobr' /&gt;
Albert Einstein starb am 18. April 1955 in den USA, wo er nie recht heimisch geworden war, vor allem auch deswegen nicht, weil man dort im Kalten Krieg bald gegen alle B&#252;rger vorging, die irgendwie verd&#228;chtig waren, &#8222;Kommunisten&#8220; zu sein. Nach Deutschland wollte er nicht zur&#252;ckkehren. Er konnte den Deutschen nicht verzeihen, was sie seinen Glaubensbr&#252;dern angetan hatten.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href='javascript:;' class='replier_bloc'&gt;[Einklappen]&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class='cs_blocs'&gt;&lt;h4 class='blocs_titre blocs_replie blocs_click'&gt;&lt;a href='javascript:;'&gt;Bonusmaterial&lt;/a&gt;&lt;/h4&gt;&lt;div class='blocs_destination blocs_invisible blocs_slide'&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;Diese Geschichte hatte ich &#8222;eigentlich&#8220; zum Dalai Lama geschrieben ...&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h2 class=&#034;spip&#034;&gt;Karma, Buddha und Nirwana: Der Dalai Lama&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Mein Freund Martin hat mich auf die Veranstaltung mit dem Dalai Lama mitgenommen. Allerdings h&#228;tte ich nicht einfach nur mitkommen k&#246;nnen. Er hat auch die Eintrittskarten besorgt, und sie zu bekommen, war nicht so leicht. Was die &#252;berhaupt gekostet haben, will ich gar nicht erst wissen. In der Zeitung, in Radio und Fernsehen wird seit Tagen &#252;ber dieses Ereignis berichtet, fast so, als k&#228;me der Papst.&lt;br class='autobr' /&gt;
&#8222;Martin&#8220; soll ich &#252;brigens nicht mehr sagen. Bei seinem Namen unterscheidet er inzwischen. F&#252;r alles Offizielle hei&#223;t er zwar noch Martin, weil sich das nicht so leicht &#228;ndern l&#228;sst, f&#252;r seine Freunde aber seit ein paar Monaten Cintomani. Das ist Tibetisch und bedeutet &#8222;Flammende Perle&#8220; oder so &#228;hnlich. Ich darf ihn aber noch Martin nennen, weil ich sein bester Freund bin. Das hat er schon oft betont, seit er mich eingeladen hat. Dabei haben wir uns in letzter Zeit, seit er mit seinem Buddhismus angefangen hat, gar nicht mehr so oft gesehen. Nur auf der Veranstaltung soll ich ihn m&#246;glichst bei seinem neuen Namen nennen. Den kann ich mir aber schlecht merken. Ich muss immer wieder auf den Zettel schauen, den ich mir deswegen geschrieben habe.&lt;br class='autobr' /&gt;
Wir sind schon fr&#252;h in der riesigen Halle, die in meiner Vorstellung gar nicht zu dem Dalai Lama passt. F&#252;r mich geh&#246;rt er eher in eine Kirche. Die Halle ist eigentlich eine Eissporthalle und entsprechend k&#252;hl, auch k&#252;hl eingerichtet: Mit Plastiksitzen und Absperrb&#252;geln und riesigen Neonlicht-Strahlern. Jedoch hat man die ganze Halle rot gestaltet. Rot sind die Schilder, rot die vielen Teppiche, rot das Podium, wo eine Art Thron f&#252;r den Dalai Lama steht, und rot sind fast alle Menschen angezogen, die inzwischen die Halle f&#252;llen. Auch Martin tr&#228;gt seit neustem so einen roten Umhang. Ich hatte das Gef&#252;hl, dass uns die Leute deswegen in der U-Bahn komisch angeguckt haben. &#8222;Hey peace, Alter!&#8220;, sagte einer zu Martin und spreizte den Zeige- und Mittelfinger. Martin l&#228;chelte und der Mann lachte.&lt;br class='autobr' /&gt;
Wir sind extra fr&#252;h gekommen, um einen guten Platz zu haben. Aber die Halle ist schon um zehn Uhr morgens fast ganz besetzt. &#8222;Mist Martin!&#8220;, sage ich, &#8222;jetzt m&#252;ssen wir doch hinten sitzen!&#8220; Martin schaut mich an und zieht die Augenbrauen zusammen. Ich bin kurz davor, mich zu entschuldigen. Doch wei&#223; ich nicht genau, was ich vielleicht falsch gemacht habe: Ihn doch wieder Martin zu nennen oder Mist gesagt zu haben? Sonst h&#228;tte ich eigentlich Schei&#223;e gesagt. Ich muss mich auf dieser Veranstaltung besinnen, das ist mir schon klar.&lt;br class='autobr' /&gt;
Auch ich werde bald ruhig, wie alle anderen. Die meisten schweigen vor sich hin und sitzen sogar auf den Plastikst&#252;hlen im Schneidersitz. Einige rutschen aber vorsichtig hin und her und strecken sogar mal die Beine aus, auch irgendwie vorsichtig. Andere sitzen aber die ganze Zeit so da, und sie gucken auch die ganze Zeit zum Podium. Auch Martin ist bald in diesem Zustand.&lt;br class='autobr' /&gt;
Endlich erscheint der Dalai Lama. Ich h&#246;re, wie die Menschen bei seinem Auftreten tief durchatmen. Einige fangen sogar an zu weinen. Ich klatsche, wie ich das kenne, wenn man eine ber&#252;hmte Person zu sehen bekommt. Auch ein paar andere klatschen, h&#246;ren aber schnell wieder auf. Martin hebt mahnend den Finger.&lt;br class='autobr' /&gt;
Endlich spricht der Dalai Lama. Ich versuche aufmerksam zuzuh&#246;ren. Mein Englisch ist nicht so gut. Martin hebt ab und zu wieder den Finger, wenn eine Stelle besonders wichtig ist. Leider verstehe ich doch nicht so viel. Es geht um Bewusstsein, Liebe, Frieden, Erleuchtung und Freiheit, auch um &#8222;Freiheit f&#252;r Tibet&#8220;. Da wird dann doch geklatscht. Ich habe noch nie jemanden solange reden geh&#246;rt. Mir tut alles weh.&lt;br class='autobr' /&gt;
Als der Dalai Lama mal schweigt, atmen alle tief durch. Manche &#246;ffnen auch erst die Augen. Ich hatte eigentlich gedacht, sie w&#228;ren eingeschlafen. Ich hoffe auf eine Pause, da f&#228;ngt der Dalai Lama wieder an zu reden, noch langsamer als vorher, und diesmal auf Tibetisch, was nun von einer anderen Person ins Englische &#252;bersetzt wird. Ich h&#246;re, dass die Meditation beginnt. Martin zieht seine Beine noch st&#228;rker an, indem er die F&#252;&#223;e mit den H&#228;nden festh&#228;lt. Ich versuche mich zu strecken, wie heimlich.&lt;br class='autobr' /&gt;
Immer neue Worte dringen nun an mein Ohr, im immer gleichen Tonfall, ohne Schreien, ohne Fl&#252;stern, ohne hohe, ohne tiefe Stimme. Um mich herum murmeln viele vor sich hin. Das tue auch ich irgendwann, allerdings eher, um &#252;berhaupt irgendetwas zu tun. Ich versuche krampfhaft, den Blick auf meine Armbanduhr zu vermeiden. Es scheint Stunden zu dauern, ehe die n&#228;chste Minute angezeigt wird. Ich h&#246;re in der Stimme des Dolmetschers st&#228;ndig Worte wie &#8222;Leiden&#8220;, &#8222;Geist&#8220;, &#8222;Gef&#252;hl&#8220;, &#8222;Pfad&#8220;, &#8222;Erleuchtung&#8220;, &#8222;Weisheit&#8220;, dazu wieder und wieder &#8222;Karma&#8220;, &#8222;Buddha&#8220; und &#8222;Nirwana&#8220;.&lt;br class='autobr' /&gt;
Irgendwann, als alle mal wieder durchatmen, schleiche ich mich aus der Halle und gehe aufs Klo. Auch andere bewegen sich dorthin, wie auf Zehenspitzen. Sie sehen erleichtert aus. Wahrscheinlich befinden sie sich schon in dem Schwebezustand, von dem mir Martin vorgeschw&#228;rmt hat. Den w&#252;rde man erreichen, wenn man dem Dalai Lama in seinen Worten folgt. Ich habe inzwischen Hunger, finde aber keinen Essensstand. So trinke ich aus der Wasserleitung, wie andere auch.&lt;br class='autobr' /&gt;
Anschlie&#223;end &#252;berlege ich stark, ob ich wieder in die Halle zur&#252;ckgehen soll. Ich tue es dann doch, weil ich mir sage, Martin soll nicht das viele Geld f&#252;r mich umsonst ausgegeben haben. Er hat meine Abwesenheit anscheinend gar nicht bemerkt. Er bewegt nur immer leicht den Oberk&#246;rper hin und her und murmelt, wie das nun auch der Dalai Lama tut. Noch einmal versuche ich mich zu konzentrieren. Lautes Murmeln verk&#252;ndigt mir dann, dass etwas Neues geschieht: Der Dalai Lama ist aufgestanden und geht sich verbeugend aus der Halle. Ich schaue auf die Uhr: Zwei Stunden fehlen mir.&lt;br class='autobr' /&gt;
Mit Martin, der nun immer leicht grinst, verlasse ich nach einer weiteren halben Stunde ebenfalls die Halle. Wir reden nicht viel. Auf dem Weg nach Hause vertiefe ich mich in der U-Bahn noch in einige der Informationsschriften, die da &#252;berall auslagen. Ich erfahre noch viel: &#220;ber den Kampf der Tibeter f&#252;r ihr Land, &#252;ber das Prinzip des Buddhismus und immer wieder &#252;ber das Leben &#8222;seiner Heiligkeit&#8220;.&lt;br class='autobr' /&gt;
Martin fragt mich noch, ehe ich aussteige, ob es mir gefallen hat. Ich antworte &#8222;Ja!&#8220; und erkenne noch, ehe die T&#252;ren sich schlie&#223;en und der Zug wieder abf&#228;hrt, dass ich damit wohl keine Antwort im Sinne des Dalai Lama gegeben habe. Denn der wird immer genau die Wahrheit sagen. Ich wei&#223; aber noch nicht einmal, ob ich Martin je wiedersehen werde.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;Es erscheint wie ein besonderes Zeichen, dass sich so viele Vertreter der westlichen Kultur von einem Oberhaupt des Buddhismus, dem Dalai Lama, &#252;ber alle Ma&#223;en angezogen f&#252;hlen. Die Wohlstandskinder folgen einem Weg, dessen Ziel die v&#246;llige Leere sein soll. Der Buddhismus verspricht die Reinigung der Seele im Schnellkurs. Jeder ist f&#252;r sich selbst verantwortlich und kann in einer Vielzahl von &#8211; meist teuren - Kursen lernen, wie man abschaltet. Keine andere Religion boomt in Europa und Nordamerika so sehr.&lt;br class='autobr' /&gt;
Dabei ist der Buddhismus eigentlich schwer zu verstehen, auch wenn seine Grundz&#252;ge leicht erscheinen: Es gibt keinen Gott, keinen Sohn Gottes, keinen Heiligen Geist, keine Urs&#252;nde, kein J&#252;ngstes Gericht, keine Auferstehung, kein Paradies und keine H&#246;lle. Stattdessen lautet die Botschaft des Buddhismus, dass der Mensch wiedergeboren wird, und zwar immer wieder, wobei das Leben Leiden ist, hervorgerufen durch Begierden. Die gilt es zu &#252;berwinden, um so dem Kreislauf der Wiedergeburten zu entkommen und hoffentlich das Nirwana zu erreichen, den Ort des dauerhaften Gl&#252;cks oder schlicht der v&#246;lligen Leere. Dazu ist es n&#246;tig, in jedem neuen Leben auf eine h&#246;here Ebene zu gelangen, was durch gute Taten, durch Meditation oder das Lesen heiliger Texte gelingen kann. Gr&#252;nder dieser Religion war Siddharta Gautama, ein indischer Prinz, der vor &#252;ber 2500 Jahren lebte und den man den Buddha nannte, den &#8222;Erwachten&#8220;.&lt;br class='autobr' /&gt;
Wie in jeder Religion gibt es auch im Buddhismus verschiedene Richtungen. Im Westen ist die bekannteste der tibetische Buddhismus mit dem Oberhaupt des Dalai Lama. Diese Richtung ist in ihren Formen freilich so kompliziert, dass sie selbst viele Eingeweihte nicht verstehen. Es gibt etwa ein wichtiges Ritual, das Kalachakra hei&#223;t und sich &#252;ber Stunden hinzieht, wobei immer wieder verschl&#252;sselte tibetische Glaubensformeln gesprochen werden.&lt;br class='autobr' /&gt;
Der Dalai Lama ist eine wirklich ausgew&#228;hlte Pers&#246;nlichkeit. &#8222;Dalai Lama&#8220; ist wie &#8222;Papst&#8220; nur der Titel einer entsprechenden Person und bedeutet &#8222;ozeangleicher Lehrer&#8220;. Der Dalai Lama ist angeblich dem Kreislauf der Wiedergeburten bereits entronnen und nur deswegen wieder als Mensch erschienen, um anderen zu helfen. Heutzutage ist damit Tenzin Gyatso gemeint. Er wurde am 6. Juli 1935 geboren und als kleines Kind zum Dalai Lama bestimmt. Nach der Tradition erkannten ihn bedeutende M&#246;nche anhand bestimmter Zeichen.&lt;br class='autobr' /&gt;
Tenzin Gyatso wurde entsprechend ausgebildet und h&#228;tte wohl lebenslang sein Land Tibet gef&#252;hrt, das allerdings eine Diktatur von M&#246;nchen war. Er selbst hatte hundert Sklaven als pers&#246;nliche Diener. Zu dieser Zeit befand sich Tibet in einem mittelalterlichen Zustand. Seit Jahrhunderten hatte sich dort nichts ge&#228;ndert. Die Mehrheit der Bev&#246;lkerung hatte keine Rechte. Es herrschte Leibeigenschaft und tats&#228;chlich noch Sklaverei. Viele Menschen hungerten und mussten mangels medizinischer Hilfe an den einfachsten Krankheiten sterben. Dabei drohten ihnen f&#252;r jede Form des Widerstands grausame Strafen. In jedem Kloster wurde gefoltert. Die Lebenserwartung betrug im Schnitt 35 Jahre. Die Rolle jedes einzelnen Menschen war auch durch den Buddhismus festgelegt: Demnach hatte derjenige, der Diener war, in seinen fr&#252;heren Leben noch keine h&#246;here Stufe erreicht.&lt;br class='autobr' /&gt;
Angesichts dieser Situation eroberte 1950 die chinesische Armee das Land. Die Chinesen gingen, gem&#228;&#223; ihrem Glauben an den Kommunismus, radikal gegen die M&#246;nche vor. In dieser Situation fl&#252;chtete Tenzin Gyatso 1959 aus Tibet und lie&#223; sich im benachbarten Indien im S&#252;den des Himalaja nieder. Von dort unterst&#252;tzte er zun&#228;chst den gewaltsamen Widerstand seiner Landsleute, unterst&#252;tzt von den USA, die an vorderster Front gegen den Kommunismus k&#228;mpften. Angesichts eines &#252;berm&#228;chtigen Gegners verschlimmerte das aber nur die Lage der Tibeter: Tausende kamen ums Leben oder verlie&#223;en ihre Heimat. Zur Befreiung seines Landes setzte der Dalai Lama schlie&#223;lich auf die Gewaltlosigkeit, obwohl dies nicht alle seine Landsleute befolgen wollen. 1989 erhielt er sogar den Friedensnobelpreis, wobei bis heute nicht deutlich wird, welches seine besonderen Ideen f&#252;r den Frieden sind.&lt;br class='autobr' /&gt;
Ob Tenzin Gyatso selbst je wieder nach Tibet zur&#252;ckkehren wird, ist ungewiss. F&#252;r die Chinesen steht er f&#252;r ein &#8222;freies Tibet&#8220;, das nicht erw&#252;nscht ist, weil sie dadurch die Einheit ihres Landes bedroht sehen. Au&#223;erdem wehren sie sich gegen die Einmischung des Westens in ihre Politik. So ist es auch fraglich, ob die besondere Form des tibetischen Buddhismus weiter bestehen wird. Immerhin muss nach dem Tod von Tenzin Gyatso abermals ein Dalai Lama in Tibet gefunden werden. Bis dahin aber wird der lebende Dalai Lama besonders den sinnsuchenden Menschen des Westens ein Religionsersatz sein.&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href='javascript:;' class='replier_bloc'&gt;[Einklappen]&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
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<item xml:lang="de">
		<title>Berlin Berlin</title>
		<link>https://www.andreas-venzke.de/bucher/bucher-fur-jugendliche/article/berlin-berlin</link>
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		<dc:date>2014-02-24T20:47:36Z</dc:date>
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		<dc:language>de</dc:language>
		<dc:creator>Andreas Venzke</dc:creator>



		<description>
&lt;p&gt;Arena-Verlag, W&#252;rzburg 2011 &lt;br class='autobr' /&gt;
Die moderne Geschichte Berlins und damit Deutschlands literarisch in Kurzgeschichten erz&#228;hlt, begleitet von Sachteilen - eine Herausforderung! &lt;br class='autobr' /&gt; Besprechungen &lt;br class='autobr' /&gt;
&#034;Weder Stadtf&#252;hrer noch Stadtgeschichte steht Berlin dennoch im Zentrum &#8211; als Hauptstadt, geteilte und wiedervereinigte Stadt. W&#228;hrend die treffend ausgew&#228;hlten und analytisch fundierten Sachkapitel Hintergr&#252;nde und Folgen der &#246;konomischen, sozialen und politischen Entwicklungen beschreiben, machen die (&#8230;)&lt;/p&gt;


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&lt;a href="https://www.andreas-venzke.de/bucher/bucher-fur-jugendliche/" rel="directory"&gt;B&#252;cher f&#252;r Jugendliche&lt;/a&gt;


		</description>


 <content:encoded>&lt;img src='https://www.andreas-venzke.de/sites/venzke/local/cache-vignettes/L105xH150/arton46-6df34.jpg?1678947063' class='spip_logo spip_logo_right' width='105' height='150' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;h2 class=&#034;spip&#034;&gt;Arena-Verlag, W&#252;rzburg 2011&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Die moderne Geschichte Berlins und damit Deutschlands literarisch in Kurzgeschichten erz&#228;hlt, begleitet von Sachteilen - eine Herausforderung!&lt;/p&gt;
&lt;div class='cs_blocs'&gt;&lt;h4 class='blocs_titre blocs_replie blocs_click'&gt;&lt;a href='javascript:;'&gt;Besprechungen&lt;/a&gt;&lt;/h4&gt;&lt;div class='blocs_destination blocs_invisible blocs_slide'&gt;
&lt;p&gt;&#034;Weder Stadtf&#252;hrer noch Stadtgeschichte steht Berlin dennoch im Zentrum &#8211; als Hauptstadt, geteilte und wiedervereinigte Stadt. W&#228;hrend die treffend ausgew&#228;hlten und analytisch fundierten Sachkapitel Hintergr&#252;nde und Folgen der &#246;konomischen, sozialen und politischen Entwicklungen beschreiben, machen die Erz&#228;hlungen das Lebensgef&#252;hl in Berlin und die Auswirkungen auf den Einzelnen erlebbar. Venzke gelingt diese sich erg&#228;nzende Kombination ausgezeichnet. Manko ist allenfalls die wenig anschauliche Gestaltung als reiner Flie&#223;text mit Schwarz-Wei&#223;-Illustrationen sowie fehlende Hinweise auf weiterf&#252;hrende Literatur. Der Titel &#252;berzeugt durch Pr&#228;gnanz, leichte Verst&#228;ndlichkeit sowie einen spannenden, bewegenden Stil. Das solide, in seiner Art und f&#252;r die Zielgruppe konkurrenzlose Lesebuch eignet sich hervorragend f&#252;r Menschen ab 12.&#034;&lt;br class='autobr' /&gt;
&lt;i&gt;Thomas Sch&#252;tzenberger, ekz-bibliotheksservice&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#034;Entstanden ist ein Lesebuch f&#252;r die ganze Familie.&#034;&lt;br class='autobr' /&gt;
&lt;i&gt;Familie &amp; Co&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#034;Ein Buch, das alle Jugendlichen lesen sollten. Ein Buch, das manche &#196;ltere nicht lesen wollen.&#034;&lt;br class='autobr' /&gt;
&lt;i&gt;Rudolf van Nahl, Alliteratus&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#034;Kann ein Stadtf&#252;hrer spannend sein? Ja, er kann es. Kann er auch lustig sein? Ja, kann er. Ist er informativ, ziemlich umfassend, subjektiv und trotzdem ziemlich ehrlich, lesbar, kurzweilig ... ja ja, all das ist dieses Buch. [...] Selten war ein Stadtf&#252;hrer kurzweiliger und f&#252;r Jugendliche angemessener.&#034;&lt;br class='autobr' /&gt;
&lt;i&gt;Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#034;Zu Beginn reitet noch ein Kaiser Unter den Linden, zum Schluss traben 40000 Marathonl&#228;ufer durch das wiedervereinigte Berlin. 14 Geschichten aus der Hauptstadt erg&#228;nzt Andreas Venzke mit knappen, aber guten Sachkapiteln &#8211; 50 Jahre nach dem Mauerbau ein vielf&#228;ltiges Kaleidoskop &#252;ber die spannendste Stadt Deutschlands.&#034;&lt;br class='autobr' /&gt;
&lt;i&gt;Focus-Schule Nr. 4/2011&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href='javascript:;' class='replier_bloc'&gt;[Einklappen]&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class='cs_blocs'&gt;&lt;h4 class='blocs_titre blocs_replie blocs_click'&gt;&lt;a href='javascript:;'&gt;Leseprobe&lt;/a&gt;&lt;/h4&gt;&lt;div class='blocs_destination blocs_invisible blocs_slide'&gt;&lt;h2 class=&#034;spip&#034;&gt;Gespr&#228;ch in der Stille&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;&#034;Wann kommt die n&#228;chste Maschine? Es kommt doch immer die n&#228;chste Maschine! Wie lange fliegen die jetzt schon? Wann haben sie damit angefangen, die Amis?&#034;&lt;br class='autobr' /&gt;
&#034;Am 24. Juni ...&#034;&lt;br class='autobr' /&gt;
&#034;Ja, ich wei&#223;: Am 24. Juni 1948. Heute ist der 19. April 1949, ha, ein Tag vor dem wichtigsten Feiertag, den wir hatten.&#034;&lt;br class='autobr' /&gt;
&#034;H&#246;r auf damit! Wir k&#246;nnen froh sein, ...&#034;&lt;br class='autobr' /&gt;
&#034;Also wie lange fliegen sie schon? Seit 10 Monaten, seit, Moment, wieville Wochen sind das?&#034;&lt;br class='autobr' /&gt;
&#034;Vierzig ...&#034;&lt;br class='autobr' /&gt;
&#034;Genau, seit 40 Wochen, jeden Tag, alle drei Minuten ein Flugzeug. Aber warum kommt jetzt keine neue Maschine? Sie sind doch immer geflogen. Wo bleibt denn die n&#228;chste? Die Amis werden doch nicht -!&#034;&lt;br class='autobr' /&gt;
&#034;Bleib mal ruhig! So musst du dich auch nicht aufregen! Da wird schon wieder ...&#034;&lt;br class='autobr' /&gt;
&#034;Wer wei&#223;, was hinter den Kulissen gespielt wird? Wie sollen denn die Amis eine ganze Stadt auf Dauer aus der Luft versorgen? W&#252;rden sie diese Insel auch noch verteidigen, vielleicht mit Panzern? Nein, das k&#246;nnten sie nicht. Andererseits: Das w&#252;rde auch Krieg bedeuten.&#034;&lt;br class='autobr' /&gt;
&#034;Der ist ja nun zum Gl&#252;ck ...&#034;&lt;br class='autobr' /&gt;
&#034;So weit ist der Ivan doch nicht gegangen, den Westen von Berlin einfach zu besetzen. Aber die Verbindungswege kappen, das k&#246;nnen die nat&#252;rlich. Das haben sie sich sch&#246;n ausgedacht. Wie hamse jesagt: 'Die Transportabteilung der sowjetischen Milit&#228;rverwaltung sah sich gezwungen, aufgrund technischer Schwierigkeiten den Verkehr aller G&#252;ter- und Personenz&#252;ge von und nach Berlin morgen fr&#252;h, sechs Uhr, einzustellen.' Technische Schwierigkeiten! In der Nacht war pl&#246;tzlich zappenduster, als sie das Kraftwerk Zschornewitz abgeschaltet haben. Wo bleibt denn nur die n&#228;chste Maschine?&#034;&lt;br class='autobr' /&gt;
&#034;Wenn wieder eine abgest&#252;rzt ...&#034;&lt;br class='autobr' /&gt;
&#034;Jetzt iss schon zehn Minuten rum und nischt iss zu h&#246;ren! Dass die Amis uns &#252;berhaupt helfen &#8211; vier Jahre nach dem Krieg, wo sie eifrig mitgeholfen haben, unsere St&#228;dte in Schutthaufen zu verwandeln! Na ja, aber wir hatten nun mal den ollen Hitler. Aber war das unsere Schuld? H&#228;tten wir wissen k&#246;nnen, was der im Schilde f&#252;hrt? Wir Kleenen ham doch sowieso nichts gewusst! Oder? War doch so?&#034;&lt;br class='autobr' /&gt;
&#034;Du hast schon ...&#034;&lt;br class='autobr' /&gt;
&#034;Von den gro&#223;en Schweinereien, wat hamwa da jewusst? Nischt! Aber wenn der Ivan hier doch das Sagen kriegt?&#034;&lt;br class='autobr' /&gt;
&#034;Da ginge es einigen aber schlecht von uns, richtig schlecht. Ich m&#246;chte nicht wissen, wie viele hier Dreck am Stecken haben, die da im Osten gek&#228;mpft haben. Was allein mit den Juden passiert ist! Du musst auch ...&#034;&lt;br class='autobr' /&gt;
&#034;Klappe halten! &#8211; hei&#223;t es da besser! Der Ivan macht ja da keinen gro&#223;en Unterschied! Die schicken auch die kleinen Helferlein aufs Schafott, oder ab nach Sibirien!&#034;&lt;br class='autobr' /&gt;
&#034;Aber im Westen lassen sie pl&#246;tzlich alle laufen! Wenn ich sehe, wer hier schon wieder alles auf der Beh&#246;rde sitzt! Auf einmal sind das alles Demokraten! Hauptsache, bei dir ...&#034;&lt;br class='autobr' /&gt;
&#034;Wir m&#252;ssen ja jetzt auch bezahlen, richtig teuer. Wie geht es uns denn? Nichts zum Heizen, nichts zum Futtern! Aber die Amis zeigen, dass sie uns nicht im Stich lassen. Wenn nur verdammt noch mal endlich die n&#228;chste Maschine zu h&#246;ren w&#228;re!&#034;&lt;br class='autobr' /&gt;
&#034;Wenn in dem ganzen Ablauf einer mal ausrutscht, rei&#223;t der alle mit. Es muss ja nur auf der Startpiste in Wiesbaden ein Flugzeug liegen bleiben, dann ...&#034;&lt;br class='autobr' /&gt;
&#034;Die Amis k&#246;nnen organisieren, doch, das k&#246;nnen sie! Da k&#246;nnen sogar wir uns noch ein Scheibchen abschneiden. Wenn da beim Adolf nur nicht so viel bestochen worden w&#228;re!&#034;&lt;br class='autobr' /&gt;
&#034;Red doch nicht mehr so! Manchmal habe ich das Gef&#252;hl, du denkst immer noch ...&#034;&lt;br class='autobr' /&gt;
&#034;Nein! Wir wollen doch nun auch so sein wie die, mit der Demokratie und so. Anders haben wir sowieso keine Chance mehr in der Welt. Wie lange wird das wohl dauern, ehe das mit dem Krieg vergessen ist? Da ist es fast wie ein Wunder, dass die Amis uns nicht dem Wolf zum Fra&#223; vorwerfen. Na ja, ein Wunder nicht. Die haben ja jetzt ihren neuen Feind. Aber was sollen wir denn machen, wenn die uns trotzdem aufgegeben haben und der Russe hier Kasatschok tanzt? Warum zum Teufel kommt die n&#228;chste Maschine nicht?&#034;&lt;br class='autobr' /&gt;
&#034;Die kommt schon! Bleib jetzt man auf dem Teppich! Au&#223;erdem warst du auf jeden Fall in Kriegsgefangenschaft, bei den Amis, das hast du ja schriftlich! Das sch&#252;tzt dich schon mal. Was du davor genau gemacht hast, das k&#246;nnen die ja nicht so leicht ...&#034;&lt;br class='autobr' /&gt;
&#034;C54, klasse Maschinen! Wie beruhigend ihr Brummen klingt. Vier Sternmotoren mit je 1500 PS! Das sind schon tolle Kisten. Dass die Amis das alles &#252;ber den Teich geschippert haben! Unglaublich! Da konnten wir nie den Krieg gewinnen! Solche Verb&#252;ndete brauchen wir, nicht diese Sowjets, wie sie genannt werden wollen! Wei&#223;t du, die haben hier wirklich Wasserh&#228;hne aus der Wand gedreht, um die zu Hause einzuschrauben und darauf zu warten, dass wieder Wasser rauskommt.&#034;&lt;br class='autobr' /&gt;
&#034;Von wem hast du das? Das kann doch nie einer in Wirklichkeit ...&#034;&lt;br class='autobr' /&gt;
&#034;Das haben sie doch &#252;berall erz&#228;hlt! Das passt doch genau! Mit Panjewagen waren sie unterwegs, mit Pferdekutschen! Wo bleibt nur die n&#228;chste Drecksmaschine? Wie viel Zeit ist denn schon vergangen?&#034;&lt;br class='autobr' /&gt;
&#034;Viertelstunde! Fang jetzt nicht an auszu...&#034;&lt;br class='autobr' /&gt;
&#034;Verdammte Schei&#223;e! Ich habe keine Lust auf ein Strafgericht beim Ivan! Da zaubern die pl&#246;tzlich Beweise hervor, die keiner pr&#252;fen kann! Ich habe ja auch nur Befehlen gefolgt. Wer beim Adolf nicht wollte, den haben sie doch &#8211; ruckzuck ging das! Du wei&#223;t doch, wie das war!&#034;&lt;br class='autobr' /&gt;
&#034;Von dem Kruppke wei&#223; ich, dass der ...&#034;&lt;br class='autobr' /&gt;
&#034;Ich habe keine Lust auf den Strick. Ich will nicht nach Sibirien. Warum bleibt es so still? Wieso kommt denn der verdammte Ami nicht? &#8211; Da! H&#246;rst Du das? H&#246;rst du das Brummen? Es wird lauter. H&#246;rst du das? Ja, es ist wieder da! Es geht weiter. Das ist die C54. So klingt das s&#252;&#223;e Lied der Freiheit. Jetzt werden die Motoren gedrosselt. H&#246;rst du? Jetzt geht die Maschine in den Sinkflug. Da, es wird leiser. Sie hat aufgesetzt. Wir sind gerettet!&#034;&lt;br class='autobr' /&gt;
&#034;Du bist gerettet&#034;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href='javascript:;' class='replier_bloc'&gt;[Einklappen]&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;
		
		</content:encoded>


		

	</item>
<item xml:lang="de">
		<title>Gasparan</title>
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		<dc:language>de</dc:language>
		<dc:creator>Andreas Venzke</dc:creator>



		<description>
&lt;p&gt;Benziger-Verlag, Z&#252;rich 1996 &lt;br class='autobr' /&gt;
Eine Wahnsinnsgeschichte, auf die ich da als junger Mann gesto&#223;en war. Das Schicksal dieses Gasparan hat mich bis heute begleitet ... &lt;br class='autobr' /&gt;
Besprechungen &lt;br class='autobr' /&gt;
&#034;Andreas Venzke, 35, angesehener Kolumbus- und Gutenberg-Biograph und mithin Experte f&#252;r Seefahrt und Schwarze Kunst, grub, wo sonst, auf einem Speicher so ein Geheimnis aus: das Tagebuch eines Deutschen, der hundert Jahre nach Kolumbus nach Amerika segelte. Er war an Bord der &#034;Defiance&#034;, mit der Englands (&#8230;)&lt;/p&gt;


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&lt;a href="https://www.andreas-venzke.de/bucher/bucher-fur-erwachsene/" rel="directory"&gt;B&#252;cher f&#252;r Erwachsene&lt;/a&gt;


		</description>


 <content:encoded>&lt;img src='https://www.andreas-venzke.de/sites/venzke/local/cache-vignettes/L103xH150/arton45-146f6.jpg?1678947063' class='spip_logo spip_logo_right' width='103' height='150' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;Benziger-Verlag, Z&#252;rich 1996&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine Wahnsinnsgeschichte, auf die ich da als junger Mann gesto&#223;en war. Das Schicksal dieses Gasparan hat mich bis heute begleitet ...&lt;/p&gt;
&lt;div class='cs_blocs'&gt;&lt;h4 class='blocs_titre blocs_replie blocs_click'&gt;&lt;a href='javascript:;'&gt;Besprechungen&lt;/a&gt;&lt;/h4&gt;&lt;div class='blocs_destination blocs_invisible blocs_slide'&gt;
&lt;p&gt;&#034;Andreas Venzke, 35, angesehener Kolumbus- und Gutenberg-Biograph und mithin Experte f&#252;r Seefahrt und Schwarze Kunst, grub, wo sonst, auf einem Speicher so ein Geheimnis aus: das Tagebuch eines Deutschen, der hundert Jahre nach Kolumbus nach Amerika segelte. Er war an Bord der &#034;Defiance&#034;, mit der Englands See-Held Sir Francis Drake zur letzten Piratentour nach Panama pirschte, gierig nach spanischen Gold-Galeonen. Heinrich Hasebeck hei&#223;t der Deutsche, ein gl&#228;ubiger, belesener Simplizius aus L&#252;beck, und unter seiner Feder wird der Heroe Drake zum drachenhaften Hasardeur, das Leben an Bord zur H&#246;lle und die christliche Seefahrt zur Teufelei. Vom Gelbfieber gef&#228;llt, sinkt Drake schlie&#223;lich (1596) in einem Bleisarg auf den Meeresgrund; Heinrichs packender Grauens-Report, eine Geschichte von unten, &#252;berlebte - [...]&#034;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;Fritz Rumler&lt;br class='autobr' /&gt;
Spiegel-Extra, 4/1996&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#034;[...] schon ist der Leser am Ende des 16. Jahrhunderts angelangt, als Francis Drake, der englische Pirat im Auftrag der Krone, in die Karibik auf Kaperfahrt f&#228;hrt. Mit dabei sind der Tagebuchschreiber, die L&#252;becker Heinrich Hasebeck, der an Bord gepre&#223;t wurde, und ein weiterer deutscher Seemann namens Gasparan. Hasebeck, der stumm ist, nutzt das Tagebuch f&#252;r seine pers&#246;nlichen Zweigespr&#228;che, f&#252;r die Schilderung der Fahrten, der Menschen an Bord, der K&#228;mpfe, der Lebensumst&#228;nde, usw. Mit diesem doppelten Kunstgriff erz&#228;hlt Andreas Venzke gleich mehrere Geschichten auf einmal.&#034;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;Westf&#228;lische Nachrichten&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#034;Ein von verbl&#252;ffenden seem&#228;nnischen Details durchtr&#228;nktes, figurenreiches, spannendes Buch, in dem die Mitschrift eines kleinen Matrosen einen M&#228;chtigen der Geschichte frappierend entlarvt.&#034;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;Rainer Wochele&lt;br class='autobr' /&gt;
Stuttgarter Zeitung&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#034;Sehr spannend,lehrreich,ern&#252;chternd.&lt;br class='autobr' /&gt;
Vorliegendes Buch, spannend geschrieben, f&#252;hrt uns auf eine eher ungew&#246;hnliche Weise, an der Seite eines ungew&#246;hnlichen &#034;Helden&#034;, in eine Zeit, in der Bl&#246;dheit, Arroganz, Selbst&#252;bersch&#228;tzung und viehische Grausamkeit nur zu gew&#246;hnlich waren. Irgendwie modern, nicht wahr? Das Best&#252;rzende daran ist, dass das absolut Negative in diesem Buch Sir Francis Drake ist, ein Held und Vorbild f&#252;r viele Generationen, meiner einschliesslich. Es ist nicht leicht als Fan von C.S.Forrester mitanzusehen, wie ein Idol vom Podest geschmissen und auf sein menschlisches Mass gestutzt wird. Er ist arg klein geworden. Das, was im Gegenzug Bewunderung, aber auch Unverst&#228;ndnis aus heutiger Sicht hervorruft, ist die fast unbegrenzte Leidensf&#228;higkeit der Menschen in einer Zeit, die schon &#252;ber die dumpfe Kritiklosigkeit des Mittelalters hinaus ist. Erleichtert legt man das Buch zur Seite, mit dem guten Gef&#252;hl, dass heute in modernen Zeiten kein Mensch mehr zum Massenidol und Verf&#252;hrer werden kann. Wer lacht da so h&#228;misch?&#034;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;i&gt;Kommentar in &#034;Amazon&#034; von klingenb&lt;span class='mcrypt'&gt; &lt;/span&gt;cu.lu aus Luxemburg&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href='javascript:;' class='replier_bloc'&gt;[Einklappen]&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class='cs_blocs'&gt;&lt;h4 class='blocs_titre blocs_replie blocs_click'&gt;&lt;a href='javascript:;'&gt;Leseprobe&lt;/a&gt;&lt;/h4&gt;&lt;div class='blocs_destination blocs_invisible blocs_slide'&gt;&lt;h2 class=&#034;spip&#034;&gt;Anfang:&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Hier die erste Seite des Original-Manuskripts:&lt;/p&gt;
&lt;div class='spip_document_76 spip_document spip_documents spip_document_image spip_documents_left spip_document_left spip_document_avec_legende' data-legende-len=&#034;39&#034; data-legende-lenx=&#034;x&#034;
&gt;
&lt;figure class=&#034;spip_doc_inner&#034;&gt; &lt;img src='https://www.andreas-venzke.de/sites/venzke/local/cache-vignettes/L371xH529/miller2-78ecb.jpg?1678910219' width='371' height='529' alt='' /&gt;
&lt;figcaption class='spip_doc_legende'&gt; &lt;div class='spip_doc_titre crayon document-titre-76 '&gt;&lt;strong&gt;Gasparan: Originalmanuskript 1. Seite
&lt;/strong&gt;&lt;/div&gt; &lt;/figcaption&gt;&lt;/figure&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Freitag, den 29. August [8. September] 1595&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gro&#223;artig, wenn man frei sprechen kann! Sie haben mir nicht viel gelassen, die Schlepper, als sie mich am letzten Sonntag, an einem Sonntag ausgerechnet, mit sich zerrten. Pilgrim's Rest hie&#223; das Gasthaus, wo sie mich ergriffen hatten. Aber was tut das jetzt noch zur Sache? Aus meinem Beutel haben sie sich genommen, was sie f&#252;r wertvoll hielten, die paar M&#252;nzen, die ich bei mir hatte, meine Sonnenuhr, nur handtellergro&#223;, die f&#252;r die Zeitmessung an verschiedenen Orten Europas ausgelegt war, oder auch meinen im Stalhof ausgestellten Ausweis. Was sie mir gelassen haben, sind andere Dinge, n&#228;mlich das B&#252;chlein, das ich gerade bei mir hatte - die englische Ausgabe des Psalters -, auch mein Schreibrohr, mein gef&#252;lltes Tintenf&#228;&#223;lein und vor allem dieses Heft leerer Seiten, in das ich jetzt schreibe. Nie w&#252;rden diese Menschenr&#228;uber einen Fu&#223; in die L&#228;den der Stationers entlang Pater-Noster-Row oder St. Paul's Church-Yard setzen, der auf Papier spezialisierten, besseren Kr&#228;mer. H&#228;tten sie gewu&#223;t, da&#223; dieses Heft aus italienischem Papier weit gr&#246;&#223;eren Wert hat als die paar Pennies, die sie mir gestohlen haben - sie h&#228;tten es mir genommen, wie sie mir sogar den Ring meines Vaters abzogen. So werden eben die Unwissenden f&#252;r ihre Unwissenheit bestraft.&lt;br class='autobr' /&gt;
Wie entlastend es ist, da&#223; ich mich hier ausbreiten kann! Unter Deck wurden wir gehalten wie Schweine im Koben. Speisen und Getr&#228;nke, das hei&#223;t, Brot und Wasser, seilte man zu uns hinab. Anderes durften wir solange bei uns behalten, bis an Deck endlich jemand dazu befohlen wurde, den entsprechenden Eimer hochzuziehen. In dieser Zeit der Tr&#252;bsal habe ich mir einen Plan zurechtgelegt. Mag sein, da&#223; er nur als Rettungsanker dient. Trotzdem verspricht er Sicherheit. Auf dieser Fahrt, wohin sie auch f&#252;hren wird, will ich Zwiesprache mit diesem Heft halten. Ich will mich nicht weiter fragen, wozu es n&#252;tze. Immerhin kann es nicht sinnlos sein, die Gedanken festzuhalten.&lt;br class='autobr' /&gt;
Am Mittwoch morgen pre&#223;ten sie mich aufs Schiff. - Es sieht so aus, als m&#252;&#223;te ich f&#252;r heute schon wieder abbrechen. Ein gewisser Bodenham hat begonnen, alle aufzuscheuchen, die unt&#228;tig an Bord herumstehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Samstag, den 30. August [9. September] 1595&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nachdem sich die Ausfahrt in Plymouth wegen widrigen Wetters lange - leider um Tage - verz&#246;gert hatte, greift der Wind nun in die Segel. Wir machen gute Fahrt, und kaum sind Arbeiten zu tun.&lt;br class='autobr' /&gt;
Seit der Ausfahrt k&#246;nnen wir uns frei bewegen, das hei&#223;t, in den Grenzen, wie sie den einfachen Seeleuten gesteckt sind. Zwar l&#228;&#223;t sich auf See f&#252;r die Herrschaften nicht vermeiden, noch jeden Tag auf das geringe Volk zu sto&#223;en, doch wird auch ein solcher Raum aufgeteilt. Eustace Abbot hei&#223;t der Seemann, der in unserem Verlies wie nebenbei sagte, nachdem einer unter uns angek&#252;ndigt hatte, den Gentlemen an den Kragen zu gehen: &#034;Es bekommt dir besser, an deinem als am Hinterteil eines Schiffes zu r&#252;hren. Deines wird immer tief-, ihres immer hochgelegen sein! Das Beste ist, sich sauber zu halten.&#034;&lt;br class='autobr' /&gt;
So &#246;ffneten sich gestern die Luken unseres Gef&#228;ngnisses, und so sind wir nun frei, oder unser Gef&#228;ngnis hat sich vergr&#246;&#223;ert. Immerhin brauchen wir keine Gitter mehr. Und will man sich auf dem endlosen Wasser weiterhin eingesperrt f&#252;hlen, k&#246;nnte vielleicht die Vorstellung beruhigen, da&#223; unsere W&#228;rter mit einsitzen. Jedenfalls unterscheiden wir uns jetzt nicht mehr von den M&#228;nnern, die auf diese Fahrt nicht k&#246;rperlich gezwungen wurden. W&#228;hrend die Herrschaften ihren Ruhm haben, die Soldaten ihren Einsatzbefehl, haben die einfachen Seeleute nur ihren st&#228;ndigen Hunger, der sie an Bord der Schiffe treibt. Aber selbst der Hunger reicht nicht aus, eine Flotte so gro&#223; wie diese zu bemannen. Siebenundzwanzig Schiffe habe ich gez&#228;hlt. Also treibt einige der Matrosen besonders der Durst an Bord, besser, die Folgen des Durstes. Ausgen&#252;chtert finden sie sich schlie&#223;lich auf einem Schiff wieder. Auf der Suche nach denen, die dem unl&#246;schbaren Bierdurst nachgegeben haben, erhalten die Schlepper am leichtesten ihren Lohn. Bringt aber selbst der Durst nicht genug M&#228;nner zur See, sind die Schlepper am h&#228;rtesten gefordert. Auch auf diesem Schiff befinden sich einige Seeleute - so sie &#252;berhaupt Seeleute sind -, die nur die blanke Gewalt f&#252;hrte. Wie sonst h&#228;tte es mich zu einem solchen Abenteuer treiben k&#246;nnen? Einerlei wohin die Reise geht - sie wird geleitet von John Hawkins und Francis Drake, den wichtigsten Piraten Englands, und diese beiden werden keine Handelsfahrt ins Mittelmeer unternehmen. Trotzdem wird unter den meisten der an Bord Gepre&#223;ten schnell vergessen sein, wie und warum sie auf dieses Schiff gekommen sind, zumal wir Francis Drake h&#246;chstselbst begleiten d&#252;rfen.&lt;br class='autobr' /&gt;
Auf den anspornenden Namen Defiance ist unser Schiff getauft, was soviel hei&#223;t wie Trotz oder Trotzen. In unserer Zelle reimte ich darauf - im stillen und trotz, ja trotz meiner Abneigung gegen unfl&#228;tige Ausdr&#252;cke - in wechselnden Variationen den ordin&#228;ren Begriff dessen, was jede Landratte mit der See, der unruhigen, verbindet.&lt;br class='autobr' /&gt;
Wie Reptilien zum Sonnenlicht kamen wir an Deck gekrochen, und sofort wurden wir in Empfang genommen von jenem Jonas Bodenham, einem pockennarbigen Finsterling im Rang eines Kapit&#228;ns. Von Bier beruhigt und in Reih und Glied angetreten, wurden wir von ihm einer nach dem anderen aufgerufen und &#252;ber unsere Pflichten belehrt. Einer Wache bin ich dabei nicht zugeteilt worden, noch nicht. Es mu&#223; ein erb&#228;rmlicher Anblick gewesen sein, wie wir dort zusammengedr&#228;ngt standen gleich zu verkaufendem Vieh. Wir m&#252;ssen als das Sinnbild derjenigen erschienen sein, die im Leben nichts mehr verlieren k&#246;nnen, weil sie schon alles verloren haben, und die auch nicht mehr gewinnen k&#246;nnen, h&#246;chstens ein wenig wie jener Eustace Abbot.&lt;br class='autobr' /&gt;
Als wir nach unseren F&#228;higkeiten befragt wurden, spulte Abbot beil&#228;ufig ab, sich unaufh&#246;rlich seinen grauen Lockenschopf kratzend, wo er bereits &#252;berall eingesetzt war, welche K&#252;nste er dabei wie gut erlernt hat. Als Bild entstand ein Mensch, der bisher entweder herren- und ruhelos umhergestreift ist oder sich vor nichts hat beugen wollen, je nach Sichtweise. Vielleicht entspricht es diesem Abbot nur, da&#223; auch er diese Fahrt als Folge seines Durstes antreten mu&#223;. Bei diesem wenig kr&#228;ftigen Mann m&#252;ssen die Schlepper ihre Pr&#228;mie leicht verdient haben. In unserem Verlies hatte Abbot gesagt, er k&#246;nne sich beim besten Willen nicht erinnern - wolle es auch nicht -, wie, wo und wann sie ihn ergriffen h&#228;tten. Jedenfalls mu&#223; er schon oft zur See gefahren sein, da er vor Bodenham mit den Ausdr&#252;cken der Seefahrt geradezu um sich warf. Bodenham teilte ihn als einen der wenigen der Stammannschaft zu, denjenigen Seeleuten, die Vorg&#228;nge wie das Auftakeln, Brassen oder Fieren verstehen. Entsprechend wird Abbot mehr Heuer bekommen.&lt;br class='autobr' /&gt;
Bei dieser Befragung konnte ich immerhin meine F&#228;higkeiten als Schreiber herausstellen. Nur war Bodenham das nicht zu sch&#228;tzen bereit, im Gegenteil. Weil ich ihm bedeutet hatte, nicht freiwillig an Bord gekommen zu sein, mu&#223;te ich eine Standpauke &#252;ber mich ergehen lassen. Ein anderer der Gentlemen, ein Herr gro&#223; wie eine hochgeschossene Tanne und gekleidet in einen schwarzen Mantel, schien mich allerdings mit einem gewissen Respekt zu betrachten.&lt;br class='autobr' /&gt;
Von der Leine gelassen, sahen wir uns dann an Bord um. Zugleich dr&#252;ckten sich aber die meisten vor den Blicken der anderen. Wir richteten uns ein. Viel geh&#246;rte indes nicht dazu, au&#223;er da&#223; die pers&#246;nlichen Habseligkeiten begutachtet und irgendwo verstaut wurden - und man einen Schlafplatz im Unterdeck suchte. Seit neustem werden auf den englischen Schiffen sogenannte brasilianische Betten zur Verf&#252;gung gestellt, eine Art Netze oder H&#228;ngematten. Man befestigt sie an Haken und liegt dann schwebend darin &#252;ber dem Boden und schl&#228;ft wie ein Hund, wenn er sich zusammenrollt.&lt;br class='autobr' /&gt;
Ich selbst war auf der Suche nach einem ruhigen Ort. Schlie&#223;lich mischte ich mich an Deck unter die Seeleute, die an der Bordwand lehnten. Einige wollten am Horizont den letzten Fetzen Land krampfhaft im Auge behalten, um ihren Blick noch an irgendetwas Unbeweglichem festzumachen.&lt;br class='autobr' /&gt;
Unausweichlich greift am Anfang die Seekrankheit um sich, und selbst erfahrene Matrosen k&#246;nnen sich ihr manchmal nicht entwinden. Wenigstens haben wir bisher ruhiges Wetter. Ich gestehe, da&#223; ich gestern, als Bodenham sp&#228;ter alle zu irgendeiner Arbeit antrieb, zu einigen der Leidenden schlich. So wurde ich selbst f&#252;r einen solchen genommen. Auch heute gebe ich mir alle M&#252;he, m&#246;glichst mit fahlem Gesichtsausdruck &#252;ber Deck zu trotten. &#220;ber die Seekranken macht man sich zwar lustig, l&#228;&#223;t sie aber unbehelligt.&lt;br class='autobr' /&gt;
Der Schiffsarzt mit Namen James Wood verabreicht den Kranken einen Mus aus Ingwer. Ich tat vorhin mein bestes, diese Arznei mit verzerrter Mimik zu schlucken. Wood schilderte dabei jedem die Vorz&#252;ge dieser Pflanze. &#034;Der Ingwer, den ich mitf&#252;hre, ist besonders wertvoll&#034;, erkl&#228;rte der Arzt, der seiner Statur nach eher dem Fleischerhandwerk zuzugeh&#246;ren scheint. &#034;Mir ist in die Hand zugesagt worden, da&#223; er im Licht des Vollmonds ausgegraben wurde. Das ist n&#228;mlich die Zeit, wenn sich die Wurzel mit den Strahlen dieses Planeten bis zum &#196;u&#223;ersten vollgesogen hat.&#034; &#220;berhaupt soll der Ingwer die menschlichen Lebensgeister wecken.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sonntag, den 31. August [10. September] 1595&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es hat seinen Reiz zu wissen, da&#223; die Erde unter einem hindurchtreibt. Stark f&#252;hlt man sich, wenn, so wie jetzt, der Wind zur Arbeit f&#252;r den Menschen gezwungen wird. Da k&#246;nnte man beinahe meinen, die zwei Tage, die ich eingesperrt war, w&#228;ren dazu bestimmt gewesen, diese Gef&#252;hle noch zu verst&#228;rken. Man f&#252;hlt sich ja sogar im Kuhstall wie in der Wohnstube, wenn man im Winter aus der K&#228;lte kommt. Und wie bei&#223;end erst empfanden wir zum Schlu&#223; die K&#228;lte in unserem Verlies.&lt;br class='autobr' /&gt;
Es mu&#223; eindrucksvoll anzuschauen gewesen sein, wie die Flotte am letzten Donnerstag von Plymouth ausfuhr. So br&#252;llten die M&#228;nner, heulten die Frauen und Kinder, donnerten die Kanonen, da&#223; selbst wir Eingekerkerten nicht stumm bleiben konnten. Reden wurden gehalten, von denen wir zwar kein Wort verstanden, aber die Hurras der Menge h&#246;rten, Trompeten schmetterten Abschiedsfanfaren, Trommeln dr&#246;hnten, und unter uns fingen einige wild zu kreischen an. Als dann Bewegung in die Schiffe kam, sich die Menschen am Kai und auf Deck noch letzte Botschaften anzeigten oder jedenfalls zuriefen, lauteten die Rufe um mich herum auf die schlimmsten Fl&#252;che, die sich ausdenken lassen.&lt;br class='autobr' /&gt;
Einige unter uns waren immerhin schon Tage eingesperrt, in einem verdreckten Raum, in den Licht nur durch die Lukengitter drang. Nichts war dort zu tun au&#223;er auszuharren auf den vermaledeiten Tag der Abfahrt, den man sich leider herbeiw&#252;nschen mu&#223;te. W&#228;hrend sich tags&#252;ber das Verlie&#223; aufheizte, hatte man uns f&#252;r die Nacht nicht einmal mit Decken versorgt. Vor allem gab es keinen Schutz vor den Ausd&#252;nstungen, vor den Ausspr&#252;chen und nicht f&#252;r alle Schutz vor den gef&#252;hlsm&#228;&#223;igen Ausbr&#252;chen der M&#228;nner. Einige, die man wie nachtsteife Maik&#228;fer aufgelesen hatte, waren in ihrem Rausch halb bewu&#223;tlos in das Verlie&#223; hinabgeseilt worden. Andere hatten sich so gegen die Schlepper gewehrt, da&#223; sie noch um sich schlugen, als sich &#252;ber ihnen schon wieder die Lukengitter geschlossen hatten. Im nachhinein kann ich froh sein, dort nur eine Nacht verbracht zu haben. Jedoch hatte ich Gl&#252;ck in einem solch gemeinen Ungl&#252;ck, da&#223; ich mein Schicksal nicht noch schriftlich ausbreiten will: von London bis nach Plymouth verschleppt und auf ein Schiff gesteckt worden zu sein, das mit seiner Flotte schon seit Tagen h&#228;tte auslaufen sollen.&lt;br class='autobr' /&gt;
Jedenfalls hielt ich mich an einen gewissen John Fuller, einen Katholiken. Dieser kr&#228;ftige Mann blieb in dem dunklen Loch zwar zu jedem auf Distanz, jedoch hockte er meist neben mir. Fuller hatten sie aus Penzance verschleppt, als sich dort dieser Segelmacher, wie er etliche Male erz&#228;hlte, eben als Tuchh&#228;ndler etablieren wollte. Den Kaufvertrag &#252;ber den Laden hatten sie gr&#252;ndlich mit ihm gefeiert. Nur vertr&#228;gt Fuller keinen Alkohol. So fand er sich am n&#228;chsten Morgen nicht in seinem Tuchladen wieder, sondern in einer bewachten Kutsche. Ich mu&#223; nicht ausf&#252;hren, welchen Ha&#223; Fuller in sich tr&#228;gt. Da&#223; er neben mir sa&#223; und seine breiten H&#228;nde rang, meist schweigend, so wie ich, der ich immer schwieg - das verschaffte mir jedenfalls Sicherheit. &#034;Der Kerl kriegt auch seinen Teil!&#034; murmelte Fuller mit drohendem Unterton, als Brot in einem Korb zu uns herabgelassen wurde, oder &#034;La&#223;t den Kerl in Ruhe!&#034;, als mir dann jemand mein St&#252;ck Brot wegnehmen wollte.&lt;br class='autobr' /&gt;
Nun kann man sich immerhin aussuchen, mit wem man sich an Bord abgibt und wohin man sich zur&#252;ckzieht. Nur in der Nacht m&#252;ssen wir wie die Kaninchen in den Bau kriechen, in das stickige Batteriedeck und hinein in diese H&#228;ngematten. Aber auch dort ist es so wenig warm, wie die Decken warm sind, die man uns inzwischen gegeben hat. Alle, die au&#223;er ihrem Hemd kaum ein zweites Kleidungsst&#252;ck bei sich haben (mir selbst sind in meinem Beutel einige, gute Kleidungsst&#252;cke geblieben), sehnen die Tage herbei, wenn die n&#246;rdlichen Breiten hinter uns liegen. Dann endlich k&#246;nnen wir uns auch in der Nacht auf Deck ausbreiten. Sowieso habe ich geh&#246;rt, da&#223; wir &#252;ber den Atlantik setzen werden. Trotzdem lautet weiterhin die wichtigste Frage, was eigentlich das Ziel dieser Fahrt sei.&lt;br class='autobr' /&gt;
[...]&lt;/p&gt;
&lt;h2 class=&#034;spip&#034;&gt;Nachwort&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Finanziell minderbemittelt zu studieren - was kommt dabei heraus? Nun ja, w&#228;hrend des Studiums hat man heutzutage immerhin die Wahl, viel - wie es hei&#223;t - jobben zu gehen oder wenig. W&#228;hlt man die erste M&#246;glichkeit, wird man sein Studium entsprechend langsam abschlie&#223;en und hoffentlich als Ausgleich eine gute Endnote einhandeln. F&#252;r die zweite M&#246;glichkeit, f&#252;r die ich mich entschied, gilt in jeder Hinsicht das Umgekehrte. Nat&#252;rlich schlie&#223;en einige wenige auch dabei ihr Studium gut ab. Nur z&#228;hle ich da zu den vielen, vielleicht nicht nur da.&lt;br class='autobr' /&gt;
W&#228;hrend einer meiner Jobber-Eins&#228;tze hatte ich jedenfalls in Berlin die Aufgabe, den Dachspeicher einer alten Tabaksfabrik - Miller-Tobacco - auszur&#228;umen. Auf dem Weg zu mehr &#034;Effizienz&#034; und &#034;Rentabilit&#228;t&#034; - oder wie immer heute umschrieben wird, ob sich etwas &#034;rechnet&#034; oder nicht - hatte die Tabaksfabrik dichtmachen m&#252;ssen. Ihre Besitzer hatten das Traditionsunternehmen verkauft. Nun stand die Umwandlung des Backsteinbaus in ein modernes Wohnhaus an, das hei&#223;t, da&#223; darin Wohnungen eingerichtet wurden, deren Modernit&#228;t nur die bezahlen k&#246;nnen, f&#252;r die sich sowieso immer alles rechnet. Ich war dabei der, der den Speicher zu r&#228;umen hatte f&#252;r einen zuk&#252;nftigen &#034;Loft&#034;.&lt;br class='autobr' /&gt;
Unter allen Jobs, die mir das Studium so schnell abschlie&#223;en halfen, z&#228;hlte jener als Speicherausr&#228;umer noch zu den angenehmsten. Besser als Schokolade in Weihnachtspyramiden zu stapeln oder Coca-Cola-Automaten nachzuf&#252;llen. Zum Gl&#252;ck war die zust&#228;ndige Reinigungsfirma so sehr &#034;umsatzorientiert&#034;, da&#223; auch die &#034;Supervisoren&#034; keine Zeit fanden, ihre auf verschiedenen &#034;Objekten&#034; eingesetzten Jobber wirklich zu kontrollieren. So hatte ich genug Ruhe, den Speicher derart effizient auszur&#228;umen, da&#223; ich alle dort noch gelagerten Gegenst&#228;nde eingehend untersuchen konnte. Die kostbaren St&#252;cke hatte man allerdings l&#228;ngst zur Seite geschafft. Trotzdem konnte ich in den Schr&#228;nken und vielen Kisten, unter fingerdickem Staub und zwischen Taubendreck und Spinnweben noch ein paar Dinge aufklauben, die sich jedenfalls f&#252;r andere nicht mehr rechneten. Einige davon tragen heute noch dazu bei, meine Wohnung vollzustellen. Und ein bestimmtes dieser Dinge ist dann zu dem geworden, was jetzt h&#252;bsch gedruckt und gebunden vorliegt.&lt;br class='autobr' /&gt;
Nachdem ich bereits Unmengen an br&#252;chigen Tabakskisten, an Metallringen und Dauben alter Tabaksf&#228;sser fortgeschafft hatte, stie&#223; ich in einer dunklen Ecke auf einen wurmstichigen Schrank. Seine sch&#246;n gedrechselte Dekoration war zum gr&#246;&#223;ten Teil herausgebrochen oder auf irgend eine Weise weggerissen. Trotzdem war der Schrank abgeschlossen, und im Schlo&#223; fehlte der Schl&#252;ssel. Voller Eifer schnappte ich mir das Brecheisen, das man mir zusammen mit anderem Werkzeug gegeben hatte. Wie ein Goldsucher kam ich mir vor, als ich die T&#252;r aufbrach. Aber was ich in dem Schrank fand, waren nichts als Lagen von abgehefteten B&#252;rounterlagen, Gebrauchsanweisungen &#252;ber Takaksmaschinen und Werbebrosch&#252;ren, alles verklebt, vergilbt oder verrottet. So alt waren die Schriften, da&#223; manche noch in Fraktur gesetzt waren. Wenn ich auch heute vielleicht anders dar&#252;ber denken w&#252;rde - damals kamen mir diese Papiere v&#246;llig nutzlos vor. Au&#223;erdem war ich einfach &#228;rgerlich, nachdem ich mich so in meine Neugier hineingesteigert hatte. Also weg mit dem ganzen Plunder, dachte ich. Ich zerrte den Schrank an die Dachluke und fing an, seinen Inhalt in das Maul einer dieser Plastikrutschen zu stopfen, die heute bei jeder Bausanierung verwendet werden.&lt;br class='autobr' /&gt;
Als dann der Schrank bereits um einiges Gewicht erleichtert war und ich schon &#252;berlegte, wie ich ihn am besten auseinanderbrechen w&#252;rde - da hielt ich eine Mappe in den H&#228;nden, die mit Schnur und einem Wachssiegel verschlossen war. Nur dieses Wachssiegel erregte im Grunde meine Aufmerksamkeit. W&#228;re dieser altmodische Verschlu&#223; nicht gewesen, so l&#228;ge der Bericht des Heinrich Hasebeck heute mit Sicherheit auf irgendeiner M&#252;llkippe. Nachl&#228;ssig rie&#223; ich das Siegel entzwei (und f&#252;tterte damit leider die uners&#228;ttliche Rutsche). Zu meiner &#220;berraschung enthielt die Mappe eine Menge handgeschriebener B&#246;gen, und es handelte sich einmal nicht um technische, &#034;verkaufstechnische&#034; oder dergleichen Texte als vielmehr um irgendwelche privaten Aufzeichnungen.&lt;br class='autobr' /&gt;
Wirklich lesen konnte ich das Geschriebene allerdings nicht. Ich hatte es mit einer alten &#034;deutschen Schrift&#034; zu tun. Nur die einzelnen Kapitel&#252;berschriften konnte ich m&#252;helos verstehen. Sie lauteten nur auf die jeweiligen Datumsangaben. Wenigstens war mir bewu&#223;t, da&#223; ich es mit einer Art Unikum zu tun hatte. So legte ich die Mappe beiseite und nahm sie am Ende meines Arbeitstages - zusammen mit anderen Dingen - mit nach Hause.&lt;br class='autobr' /&gt;
Immerhin war damit die Mappe zun&#228;chst gerettet. Hin und wieder zeigte ich sie in der folgenden Zeit Freunden von mir, rein um der Kuriosit&#228;t willen. Vor allem lie&#223; sich das Papier prima bef&#252;hlen, das, wie ich sp&#228;ter lernte, hochwertiges B&#252;ttenpapier ist. Einmal machte jemand den Vorschlag, den Text irgendwie untersuchen zu lassen. Mir aber war das irgendwie zu viel Aufwand.&lt;br class='autobr' /&gt;
Erst Jahre sp&#228;ter, als ich gelernt hatte, Worte halbwegs geordnet hintereinanderzusetzen, wurde mir die Bedeutung der Mappe klar. Weil ich eine umfangreiche Biographie &#252;ber Johannes Gutenberg verfa&#223;te, mu&#223;te ich viel in alten Dokumenten bl&#228;ttern. Notwendig hatte ich mich mit den fr&#252;heren Formen einer &#034;deutschen Schrift&#034; abzuplagen.&lt;br class='autobr' /&gt;
So zog ich eines Tages endlich meinen Dachspeicherfund wieder hervor. Ich wei&#223; noch, wie ich dieses Mal die Mappe anders zur Hand nahm, mit Vorsicht, mit einer gewissen Bewegtheit. Immerhin wu&#223;te ich &#034;Historisches&#034; bis dahin zu sch&#228;tzen. Ich sah mir zun&#228;chst die Schrift genauer an. Nur wenig Rand ist auf dem noch immer schneewei&#223;en Papier gelassen worden. So schwungvoll sind die Buchstaben geschrieben, da&#223; sich die Ober- und Unterl&#228;ngen gerade nicht ber&#252;hren. Sieht aus wie ein ornamentales Gewebe, dachte ich. Dann begann ich zu lesen: &#034;Gro&#223;artig, wenn man frei sprechen kann! Sie haben mir nicht viel gelassen, die Schlepper, als sie mich am letzten Sonntag, an einem Sonntag ausgerechnet, mit sich zerrten [...]&#034; usw. Bald brauchte ich wenigstens nicht mehr Stunden, um zwei oder drei Seiten zu entziffern. Ich erkannte, da hatte jemand offensichtlich im zwanzigsten Jahrhundert das Tagebuch jenes Heinrich Hasebeck bearbeitet, der am Ende des siebzehnten Jahrhunderts gelebt hatte. Und dieser Jemand kann nur der Fabrikbesitzer Peter Miller gewesen sein. Denn auf dem letzten Blatt des Manuskripts findet sich, wie versch&#228;mt in die untere rechte Ecke geschrieben, das K&#252;rzel &#034;P. M.&#034;.&lt;br class='autobr' /&gt;
Fast zwei Wochen lang war ich telefonisch nicht zu erreichen, und nach der Lekt&#252;re f&#252;hlte ich mich geradezu verpflichtet, das von Peter Miller bearbeitete &#034;Buch&#034; des Heinrich Hasebeck in einem Verlag erscheinen zu lassen. Leider dauerte es noch eine qualvoll lange Zeit, ehe sich dann der Benziger-Verlag bereit erkl&#228;rte, (Millers Bearbeitung von) Hasebecks Tagebuch zu ver&#246;ffentlichen.&lt;br class='autobr' /&gt;
Zur Person des Peter Miller kann ich kaum etwas mitteilen. Nahezu sein ganzes Leben &#252;ber mu&#223; er jene Tabaksfabrik geleitet haben. Vielleicht habe ich meine Nachforschungen nicht mit der n&#246;tigen Intensit&#228;t betrieben. Aber es verbl&#252;fft doch, da&#223; sich seine Lebensdaten von selbst nicht offenbaren. Fast habe ich den Eindruck, als w&#228;ren alle Spuren seines Lebens verwischt worden. Immerhin erinnerte ich mich an den Namen einer Sekret&#228;rin von Miller-Tobacco. Gn&#228;digerweise durfte sie damals noch, als ich den Dachspeicher auszur&#228;umen hatte, bei der &#034;Abwicklung&#034; des Betriebes helfen. Diese liebe Frau konnte mir so weit helfen, als sie f&#252;r mich die Anschrift eines der fr&#252;heren Fabrikarbeiter ausfindig machte.&lt;br class='autobr' /&gt;
Aber auch der alte Herr, den ich dann aufsuchte - der noch heute, wie er nicht ohne Stolz bemerkte, t&#228;glich einen Liter Milch trinke, wie das bei seiner Arbeit &#252;blich gewesen sei -, wu&#223;te merkw&#252;rdigerweise kaum etwas &#252;ber das Privatleben seines fr&#252;heren Chefs. Studiert habe Miller, in England, so viel er wisse, in den Jahren, als die Nazis noch nicht an der Macht waren. Er habe auch ganz das Bild dieser Engl&#228;nder abgegeben. Selten habe man ihn zu Gesicht bekommen, auch nicht die B&#252;roarbeiter, manchmal tagelang nicht. Dabei sei er nicht verheiratet gewesen. Mit einer zu seinem Leben gewordenen Atembewegung hielt der Alte seine Pfeife am Brennen. Immerhin war bezeichnend, wie er &#252;ber Miller sprach. Alle h&#228;tten ihm viel Respekt gezollt, obwohl er sich wie ein Kumpel verhalten habe. Ein gro&#223;es Herz habe er gehabt, und als Arbeiter sei man von ihm anst&#228;ndig behandelt worden. Aber bei allem Zugest&#228;ndnis in die Selbst&#228;ndigkeit des einzelnen Arbeiters - zu der man sogar angehalten worden sei - habe Miller immer auf Pflicht und Ordnung bestanden, das noch st&#228;rker in seiner letzten Zeit als Chef. Bis zum Schlu&#223; habe er alles daran gesetzt, die Firma erfolgreich weiterzuf&#252;hren. Er habe, sagte der Alte paffend, immer das Gef&#252;hl gehabt, Miller sei es darum gegangen, da&#223; jeder seiner Arbeiter gesichert im Leben stehe. W&#228;hrend der Jahre nach ihm sei das ja weiterhin gutgegangen. Aber heute sehe das wohl anders aus. Er sei jedenfalls froh, heute nicht mehr arbeiten zu m&#252;ssen.&lt;br class='autobr' /&gt;
Viel mehr als diese Informationen konnte ich von dem alten Pfeifenraucher nicht gewinnen. Irgendwann zu Beginn der sechziger Jahre habe Miller die Leitung der Firma abgegeben. Nur hin und wieder habe man ihn noch zu Gesicht bekommen. Immer nachdenklich und irgendwie zerstreut habe er dann ausgesehen. Wann Peter Miller starb, konnte auch der Alte nicht sagen. Vielleicht habe er noch lange gelebt, sagte er abschlie&#223;end.&lt;br class='autobr' /&gt;
Und zur Person des Heinrich Hasebeck selbst - nun ja, ich gestehe, da&#223; ich mir nicht die M&#252;he gemacht habe, etwa in L&#252;beck Archive aufzusuchen. Ich hatte noch die Arbeit an meiner Gutenberg-Biographie vor Augen, und sowieso ist es mir schon als Student schwergefallen, mich mit einem Forschungsgegenstand eher methodisch psychoanalytisch, immanent, soziologisch zu besch&#228;ftigen als mit dem Gegenstand selbst.&lt;br class='autobr' /&gt;
Ohne weiteres kann ich aber feststellen, da&#223; Hasebecks Diktion ungew&#246;hnlich ist. Reiseberichte wurden zwar zu seiner Zeit in vielf&#228;ltigster Form ver&#246;ffentlicht. Ich denke da etwa an die zahlreichen Ausgaben der Reisebriefe Vespuccis, an Pigafettas Beschreibung der ersten Weltumsegelung unter Magellan, an Cortes' Niederschrift &#252;ber seine Eroberung Mexikos oder - stellvertretend f&#252;r die vielen Reiseberichte, die ideologisch die europ&#228;ische Kolonisation der ganzen Welt propagierten - an die gro&#223;e Berichtsammlung Richard Hakluyts &#252;ber die englischen Seeunternehmungen. In Europa gierte man geradezu nach Informationen &#252;ber neu entdeckte Erdteile, Menschen und fabelhafte Wesen. Obwohl oft distanziert, ironisch, kritisch, manchmal auch kritisch gegen&#252;ber der eigenen Zivilisation, sind aber alle Berichte der sogenannten Entdeckungsfahrten rein deskriptiv. Denn die meisten der ver&#246;ffentlichten Berichte jener Zeit waren &#034;offiziell&#034; verfa&#223;te Beschreibungen. Dabei war bestimmt nicht gefragt, &#034;analytisch&#034; die eigene Person in den Vordergrund zu r&#252;cken. Hingegen liest sich Hasebecks Tagebuch recht modern reflektierend. Es finden sich darin ja oft die eigenen Gedanken, &#220;berlegungen, Bef&#252;rchtungen ausgedr&#252;ckt. Das scheint nun eher darauf zu verweisen, da&#223; Peter Miller den ihm &#252;berlieferten Text nicht nur &#252;bersetzt und mit ein paar Fu&#223;noten versehen h&#228;tte.&lt;br class='autobr' /&gt;
Andererseits hatte Hasebeck selbst sein Tagebuch offensichtlich nicht zu einer sp&#228;teren Ver&#246;ffentlichung bestimmt. Es war einfach sein wichtigster &#034;Kommunikationspartner&#034;, dem er alles anvertraute. Warum sollte also ein halbwegs aufgekl&#228;rter Mensch am Ende des sechzehnten Jahrhunderts nicht so gedacht und kommuniziert haben?&lt;br class='autobr' /&gt;
Nur schade, da&#223; ich Hasebecks originalen Bericht nicht vorweisen kann, da&#223; dieser anscheinend verloren ist. Vielleicht war ich sogar derjenige, der damals beim Speicherausr&#228;umen das Tagebuch in irgendeinem Beh&#228;ltnis, einem Kistchen oder M&#228;ppchen, durch jene Rutsche auf immer verschwinden lie&#223;. Es w&#228;re ja m&#246;glich, da&#223; Miller, wenn er schon seine &#252;berarbeitete, eigene Fassung in dem Speicher unter Verschlu&#223; hielt, auch das Original-Tagebuch dort aufbewahrt h&#228;tte.&lt;br class='autobr' /&gt;
Zum weiteren Verlauf von Francis Drakes (und John Hawkins') Pl&#252;nderungsfahrt kann ich immerhin soviel beisteuern: Mit dem irrsinnigen Versprechen auf andere karibische Sch&#228;tze hatte Drake die Flotte von Nombre de Dios westw&#228;rts in eine Bucht mit dem bezeichnenden Namen Golfo de los Mosquitos gef&#252;hrt. Dort wartete man vergeblich auf ein Umschlagen des Windes, zw&#246;lf t&#246;dliche Tage lang. Zu Hunderten starben die M&#228;nner. Am Abend des 6. Februar 1596, des 27. Januar alter Zeit, begann dort auch Drake zu delirieren. Mit schlimmsten Fl&#252;chen, gerichtet gegen vermeintliche Verr&#228;ter, mu&#223; er w&#228;hrend der Nacht getobt haben. Nachdem er sich von William Whitelocke noch seine Uniform hatte anlegen lassen, legte er sich am Morgen ersch&#246;pft ins Bett und starb an diesem 7. Februar.&lt;br class='autobr' /&gt;
Es l&#228;&#223;t sich denken, wie in der Literatur die letzten Stunden des Sir Francis Drake gew&#246;hnlich beschrieben werden! Das mu&#223; ich nicht ausf&#252;hren. F&#252;r die &#220;berlebenden konnte es nur darum gehen, da&#223; die Flotte endlich sicher nach Hause geleitet werde. Dazu wurden Thomas Baskerville zum Befehlshaber und Thomas Drake zu seinem Stellvertreter ernannt. Die Engl&#228;nder mu&#223;ten wissen, da&#223; ihnen spanische Kriegsschiffe auf den Fersen waren. Also wollten sie dieser Gefahr ausweichen, indem sie wieder die S&#252;dk&#252;ste der Karibik ansteuerten.&lt;br class='autobr' /&gt;
Allerdings hatten die Spanier gar nicht so taktisch gedacht, den Engl&#228;ndern den &#252;blichen R&#252;ckweg durch die Stra&#223;en von Yucat&#225;n und Florida abzuschneiden. Ihre modernen, Apostel genannten Galeonen hatten zun&#228;chst Cartagena angesteuert, wo sie reorganisiert wurden. So fuhren die Engl&#228;nder geradewegs auf sie zu. Zwar drehten sie wegen widrigen Wetters rechtzeitig nach Norden ab, wurden aber von den Spaniern gesichtet und nun direkt verfolgt. An der Isla de Pinos im S&#252;den Kubas trafen die beiden Flotten aufeinander. Je nach Standpunkt verteidigten sich die Engl&#228;nder bravour&#246;s oder wurden sie von den Spaniern schmachvoll aus der Karibik vertrieben. Die englischen Schiffe, die bis dahin noch zusammengehalten hatten, trennten sich sp&#228;testens auf dem Atlantik. Mitte Mai trafen dann die letzten in englischen H&#228;fen ein. In welchem Zustand solche Schiffe heimkehrten, findet sich ja in Hasebecks Bericht beschrieben.&lt;br class='autobr' /&gt;
Und eigentlich wird darin auch schon die Frage beantwortet, wie es all den Namenlosen erging, die Drakes Todesfahrt &#252;berlebten. Zu jener Zeit waren alle sozusagen offiziellen Piratenunternehmungen privat finanziert. Sie mu&#223;ten Gewinn abwerfen. Und blieb der einmal aus, wie in dem hier vorliegenden Fall, so scheint nichts so typisch gewesen zu sein, insbesondere f&#252;r englische Verh&#228;ltnisse, als da&#223; die leer ausgingen, die ihre Forderungen nicht durchsetzen konnten. Viele Seeleute konnten sowieso nicht von den Strapazen genesen und siechten ihr weiteres Leben dahin. Die Finanziers hingegen, zu denen oft genug die K&#246;nigin z&#228;hlte, versuchte man so gut es ging zu entsch&#228;digen. Sogar nach der Abwehr der spanischen Armada wurde den Seeleuten die Heuer verweigert. Und im Jahr darauf, 1589, entlohnte man den erfolglosen - und f&#252;r Tausende von M&#228;nnern t&#246;dlichen - Einsatz gegen die iberischen H&#228;fen mit ganzen f&#252;nf Schillingen pro Person. Da nutzte es auch nichts, da&#223; sich einige Hundert Soldaten auf den Weg nach London machten, bewaffnet. Sie wurden von der B&#252;rgerwehr gestellt. Ihre Anf&#252;hrer kn&#252;pfte man auf.&lt;br class='autobr' /&gt;
Und wie mag Gasparans Tagebuch die Zeiten &#252;berdauert haben? Zu all denen, die auf dieser Fahrt den Tod fanden, z&#228;hlte auch Drakes wichtigster Navigator, Abraham Kendall. Nun ist &#252;berliefert, da&#223; zu dessen Habseligkeiten ein Handbuch der Navigation geh&#246;rte, eine Abschrift der bis dahin noch unver&#246;ffentlichten Certaine Errors in Navigation des Edward Wright, die dem Earl of Cumberland &#252;bergeben wurde. (Siehe David W. Waters: Elizabethan Navigation, S. 31, in der von Norman J. W. Thrower herausgegebenen Essay-Sammlung Sir Francis Drake and the Famous Voyage, 1577-1580; Berkeley, Los Angeles, London 1984.) Abraham Kendalls Hinterlassenschaft hatte also ihren Weg zur&#252;ck nach England gefunden. So kann diese Tatsache als Indiz daf&#252;r genommen werden, da&#223; auch Hasebecks Tagebuch in Kendalls Besitz gewesen sein mu&#223;. Weiter kann ich nur spekulieren. Vielleicht ist das Tagebuch ebenfalls dem Earl of Cumberland ausgeh&#228;ndigt worden und sp&#228;ter in irgendeiner privaten Kiste verschwunden oder in einem Archiv gelandet oder in den Besitz eines Handschriftenh&#228;ndlers gelangt. Jedenfalls h&#228;tte dann der Besitzer, schon dieser Earl vielleicht, nichts damit anfangen k&#246;nnen. Es mu&#223; ja auf Niederdeutsch verfa&#223;t gewesen sein. Und wenn dann alle Spekulation nicht mehr weiterhilft, bleibt wenigstens noch die Phantasie, etwa dahin: In den zwanziger Jahren h&#228;tte in England ein junger deutscher Student von einer adeligen Dame ein unansehnliches Heft in die Hand gedr&#252;ckt bekommen, verbunden mit den Worten: Schauen Sie sich das einmal an, mein Herr! Ist das nicht in Ihrer Sprache verfa&#223;t? Sofort w&#228;re Peter Miller Feuer und Flamme gewesen, und die Dame h&#228;tte ihm das Heft wenn nicht &#252;berlassen, dann zur Verf&#252;gung gestellt.&lt;br class='autobr' /&gt;
An &#034;Technischem&#034; zur Art der Herausgabe habe ich nur soviel zu erl&#228;utern: Die mir vorliegende Fassung des Tagebuchs habe ich unver&#228;ndert gelassen, auch wo in dem Text gewisse Ortsbezeichnungen erscheinen, die heute anders lauten m&#252;&#223;ten wie etwa Guadeloupe statt Guadalupe. Nur bei den Datumsangaben habe ich die Namen der entsprechenden Wochentage und in Klammern die Daten unseres heutigen, gregorianischen Kalenders nachgetragen. Dar&#252;ber hinaus habe ich eine Liste der wichtigsten Personen und deren jeweiliger Funktion angef&#252;gt.&lt;br class='autobr' /&gt;
Um einen einzigen, schwerwiegenden &#034;Kommentar&#034;, wenn man so will, kam ich allerdings nicht herum. Ein Buch braucht ja einen Titel. Nun hat der in Zeiten, wo sich alles rechnen mu&#223;, klingend zu sein. Deswegen konnte Heinrich Hasebecks Tagebuch nicht so hei&#223;en, wie es allein angemessen gewesen w&#228;re: &#034;Das Tagebuch des Heinrich Hasebeck.&#034; Weil aber Hasebeck als Autor sowieso herausgestellt ist, habe ich mich entschlossen, einmal einen der ewigen Verlierer aufs Titelblatt zu setzen.&lt;/p&gt;
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		<title>Pioniere des Himmels</title>
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		<dc:creator>Andreas Venzke</dc:creator>



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&lt;p&gt;Verlag Artemis &amp; Winkler, D&#252;sseldorf 2002 &lt;br class='autobr' /&gt;
Ein Buch nicht nur &#252;ber die Br&#252;der Wright, sondern auch &#252;ber den unglaublichen Vorgang, wie die Menschen es schafften, sich den Luftraum zu erobern - und zwar so, dass sie sich darin sicher bewegen konnten. Da kam Otto Lilienthal am weitesten, aber die entscheidenden Erkenntnisse machten erst zwei Fahrradmechaniker aus den USA. Der WDR hat so dar&#252;ber berichtet: &lt;br class='autobr' /&gt;
Besprechungen &lt;br class='autobr' /&gt;
&#034;Andreas Venzke reduziert, etwas kurz gegriffen, ihre Motivation (&#8230;)&lt;/p&gt;


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&lt;a href="https://www.andreas-venzke.de/bucher/bucher-fur-erwachsene/" rel="directory"&gt;B&#252;cher f&#252;r Erwachsene&lt;/a&gt;


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 <content:encoded>&lt;img src='https://www.andreas-venzke.de/sites/venzke/local/cache-vignettes/L102xH150/arton36-49efe.jpg?1678947063' class='spip_logo spip_logo_right' width='102' height='150' alt=&#034;&#034; /&gt;
		&lt;div class='rss_texte'&gt;&lt;p&gt;Verlag Artemis &amp; Winkler, D&#252;sseldorf 2002&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein Buch nicht nur &#252;ber die Br&#252;der Wright, sondern auch &#252;ber den unglaublichen Vorgang, wie die Menschen es schafften, sich den Luftraum zu erobern - und zwar so, dass sie sich darin sicher bewegen konnten. Da kam Otto Lilienthal am weitesten, aber die entscheidenden Erkenntnisse machten erst zwei Fahrradmechaniker aus den USA.&lt;br class='autobr' /&gt;
Der WDR hat so dar&#252;ber berichtet:&lt;/p&gt;
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&lt;/div&gt;&lt;div class='cs_blocs'&gt;&lt;h4 class='blocs_titre blocs_replie blocs_click'&gt;&lt;a href='javascript:;'&gt;Besprechungen&lt;/a&gt;&lt;/h4&gt;&lt;div class='blocs_destination blocs_invisible blocs_slide'&gt;
&lt;p&gt;&#034;Andreas Venzke reduziert, etwas kurz gegriffen, ihre Motivation auf ein pietistisches Arbeitsethos &#224; la Max Weber und aufs &#246;konomische Kalk&#252;l. Die M&#246;glichkeit 'to make a fortune' mag mitgeschwungen haben in ihren Flugexperimenten, die Wrights waren schlie&#223;lich Kaufleute und wirtschaftliches Denken Teil ihrer asketischen Lebenseinstellung. [...]Venzke versteht es, die enormen technischen Schwierigkeiten, die die Wright-Br&#252;der bei der Konstruktion ihres Flugger&#228;tes zu bew&#228;ltigen hatten, auch f&#252;r Laien verst&#228;ndlich zu erl&#228;utern. [...] Leider ger&#228;t der Autor zuweilen ins Moralisieren. Die Br&#252;der Wright waren trotz ihrer asketischen Gl&#228;ubigkeit keine Pazifisten. Nat&#252;rlich wurden Flugzeuge seit dem Ersten Weltkrieg auch zu todbringenden, bombenbeladenen Waffen, die unschuldige Zivilisten t&#246;ten und St&#228;dte, ja ganze Regionen verw&#252;sten. Nat&#252;rlich hat die Mobilit&#228;t auch ihre Schreckensseiten, Technik eine Zwiegesichtigkeit. Dies ist bekannt und es ist ein anderes Thema - f&#252;r ein anderes Buch.&#034;&lt;br class='autobr' /&gt;
&lt;i&gt;Monika Thees&lt;br class='autobr' /&gt;
Die Berliner Literaturkritik&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#034;Ein Sachbuch, das sich spannend wie ein Roman liest und das einerseits eine Biografie der Gebr&#252;der Wright, andererseits, durch viele historische Aufnahmen illustriert, eine Dokumentation der Anf&#228;nge des Fliegens ist.&#034;&lt;br class='autobr' /&gt;
&lt;i&gt;Josef Schnurrer&lt;br class='autobr' /&gt;
Borrom&#228;usverein Bonn&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#034;Kenntnisreich und spannend erz&#228;hlt der Autor die aufreibende Geschichte der Wrights und ihrer bahnbrechenden Erfindungen, schildert die dramatischen Wettk&#228;mpfe zwischen den Flugpionieren in Europa und den Vereinigten Staaten und reflektiert kritisch die Folgen.&#034;&lt;br class='autobr' /&gt;
&lt;i&gt;KVS-Mitteilungen, Kassen&#228;rztliche Vereinigung Sachsen&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Besonders lesenswert [...]&#8220;&lt;br class='autobr' /&gt;
&lt;i&gt;S&#252;ddeutsche Zeitung&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;[...] erz&#228;hlt Andreas Venzke eine spannende und lebendig gestaltete Biografie der beiden T&#252;ftler.&#8220;&lt;br class='autobr' /&gt;
&lt;i&gt;historyNET&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;So &#252;berraschend das klingt: die vorliegende Monographie f&#252;llt eine L&#252;cke. Literatur, die sich intensiv und ausschlie&#223;lich mit den &#8222;Pionieren des Himmels, den Br&#252;dern Wright besch&#228;ftigt, ist d&#252;nn ges&#228;t. [...] eine kenntnis- und faktenreiche Biografie [...] der Schwerpunkt liegt auf dem sachkundig und durchaus spannend gestalteten Text.&#8220;&lt;br class='autobr' /&gt;
&lt;i&gt;Edgar Schichtl&lt;br class='autobr' /&gt;
ekz-Informationsdienst&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Venzke betrachtet die Bebr&#252;der Wight kritisch, vor allem ihr milit&#228;risches Engagement: Sie h&#228;tten den Traum vom Fliegen verraten.&#8220;&lt;br class='autobr' /&gt;
&lt;i&gt;VDI nachrichten&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&#8222;Die Gebr&#252;der Wright erscheinen in Venzkes Buch nicht als strahlende Helden der L&#252;fte, sondern als zwei k&#252;hle bis unterk&#252;hlte Gesch&#228;ftsm&#228;nner [...] Venzke tr&#228;gt eine Vielzahl technischer Details sorgf&#228;ltig und auch f&#252;r den Laien verst&#228;ndlich zusammen. Man versteht, warum die Wrights zwischen 1899 und 1903 im Alleingang meisterten, was weniger analytische K&#246;pfe in 100 Jahren nicht erfunden h&#228;tten. [...] So erz&#228;hlt das Buch anregend die Entwicklung des Motorflugs bis zum milit&#228;rischen S&#252;ndenfall im Ersten Weltkrieg.&#8220;&lt;br class='autobr' /&gt;
&lt;i&gt;Thomas Neubacher-Riens&lt;br class='autobr' /&gt;
Frankfurter Neue Presse&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href='javascript:;' class='replier_bloc'&gt;[Einklappen]&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
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&lt;p&gt;Der Traum vom Fliegen &#8212; ein Ausdruck, der heute, nach einem Jahrhundert Flugerfahrung, zur Phrase geworden ist. &#034;Wie rasch hat das Fliegen, dieser uralte, kostbare Traum, jeden Reiz, jeden Sinn, seine Seele verloren. So erf&#252;llen sich die Tr&#228;ume, einer nach dem andern, zu Tode. Kannst du einen neuen Traum haben?&#034;, fragte noch 1973 Elias Canetti. Der Traum vom Fliegen ist zur Banalit&#228;t verkommen, einerseits.&lt;br class='autobr' /&gt;
Mallorca wird in jedem Jahr von &#252;ber sieben Millionen Touristen besucht, von denen fast alle mit dem Flugzeug anreisen. F&#252;r sie ist der Traum j&#228;hrlich aufs Neue f&#252;r ein paar Hundert Euro inklusive plastikverschwei&#223;tem Flie&#223;bandessen zu haben. Vom Traum bleiben einige S&#228;tze dar&#252;ber, wie man beim Start in die Sitze gedr&#252;ckt werde. So wird heute geflogen, also mitgeflogen! Und bezeichnenderweise wird bei der Landung noch immer geklatscht, als h&#228;tte der Pilot ein Bravourst&#252;ck vollbracht und nicht die exakten Vorgaben einer computergesteuerten Flugleitzentrale befolgt.&lt;br class='autobr' /&gt;
Andererseits fliegen weiterhin diejenigen, die aus der Luft mittlerweile &#034;humanit&#228;re Kriegsf&#252;hrung&#034; betreiben &#8212; der Albtraum vom Fliegen. Ist es da nicht bezeichnend, wie schon die Br&#252;der Wright ihre Erfindung, als sie 1905 ausgereift war, anpriesen: &#034;Wir haben die letzten Jahre vollst&#228;ndig damit verbracht, unsern Flieger zu vollenden, und wir haben wenig dar&#252;ber nachgedacht, was wir damit machen w&#252;rden, wenn er fertig w&#228;re. Aber unsere jetzige Absicht ist, ihn zuerst den Regierungen zu Kriegszwecken anzubieten.&#034; Die Wrights h&#228;tten sich wohl nie tr&#228;umen lassen, wie dann ihre Erfindung, ihre Patente darauf, von der Entwicklung &#252;berrollt werden sollte. Welche Erfindung lie&#223;e sich anf&#252;hren, die schneller perfektioniert worden w&#228;re und die das Weltgeschehen in den letzten einhundert Jahren st&#228;rker ver&#228;ndert h&#228;tte, als die des Flugzeugs?&lt;br class='autobr' /&gt;
Und doch lebt der Traum vom Fliegen fort, und zwar ganz im Sinn eines sozialdemokratisch gesinnten Ingenieurs aus der Provinz, n&#228;mlich Otto Lilienthals; der konnte ihn immer nur kurz Wirklichkeit werden lassen und schw&#228;rmte doch immer wieder davon. Er schrieb etwa von der &#034;besonnenen Ruhe, w&#228;hrend das unbegreiflich sch&#246;ne und sanfte Dahingleiten &#252;ber die weit ausgedehnten sonnigen Bergh&#228;nge den Eifer bei jedem Sprunge von Neuem anfacht&#034;.&lt;br class='autobr' /&gt;
Um in diesen Genuss zu kommen braucht man seit Ende der 1980er Jahre nur noch einen besonders gef&#252;llten Rucksack. So weit ist der Gleitschirm entwickelt worden, dass dieses Flugger&#228;t heute mit einem Gewicht von h&#246;chstens 20 Kilogramm auskommt, inklusive Rettungsschirm. Und tats&#228;chlich l&#228;sst sich damit, Thermik vorausgesetzt, stundenlang fliegen. Da ist er also verwirklicht, der Traum vom Fliegen.&lt;br class='autobr' /&gt;
Doch wer wird heute Gleitschirmflieger? Wer sucht diesen Genuss? In Deutschland sind &#252;ber 3.000.000 Motorr&#228;der zugelassen und es sind darunter wahrlich 'Geschosse auf R&#228;dern'. Dagegen sind nicht mehr als 22.000 Pilotenscheine f&#252;r Gleitschirmflieger ausgestellt. Fragt man, warum nur so wenige diese Gelegenheit nutzen, geht die Antwort meist dahin, dass einem eine solche Technik nicht geheuer erscheine, dass es wenig Vertrauen erweckend aussehe, sich ein paar Schn&#252;ren und einem St&#252;ck Stoff zu &#252;berlassen und so weiter. So antworten auch die Motorradfahrer, die sich in der Kurve darauf verlassen, dass die Fahrbahn frei von Dreck, Laub und &#214;l ist. Jedes Jahr verungl&#252;cken in Deutschland fast 1.000 Motorradfahrer t&#246;dlich, in Relation nicht weniger als beim Gleitschirmfliegen, wo inzwischen jedes Jahr etwa 10 Personen einen Absturz mit dem Leben bezahlen, mit weiter sinkender Tendenz.&lt;br class='autobr' /&gt;
Der Traum vom Fliegen? Hundert Jahre nach den Br&#252;dern Wright kann ihn fast jeder Wirklichkeit werden lassen. Doch gilt noch immer das Motto: Bleib am Boden! War also der Traum vom Fliegen je einer?&lt;br class='autobr' /&gt;
Ergriffen davon waren diejenigen, die das Wagnis eines Flugversuchs eingingen. Schon Ikarus, als er pl&#246;tzlich &#034;beginnt, sich des k&#252;hnes Fluges zu freuen&#034;, verlor sich entgegen der Warnung des Vaters &#034;im Drang, sich zum Himmel zu heben&#034;.&lt;br class='autobr' /&gt;
Und auch die ersten Berichte derjenigen Menschen, die tats&#228;chlich flogen, k&#252;nden von himmlischen Gef&#252;hlen, wobei es durchaus ein eigenes Thema ist, was man &#252;berhaupt unter 'Fliegen' zu verstehen habe.&lt;br class='autobr' /&gt;
[...]&lt;/p&gt;
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